Luftschlösser einreißen? - Von Dachstühlen und Schwellbalken

29.05.2021 Johanna

Luftschlösser einreißen? - Von Dachstühlen und Schwellalken

Guten Tag, ihr Lieben!
Der Titel lässt es erahnen – Wir, also mein Liebster und ich, stehen gerade vor der Entscheidung ein altes Fachwerkhaus zu erwerben und bewohnbar zu machen oder es lieber zu lassen. Das Vorhaben bietet noch jede Menge unbeantworteter Fragen und ich hoffe mit diesem Beitrag neue Blickwinkel, Bedenken oder Themenfelder zu erfassen, die uns die Entscheidung einfacher machen. Unsere Entscheidung hängt gerade stark davon ab, welchen finanziellen und zeitlichen Aufwand die Sanierung/ Restaurierung des Hauses mit sich bringen wird. Was erhoffe ich mir also hier? Anhand der (noch) dünnen Faktenlage möchte ich einen groben Plan erarbeiten auf dem die notwendigsten Maßnahmen in chronologischer Reihenfolge aufgelistet sind. All das ist nur der erste, kleine Schritt, um etwaige Maßnahmen überhaupt erst zu erfassen und auf dem Schirm zu haben. Dass ich anschließend Zimmermänner, Maurerinnen und sonstige Fachleute durch das Haus jagen muss, um die ersten Schätzungen zu überprüfen, ist natürlich auch klar. Ich würde mich sehr freuen, wenn hier also der ein oder andere Rat, konstruktive Kritik und Denkanstöße zusammenkämen. Ich danke euch schon im Voraus für jeden Beitrag!

Weil der Umfang einer Sanierung auch immer auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der einstigen Bewohner abgestimmt sein muss, hier ein paar Eckdaten zu uns. Wir wünschen uns in 5 Jahren aus unseren Mietwohnungen in ein Eigenheim zu ziehen. Wir haben keine großen finanziellen Rücklagen, sind familiär aber insoweit abgesichert, dass wir stets eine Wohnstatt finden würden. Wir fangen gerade beide erst richtig an zu arbeiten, sind aber mit beinahe 30 schon gefühlt ein bisschen alt, um erst jetzt über Eigenheime und die damit verbundene Zukunft nachzudenken. So fühle ich mich jedenfalls. Torschlusspanik ist da vielleicht ein berechtigter Begriff, allerdings denken wir auch an den etwaigen Mehrbedarf an Platz, wenn mal Kinder ins Spiel kommen sollten. Aus verschiedenen Gründen muss ein großer Garten her. Dazu kommt, dass ich als Lehrerin sehr unflexibel bin, was meinen Arbeitsplatz angeht. Wenn keine absolut unwahrscheinliche Vollkathastrophe geschieht, dann werde ich mein Leben lang an meiner Schule bleiben zu der ich momentan noch fast 3 Stunden täglich pendeln muss.
Was wir gerade auf der Kante haben sind lotterige 100.000 Euro – nicht viel, um von Häusern mit großen Grundstücken zu träumen. Was wir aber bieten können sind Eigenleistungen in einem nicht unerheblichem Umfang. Ich bin ursprünglich studierte und gelernte Bildhauerin und habe vor mir einiges von Fachleuten beibringen zu lassen und jede freie Minute ins Haus zu stecken. Ich habe das Glück, dass meine Brüder und mein lieber Vater allesamt tüchtige Ingenieure sind, die mir mit Rat, Tat und Muskelkraft beistehen könnten. Häuser saniert und gebaut haben die alle schon. Mein Versuch, mir die Idee vom Kauf eines Fachwerkhauses von meinem doch sehr vernünftigen Vater ausreden zu lassen, hat bisher nicht funktioniert. Er meinte nur, dass uns ein Fachwerkhaus noch in unserem Familienexposee fehle... Mein Liebster ist als Raketenwissenschaftler eher nicht so versiert für den Bau – aber er kocht leckeres Essen und sorgt für emotionalen Support außerhalb der Baustelle. Der Wunschtraum den wir haben ist, dass wir mit den 100.000 Euro die Kaufkosten und die Sanierungsmaßnahmen abdecken können, die absolut notwendig sind, damit der Erhalt des Hauses erst mal gesichert ist. Danach würde ich monatlich ein „Taschengeld“ von etwa 1000 Euro ins Haus stecken können, während wir gleichzeitig für größere Investitionen sparen.

Nun aber zum eigentlichen Thema: Das wunderschöne, hübsch gelegene Fachwerkhaus im Umland meines Arbeitsplatzes. Geschätztes Baujahr um 1600-irgendwas, denkmalgeschützt, seit 25 Jahren unbewohnt. Wir würden es zum Grundstückspreis nehmen, der etwa bei 60.000 liegt. Das Interesse von anderer Seite ist erschreckend gering. Mit etwa 1500 Quadratmetern ist das Grundstück gerade groß genug für unsere Bedürfnisse. Der Herr Denkmalpfleger ist mit mir sehr auf einer Wellenlänge und würde einige Kompromisse eingehen, sofern wir das Haus retten.
Die riesen Knackpunkte sind auf meinen ersten laienhaften Blick typischerweise die Schwellbalken und das Dach. Gerade der Dachstuhl ist besonders schützenswert, da er während des 30-Jährigen Krieges notgedrungen aus Birkenholz gefertigt wurde. Das ist auch der eigentliche Grund für den Denkmalschutz. Das Dach hat eine Hand voll fieser Lecks, die sich aber mindestens provisorisch abdichten lassen. Einige kaputte Regenrinnen siffen vermutlich seit Jahren die Wände voll und sorgen in Erdgeschoss und Obergeschoss für drei-vier feuchte Stellen in Wänden und Gebälk samt Schimmelbildung.
Der Zweite Punkt, der meinem Herrn Vater Bauschschmerzen bereitet, ist der Zustand der Schwellbalken. Nagut, was heißt Schwellbalken… An einigen Stellen lassen sich diese hohlen, ausgenudelten Dinger wie Butter verstreichen. Das Haus hat man außen mit Zement-Asphalt-Bitumen-Pampe umgossen, die Schwellbalken zu mindestens einem Drittel gleich mit versenkt. Die Drainage, die das Haus umgibt, ist derartig zugewachsen, dass wir sie erst bei der dritten Besichtigung entdeckt haben. Auch von dort wird das Haus also derzeit noch von Wasser vom nahen Hügel umplätschert. Das Gesamte Haus ist zur einen Giebelseite hin bedenklich abgesackt. Ob dies am Boden oder an den schwindenden Schwellbalken liegt, können wir zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Ein bisschen Bodenfeuchte und schimmlige Tapete im Erdgeschoss kommt dazu. Meist an Stellen, in denen irgendein Estrich vermutlich ohne ein wirklich vollumfänglich durchdachtes Konzept vergossen wurde.
Dazu gibt es wundervolle, nicht ganz originale, aber uralte Türen, ebenso Fenster, wunderschöne Steinfliesen im Erdgeschoss. Mein Eindruck ist, dass sehr wenig kaputtsaniert wurde und das Haus nicht mit Sondermüll zugestopft wurde, den ich vor der eigentlichen Sanierung entfernen müsste. Es zeigt relativ ersichtlich, was im Argen liegt und das erachte ich als absoluten Pluspunkt.

