Luftfeuchtigkeit senken

20.12.2004



Hallo,
nachdem es bei uns auch mal wieder Winter wurde, stehe ich wieder mal vor einem Problem.
Die Luftfeuctigkeit in meinem Haus liegt immer über 65 %. Jedenfalls in der Küche. Im Schlafzimmer bei etwas über 60, im Flur bei knapp 60%. Ich( oder meine Frau) lüfte jeden morgen das ganze Haus durch. Nachmittags, wenn ich von Arbeit komme nochmal. Aber nach kurzer Zeit, Luftfeuchtigkeit sinkt beim Lüften auf 40%, steigt sie wieder an. Ich bin schon am überlegen, mir einen Luftentfeuchter zu kaufen, aber das wird die Ursache nicht beheben. Kann einer mal ein paar Tipss geben, denn Schimmel würde ich nicht so gut finden.
Ach so, ich habe "normale" Heizung, keine Dämmung 36er Wand und mit "normalen" Putz verputzt, aussen und innen. Und natürlich ganz tolle dicht Fenster, ich überleg schon, ob ich die Dichtungen oben rausnehme( in den Fenstern)



Schimmelvermeidung



Hallo Marcus Bauer,
ich verstehe Deinen Forumeintrag als Frage zur Prophylaxe zur Vorbeugung gegen Schimmel.

Auf keinen Fall die Fensterdichtungen entfernen - Damit wäre dann eine unkontrollierbare Auskühlung der Laibungs- und Wandoberflächen mit Kondensationsmöglichkeiten die Folge!

Die rel. Luftfeuchte allein sagt prinzipiell nichts zum Wohnklima aus, ist nicht auszuwerten. Hier besteht ein untrennbarer Zusammenhang aus Lufttemperatur und Luftfeuchte.

Unter normalen Raumtemperaturen sind Werte um 60-65% durchaus normal und für die Behaglichkeit wichtig. In freier Natur ist bei feuchtwarmer Witterung eine wesentlich höhere Luftfeuchte anzutreffen.

Ein Schimmelproblem entsteht durch Kondensation der Luftfeuchte auf kalten, wenig oder nicht diffusionsfähigen Oberflächen aus organischen Substanzen (Dispersionsfarben, Raufasertapeten, Kunststoffen, Siliconfugen usw.). Hier sind Vorbeugemaßnahmen/Vermeidungen angebracht.

Im Forum wurde sehr viel über Schimmel geschrieben. Bitte in früheren Beiträgen suchen, das Thema veraltet nicht. Vielleicht mal in eine Bibliothek gehen, oder ein Buch zum Thema kaufen.

Mit freundlichen Grüßen
Peter Seifarth, Malermeister



@Marcus Bauer



In unserer Blockwohnung (Beton-Wände, sozialistischer Plattenbau, schlecht bis gar nicht isoliert, Dispersionsfarbe als Anstrich) hatten wir bis zuletzt ein massives Schimmelproblem in den Raumecken zur Aussenwand.

Den Schimmel und dessen Nährboden (die Farbe) haben wir vor kurzem mit der Drahtbürste abgekratzt. Darüber kam dann ein Kalkanstrich. Bis jetzt ist noch Ruhe.

An den Fenstern (Thermopan) haben wir an der unteren Kante eine bewußte Undichtigkeit provoziert. Kondensat ist nicht zu beobachten und das Raumkima hat sich dadurch, zumindest subjektiv, verbessert. Die Luft ist trockener und nicht mehr so stickig.





@ Hallo Wolf, das ist ja mal wieder ein guter Beweis dafür, daß ein Haus ständig lüften muß und daß Fenster, die total Abdichten immer nur weitere Bauschäden verursachen.
Die Wärmeschutzverordnung nützt nur der Industrie, nicht den alten Häusern.

