Kondenswasser im Dachstuhl

13.01.2009



Hallo Gemeinde,

in den letzten Tagen war es sehr kalt, nunja und mein(unser) neues altes haus offenbarte mit aller Härte schwerwiegende Mängel welche durch den Vorbesitzer durch "unkonventionell blauäugige" Bauweise verursacht wurden. Hab mich nun natürlich mit der Materie ein wenig vertraut gemacht und habe, auch wenn ich nur ein "gefälschtes Fachwerkhaus" besitze, dass Gefühl hier schon irgendwie richtig zu sein, da hier eine Menge Leute wie ich lieber etwas altes pflegen als etwas neues zu bauen....

Problem:
Ich stellte bei der Dachbegehung (hatte ungutes Gefühl) gefrorene Feuchtigkeit an der Holzverschalung des Daches fest. Diese ist nicht überall, sondern nur zwischen der Glasfaser?dämmwolle und der Holzverschalung des Daches und das soweit ich hinuntergreifen konnte... In Panik geraten wälzte ich erstmal ein paar Fachbücher und bestellte einen Dachdeckermeister welcher sich die ganze Sache anschaute. Im Ergebnis ist nun mein Dach von außen dicht, aber der "Dachausbau" (möchte ich nicht mehr so nennen) des Vorbesitzers ist eine Katastrophe.
Empfehlung Dachdecker: Installation neues "Warmdach" mit Stein?wolldämmung und Dampfsperre sowie Trockenbau.
Leider war dies vor Kauf trotz einer eingehenden Besichtigung mit Sachverständigem nicht absehbar.
Dachaufbau von Außen: Schindel,Unterspannbahn, Lattung/ Verschalung, Dämmwolle zwischen Sparren, "Dampfsperre", Trockenbau- alles OHNE LUFT dazwischen...

- Dampsperre unsauber angebracht, falsch verklebt (Paketklebeband! geht doch gar nicht oder?) und im Deckenbereich (Fichtenholz geölt)gleich ganz weggelassen und nur Faserwolle drauf verlegt! Das ganze wurde nach dem "Prinzip Warmdach" ohne Hinterlüftung ausgelegt.
- im Bereich "Schlafzimmer" NULL Dämmung/ Dampfsperre!

Es gilt also den Dachinnenausbau neu vorzunehmen. Eigentlich hielt ich das "Warmdach" für die richtige Lösung, bekomme aber immer mehr Bauchschmerzen je mehr ich mich hier mit dem Thema beschäftige und denke das ist in unserem Fall schwer realisierbar und ich will irgendwie Hinterlüftung...

Nunmehr frage ich mich:
Ist es möglich eine Kombination aus beiden "Prinzipien" zu verbauen, heisst 2-3 cm Luft zwischen Dachlattung und Sparrendämmung (Durchzug ist vorhanden- Dachfürst ist offen was den Dachdecker bissl munterer stimmte) und trotzdem den Einbau einer Dampfsperre um die Wasserdiffusion zusätzlich einzudämmen?

Zum ewigen Thema Sparrendämmung:
WAS nehme ich nun dafür:
- bei PS fangen hier die meisten an den Kopf zu schütteln- ich find den Stoff an sich ganz gut aber wenn dann im Sommer 50 gradzelsien unterm Dach sind bestimmt gar nicht mehr, (Schalldämmung ist kein Problem ich hör nur nen Bach rauschen ;-)
- Naturfaserstoffe halte ich nicht für angebracht, weil ich Lebe mitten in der Natur in Alleinlage, hier schwirren Tiere rum die ich noch nie gesehen hab und der Dachboden ist voll von Bienen/ Hornissenleichen, die Ornitologen (Vogelkundler) lieben meine Gegend weil hier viele sehr seltene Vogelarten leben und nisten... Die fühlen sich doch dann ggf sauwohl in meinem Naturdämmstoff!Oder?
- Dämmwollen sind nicht fest und ich denke dann geht meine Hinterlüftung Richtung Dachaussenseite flöten (auch wenns da Latten gibt- die bremsen dann doch den Durchzug auch ab oder?)