Jetzt komme ich nach dem ganzen ausufernden Geschreibe mal zu den konkreten Fragen, die mich umtreiben.
Was haltet ihr von dem Dachstuhl? Die Balken liegen etwa 120 bis 150 cm auseinander. Mein Vater hat zugegebener Maßen richtig Muffensausen bekommen. Die Konstruktion folgt keinem für ihn ersichtlichen Konzept. Anbei ist ein Bild, das einen der aus der Reihe tanzenden Balken auf der rechten Seite ganz gut zeigt.
Wir dürften (und möchten eigentlich auch gerne) den Dachstuhl zu einem großen Wohnraum ausbauen. Eine so dünn wie möglich gehaltene Aufsparrendämmung ist dafür im Gespräch. Neu gedeckt soll das Dach auch werden. Das Gebälk soll innen sichtbar bleiben. Dafür muss das Dach aber tragfähig sein und mein lieber Herr Vater hat da seine Zweifel.

Zu den Schwellbalken: Ich möchte (und dürfte) den Boden des Hauses auskoffern, vernünftig und dicht aufbauen und noch einige Zentimeter an Deckenhöhe für meinen doch recht hoch gewachsenen Liebsten rausschlagen. In dem Zuge muss das Haus ja ohnehin Stück für Stück abgestützt werden und ich kann diese Arbeiten verbinden. Die Große Frage ist, ob wir auch gleich den Abgesackten Teil des Hauses wieder hoch stemmen. Der euphorische Herr Nachbar, der gerade bei den letzten Schritten seiner Fachwerksanierung angelangt ist, hat das als sehr realistisch dargestellt. Und was soll ich sagen – ich möchte irgendwie auch daran glauben! In den kommenden Posts ergänze ich noch einige Fotos zu dieser Frage.

Vielen herzlichen Dank schon mal bis hier her - der Text ist doch ein ganz schöner Trümmer geworden und ich hoffe, dass ich euch nicht verschreckt habe.

Viele liebe Grüße
Johanna



Der Dachstuhl...


Der Dachstuhl...

... und ein weiterer Schreckmoment für meinen Herrn Vater.



Highlights


Highlights

Ja, was soll ich noch sagen.



Und ein letztes Bild...


Und ein letztes Bild...

... von dem doch recht deutlich abgesackten Bereich. Man beachte den notdürftig mit Ziegeln "gestopften", nach rechts immer breiter werdenden Spalt zwischen Dach und Fachwerkwand.



Dachstuhl


Dachdämmung Holzfaserplatten

Der Dachstuhl wird wohl kaum ein Dach mit der beim Denkmalschutzt so beliebten Biberschwanz Doppeldeckung aushalten. Ich habe bei mir dann auch festgestellt, dass die alte Zwischenkonstruktion nicht mehr gepasst hat und schon 1954 der Dachstuhl statisch nicht mehr damit verbunden war. Es passte nicht mehr zur genauen Ausrichtung des Daches und damit wurden die neuen Sparren unabhängig dazu gelegt. Bei meinem Ausbau waren dann nur noch 4 Eichensparren mit eine Durchmesser von durchschnittlich 10 cm übrig. Mit der Zwischenauflage hätte die gereicht, aber die Zimmerei hat dann einfach neue Sparren in brauchbarer Dimension danebengelegt. Die konnten und wollten das nicht berechnen.

Die Holzweichfaser Unterdeckplatten brauchen eine ebene Fläche. Ich habe mich mit dem Denkmalamt auf 35mm geeinigt. Alles andere hätte auch die Proportionen des Daches gestört. Im Wohnbereich musste dann unter und zwischen den Sparren ergänzt werden. Für ihren Bau würde das bedeuten mehr oder weniger ein Dach über die alte Konstruktion zu legen um die schönen Balken sichtbar zu lassen. Vielleicht lässt sich das Denkmalamt darauf ein und sie finden eine Zimmerei die das umsetzen kann. Bei mir ist diese Konstruktion in der nicht gedämmten "Bühne", wie die Fläche unter einen Kaltdach hier bezeichnet wird. Die 35 mm Unterdeckplatte ist als alleinige Isolierung völlig unterdimensioniert.

Ansonsten ist das natürlich ein Rohbau und die Kosten für den Ausbau liegen mindestens in dem Bereich einen Neubaus, wenn sie nicht viele Kompromisse eingehen.

Bei unseren rund 200 qm Grundfläche von Haus und Nebengebäuden war das Dach allein mit teilweiser Isolation und einigen wenigen Ausbesserungen an der Konstruktion schon bei fast 100.000.



Das wird nix!



Um es kurz und schmerzlos zu machen: Schon bei Ihrem ersten Punkt, der finanziellen Situation, scheitert Ihr Projekt. Mit Ihrem finaziellen Polster kann man ein Reiehenhaus oder kleines Siedlungshaus aus der zweiten Hälfte des 20.Jhr. In Schuss bringen. Für ein Fachwerkhaus in diesem Zustand müssen Sie mehr rechnen.

Schon der Tausch der Schwellbalken wird atuell bei dem weiter steigenden Holzpreisen bei einem mittleren 5stelligen Bereich liegen, eben so die Fassade. Erfordert das Dach besondere handwerkliche Leistungen und aufwendige Zimmereiarbeiten, kann allein für diese Instandsetzung die 100 000 Grenze erreicht werden.

Im Schnitt werden für ein solches Fachwerkhaus etwa 3000€/qm Wohnfläche an Sanierungskosten veranschlagt.

Des Weiteren ist ihre berufliche Situation, kein Handwerksberuf bzw. Handwerkserfahrung, viele Korrekturen,Unterrichtsvorbereitung, Fachkonferenzen, das Pendeln ... denkbar schlechte Voraussetzungen für ein solch umfängliches Projekt.



