Holzwurmlöcher in Dachsparren alle 10 -20 cm -> Sparren austauschen?




Hallo Fachwerkforum,
ich möchte mir gerne ein altes Bauernhaus kaufen, in dessen Stall-Dachgeschoss Holzwurmspuren in den Sparren sind. Der Stall und das DG sind seit mind. 1,5 Jahren leerstehend und damit auch frei belüftet und entsprechend Umgebungsfeucht/-trocken. In einigen Dielenbrettern sind die Frassspuren aber so häufig (fast siebartig), dass das Holz morsch ist. In den Sparrenbereichen gibt es nur wenige Spuren (so alle 10 cm ein Loch, mal alle 20 cm, Löcher nicht in allen Sparren). Meine Fragen sind nun:
- Gibt es einen Richtwert (z.B. Anzahl Löcher pro Fläche?), an dem sich feststellen lässt, ob die Sparren ausgetauscht werden müssen?
- Kann man davon ausgehen, dass die Würmer nicht mehr aktiv sind, weil der Stall seit längerem nicht genutzt wurde und das DG (völlig ungedämmt) im letzten Sommer sicherlich über längere Zeit der Wärme der Sonne ausgesetzt war?
- Kann mir jemand von ähnlichen ERfahrungen berichten?
Vielen Dank im voraus
Sven Sonnleitner



Natur kennt keine absoluten Werte



Guten Tag Herr Sonnleitner,
so wie Sie den Schaden beschreiben (Siebartig) liegt die Vermutung nahe, dass er von Nagekäfern verursacht wurde. Ob der Befall abgestorben oder aktiv ist, lässt sich aus der Ferne nicht beurteilen. In einer Scheune wird ein Nagekäferbefall wahrscheinlich aber mehr oder weniger stark aktiv bleiben. Ihre Hoffnung, dass ein warmer Sommer wie eine Heißluftbehandlung zur Insektenbekämpfung wirkt muss ich leider enttäuschen. Damit das körpereigene Eiweiß der Larven denaturiert, muss eine lange Zeit weit über 40 °C erreicht werden. Deshalb sieht die Norm zur Bekämpfung 55°C im ungünstigsten Querschnitt über mindestens 1 Std. vor. Ein Warmer Sommmer heizt das Holz im ineren nicht so stark auf, dass die Larven sterben. Holz ist ein relativ guter "Wärmedämmer" deshalb wird es innen nicht sehr heiß auch wenn es außen extrem warm ist.
Es gibt auch keine Regel, die besagt dass z.B. ab einer gewissen Zahl Ausfluglöcher pro m² die Standsicherheit gefährdet ist. Die Bretter scheinen ja ohnehin schon abgängig zu sein. Die Sparren usw. könen im Inneren bereits starke Querschnittschwächungen aufweisen. Wenige Ausfluglöcher bedeuten nicht zwangsläufig auch wenige Fraßgänge. Hier hilft nur anbeilen, anbohren usw. um den Restquerschnitt statisch zu beurteilen.
Aktiven Insektenbefall könen Sie nachweisen, wenn Sie geschlüpfte Käfer finden, im Holz Puppen oder Larven freilegen, FRISCHES Bohrmehl finden (Nicht mit Gewalt herausklopfen, sondern von allein helle Bohrmehlhäufchen auf lichtbeschienenen Flächen oder in offensichtlich neuen Spinnennetzen.) Helle Ausfluglöcher sind nur bedingt aussagefähig, müssen aber auch bewertet werden. Theoretisch kann man noch Aktivitätsgeräusche vernehmen, das ist bei Nagekäfern aber schwieriger als bei z.B. Hausbock.
Die Größe und Form der Ausfluglöcher bietet zusammen mit der Holzart Hinweise welcher Schäling gefressen hat.
Ferndiagnosen sind nie möglich, wenn Sie Hilfe brauchen müssen sie eventuell einen Sachkundigen hinzuziehen.
Dieser Sachkundige kann auch (falls erforderlich) Vorschläge für eine Bekämpfung machen. Oft ist der Austausch eineiger bauteile die günstigste Lösung.
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold





Hallo Herr Sonnleitner, nehmen Sie auf jeden Fall einen Zimmermann mit, evtl. kann der Ihnen auch gleich mal eine Kostenabschätzung machen. Bei uns wurden alle Balken vom Zimmermann mit einem Zimmermannshammer abgeklopft. Wenn der Hammer "haften" bleibt, ists gut, wenns kracht und staubt, muss man schauen, wie weit ins Holz rein das geht. Bei uns waren auch Löcher, allerdings nur an der äußeren Schicht. Andererseits bin ich auch mal auf eine alte Holzleiter mit Fraßlöchern gestiegen, hab mir nix dabei gedacht und "krach", war sie kaputt. Also am besten gleich jemand mitnehmen, der sich auskennt, dann wissen Sie auch, ob's noch ins Budget passt, alles austauschen zu lassen (und man könnte den Verkaufspreis auch noch ein wenig drücken!). Bei uns wurden auch einige kaputte Balken ausgetauscht. War eigentlich garnicht so billig, dafür haben wir dann andere Sachen wieder selber gemacht und kommen mit unserem Budget prima hin. Wenn man sich halt erstmal in ein Haus verliebt hat... Grüße Annette



Zimmerleute ..



..oder Bautenschützer ( "Heisslüfter ") mitnehmen , anbeilen der geschädigten Bauteile ,, ggfls mit Neuanfertigung kalkulieren ..
Gruss Jürgen Kube