Hinterlüftung waagerecht oder senkrecht

21.07.2005



Hallo,

unsere Bodendeckelschalung soll senkrecht an die Fassade. Ich möchte so wenig Aufbau wie möglich auf die Wand. Ich würde mit der Konterlattung mit Dämmung waagerecht beginnen, dann senkrecht mit einer weiteren Dämmung darauf und dann wieder eine 30er Lattung waagerecht aufbringen für die Schalung.
Dann wäre die Hinterlüftung waagerecht. Funktioniert das, oder MUSS sie senkrecht verlaufen?

Danke.
Gruß
Sarrach



Funktioniert nicht



Die Hinterlüftung funktioniert vor allem auf Grund von Thermik (Auftrieb). Die ist bei horizontal begrenzten Lufträumen nicht gegeben.
Allerdings geht der Holzinformationsdienst davon aus, dass evtl. auf eine Hinterlüftung verzichtet werden kann - ich persönlich habe da meine Zweifel





Genau das habe ich gestern auch von einem Verkäufer gehört (siehe Beitrag 35176). Ich zweifele auch daran.
Allerdings habe ich heute z. B. eine Steinwolle-Dämmung (Heralan) gefunden die lt. Datenblatt ohne Hinterlüftung verwendet werden kann.
Vielleicht ist ja doch was dran an der Sache.



Nicht die Dämmung,



die Boden-Deckel-Schalung braucht meiner Ansicht nach die Hinterlüftung!
Die Steinwoll-Kerndämmplatten sind vorgesehen für die Verwendung zwischen zwei Steinschichten (Hohlschichtdämmung). Diese würde ich in Bereichen, wo Mäuse rankommen können auch nciht einsetzen.



Hinterlüftung vom Wandaufbau abhängig



Nutzungsbedingt entsteht in den Innenräumen (z.B. durch Atmung) Feuchtigkeit, die auf dem Weg der Dampfdiffussion - des Dampfdruckausgleichs in der Regel über den Außenwandaufbau (z.T. natürlich auch durch Lüftung) abgeführt wird.
Konstruktionsbedingt kann auf der Wandaußenseite unter bestimmten Wetterbedingungen Tauwasser enstehen, das aus dem Zwischenraum zwischen Schalung, Dämmung und Außenwand abgeführt werden muß, weil sonst die Dämmung durchfeuchtet wird und ihre Dämmwirkung verliert.

Bei Bekleidungen aus Brettern kann deshalb nur dann auf eine Hinterlüftungsebene verzichtet werden, wenn:

- der vorhandene Innenwandaufbau die Wasserdampfdiffussion weitgehend einschränkt, d.h. solche Materialien vorhanden sind, die die Wasserdampfdiffussion verhindern - in der Summe wird von diesem Wandaufbau ohne Nachweis ein sD-Wert von > 10 m gefordert.
- hinter der Brettverkleidung als Pufferzone ein Hohlraum von mindestens 20 mm Tiefe verbleibt! Diese Pufferzone darf dabei durch die Lattung der Unterkonstruktion unterteilt sein.
- die Außenanstriche der Brettverschalung nur einen geringen Wasserdampfdiffussionswiderstand haben! Dünnschichtige Lasur- und Dispersionsanstriche mit einem sD -Wert < 0,5 m erfüllen diese Anforderung und entsprechen damit auch den Empfehlungen für die Beschichtung nicht maßhaltiger Bauteile.
Eine Verwendung stärker filmbildender Lacke oder Lackfarben wird für nicht maßhaltige Bauteile im allgemeinen nicht empfohlen und entspricht auch nicht dem Stand der Technik.
- Die Abführung von Wasserdampf erfolgt außerdem noch durch die Fugen der Profilbrettschalung, da diese nie völlig dicht sind. Auch nach einem Anstrich öffnen sich diese Fugen durch Quell- und Schwindbewegungen des Holzes wieder. Im Hohlraum hinter der Bekleidung wird durch den auf die Fassade einwirkenden Winddruck oder Windsog der Luftwechsel und damit auch die Wasserdampfableitung sichergestellt.

Der Verzicht auf eine Hinterlüftung ohne genaue Kenntnis des Wandaufbaus und der einzelnen Materialien ist also immer mit einem Risiko behaftet.
Wenn Sie schon über eine neue Bekleidung nachdenken, sollten Sie aus meiner Sicht an dieser Stelle nicht auf die Hinterlüftungsebene verzichten.

Mit freundlichen Grüßen

Holger Schmidt-Schuchardt