Eine Notwendigkeit



wäre sicher auch, den Kaufpreis enorm zu drücken! 60.000,-€ für 1500qm erscheint mir persönlich enorm viel. Wenn sich tatsächlich niemand sonst für das Haus interessiert, sollte der Eigner froh sein, überhaupt einen Interessenten zu finden. Die Hälfte wäre immer noch genug: normalerweise müsste er ja selber reparieren bzw erhalten ODER aber den Abriss mit all seinen Kosten gegenrechnen. Auch dabei kämen einige 10,000 € zusammen. Kurz: 60K finde ich zuviel - natürlich kommt es dabei auch auf die Region an.

Der andere Punkt sind die Kosten: allein ein Dach in der Größe verschlingt schnell 30-50K €, wenn zur Neueindeckung noch zusätzlich Balken getauscht werden müssen.

Ich finde die totale Absdage an solche Projekte immer etwas schade aber der Vorredner hat natürlich Recht, mit dem finanziellen Rahmen von 100K€ ist das schwierig. Die einzige Lösung in meinen Augen wäre:

Altdachdeckung belassen,- lediglich ausbessern. Dach NICHT ausbauen, sondern als Kaltdach lassen, dann: sich in Holzbearbeitung einarbeiten und einfach Dinge selber machen. Ich weiß, da geht hier manchmal ein Aufschrei durchs Forum, aber ursprünglich wurden diese Häuser auf dem Land oft von den Bewohnern selber erbaut und auch repariert. Einen Ständer auszutauschen, einen Riegel, einen Teil einer Schwelle ist kein Hexenwerk.
Man muss sich einlesen, es gibt gute Fachbücher. Damit dann einfach beschäftigen und üben, üben, üben.
Buchtipps:

- "Das sächsische Bauernhaus in Siebenbürgen: Was wie machen an alten Häusern? von Jan Hülsemann"
- "Altbau-Sanierung: Gebäude richtig und nachhaltig revitalisieren" von Johann Rathmanner, Alexander Schmiderer

Ich habe als "Laie" bereits 2x FW-Häuser für unter 10K€ erworben und komplett selbst saniert. Es geht durchaus, auch wenn Ihnen sinnvollerweise hier im Forum davon abgeraten wird. Es bedeutet auch jahrzehntelanges Leben auf der Baustelle,- sowas muss man mögen.

GANZ wichtig: Einen Holzexperten das Haus auf Hausschwamm usw untersuchen lassen!! Das betrifft besonders den Dachstuhl: kann dieser erhalten werden ist das bereits Gold wert.



Eine Notwendigkeit



wäre sicher auch, den Kaufpreis enorm zu drücken! 60.000,-€ für 1500qm erscheint mir persönlich enorm viel. Wenn sich tatsächlich niemand sonst für das Haus interessiert, sollte der Eigner froh sein, überhaupt einen Interessenten zu finden. Die Hälfte wäre immer noch genug: normalerweise müsste er ja selber reparieren bzw erhalten ODER aber den Abriss mit all seinen Kosten gegenrechnen. Auch dabei kämen einige 10,000 € zusammen. Kurz: 60K finde ich zuviel - natürlich kommt es dabei auch auf die Region an.

Der andere Punkt sind die Kosten: allein ein Dach in der Größe verschlingt schnell 30-50K €, wenn zur Neueindeckung noch zusätzlich Balken getauscht werden müssen.

Ich finde die totale Absdage an solche Projekte immer etwas schade aber der Vorredner hat natürlich Recht, mit dem finanziellen Rahmen von 100K€ ist das schwierig. Die einzige Lösung in meinen Augen wäre:

Altdachdeckung belassen,- lediglich ausbessern. Dach NICHT ausbauen, sondern als Kaltdach lassen, dann: sich in Holzbearbeitung einarbeiten und einfach Dinge selber machen. Ich weiß, da geht hier manchmal ein Aufschrei durchs Forum, aber ursprünglich wurden diese Häuser auf dem Land oft von den Bewohnern selber erbaut und auch repariert. Einen Ständer auszutauschen, einen Riegel, einen Teil einer Schwelle ist kein Hexenwerk.
Man muss sich einlesen, es gibt gute Fachbücher. Damit dann einfach beschäftigen und üben, üben, üben.
Buchtipps:

- "Das sächsische Bauernhaus in Siebenbürgen: Was wie machen an alten Häusern? von Jan Hülsemann"
- "Altbau-Sanierung: Gebäude richtig und nachhaltig revitalisieren" von Johann Rathmanner, Alexander Schmiderer

Ich habe als "Laie" bereits 2x FW-Häuser für unter 10K€ erworben und komplett selbst saniert. Es geht durchaus, auch wenn Ihnen sinnvollerweise hier im Forum davon abgeraten wird. Es bedeutet auch jahrzehntelanges Leben auf der Baustelle,- sowas muss man mögen.

GANZ wichtig: Einen Holzexperten das Haus auf Hausschwamm usw untersuchen lassen!! Das betrifft besonders den Dachstuhl: kann dieser erhalten werden ist das bereits Gold wert.



Weiterhin hin und her gerissen


Weiterhin hin und her gerissen

Herzlichen Dank für eure schnellen Antworten!

Lieber Holger, ich hab mich glaube ich doof ausgedrückt in meiner Textwand. Die 100.000 Euro sind nur für die notwendige Instandsetzung gedacht, damit das Haus in den nächsten 5 Jahren nicht zusammen fällt und trocken bleibt. Die Idee dahinter ist, dass wenn wir Dach und Boden wieder dicht bekommen, ganz entspannt Jahr für Jahr dran weiter arbeiten können. Lassen Sie es am Anfang einen bewohnbaren Raum sein, in dem ich schlafen und Papierkram erledigen kann. Klar, meine Arbeit ist jetzt nicht mehr sonderlich handwerklich, aber es ist eben Arbeit. Jeder Mensch macht das ja mehr oder weniger und auch andere Nicht-Handwerker sanieren ihre Häuser. Mein Liebster darf dann noch in einer unserer Wohnungen leben, eine kündigen wir und stecken das Ersparnis monatlich ins Haus. Küchenhexe rein, ein Kompostklo im Garten und eine Wanne für die Hygiene. Das ist mehr Komfort also ich hatte, als ich meine erste Wohnung alleine saniert habe. Damals habe ich mir die Wanne abends nach dem renovieren mit dem Wasserkocher und kaltem Wasser eingelassen. Klingt völlig irre, ist für ein paar Monate aber völlig in Ordnung, bis ein Badezimmer fertig ist. Das Pendeln fällt in diesem Fall dann schon weg, so dass mein Tag plötzlich schon zwei Stunden mehr hat. Handwerkliche Erfahrung habe ich auch ein bisschen. Als Bildhauerin arbeite ich viel mit Holz, Beton und Stahl. Meine Diplom-und Meisterschüler-Prüfungen hatte Holzkonstruktionen zum Thema. Natürlich sind meine Fähigkeiten niemals auch nur vergleichbar mit der eines Zimmermanns. Das würde ich nie und nimmer behaupten. Aber mir liegt es mich mit Materialien vertraut zu machen, mich einzuarbeiten und mit entsprechender Hilfe doch so einiges zu realisieren. Ich glaube zum Beispiel, dass ich einer richtigen Zimmerfrau gut zuarbeiten und dabei einiges lernen könnte. Natürlich vorausgesetzt, die Leute lassen sich auf so etwas ein. Das ist die andere Geschichte. Ich danke dir aber für deine kritischen Anmerkungen und auch für deine Kosteneinschätzung. Den explodierenden Holzpreis hatte ich gar nicht bedacht… Ohweia. An dieser Stelle müsste ich wohl wirklich von Dorf zu Dorf fahren und von Abrisshäusern Material einkaufen. Dafür brauche ich dann aber schon einen echt guten Blick für Holz, den ich mir noch aneignen müsste. Es ist doch alles schwierig, ich gebe dir Recht.

