Altersbestimmung der Wandmalerei

21.09.2007



Nachdem ich 5 Lagen Tapeten von den Wänden des Flures entfernt hatte kamen direkt auf dem Feinputz der Gefache Reste einer Wandbemalung der Gefache zutage. Bisher konnte mir niemand auch nur annähernd sagen aus welcher Zeit sie stammt. Der Hintergrund ist ein grau-blau, darauf sind rote, blaue und schwarze Striche, die parallel in verschiedenen Abständen laufen und in den Ecken teilweise Rechtecke bilden.





Hallo

Könntest du evt. noch ein Foto von der gesamten Flurwand machen ? Ist die Malerei nur auf einer Seite des Flurs?
Wenn ich das richtig erkenne fängt das überhalb einer Schwelle? oder eines Sockels an. Wann ist das Haus gebaut worden. Wann ist das Dielentor verkleinert worden? Gehört der Flur zur ursprünglichen Diele ? Nimm mal etwas Spiritus und versuche an einer ganz kleinen Ecke ob sich etwas löst (evt. länger einwirken lassen. Wenn du genau hinschaust sind es dann hellblaue Striche die später mit einer leuchtblauen Farbe übermalt worden sind? Und Hellrötliche ?
Ich glaube nämlich das da noch mehrere Farbschichten übereinander liegen. Ich habe mal mit Pink eingezeichnet wo so eine Überlagerung zu sehen ist. In der Vergrößerung kann man es ganz gut erkennen. Ich würde mal sagen die kräftig farbigen Linien sind später aufgemalt worden evt. so um 1900, die sind zu leuchtkräftig als das sie viel jünger sein könnten. Außerdem liegen sie auf einer extra Farbschicht. Wahrscheinlich hatte man da den Flur gestrichen und eben auch die Linien erneuert. Die anderen Linien könnten jünger sein, um wie viel kann ich so mit ferndiagnose nicht feststellen.
Kann es sein das die Linien "Steinquader" darstellen sollten? Waren die Balken auch überputzt ? Hören die Linien an den Gefachbalken auf oder laufen Sie aussenrum?
Man kann vorsichtig mit einem Skalpell die verschiedenen Farbschichten freikratzen, dazugehört aber ein bischen Erfahrung. Dafür solltest du dich an einen Restaurator oder einen Kirchenmaler wenden.
Genaueres kann ich dir evt. sagen wenn du mir meine Fragen beantwortet hast. Aber einen Fachmann vor Ort kann ich nicht ersetzen.
Neugierige Grüße

Dorothée



Altersbestimmung



Hallo Dorothèe,
das ist ja mehr Antwort als ich je erwartet habe.
Die Malerei befand sich wohl auf allen Gefachen des Wohnflures (nicht der Deele, die ist woanders).Sie ist auf den Gefachen des Erdgeschoßes, des Treppenaufgangs und der oberen Etage zu finden. Diese grau-blaue Schicht ist die erste auf dem Feinputz. Darauf kam dann ein hell-ocker-farbener Anstrich auf dem ein Muster von Blättern mit einem Stempel aufgebracht wurde, die Balken wurden dann lindgrün. Darauf wurden dann diverse Muster an Tapeten geklebt.

Die Malerei endet geweils am Balken, der ebenfalls gestrichen war. Rechtecke bilden die Linien nur in den Ecken, wo sie sich kreuzen.

Laut Denkmalsbehörde ist das Haus um 1800 gebaut. Es war das erste Haus einer Hugenottensiedlung, war aber zwischenzeitlich einmal abgebrannt.

Die Problematik ist weiterhin, die Tapeten haben die Feuchtigkeit in der Wand gehalten, bis 84%! Nachdem die Tapeten runter sind, trocknen die Gefache so rapide, dass sich der Oberputz vom Untergrund löst.

Ich freue mich über Deine Neugier.

Grtüße von Fritz





Hallo

Na, da weisst du doch schon eine ganze Menge.
So als überblick ist das Gesamtfoto ganz gut, aber leider lässt es sich nicht so toll vergrößern wie das andere. Könntest du mir nochmal Aufnahmen machen :
-rechts neben dem Balken die gelben Vierecke
- Farbe entlang des "Treppenholzes" (ist das eine Verkleidung oder das Geländer?)
-Balkenkerben/profilierung
- die ockerfarbene Schicht mit den Blättern

Die Auflösung von dem ersten Wandfoto war hervorragend, so in etwa, wäre es prima. Dann gucken wir doch auch mal auf die anderen Schichten :) freu...
Bis dann
Dorothée



Hallo Dorothée



Ich habe neue Fotos eingestellt. Das Holz, was zu sehen ist, ist eine Wandverkleidung, die im Flur im Erdgeschoß und im Obergeschoß umlaufend ist. Sie befindet sich auch entlang der Treppe. Die ursprüngliche Farbe ist fußbodenbraun.Übrigens: Für fans der Wandbemalung - Ich habe noch eine. In der Küche. Untergrund grün-blau-grau darauf Tupfer in dunkel-blau.