Grüße wieder
Dietmar



@Dietmar



Interessant, gell? Vor einem halben Jahr hätte ich noch nicht gedacht, dass ich je mal sowas schreiben würde. :)

Inzwischen habe ich die Vorzüge von Kastenfenstern, Lehm, Kalk und Natursteinen entdeckt, freue mich, dass einige erste dünne Test-Lehmputzschichten (mein erster selbst aufgebrachter Putz überhaupt) immer noch an der Betonwand klebt, finde Gefallen an der Hüllflächentemperierung nach Großeschmidt und will demnächst mal mit der Produktion von Lehmziegeln beginnen, sofern ich von einem befreundeten Schreiner endlich die Form dazu kriege. Die Ziegel versuche ich dann auf die Betonwände der Blockwohnung zu kleben. Bin neugierig ob das funktioniert...
Liebe Grüsse





moin,

habt ihr mal über einen Holzofen nachgedacht?

damit kann man die luftfeuchtigkeit zum Schornstein herauslüften, mußt nur für ausreichend Zuluft sorgen. durch die Strahlungswärme kann auch noch die Raumtemperatur abgesenkt werden, ohne behaglichkeitsverlust.
Einsteigermodelle gibts schon im Baumarkt, was besseres im Ofenfachhandel
ersma,



Das Plattenbauklima nach den neuen Fenstern!



Es ist vielleicht schon etwas spät, aber die Angelegenheit ist zu wichtig als dass man sie übergehen sollte.

Es besteht ein klein wenig Hoffnung, dass dem Marcus das Haus oder die Wohnung gehört. Ansonsten kann er nur auf einen Vermieter hoffen, der erkennt, dass es sein Eigentum ist, welches zumindest wertgemindert wird.

Die Problematik ist einfach, Lösungen gibt´s nur zwei!

Jedoch zuerst einmal zur Luftfeuchtigkeit:
Eine Luftfeuchtigkeit von 60 bis 65 % ist angenehm!
Wer so etwas behauptet, hat noch nie in einer trockenen Wohnung gewohnt. Die Diskussion über das Verhältnis von Luftfeuchtigkeit und Wohlbefinden würde jetzt diesen Beitrag bei weitem sprengen. Nur soviel: Nicht trochene Luft ist unangenehm, sondern staubige!
Staubige Feuchte Luft ist erträglicher als trockene staubige! Bitte mal darüber nachdenken, daß zum Beispiel der Luftkurort Davos wegen seines angenehmen Klimas vor allem für Lungenkranke empfohlen wird. Und dort ist es so trocken, daß man einen rohen Schinken ans Fensterkreuz hängen kann, und ihn durch trocknen konserviert!
Dazu haben schon viele kluge Leute geschrieben, ich verweise nochmals auf den Eisenschink, der es so erklärt hat, dass man Ihm mit Physik 8. Klasse leicht folgen kann. Auch Ringelstetter ist sehr zu empfehlen. Beide Bücher gibt es gleich hier, rechts oben bei Amazoon!!!!
Gehen wir davon aus, dass in der Wohnung 21 Grad sind. Auf der Wandoberfläche und gerade in Raumecken, viel Fläche mit wenig Luftkontakt kühlt sich die Luft stark ab. Vier Grad reichen oft schon um den Taupunkt zu unterschreiten. Folge ist Schimmel an den kalten Ecken.
Das sind meistens die bereits erwähnten Raumecken, der Fenstersturz, die Heizungswindschatten über der Fensterbank, und an den unteren Wänden.

Schuld daran sind zweierlei Dinge:
Erstens: Baumaterialien und Konstruktionen mit Null kapillarer Leitfähigkeit. Das Wasser welches in und an den Wänden kondensiert kann nicht durch die Wand nach draußen.
Dabei spielt es überhaupt keine Rolle ob die Materialien diffusionsoffen sind oder nicht. Diffundieren kann nur Wasserdampf. Kondensiertes Wasser muss erst wieder verdampfen um dann eventuell durch die Wand diffundieren zu können.
Beton, Kalksandstein, Folien, Purschaumplatten haben ohnehin kaum Diffusionsfähigkeit. Dort kann das Wasser nur auf dem Umweg über die Wohnung und das Fenster ins Freie.
Aber auch "diffusionsoffene" Baustoffe, wie sämtliche Dämmstoffe, Dampfbremspappen, Poroton, Gasbeton...helfen nicht unbedingt.
Sie haben erst einmal einen guten Dämmwert. Trotzdem kondensiert das Wasser in Ihnen. Es hat es dann nur noch schwerer wieder zu verdunsten.
Hinzu kommt dass feuchte Materialien bessere Wärmeleiter sind. Je feuchter eine Wand, umso kälter ist sie. Je kälter sie ist, umso mehr Wasserdampf kondensiert in Ihnen.
Ein Teufelskreis...
Deshalb werden auch die unter Laborbedingungen ermittelten Dämmwerte in der Realität selten erreicht.