Lieber Herbert, danke für deinen Bericht und deine Anregungen. Du hast tatsächlich richtig getippt. Unser Herr Denkmalschützer hat schon mehrmals die Biberschwanzdeckung angesprochen und mir auch schon gebrauchte Schindeln versprochen. Der hält schon die Augen auf, wo ich mir von welchem Abrisshaus Material stibitzen dürfte. Er hat natürlich keinen so kritischen Blick auf die Sparren riskiert und ist (noch) der festen Überzeugung, das Dach würde ohne die Belastung einer Dämmung noch ewig so weiter stehen. Vorausgesetzt, dass ich die Schindeln mit Silikon flicke und ein paar austausche. Der ist natürlich genauso ein Träumer wie ich…
Rein von der Idee und abgesehen von unseren finanziellen Möglichkeiten ist das Dach über dem ursprünglichen Dach natürlich genial. Diese Balken dürften dann auch gerne in einer Zwischensparrendämmung verschwinden. Die alten würde man ja noch wundervoll sehen können und ich wäre glücklich. Was der Denkmalschutz davon hält bleibt abzuwarten, aber grundsätzlich ist der gute Mann für sehr vieles offen.

Lieber Gerd, deine Ansichten machen mir ja schon wieder Hoffnung!
Ich meine sogar, dass das Grundstück eigentlich nur auf 56.000 geschätzt wurde. Bevor das Haus vor 25 Jahren unter Denkmalschutz gestellt wurde, haben die Besitzer es schon versucht zu verkaufen. Damals hieß es Grundstückspreis abzüglich 30.000 Abrisskosten. Ob jetzt Euro oder Deutsche Mark weiß ich nicht. Der damalige Makler hat dann aber vorm geplanten Abriss die Denkmaschutzbehörde darauf aufmerksam gemacht und dann war es das mit Abriss (zum Glück!). Seit dem steht es leer, tropft von allen Seiten voll und es tut einem in der Seele weh.
Ich muss zugeben, dass der Ausbau vom Dachboden DAS Argument für meinen Liebsten ist das Haus zu kaufen. Ich bin aber auch in den ganzen Rest verliebt. Ich fand den Gedanken so schön pragmatisch, alles nötige auch richtig anzupacken und in einem Rutsch zu erledigen. Also das Dach gleich richtig samt Dämmung neu machen, dazu die Schwellbalken tauschen und gleich das Erdgeschoss auskoffern. Aber vielleicht muss wirklich eine Zwischenlösung her. Wir könnten das Haus kaufen, das Dach provisorisch aber sicher abdichten und uns erst mal auf die Schwellbalken und die Trockenlegung von unten konzentrieren, während wir fürs Dach sparen. Oder wir drücken den Preis wirklich immens, geben 50.000 für das Dach, 50.000 für die Schwellbalken aus und leihen uns noch was von anderer Seite. Das wollten wir vermeiden, aber es ist machbar. Vielleicht ergibt es ja auch Sinn einen dieser Denkmal-Kredite aufzunehmen. Damit habe ich mich, offen gestanden, auch noch gar nicht beschäftigt.

Ich bin weiterhin offen für eure Ideen. Bisher ist ja schon ordentlich Input für mein Luftschloss zusammen gekommen. :)

Liebe Grüße und anbei noch ein Foto von einem der ansehnlicheren Balkenkonstruktionen im Dachstuhl.



Ich würde



es wie der Gerd machen: Preis deutlich unter dem geforderten anbieten (zB: 30.000) und abwarten, was der Verkäufer sagt. Momentan glauben Alle sonstwas für Mondpreise verlangen zu können. Das der Abriss mit Kosten normalerweise gegengerechnet werden muss bei so einem baufälligen Haus, vergessen Viele.

Wichtig: Nicht zu offen zeigen, das man das Haus unbedingt haben will!!! Und nicht zeitlich unter Druck setzen lassen. Angebot machen. Warten. Wenn er Gegenangebot macht: NICHT gleich reagieren, zappeln lassen und ALTES Angebot wiederholen und von ersten Kostenvoranschlägen für zB Dach usw berichten. Das wären ja eigentlich alles SEINE Kosten! ER ist aktuell verpflichtet, es zu erhalten.

Wenn am Ende ein Kompromiss heraus kommt, gut. Aber die 60K sind echt FETT.

Mit 100K für die Sanierung kann man durchaus was anfangen. MACHT SOVIEL WIE MÖGLICH SELBST.
Nicht zu unterschätzen sind Materialkosten, die aktuell ebenfalls explodieren. Auch das kann man dem Verkäufer mal verdeutlichen....alles Kosten, die ER tragen müsste.



Re: Luftschlößer einreißen?



Hallo Johanna,

ich kann deinen Enthusiasmus sehr gut verstehen. Vor vielen Jahren war ich in der gleichen Situation, als ich meine Hütte zum ersten Mal sah und sofort wusste: DAS isses.
Und ich muss sagen, in deinem Fall, alleine die 1500 m² Grund drumherum sind schon ein schlagendes Argument.
AAAber,....
wie alle "Vorredner" schon sagten/schrieben, die liebe Kohle.....
Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber ich denke, selbst bei gaaanz viel Eigenleistung werden 200 t€ für eine Sanierung nicht reichen, wenn du a) das Haus wieder fachgerecht aufbauen, b) dabei auch zukunftsorientierte Haustechnik (ich denke da vor allem an die Dämmung und Heizung) einbauen willst und c) dabei auch noch den Denkmalschutz berücksichtigen musst.
Das Problem ist einfach, Firmen die so was können, gibt es nicht allzu viele.
Und die müssen, oder sollten zumindest, Hand in Hand arbeiten können.
Was meiner Erfahrung nach voraussetzt, dass die sich entweder untereinander sowieso kennen, oder zumindest "offen für Neues" sind, damit es halbwegs geordnet abläuft und bezahlbar wird. Ich sags mal lästernderweise so: Nullachtfuffzehn-Firmen die billig und schnell sind, kann man für so was nicht gebrauchen. Sonst wirst DU vor Ende der Baustelle die Nerven verlieren.

