Luftkalkputz Oberflächengestaltung

09.06.2014



Wertes Forum,

ich habe eine Frage im Zusammenhang mit Luftkalkputz und hier insbesondere mit der Oberflächengestaltung.
Momentan ist noch kein Putz hergestellt und ich bin hier noch frei hinsichtlich einer Entscheidung.
Mein Putzgrund sind durchweg Fachwerkwände, die mit Langlochhohlziegel und Luftkalkmörtel ausgemauert sind. Als Putzträger über dem Holz will ich Schilfrohrmatten verwenden (am Gefach befestigt).
Aufgrund der bewährten Putzregel - graduell weicher werdender Aufbau zur Wandoberfläche hin - und den guten Sorptionseigenschaften wollte ich auch ausschließlich Luftkalkputz verwenden. Nun bindet dieser Putz durch Zugang von Kohlendioxid aus der Luft ab und ich habe gelesen, dass dieser Vorgang praktisch nie aufhört bzw. dass wenn der Putz mit einer nicht genügend diffusionsoffenen Schicht versehen wird an Festigkeit verliert und absanden kann. Zur Auslösung des Problems soll schon eine geleimte Tapete als Oberfläche bei frischen Putzen ausreichen. Ich wollte an einigen Wänden schon tapezieren. Mir ist dabei klar, dass die Tapete nicht "dicht" sein sollte, da ja sonst die Sorptionseigenschaften stark eingeschränkt werden. Wenn Rauhfaser zur Anwendung kommt, sollen diffusionsoffene Anstriche verwendet werden.
Kann hier jemand etwas zu diesem Problem sagen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei der Vielzahl an Häusern, welche z.B. in den 1920er Jahren gebaut wurden und mit Luftkalkputz versehen sind bis heute ausschließlich diffusionsoffene Farben und keine Tapeten zur Oberflächengestaltung verwendet werden.

Wenn ich einen Putz mit einem Teil hydraulischen Kalk herstelle, habe ich das Problem ja auch nur zum Teil gelöst, dabei jedoch eine härtere Struktur in der Oberfläche als sie der Untergrund darstellt.


Beste Grüße aus Thüringen

M. Fischer



Schon ein guter Einstieg



Deine grundsätzliche Darlegung stimmt schon so weit, nur siehst Du Diffusion und Aufnahmefähigkeit, manche nennen es Atmungsfähigkeit, zusammen. Die Diffusion ist nur ein kleiner Bruchteil nämlich der gasförmige Transport. Die Situation hat sich aber meist völlig geändert. Früher wurden die Räume mit Kachelöfen beheizt die im Raum standen, Großteil Strahlungswärme, heute durch Heizkörper unter den Fenstern und jeder versucht so wenig wie möglich Heizenergie zu verwenden. Damit sind die Wände oft kühler als der Raum und es schlägt sich an kritischen Stellen Kondenswasser nieder. Die kann zum Ausspühlen von Kalk und damit zum Versanden führen, aber davor hast Du schon eine Pilzzucht an der Wand.
Sicherlich härtet Kalk langsam aus. Er braucht es auch nicht, weil die Gebrauchseigenschaften nach dem Erhärten, nach dem Putzen, und Trocken erreicht werden. Für ein gutes Raumklima, also auch Schwankungen an Luftfeuchtigkeit zu puffern würde ich so wenig wie möglich Tapete nehmen und nur mit Kalkfarbe streichen, die man farblich ja gestalten kann. Zur Offenheit hatte ich ja schon was geschrieben. Viel wichtiger halte ich die Frage, der Beheizung, hier würde ich eine Heizung empfehlen, die wenigstens einne Strahlungsanteil von 50% besitzt und nicht mit Vorlauftemperaturen von weniger als 55°C arbeiten (Ausnahme Wandheizung), damit die Flächen auch erreicht und erwärmt werden können.
Mit freundlichem Gruß
M. Schmidt



Problem Tapete frischer Kalkputz



Wertes Forum,

Michael, erst einmal Danke für Ihre Antwort. Allerdings komme ich mit Ihrer Antwort nur zum Teil klar.
Soweit ich weiß wird Wasserdampf in der Bauphysik als Gas betrachtet und man redet von Wasserdampfdiffusion (Gastransport durch Poren). Antrieb des Stoffstromes ist das jeweilige Partialdruckgefälle. Eine Einlagerung und Abgabe von Wasserdampf wird durch Sorption und Desorption beschrieben. Ebenso gibt es im Zusammenhang der Frage den Transport von Kohlendioxid in einen (und durch einen) festen porösen Stoff (CO2 wird im Putz beim Carbonatisieren gebunden). Meine Frage zielte darauf ab, ob PRAKTISCH der Widerstand für den Stoffstrom des Kohlendioxid durch Tapetenleim und Tapete in den Putz so weit erhöht wird, dass ein eher frischer Kalkputz (z.B. 6 Wochen) nicht ausreichend carbonatisiert.
Eine formale Aussage dazu habe ich gefunden im Buch Fromme, Herz: Lehm- und Kalkputze. Ich kann mir, wie bereits in der Frage geschrieben, nicht vorstellen, dass man Luftkalkputz nicht tapazieren kann und zielte auf Erfahrungswerte von Forenteilnehmern ab.