Fragen über Fragen....

nochmal grundsätzliches zum Gebäude:

- Bj. 1920 (weiterer Anbau in 80ern), Kellergewölbe (teilunterkellert) Feldstein/ Stahlträger darauf Ziegelbauweise (50cm Stärke) bis unters Dach, "Fachwerkverblendung" im EG, Holzverblendung im OG, Fenster "neu" (10 Jahre), Bitumenschindeldeckunhg 6 Jahre alt.... Die Mauern sind ALLE (auch im Keller) Trocken, ohne Feuchtigkeitsprobleme.
- Heizung: (ich denke irgendwie auch Wichtig für mein Problem) Festbrennstoffofen (JÄMÄ 235S) mit 1200l Speicher; OHNE ELEKTRONISCHE Steuerung (Steinzeit!)-> manuelle Schalter für Umwälzpumpen d. Heizung, "Schwerkraftventile" für Heizkreislauf nicht vorhanden...., Ölbrenneroption komplett vorhanden jedoch lahmgelegt und Tank ausgebaut (dies wurde alles vom Vorbesitzer so gemacht...)Die Raumtemperatur ist durch fehlende Regelung über Nacht dadurch natürlich starken Schwankungen ausgesetzt und soweit ich mich noch an Physik erinnere ist das weniger positiv oder? Mal davon abgesehen das es ohne Feuer frühs vor der Arbeit nicht warm wird... Eigentlich war die Heizung unser erster Großangriff- nun wird es das Dach....

Sorry hab zu viel geschrieben... Hab mir trotzdem noch viele Fragen aufgehoben.....

Danke fürs lesen und ggf. Meinungsäußerung.

Kay





Hallo,

wenn Sie so beschreiben, wo bei dem Haus überall die Mängel liegen, vermute ich sehr, daß man bei einer detaillierten Bestandsaufnahme einen ganzen Tag benötigen würde.
Die aber würde ich machen, bevor ich irgendwann einsehen müßte, das sich das alles gar nicht gelohnt hat.
Also würde ich einen Architekten mit ins Haus nehmen um das Ganze zu begutachten.

Einige nicht ganz richtige Informationen möchte ich aber korrigieren:
- Dämmstoffe aus Fasern gibt es in jeder gewünschten Festigkeit
- wenn Sie Bitu-Schindeln haben, haben Sie vermutlich eine Dachschalung; Sie sollten diese nicht mit Luft hinterblasen sondern voll mit Dämmstoff in Sparrenhöhe ausfüllen
- die Bitu-Schindeln selber möchte ich mal in Frage stellen, weil eine oberseitige Belüftung der vermuteten Holzschalung nicht mehr gegeben ist; daraus ergibt sich die Vorstellung, daß eine "andere" Dacheindeckung sinnvoll sein könnte. Welche, das überlasse ich mal dem Kollegen vor Ort.

Das nächste Großprojekt ist wahrscheinlich die Heizung. haben Sie mal über ein Mikro-BHKW nachgedacht? Ab sofort gelten neue Konditionen.

Grüße vom Niederrhein



@Kay



Liest sich ja schlimm!Paketklebeband...kommt einem die Galle hoch.
Kannst du mal ein paar Bilder rein stellen?
Wenn wirklich geschludert wurde so wie du das beschreibst hat der Kollege wohl recht.


Gruß Boris



Dachgeschossdecke?



Scheint ja nicht bewohnt, das Dach - dämmen Sie doch die oberste Geschossdecke.

Ist viel einfacher (weil gerade) und effektiver (weil weniger Fläche) und auch noch billiger! Darüber schon mal nachgedacht?

Gruss, stt



Wenn die Bitu-Schindeln



bleiben sollen wäre ich jedoch für eine Hinterlüftung. Damit werden diese im Sommer nicht ganz so warm. Was für ihre Lebensdauer günstig ist.
Weiterhin führt eine ordentliche Hinterlüftung im Sommer schon eine ganze Menge Wärme ab und verringert somit das Problem mit der Hitze auch etwas.


Gruß Marko



Wenn die Bitu-Schindeln



bleiben sollen wäre ich jedoch für eine Hinterlüftung. Damit werden diese im Sommer nicht ganz so warm. Was für ihre Lebensdauer günstig ist.
Weiterhin führt eine ordentliche Hinterlüftung im Sommer schon eine ganze Menge Wärme ab und verringert somit das Problem mit der Hitze auch etwas.


Gruß Marko



Kondenswasser im Dachstuhl



Hallo,

erstmal Danke für die Antworten. Stelle nun wieder fest das die Meinungen bezüglich einer Hinterlüftung auseinandergehen.