Zum Thema Vieles selbst machen: Ja, kann man. Man kann sich auch Vieles bis Alles aneignen.
Aber ich denke, so ein Projekt ist das falsche Objekt zum Lernen und Üben. Weil viel zu groß und viel zu kompliziert. Da greift fast immer eines ins andere.
Dazu kommt, dass man dann auch das nötige Equipment dazu braucht.
Alles nach alter Väter Sitte von Hand, ohne entsprechende Maschinen zu machen, dauert zu lange, wenn du es alleine (od. zu zweit/dritt) machen willst (und schon kannst).
Wenn du die benötigten Maschinen nicht hast, bzw. erst noch kaufen musst, musst du die diese Kosten auch ins Budget einrechnen.

Wie gesagt, ich will dir auf keinen Fall den Mut nehmen. Im Gegenteil, ich würde den Hut ziehen, wenn du das Ding angingst! Ich möchte dir auch nur ein paar Denkanstöße geben.

Wenn wir hier über Kosten und Preise reden, wäre es schon wichtig zu wissen, von welcher Region/Gegend wir überhaupt reden. Z. B. bei uns hier im Rhein-Main-Gebiet käme ein Grundstück zu dem Preis überhaupt nicht auf den Markt. Das wäre sofort unter der Hand weg
und vom Kaufpreis potentiell abziehbare Abbruchkosten gibts hier schon lange nicht mehr....bei Preisen, die zwischen dem 10- bis 25-fachen gegenüber "deinem" liegen....
Deshalb die Frage noch: Wo steht denn das Haus?

Gruß,
KH



Guten Abend,



Ich bin ebenfalls, weiblich, eigentlich gelernte Schneiderin und bin inzwischen, zusammen mit meinen Mann bei Hausnummer 3
.Wobei wir aktuell bei unserem 1.Fachwerk sind..
Mir hat den Umbau erst auch niemand zugetraut..
Mich haben hier Leute im Dorf angesprochen, die mir gestanden haben das sie bei mir dachten: Ach was versucht die denn da an der Fassade, das wird doch eh nix..
Und jetzt sind sie so begeistert, das sie im Schritttempo an unseren Haus vorbei fahren, weil es so schön geworden ist....
Wenn ich mir "dein" Haus anschaue würde ich es auch haben wollen, ganz klar...
Und es ist schon eine Hausnummer, da viel gemacht werden muss...
Wenn ihr den Preis drücken wollt, würde ich erstmal Kostenvoranschläge für das Dach und die Schwellbalken besorgen und das dem VK zeigen, mit aufgezählten Kosten die noch entstehen, kann man am besten Argumentieren...
Das wären auch die Punkte die mir am meisten Bauchschmerzen machen würden..
Um es kurz zu machen, ein Vorschlag von mir, wie ich es umsetzen würde:
Ich würde es am " einfachsten" finden, das Dach und die Schwellbalken+ Drainage von Firmen machen zu lassen.. Weil das als Laien zu machen ist nicht einfach..
Das würde ich dann am besten über einen Kredit laufen lassen, um das Haus schnell trocken zu bekommen und weitere Schäden zu vermeiden..
Und ihr habt da ja auch steuerliche Vorteile, da tut ein Kredit nicht ganz so weh ...
Dann habt ihr auch noch eine gute Summe um euch um den Innenausbau zu kümmern....
Ich sehe da auch den Punkt, das evtl Kinder geplant sind.. Kinder in einem halbfertigen Haus sind problematisch.. In Bezug auf diesen Punkt sollte die Sanierung nicht Jahrzehnte dauern.

Den Tip iBücher zu kaufen, kann ich auch weitergeben...
Am Anfang habe ich meinen Mann nicht verstanden, warum er ein ausgesuchte Haus nicht wollte, weil dieses in Styropor verpackt war..
Dann habe ich mich im Netz eingelesen und war echt verwirrt... Aber wusste das Styropor da nichts zu suchen hat...
Mit Büchern bin ich dann viel besser zurecht gekommen.. Da es viel übersichtlicher ist...
Also, wenn man es richtig anfasst, wird es sicher machbar sein :-)



Kredit ist das Zauberwort



Moin,
ihr solltet als erstes Mal mit einer Bank sprechen. Du schreibst, dass du 1000 EUR im Monat investieren möchtest. Ja, dann gib jetzt mit einem Kredit Vollgas. Damit kannst du ein ordentliches Sümmchen tilgen.
Mache Leute stellen sich auch einen schönen Wohncontainer aufs Grundstück neben die Dauerbaustelle.
Verlass dich dich bitte nicht zu sehr auf Freunde und Familie. Nach 1 oder 2 Jahren ist da die Luft raus, und so ein Projekt dauert auch manchmal 10 Jahre.



Ist ja eigentlich nicht so schwer zu entscheiden



Hi Johanna,

Wenn ihr Euch das Haus unter dem Gesichtspunkt zulegt, nicht (sofort) dauerhaft darin wohnen zu müssen, ist das doch alles möglich (quasi als Sommerhaus).

Nur der Anspruch an die Sache zu einem Zeitpunkt x die Wohnung aufzugeben und dort einzuziehen macht es kompliziert.

Also kauft das Haus mit Grundstück für wenig Geld. Versucht die Undichtigkeiten los zu werden. Seht zu, dass ihr Wasser, Strom, Abwasser und Dachentwässerung hin bekommt. Fragt den Schornsteinfeger, welcher Kamin noch benutzt werden kann.
Dann könnt ihr zumindest in der warmen Jahreszeit oder auch manchen Wintertag dort eine Art Indoor Camping machen. Wenn es dann zu unbequem wird, schläft man wieder daheim.

Dabei kann man dann selbst entscheiden, wie gut man vorwärts kommt und ab wann es sich eventuell lohnt, ganz auf die Wohnung zu verzichten. Dann müssen mal Fenster, Heizung und Isolation teilweise oder ganz gemacht werden.