Ihre im Zusammenhang geschriebenen weiteren Empfehlungen hinsichtlich der Heizung sind sicherlich sinnvoll.

Beste Grüße aus Thüringen



Putzgeschichten



Hallo

Wenn Sie einen "Luftkalkputz" tapezieren wird der Ihnen das übel nehmen … und "verhungern" und irgenwann mal "absanden" … 

Alle Altbauten, deren Inhaber sich den "Verführungen" der Tapetenindustrie hingegeben haben, haben absandende Putze bekommen … das wurde dann mit dem Slogan: "Altes Glump - nimm' einen "tapetentauglichen Putz"!" überzeugt … sich KZ-Putze oder sonstige Modeputzmischungen an die Wände schmieren zu lassen … 

Wenn Sie nun ganz schlau auf einen anderen Putz (hydraulischeren Kalk" umschwenken wollen, ist das nichts anderes als ein KZ Putz . 

JEDER "Luftkalk-Putz" braucht keine zementären Beimischungen … und keine Tapeten … bei Tapetenwänden sparen Sie sich einfach den aufwändigeren Kalkputz und nehmen Billigware "tapetentauglich" …

aber denken Sie daran, dass die Tapetenkleber im Grunde nichts anderes sind, als der geeignetste Nährboden für Keime und Pilze aller Art … 

Sanierer sei wachsam … 

Florian Kurz



Erfahrungsbericht wie gesucht



Werter Herr Kurz,

Danke für Ihren Beitrag. Die Aussagen sind eindeutig formuliert.
Ich muss mich nun wohl zwischen einem Kalkzementputz mit Tapete oder einen Kalkputz ausschließlich mit Farbe entscheiden. Bauphysikalisch ist klar was besser ist. Beim Luftkalkputz mit Farbe werden hohe Ansprüche an die Putzträger über dem Fachwerk gestellt, da sonst feine Risse entstehen. Davor habe ich schon etwas Respekt.


Beste Grüße aus Thüringen

M. Fischer



nicht ganz so wissenschaftlich



man kann um alles ein riesen Pa-laber machen. Ich würde grundsätzlich keinen herkömmlichen Kalkzementputz verwenden, aber wer hindert uns daran, wenn es unserem Gefühl gut tut, eine kleine Menge Zement, besser noch Trassmehl, der Mischung beizugeben. Dies reicht in den meisten Fällen schon aus. Die Wohnansprüche ändern sich doch, spätestens wenn jemand anderes drin wohnt. Wenn eine Tapete dran soll, dann einfach mit Kalkmilch zweimal streichen und dann ist eine natürliche Trennschicht gegeben, sollte nach Jahren der Kalkputz dann ein wenig sanden, gibt es auch Mittelchen, dies zu beheben.. sollten wirklich risse auftauchen und dies kann gut vorkommen, dann einfach nachreiben. Wenn zu spät, aufkratzen nachputzen und filzen, nach der Kalkmich sieht man es nicht mehr.
Mit freundlichem Gruß
M. Schmidt



Interessante Vorschläge



Hallo Herr Schmidt,

sicherlich haben Sie aus Ihrer Perspektive recht mit dem Pa- laber. Sie leben offensichtlich von Ihrem „Erfahrungsschatz“. Da ich jedoch kein Fachmann der „Putzkunst“ mit langjähriger Erfahrung bin, kann ich mich nur auf die Theorie und Erfahrungsberichte stützen, denn ich persönlich weiß nicht, ob die Zugabe von etwas Zement wirklich so negative Auswirkungen hat wie beschrieben wird.
Die Art zu lernen, welche auf Versuch, Irrtum und Erfolg beruht ist nun einmal die Schmerzlichste. Die Schmerzen würde ich jedoch gern vermeiden.
Nun konkret zu Ihren interessanten Vorschlägen.
Wofür genau reicht die Zugabe der kleinen Menge Zement oder Trassmehl aus? Gegen das „Verhungern“ des Putzes, wie es Herr Kurz ausdrückt? Ein großer Anteil des Putzes bindet ja dennoch mit Luftkalk ab oder irre ich mich dahingehend?
Was bewirkt die Trennschicht aus Kalkmilch?
Ich sehe weiterhin das Problem, dass durch die Zugabe von etwas Zement oder Trassmehl der Putz entgegen der bekannten Putzregel härter als der Untergrund wird (Gefache: Langlochhohlziegel mit Luftkalkmörtel).


Beste Grüße aus Thüringen