Löcher in neuen Eichendielen




Hallo,
bislang immer nur lesend dabei muss ich nun mal ein Problem schildern:
Ostern diesen Jahres haben wir in unserem Altbau auf ca. 60m2 neue Eichendielen (rustikal)verlegt. Sie waren getrocknet und fertig geölt. Das Holz stammt aus Lettland.
In genau 2 Dielen (von mehr als 200) haben wir nun ca. 1mm große Löcher gefunden. Mit der Nadel kann man 0,3 bis 1,8cm gerade reinstechen. Es scheint sich kein Mehl darin zu befinden (jedoch wird häufig gesaugt).
Beide Dielen liegen teilweise unter einem Teppich. Besonders auffällig ist die eine: 1,6m lang, davon 1,4m unter Teppich. Auf den freiliegenden 0,2m befinden sich 7 Löcher, unter dem Teppich kein einziges. Bei der anderen Diele sind drei Löcher in direkter Nähe des Teppichs, aber keines darunter. Die beiden Dielen liegen rund 1,5m voneinander entfernt.
Es handelt sich nicht um Astlöcher, die ja bei Eiche rustikal in großen Mengen vorhanden sind. Bei der Suche bin ich auf folgenden Beitrag gestoßen: http://www.fachwerk.de/wissen/foto-kaefer-73306.html
Die Löcher sehen genauso aus, ebenfalls keine Käfer gefunden, aber auch kein Mehl wie gesagt, ebenfalls kurze Zeit nach dem Einbau (selbst gemacht) aufgetreten.
Mich macht jedoch die Sache mit dem Teppich stutzig: Wenn es Ausflugslöcher wären, dann gäbe es sie doch auch unter dem Teppich, oder ? Und Einfluglöcher - warum dann nur an zwei Dielen ? Dass die Löcher schon beim Einbau drin waren, halte ich für unwahrscheinlich, da es nicht ganz unauffällig ist. Und dann wäre die Positionierung des Teppichs mit ziemlich großem Zufall verbunden.
Kann das jemand erklären (einfliegende und ausfliegende Schädlinge etc.) ? Was ist zu tun - ist es sinnvoll, die betroffenen Dielen möglichst schnell zu ersetzen ?
Jeder Versuch, hier Aufklärung zu leisten, ist sehr willkommen !

Gruß aus Oberfranken
Frederik Jung



Prüfen: Splintholzkäfer und Konsorten



Sehr geehrter Herr Jung,
"Einfuglöcher" von holzzerstörenden Insekten gibt es nicht. Nur holzbewohnende Sekundärbesiedler wie solitär lebende Wespen- und Bienenarten benutzen alte Ausschlupflöcher für ihre Brutkammern. Das kommt für Ihre Schilderung aber mit Sicherheit nicht in Frage. Die Lage des Teppichs ist wahrscheinlich einfach Zufall. Evtl. hat er sich etwas auf die Temperatur und Feuchtebedingungen im Holz darunter ausgewirkt, grundsätzlich ist er aber wohl Nebensache. Sie schreiben, dass Sie häufig saugen, unter dem Teppich wahrscheinlich seltener, vielleicht sind dort Schlupflöcher, die noch mit Nagsel verstopft und deshalb schlechter wahrnehmbar sind?
Mein erster Verdacht zielt Richtung Splintholzkäfer (Käfer der Gattung Lyctus). An Eichensplint kommen diese Käfer bzw. deren Gelege und im Holz fressende Larven schon einmal vor. Sie können noch so trockenes Holz verwerten, dass ihnen ein trockenes Wohnrumklma nicht ernsthaft bedrohlich wird. Möglich, aber meines Erachtens nicht so wahrscheinlich wären auch Nagekäfer wie der Gewöhnliche Nagekäfer. Ebenso muss überprüft werden, ob es sich wirklich um neue Schlupflöcher und aktiven Befall handelt. Auch Frischholzinsekten können Fraßgänge und Schlupflöcher hinterlassen, die evtl. übersehen und später missdeutet werden. Suchen Sie sorgfältig an Fensterbrüstungen und Lampen nach verendeten Käfern, vielleicht finden Sie noch etwas zur Artbestimmung. Es muss wohl ein Fachmann aus Ihrer Region einmal einen Blick auf die Dielen werfen. Dieser kann auch erörtern, welche Bekämpfungsmaßnahme sinnvoll erscheint, falls sich der Verdacht des Befalls bestätigt und die Art oder zumindest Gattung des Insekts bekannt ist. Sollte ein Befall mit der Dielenlieferung eingeschleppt worden sein, sind die bisher aufgetretenen Schlupflöcher möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs. Verfallen sie deshalb aber nicht in Panik, sondern lassen sie jemanden vor Ort weitere Erkenntnisse gewinnen. Meist mündet die Erörterung von Bekämpfungsmöglichkeiten bei Splintholkäferbefall in Ausbau und Austausch, Ausbau und Hitzebehandlung in einer statioären Kammer, Ausbau und mehrwöchige Begasung mit Stickstoff oder Kohlendioxid in einer stationären Kammer, Hitzebehandlung vor Ort, meist mit Mikrowellen und nicht mit Heißluft. Begasungen mit reaktiven Gasen und Einsatz chemischer Bekämpfungsmittel verbieten sich meist aufgrund der Randbedingungen. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold





Vermute mal, dass da Splintholz verbaut wurde.
Sind die Löcher zum Teil schräg angehobelt, dann war der Befall (mit was auch immer) schon vor dem Einschneiden, sonst auch nachher, evtl. im Holzlager vor dem Hobeln.
Dass die Löcher sehr auffällig sind, kommt daher, dass Sie jetzt dauernd dahin gucken.
Keine Panik!
Mit dem grossen Geschütz (siehe vorheriger Beitrag) erst auffahren, wenn lebender Befall zweifelsfrei nachgewiesen ist - also noch Loch Nummer 11 abwarten.



Geprüft....



Hallo Herr Arnold und Herr Paulsen,

Danke für die erste Einschätzung. Was den Teppich angeht, liegen Sie mit der Temperatur vielleicht richtig. Durch recht große Fenster gen Südwest scheint die Sonne den genzen Nachmittag auf die Dielen, die entsprechend deutlich wärmer sind als unter dem Teppich. Dort finden sich definitiv keine Löcher, auch keine verstopften o.ä. - absolut nichts.
Auf Käfersuche war ich eben auch und habe zwei Exemplare der richtigen Größe auf einer Fensterbank gefunden, einer davon könnte durchaus ein Splintkäfer sein. Alles sehr unerfreulich...
Was ich noch nicht verstanden habe: Aus den Löchern, die ich nun sehe, sind die Käfer rausgekommen ? Oder befinden sich herin nun die Larven ? Ein Loch geht gar durch die Diele komplett durch.



Larventwicklung



Sehr geehrter Herr Jung,
bei den meisten holzzerstörenden Insekten, inklusuve Splintholzkäfern verläuft der Entwicklungszykus so:
Mannliche und weibliche Vollinsekten paaren sich. Danach sucht das Weibchen ein geeignetes Holz zur Eiablage auf. Am oder Im Holz werden Eier abgelegt. Aus den Eiern schlüpfen Larven ("Holzwürmer) und fressen im Holz. Dabei werden Fraßgänge erzeugt. Über mehrer Häutungsschritte wächst die Larve und entwickelt sich. Schließlich verpuppt sich die Larve und die sog. Metamorphose zum Vollinsekt findet statt. Das Vollinsekt schlüpft aus dem Holz. (Hier entsteht das Ausschlupfloch.) Zwei Vollinsekten finden sich und paaren sich ....
Also: Die Larven machen die Fraßgänge, die schlüpfenden Vollinsekten die Ausschlupflöcher.
Sie beschreiben, dass ein Loch durch die Diele komplett durch geht. Wenn ich richtig verstanden habe was Sie meinen, wäre das ein Hinweis darauf, dass der Larvenfraß vor dem Aushobeln der Dielen vorhanden war. Andererseits, dass das Loch dann auch bereits beim Einbau vorhanden gewesen ist.
Ich empfehle, dass Sie die gefundenen Insekten von einem Fachmann bestimmen lassen. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



Larven und Käfer gehören nicht zur Sortierung "rustikal"



Hallo Herr Jung,

ich würde mal Rücksprache mit Ihrem Holzlieferanten halten. Larven und Käfer haben nichts in einer Hobeldiele zu suchen.

Grüße auch aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Holz aus Lettland?



Da wird das Thema "Gewährleistung" sicher spannend.

Abgesehen davon klingt es ja ein wenig so, als ob zumindest ein Fraßgang schon vor der Bearbeitung vorhanden war. Wenn die Anzahl der Löcher überschaubar ist, würde ich die jetzt vorhandenen Löcher mit einem farblich passendem Wachs schließen. Wenn Sie alle Löcher erwischt haben, wäre jedes hinzukommende Loch ein Zeichen für Leben im Revier.

Grüße

Thomas