Der Anspruch, das Haus ganzjährig zu bewohnen und nach modernen Standards auszustatten - das wird teuer - aber muss man diesen Anspruch vertreten?

Das Risiko, welches Ihr eingeht ist nicht groß! Wenn ihr das Haus und die o.g. Dinge ohne Kredit bezahlen könnt, passiert ja erst einmal nichts - das Haus hat schon hunderte Jahre hinter sich und diese erfolgreich überstanden.

lg
Karl



Empfehlenswerte Zimmerleute



Weiterhin vielen Dank für die vielen Anregungen, Geschichten und Solidaritätsbekundungen! Ich freue mich gerade wirklich sehr, dass hier ein so konstruktiver und ehrlicher Diskussionston herrscht. Die Literaturvorschläge werde ich mir auch alle zu Herzen nehmen. Denn sollte es dieses Haus nicht werden, wird es sicher ein anderes.

Ich finde es auch zum Haareraufen. Hätte man die Regenrinnen mal kurz gerade gerückt und von den Hauswänden weggeleitet, die Drainage regelmäßig von Bewuchs frei gehalten und Eimer unter die lecken Stellen im Dach gestellt, wäre das Haus vermutlich noch deutlich besser in Schuss. Schon heftig, wie solche Fleißarbeiten die quasi keinen finanziellen Aufwand verlangen, einen so großen Schaden anrichten können.

Zu den Eckdaten zum Standort: Es handelt sich um ein Dorf im Umkreis von Salzgitter in Niedersachsen. Ich fürchte, dass die umliegende Stahl- und Autoindustrie die Preise in der Gegend etwas hoch drückt. Dazu kommt die Stadtflucht. 20 Kilometer weiter möchte man dann für ein kleineres Grundstück samt denkmalgeschütztem Fachwerkhaus in ähnlicher Größe schon 200.000 Euro haben. Weiter Richtung Braunschweig wird es dann völlig irre.

Ich denke letztlich auch, dass die Entscheidungsfindung von der Frage abhängt, ob unser Startbudget für das nötigste reicht oder nicht. Es wird kein Weg dran vorbei führen jetzt schon eine fachkundige Person durch das Haus zu jagen und eine Einschätzung vom Dach abgeben zu lassen. Es ist genau wie ihr schreibt, da müssen Zahlen her um auch den Kaufpreis drücken zu können.
Vom Gefühl her würde ich gerne erst dann einen Kredit in Betracht ziehen, wenn die nötigsten Posten von unserem Budget getragen werden können. Denn es stimmt schon: Wenn das Haus trocken und geflickt ist, dann habe ich vermutlich nochmal 100 Jahre Zeit für den Innenausbau.

Habt ihr vielleicht Empfehlungen für mich, was Zimmerleute und Dachexperten in Niedersachsen angeht?

Vielen herzlichen Dank weiterhin und liebe Grüße
Johanna



Dach



Was das Dach angeht muss man unterscheiden zwischen den Schäden, die man beseitigen kann durch intakte Ziegel, ohne dass die Statik sich ändert; zwischen Mängeln und Veränderungen an der tragenden Konstruktion und man auch dort Abhilfe schaffen muss und drittens eventuellen Ausbauten, Dämmungen etc.

Für das Erste sollte es langen, defekte Ziegel zu wechseln, von hinten die Pfannen eventuell einmörteln und ggf. die Balken zu ertüchtigen.
Man kann an so einem alten Dach auch mit seitlich angebrachten (kaum sichtbaren) Stahlstreben schwach gewordene Sparren ertüchtigen - dafür muss nicht das ganze Dach runter.
Ferner kann man das Dach als Kaltdach ausführen und den Boden einfach mit Dämmung auslegen. Das kostet nicht viel, ist schnell gemacht und ist effektiv.
Will man später wirklich den Boden ausbauen, kann man die Dämmung wieder verwenden.

Allerdings: mehr Spaß macht das Ganze aber, wenn dein Partner nicht nur kocht, sondern mitmacht! Solche Arbeiten verbinden ungemein und schon manche Partnerschaft hat sich beim Bauen gebildet oder wurde gelöst.

lg Karl



Ideen und Arbeitsteilung



Danke Karl, für diese ausgezeichnete Idee mit der improvisierten Bodendämmung!
Was die Arbeitsteilung angeht... Ja, manchmal denke ich, dass mein Liebster und ich unschlagbar viel schaffen würden, wäre er auch nur annähernd handwerklich versiert. Allein, weil er ziemlich groß ist und ich mit meinen popeligen 170cm Körpergröße schneller an meine Grenzen stoße. Das ist manchmal leider so. Auf der anderen Seite bin ich stur und habe viel Durchhaltevermögen. Er ist aber eher so der Typ von Mensch, der einen Raum betritt, indem saniert wird und in 30 Sekunden im vorbeigehen die Türschwelle demontiert, die man gerade freigelegt hat. Auf der anderen Seite bin ich eine arbeitswütige und pedantische Person, der es schwer fällt das Werkzeug aus der Hand zu legen, Pausen zu machen und an Grundbedürfnisse während der Arbeitszeit zu denken. Darum ergänzen wir uns sehr gut. Wenn ich mal 16 Stunden von Baustelle zu Baustelle springe, weil ich jedes Mal sage "Ach, den Arbeitsschritt mache ich noch zu Ende" und danach mit dem nächsten anfange, kann ich sicher sein, dass er mich mit genug Wasser und Kalorien versorgt. Es ist eine Arbeitsteilung, die nicht optimal ist. Aber irgendwas ist ja immer.

Liebe Grüße!



Dach, die Zweite



"Gerade der Dachstuhl ist besonders schützenswert, da er während des 30-Jährigen Krieges notgedrungen aus Birkenholz gefertigt wurde. Das ist auch der eigentliche Grund für den Denkmalschutz."

Wenn dem so ist, wäre zuerst mit dem Denkmalamt zu klären, ob und was an dem Dachstuhl "nachgerüstet" werden kann/darf.

Wenn ich es auf den Fotos richtig erkannt habe, ist auf dem Dach eine Mönch-Nonne-Deckung, bei der die Ziegel von unten/innen vermörtelt sind. Da einzelne Ziegel auszutauschen ist "Gefühlssache". Meistens sind diese Ziegel relativ weich gebrannt. Wenn der Mörtel dann härter als die Ziegel ist, wird das Wegmeißeln des Mörtels zur Geduldsarbeit mit leichtem Hämmerchen und kleinem Meißelchen, sonst brauchts als mehr neue Ziegel...