@ Dietmar;

Ja der Architekt- hat sich das Haus schon angesehen, besitzt aber auch keinen Röntgenblick... Konnten natürlich nicht den Trockenbau von der Wand reissen bei Besichtigung. Die (Bau)Substanz wurde als gut - sehr gut bezeichnet... Viel gibts also nicht wirklich nicht mehr aufzunehmen (Haus ist ja auch nicht soo alt)
Die Heizung war bekannt und auch offensichtlich- die Kupferrohre und deren Verlegung samt großzügig ausgelegten Heizkörpern sind BJ 1999 wie der JÄMÄ Ofen- also sehe ich (und Heizungsbauer) wenig Handlungsbedarf bis auf angesprochene Steuerung und den wiederanschluss des Öltanks. Wobei Sie mich mit der Mikro BHKW Variante echt neugierig machen- laut Google sehr Interessant. Wenn Sie mir hierzu detailiertere Informationen zukommen lassen könnten, wäre ich Ihnen sehr dankbar! Die Geräte sind ja für die private Nutzung sehr neu auf dem Markt.
zu Ihren Korrekturen:
- okay die Dämmfasern (ist das auch die Steinwolle?) gibts auch in fest verpressten Blöcken, verstehe
- Warum die vorhandene Dachschalung nicht hinterlüften???? (vgl. Post von Marko) mein Kollege hat seit 15 jahren ein hinterluftetes Bitumenschindeldach mit Dachschalung und Styrodämmung. Es ist im Sommer nicht zu warm (Dach ausgebaut, von ihm selbst bewohnt) und das Dach ist Knochentrocken (selbst besichtigt letzte Woche) weil ja eine permanente Hinterlüftung stattfindet. Dies wurde damals auch durch die Dachdeckerfirma so geplant und ausgeführt.
- Warum stellen Sie Bitu- Schindeln in Frage? Mag sein das die Halbarkeit nicht mit einem Hartdach zu vergleichen ist, aber wenn sie sagen die Belüftung von oben ist nicht mehr gegeben- dann ist es doch unlogisch die Rückseite auch noch zu "ersticken" oder? Zumal eine 100% Dichtung eh nicht realisierbar ist und ich das Problem somit doch potenziere- Oder? Der Dachdecker meinte übrigens die Deckung und Schalung ist voll in Ordnung (Klar, 6 Jahre alt)- nur die Dämmung nicht.

@ Boris:
Werde Fotos machen wenns dann im Frühjahr losgeht okay? Das Paketklebeband kam mir bei der Entfernung eines Dachfensterrahmens (Velux) vor die Augen- mal schaun obs überall "klebt" ;-)- der Vorbesitzer meint nein....

@stt:
Es scheint nur so- 80 qm bewohnt und so soll es bleiben (nach Neubau)

@ Marko:
Die Bitumenschindeln bleiben auf jeden Fall- da noch gut. Und genau deine Ansicht teile ich bisher auch es sei denn man liefert mir eine stichhaltige Begründung gegen die Hinterlüftung, da ich mittlerweile bei den (Alt) Häuslebeitzern in meinem Bekanntenkreis nachgeforscht habe welche auch BITU Schindeln/Hinterlüftung/ PS- Dämmung haben- und die haben null Probleme mit dem Dach und Gammel. Vielleicht liegts ja im Winter auch an unserer Erzgebirg`schen Permafrostzone.... Wer weis die regionalen Unterschiede sind doch nicht ganz egal.
Wie kommst du auf die Hinterlüftung der Holzschalung? - gelesen, gehört oder selbst ausgedacht bzw. verbaut?

Danke erstmal für die Antworten. Bitte, Dietmar und/oder Boris, ein Feedback von den richtigen Fachmännern zu meinen Fragen bez. der Hinterlüftung wäre für meine weitere Planung hilfreich um zu "verstehen"! Ich sehe es bisher genau so wie Marko. Und die gleich Begründung bringen mir andere auch- mehr Durchzug= weniger Wärme im Sommer + weniger Kondensfeuchtigkeit im Winter. Auch wenn dann vielleicht etwas Wärme verloren geht- lieber geb ich 100- 200 Eur im Jahr mehr fürs Heizen aus als das ich ein trockenfeuchtes Dach habe, was dann um einiges mehr kostet wenns verfault ist. Es ist richtig der Umwelt zuliebe zu Dämmen um Energie zu sparen- aber nicht auf Kosten des Bauwerkes und meines Geldbeutels- auch wenns der Staat gern so hätte mit seinen "Vorschriften". MY Home is MY castle.....

Mfg Kay



Zwanslüftung



Dein Dachdecker wird schon eine Lösung zur Zwangsbelüftung finden.Entweder Flächenlüfter einbinden in die Deckung oder im Traufbereich ein Profil einbauen.Gibt genug möglichkeiten.
Aber Bilder würde ich gern sehen.


Gruß Boris



Das Problem



mit dem Hinterlüften habe ich nicht. Mein Dachboden dient zum Wäsche trocknen. Da ist eine ordentlichen Lüftung Pflicht.
Verbindung zu Wohnraum hat meine Dachfläche kaum. Und in diesem Bereich war schon hinterlüftet. Wenn die Sonne auf diesen Bereich scheint merkt man deutlich das dort warme Luft hoch kommt.

Gruß Marko