Die einzigen Materialien die gut kapillar leitend sind, das Wasser durch die Wände nach draußen lassen, sind Ziegel, Kalkmörtel, Lehm und Holz.
Aus diesen Materialien sollten Wände aufgebaut sein.



Das hilft dem Marcus jetzt aber wenig!
Er kann nur versuchen die Luftfeuchtigkeit zu senken und/oder die Kondensation zu verhindern, indem er die Wandtemperaturen in seiner Wohnung erhöht.

Luftfeuchtigkeit senken ist relativ einfach!
Für Luftwechsel sorgen. Allerdings ist die vielgepriesene Stoßüfterei doch eher etwas für Leute mit Bediensteten. Wer hat denn sonst Zeit für 5- bis 8-mal Stoßlüften am Tag.
Mein Vorschlag: Schneiden Sie von den Dichtungsgummis der Fenster außen unten und innen oben jeweils an beiden Seiten 5 cm ab. Dann ist Ihr Fenster immer noch ausreichend dicht, und Sie bekommen wieder Luft. Die kühle Luft von draußen mit wenig Feuchtigkeit, kommt in Ihre Wohnung und erwärmt sich. Sie kann dann viel Feuchtigkeit aufnehmen, und nach Draußen mitnehmen.

Solle Ihnen die Wohnung gehören, oder der Eigentümer mit sich reden lassen, ändern Sie Ihr Heizsystem. Holen Sie sich Strahlungswärme.
Alle Hüllflächen sind dann gleich warm, wärmer als die Luft. Es kann kaum noch Kondensation an und in den Wänden geben.
Ganz einfach dafür sind Heizleisten, mit denen kann man an die bestehende Heizungsanlage gehen, und ohne Aufreißen oder Zerstören die notwendigen Installationen vornehmen.
Der Tipp mit dem Ofen ist gar nicht schlecht. Allerdings darauf achten, dass der Ofen möglichst eine keramische Oberfläche hat. Diese wird nicht so heiß wie ein Eisenofen, das verhindert Thermik und schafft langwellige Wärmestrahlung. Einen einfachen Ofen kann man sich auch selbst bauen, macht richtig Spaß.
Alles bitte ruhig mal beim Eisenschink nachlesen, ist nicht nur Wissenszuwachs, sondern auch unterhaltsam.
Gibt’s gleich hier: "Falsch geheizt ist halb gestorben"

Zum Schluss noch eine Bemerkung für diejenigen die beim Gedanken an „unkontrolliert“ ins Freie strömende Luft gleich ein schlechtes Gewissen gegenüber Ihren Kindern und den nachfolgenden Generationen bekommen.
Erstens: Wer es warm haben will muss Heizen!
Zweitens: Zu Zeiten der Plattenbauten und deren undichten Fenster im Osten, war der Anteil der Kinder und Erwachsenen mit allergenen Beschwerden gering.
Wenn es nur an der Ernährung gelegen hätte, hätten wir alle schon in den ersten 5 Jahren Ausschlag, Pickel und Asthma bekommen.
Dass der Stand der Allergien sich erst 10- 15 Jahren auf dem selben Stand wie in den alten Bundesländern begibt, liegt nach meiner Überzeugung an den wohnklimatischen Bedingungen zu denen uns unter anderem der „Stand der Technik“ und die weltrettenden Energiesparer verpflichten.


Allerdings muss man ja nicht jeden Unfug mitmachen, nur weil er Gesetz ist.


Mit den besten Grüßen von der Ostsee

Der Ingo



Waerme abfangen



Vielleicht Lueftung mit Waermerueckgewinnung? Nur so ein Gedanke, habe selbst keine Erfahrung damit. Beim stoebern im Internet stoesst man auf allerlei Sachen (z.B. http://www.oekoluefter.de/ wird natuerlich auf der Seite intensiv beworben).





@ Hallo, Ingo Rhein,
hab mir gerade mal wieder Ihren ausführlichen Text vom 24. 02. gelesen und - es hat mir gut getan.
Ich hoffe und wünsche, daß von den vielen brauchbaren Werten, die wir gleichfalls im Osten hatten, das meiste an Informationen auch an die nächste Generation weitergegeben wird.
Beste Grüße sendet D.Fr.