Falls es zum Kauf und einer Restauration des Hauses kommt, wäre es vielleicht eine Option über den vorhandenen Dachstuhl einen komplett neuen quasi drüber zu bauen, um das Original-Gebälk zu erhalten und trotz zeitgemäßer Dämmung sichtbar zu lassen.



Ich sitze wie auf heißen Kohlen...



Guten Abend!

Du liegst ganz richtig mit deiner Einschätzung zu den vermörtelten Dachpfannen. Da müsste ich dann mit Geduld und einem ruhigen Händchen ran, wenn ich das Dach provisorisch Abdichten möchte.
Was die Möglichkeiten der Dachsanierung angeht, zeigt sich der Herr Denkmalschützer sehr pragmatisch.
Ich habe erst gestern wieder fast eine Stunde mit meinem ihm telefoniert. Er hat gestern auch bei der Frau Maklerin angerufen und sich erkundigt, wie es mit der Konkurrenz aussieht. Natürlich bleibt er völlig neutral, sollten andere Personen Interesse am Haus zeigen. Er sagt aber auch ganz offen, dass er sich jemanden mit Leidenschaft für für dieses Haus wünscht und bei mir ein gutes Gefühl hat. In erster Linie will er das Haus retten und wenn das bedeutet, dass er Kompromisse eingehen muss, dann wird er das letztlich tun. Ich bin auch ehrlich zu ihm gewesen und habe ihm unsere finanziellen Möglichkeiten offen gelegt. Er weiß also, dass Zeit und Liebe vorhanden sind, Geld aber knapp ist.
Ich habe ihm die Zweifel meines Vaters an der Tragkraft des Dachstuhls geschildert (die ihr hier ja auch bestätigt habt) und darauf hat er ganz ähnliche Lösungen in Betracht gezogen wie ihr hier im Forum. Das stimmt mich wiederum optimistisch. Den Dachstuhl abzubauen, ein neuen drauf zu setzen und das alte Gebälk als sich selbst tragende Konstruktion als "Deko" innen wieder aufzustellen ginge sogar auch. Dann müsste zwar auch ein komplett neuer Dachstuhl rein, ich denke aber, dass ein "sauber neu drauf setzen" billiger wird als ein aufwendigeres und arbeitsintensives "drum herum bauen". Aber diese Form von Details wird ein Baugutachter klären können. Der Herr Denkmalschützer hat mir jemanden empfohlen, dessen Dienste ich nun nutzen werde. Von seinem Urteil hängt dann ab, ob wir das Häuschen nehmen. Ich werde euch hier auf jeden Fall auf dem Laufenden halten!

Liebe Grüße
Johanna



Guten Morgen



Salzgitter ist nicht weit von hier. Wir wohnen im Kreis Goslar...

Dann drücke ich euch die Daumen das alles klappt..
Unser Sanierungsbuget lag auch bei 100.000 Euro, wir haben 280 qm. Allerdings hatten wir nur 1 vergammelten Balken und ein neues Dach. Da das Haus früher das Gemeinde Backhaus war, gehörte es 200 Jahre der Gemeinde und wurde immer gut in Schuss gehalten. Erst seit 1980 ist es in privater Hand..

Die Preise hier in der Gegend sind wirklich Explodiert..
Falls es mit diesem Haus, aus welchen Gründen auch immer, nichts wird, kann ich Dir empfehlen öfters mal auf die Seite vom Landesamt Niedersachsen nachzuschauen.. https://www.nlbl.niedersachsen.de/startseite/liegenschaften/liegenschaftsmanagement-188272.html

Die haben oft tolle Sanierungsobjekte zu guten Preisen im Angebot.. Letztens war ein Fachwerkhaus für 7000 Euro drin. Da waren wir auch am überlegen, wäre unseres schon fertig, hätten wir da mitgeboten..

Noch ein Tip : Wir haben hier viele neue Wände gezogen.. Da im Ug sehr grosse Räume waren. Im Kreis Salzgitter / Braunschweig wird immer viel an Fachwerkbalken auf Ebay Kleinanzeigen angeboten.. Unsere Treppe haben wir dort auch günstig gefunden...



Das gilt es nun zu hinterfragen:



Moin,
Wieso sitzt du auf heißen Kohlen?

Es ist doch nicht wirklich schwer, wenn alles das was du hier dargestellt hast auch wirklich so ist, und du es dir nicht nur schön geredet hast mit viel Empathie.

Habe mir den Dachstuhl nochmals angesehen. So, wie es aussieht, sind die Sparren höchst unregelmäßig angeordnet - offenbar hatte man da oder dort kein passendes Holz.

Wenn du dir entsprechende Stämmchen besorgst, die Rinde entfernst und diese in ähnlicher Weise zwischen die übergroßen Abstände einbaust, wird das Dach wesentlich stabiler und der Denkmalschützer wird zufrieden sein. Denke einfach an einfache und pragmatische Lösungen.

Von innen haben wir nicht viel gesehen, sodaß ich nicht wirklich abschätzen kann was der Grund sein kann, genau dieses Haus zu kaufen.
Bei den meisten Häusern kann man das schon (z.B. das tolle Esszimmer, die Möglichkeit einen gemütlichen Kamin anzuschließen, die Raumaufteilung, die Belichtung der einzelnen Räume etc.). Für mich war es damals viel wichtiger dass das Denkmalamt uns bodentiefe Fenstertüren genehmigt hat, wodurch wird den Außensitzplatz und Garten von mehreren Stellen erschließen können.

Ob das Haus nun 60K oder 50K kosten soll wäre mir dann egal gewesen.

Wenn ihr dieses Haus kauft, könnt ihr 90% der Baukosten von der Steuer absetzen. Fenster sind ja drin - denkmalgerechte könnt ihr deshalb absetzen. Will sagen: entweder hat das Haus etwas, wofür es sich lohnt, 1000 bis 2000 Stunden in den nächsten Jahren zu arbeiten, oder es hat das nicht. Falls ja, und falls der Partner nicht nur widerwillig mitzieht, macht euch da zunächst ein Freizeithaus raus und dann formt es um zum Allgemeingebrauch.

Der Moment, wenn man sich entschließt, die erste Nacht in so einem Haus zu verbringen hat schon was Besonderes.



Dem "Tipp" des Vorredners



lieber nicht folgen:

"Wenn du dir entsprechende Stämmchen besorgst, die Rinde entfernst und diese in ähnlicher Weise zwischen die übergroßen Abstände einbaust, wird das Dach wesentlich stabiler" - bitte NICHT!

NUR völlig durchtrocknetes Holz OHNE Splintholz in einen Dachstuhl einbringen,- sonst wird er nicht stabiler, sondern ist bald futsch!