Hallo

Wenn du das Foto abspeicherst und in einem Bildverarbeitungsprogramm öffnest so das du es noch weiter vergrößern kannst, dann siehst du z.B. an der Stelle die ich eingekringelt habe, dass da ganz deutlich eine Bemalung auf der anderen sitzt . Man kann die Ränder an denen das Farbrestchen ausgebrochen ist, als Erhöhung auf der anderen Farbe sehen. Ich weiß nicht, ich versuch mal eine Vergrößerung einzustellen. Auch sieht man dass da rote Farbreste auf einer helleren blauen linie sitzen. Die Nachgemalte Linie ist kräftiger blau und mit einem dünneren Pinsel (und einer unsichereren Hand) gemalt
Bei den Blumenecken: Auf dem Foto sieht es so aus als ob der Hintergrund in einem leicht abgestuften Ton mit einer Art Moiréemuster versehen war. Was auch gut zur Bauzeit des Hauses passen würde. Ich könnte mir fast vorstellen das da die Blumen ebenfalls später draufgemalt wurden. Das ist aber nur eine Vermutung. Wobei ich mir bei der Flurbemalung sicher bin.
Gruß
Dorothée





Hoppla habe das bild vergressen
also ich weiß nicht ob das mit der vergrößerung geklappt hat.
Dorothée



Übereinander gemalt



Dorothée Du hast Recht. Die Fraben sind übereinder gemalt. Fragt sich nur noch, ob bei Erstellung der Bemalung oder später. Aus dem Bild sieht es so aus als wäre es gleichzeitig geschehen.



Marmoriert



Die grüne Bemalung ist mit dunklen Linien durchzogen, die einer Holzmaserung ähneln. - Du gibst Dir sehr viel Mühe Dorothée. Danke.





Hallo

Das was du als eine Art Holzmaserung beschreibst, ist das was ich als Imitation eines Seidenmoirés gemeint habe. Diese waren als Wandbespannung sehr beliebt bei Leuten die es sich leisten konnten. Ich könnte mir vorstellen das diese (wie andere Luxusgüter auch) nachgeahmt wurden. du schreibst das dein Haus eines der ersten einer Hugenottensiedlung war. Mal rein ins blaue fantasiert würde ich sagen: Wahrscheinlich haben die Bewohner aus guten Verhältnissen gestammt, durch die Flucht? ist vieles zurückgeblieben.Um dennoch wenigstens etwas Kultur zu erhalten, hat man sich die Wandbespannung auf die Wand malen lassen. Vielleicht war es so vielleicht auch anders.
Damit du dir in etwa vorstellen kannst, wie das im Original ausgesehen haben mag, habe ich dir zwei Fotos eingescannt. Ich finde die Imitation sehr gelungen. Allerdings passen da diese 50er-Jahres Bemalungen nicht dazu, weshalb ich annehme das diese später zugefügt wurden.





und hier noch eine gesamtaufnahme.
Vom Gesamteindruck ist das vielleicht auch ganz stimmig: aufgemalte Quaderung im Flur, aufgemalte Seide im Zimmer.
Mal sehen was dein Haus noch so alles verbirgt.
Schmunzelnde Forschergrüße
Dorothée





Hallo Dorothée,
das mit dem Seidenmoire könnte stimmen. Der Ursprung des Hauses ist zwar alt, es war jedoch zwischendurch mit mehreren anderen zusammen abgebrannt und wieder aufgebaut. Bei dem grünen Zimmer handelt es sich möglicherweise um das Schlafzimmer der Eigentümer, worauf die freigelegte Tür zur Wurstkammer deutet.

Große Überraschungen können eigentlich nicht mehr kommen; die Tapeten sind, bis auf die mit dem venetianischen Gondoliere, alle runter. Ich danke Dir für Deine Mühe. Habe einiges gelernt.

Liebe Grüße

Fritz