Dem "Tipp" des Vorredners, die Zweite



....und bietet Futter für holznagende "Mitbewohner"!



worauf kommt es wohl an?



Dass die eingebrachten Hölzer nicht den Holzwürmern anheim fallen sollen ist wohl klar. Es kommt in diesem Teil meines Posts darauf an, dass das vorhandene Dach/Dachkonstruktion im Status quo offenbar gar nicht vollständig ist und man durchaus diese in ähnlicher, wie vorhandener Form ergänzen und stabilisieren kann.

Ich bin auch nicht davon ausgegangen, dass die TS das ganz alleine macht, sondern einen Bauhandwerker/Zimmermann beauftragt der an einigen neuralgischen Punkten das Tragwerk ergänzt und aussteift - ohne dass der Denkmalpfleger graue Haare bekommt und ohne dass das Ganze sechsstellige Beträge kostet.



Die Hummeln im Hintern...


Die Hummeln im Hintern...

... kommen daher, weil ich das alles doch recht aufregend finde. Am Mittwoch schaut der Gutachter vorbei und schätzt die Lage ein. Den werde ich auch auf sämtliche Ideen rund um den Dachstuhl ansrechen. Danach werden wir uns entscheiden. Zwischenzeitlich war noch ein anderer Interessent im Rennen, der das Ding ja vielleicht auch haben möchte. Vorgestern rief der Herr Denkmalschützer an. Der Besitzer hätte um ein dringendes Gespräch mit ihm gebeten und es wäre noch nicht zustande gekommen. Ob ich denn eine Idee hätte, worum es gehen könnte. Dann haben wir nun den Dritten Makler, der das Objekt betreut. Zusätzlich juckt es einem ja doch schon gewaltig in den Fingern und man möchte am liebsten direkt mit der ersten Fuhre Gerätschaften und Werkzeugen ins Haus einallenf und loslegen.
Was will ich von diesem Haus? Ja...Im Innenraum würden wir einige Zimmer sogar ptisch zusammenlegen und einige Gefache raus nehmen. Dürften wir auch. Ich könnte das gesamte Obergeschoss als Arbeitsräumlickeiten nutzen, bis mal irgendwann Kinder geplant sind. Der Zwischenboden könnte ein wundervoller Ausstellungsraum für meine künstlerischen Arbeiten werden. An der Süd-Ost Seite des Hausen dürften wir ein Anlehngewächshaus über die ganze Länge der Giebelwand aufstellen. Der dran anliegende Stall gäbe eine wunderbare Arbeitsküche ab... Ich stelle mir vor, wie ich aus allen möglichen Abrisshäusern die alten Dielen zusammenstückele und am Ende einen schönen Flickenteppich habe. Es ist auch die verwunschene Atmosphäre des Grundstücks zusammen mit dem Haus, die mich so hinreißt. Ich hatte nach dem ersten Besuch aus Jux mal meinen Permakultur-Garten auf dem Grundstück geplant. Als wir das nächste mal dort waren stellte sich heraus, dass an der Stelle, wo ich einen Brunnen bräuchte sogar einer unter dem Gestrüpp ist... Die alten Innentüren, die Heuluken... Ach, wenn ich so ins Schwärmen komme, dann vergesse ich schon wieder den ganzen fürchterlich großen Arbeitsaufwand. Aber das ist ja der springende Punkt dabei. Das Ziel muss die Arbeit aufwiegen und ich glaube, dass es das tut. Dennoch müssen wir gucken ob es mit unserem eng gehaltenen Budget überhaupt möglich ist. Kredit hin oder her.
Ich liefere euch noch ein paar Bilder in den folgenden Posts.

Liebe Grüße!



Türen...


Türen...

... mit neuerem Blatt, aber älteren Beschlägen. Im Wohnbereich sind deutlich besser erhaltene Türen. Aber die habe ich natürlich nicht fotografiert...



Ein Teil des Stalls...


Ein Teil des Stalls...

... an der äußeren Südostwand. Rechts ist eine olle Betonwand zu sehen, die mir einen "Freifahrtsschein" für eine Ausgangstür und das Anlehngewächshaus gibt.



es kumuliert



Also der Denkmalschützer ist stark involviert, der Verkäufer scharrt mit den Hufen, ein möglicher weiterer Interessent tritt auf den Plan und der dritte Makler ist Ansprechpartner.

Nun, was kann das bedeuten?

Dem Verkäufer gefällt das Szenario nicht - er fühlt sich nicht mehr als Herr des Geschehens.

Sprich mit deinem Partner ob er mitgehen kann, diese Investition, die Arbeit die du übernehmen willst samt der nicht gemeinsamen Zeit mit ihm, mitzutragen. Ehrliche Worte müssen her.

Wenn er das Ganze mittragen kann, überlege auch noch, wie du persönlich in dem Fall reagieren wirst, wenn ihr euch trennen würdet - würdest du das Haus behalten (können)?

Diese Fragen gehören ganz klar beantwortet für Dich und für Euch - und zwar innerhalb von drei Tagen.

Wenn das geklärt ist, suche das Gespräch mit dem Makler und dem Verkäufer. Es ist völlig klar, dass die Hütte deutlichsten Reparaturstau hat - das bezieht sich offenbar nicht nur auf das Dach, sondern auch auf die Schwellen, die Feuchtigkeit, die vom Haus nicht weggeleitet wurde, die Fenster, die gesamte Haustechnik.

Dafür braucht man auch keinen zusätzlichen Gutachter. Welche Fragestellung soll er denn beantworten?
Wenn man diesen fragt, was eine Renovierung kosten würde, dann sagt er dir: 2500-3000 Euro pro Quadratmeter, abzüglich 10 bis 15 Prozent Eigenleistung.

So ein Traum, wie du ihn träumst, kann allerdings auch nicht durch Vater, Bruder, Schwager pp. in die Realität umgesetzt werden! Die Verwandten kann man nicht in die Haftung nehmen. Wenn diese freiwillig insgesamt 5-10% der Arbeiten übernehmen, sei dankbar.

Wie gesagt, da musst du dann selbst ran - aber das kann, wenn man genug verdient und man eine zweite Bleibe hat, sehr viel Spaß machen.

Unser Haus sah ähnlich aus - aber erstens ist das unser Zweitwohnsitz und des weiteren haben wir schon jede Menge Erfahrung mit altem Gemäuer.

Also das ist der Status quo und ich denke, der Eigentümer wird mit sich reden lassen - versuche vorsichtig den Preis noch etwas zu drücken - wenn du merkst, es geht nicht weiter, kaufe und schlag zu - aber nur, unter den o.g. persönlichen Bedingungen.