Was machen im Falle einer Holzschutzbelastung (DDT, Lindan, PCP)?

14.07.2006



Hallo!
Wir wollen uns ein altes Pfarrhaus kaufen. Zwar ist es kein Fachwerkhaus, aber ich hoffte bei einem Fachwerkhausforum, wo es ja in der Hauptsache um Holz geht mit meiner Frage gut aufgehoben zu sein.
Bei einer Hausbesichtigung fanden wir im Dachstuhl eine alte Flasche des Holzschutzmittels "Hylotox 59", welches Gifte wie DDT und Lindan enthält. Aus Erfahrung weiß ich, daß früher ganze Dachstühle mit diesem Mittel behandelt wurden. Die Balken sehen eigentlich ganz gut aus, sind nicht stark von Insekten befallen. Wir wollen jetzt Proben nehmen und diese bei der Stiftung Warentest auf solche, heute nicht mehr zulässige Gifte, untersuchen lassen.
Nun meine Frage:
Falls es sich so ergeben sollte, daß der Dachstuhl mit Hylotox behandelt wurde, wie kann man damit umgehen, so daß keine spätere Schädigung auftritt. (Wir wollten eigentlich im Dachstuhl die Kinderzimmer einrichten.)
Das es Möglichkeiten gibt weiß ich, allerdings stammen diese aus der Restaurierung und sind somit, aufgrund der Arbeitsintensität, nicht auf die Kombination von einem solchen normalen (d.h.kein Denkmal) Dachstuhl und unserer Geldbörse übertragbar.
Es hängt also die Kaufentscheidung "pro oder contra" in der Luft.

Es würde mich freuen, wenn sich jemand mit solchen Erfahrungen bzw. Informationen melden würde!

Mit freundlichen Grüßen
Alexander Gaethke



PCP-Richtlinie u. LAGetSi-Handlungsanleitung



Guten Tag,
eventuelle Maßnahmen sollten sich an der PCP-Richtline orientieren. Die gilt zwar nur für PCP, während Hylotox 59, wie Sie richtig sagen, DDT und Lindan enthielt. Es handelt sich aber um ähnliche chlororganische Verbindungen. In Berlin und Brandenburg gilt weiterhin zwingend die "Handlungsanleitung -Umgang mit holzschutzmittelbelasteten Bauteilen, Gegenständen, Materialien". Auch wenn man in einem anderen Bundesland ist kann man ruhig mal sehen was in der Handlungsanleitung empfohlen wird. Lindan wird dort als Nervengift beschrieben, das über die Haut aufgenommen wird. DDT genauso, wobei zusätzlich davon ausgegangen wird, dass es Krebs erzeugen kann. Diese Stoffe werden im Menschen nur äußerst langsam abgebaut und reichern sich in Fett und fettähnlichem Gewebe an. Dazu kommen evtl. akute, unspezifische Vergiftungserscheinungen und Langzeitschäden wie z. B. Leberschäden.
Gefährlich ist auch, dass die Substanzen aufgrund des Dampfdrucks ausgasen können und sich z. B. an Staub anlagern können. Hierdurch besteht die Gefahr der Aufnahme über die Atmung und der Sekundärkontamination von anderen Gegenständen.
Theoretisch denkbare Maßnahmen sind der Ausbau belasteter Bauteile, die Beschichtung mit Spezialbeschichtungsstoffen. Z. B. Schadstoff-EX, von badenchemie (Meines Wissens nach das einzige Mittel mit bauaufsichtlichem Prüfzeugniss, hier bin ich aber nicht auf aktuellem Stand) oder anderen Beschichtungen z. B. im Vertrieb von Remmers, Es wird noch weitere Hersteller geben. Die Abdeckung mit Spezialfolien, für die Isover Vario-Klimamembran hat das Fraunhofer Institut für verpackungstechnik eine gute Sperrwirkung nachgewiesen (Ist jedoch kein bauaufsichtliches Prüfzeugnis). Die Luftdichte Bekleidung stellt auch noch eine Möglichkeit dar. Man schottet durch einen Innenausbau die Behandelten Bauteile quasi ab.
Nur für PCP gibt es offizielle Sanierungsrichtkonzentrationen. Bei Lindan kann man entsprechend Literaturangaben z. B. bei Konzentrationen von über 2 mg/kg in Holz von einer Behnadlung mit Mitteln ausgehen. Bei DDT wird in einer Quelle ca. die Hälfte dieser Konzentratioin genannt.
Eine weiere quele gibt als richtkonzentration für sanierunge über 5 mg/kg DDT in Holz oder Staub an. Für Lindan sind die Werte dort bei über 2 mg/kg. (Institut für Umweltananlytik u. Humantoxikologie Berlin November 1996) Warten Sie die Eregebnisse der chemischen Untersuchung ab, dort werden bestimmt auch einige Hinweise gegeben. Wenn eine Kontamination vorhanden ist, greift für die Sanierungsarbeiten eine umfangreiche Kette von Regelwerken für den gesundheitsschutz. Z. B: BGR 128, mit Arbeits- u. Sicherheitsplan, Koordinator Anzeigepflichten usw. Generell ist es gut möglichst staugarm zu arbeiten. Weitere Literaturempfehlung: Zwiener "Gebäudeschadstoffe"
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



wenn ich die ausführlichen Infos von Herrn Arnold verstanden habe,



ist es wohl besser,dieses Haus nicht zu kaufen.



Abwägungen



Hallo Alexander

Der fleissige Ulli hat die eventuellen Aufwendungen und Gefährdungen ja andeutungsweise beschrieben.

Also:
Selbst wenn der Dachstuhl komplett erneuert wird, ist mit Kontaminierungen im Haus zu rechnen. Es ist also eine Frage des Aufwandes und des eigenen "Gefühles"

Wenn der Kaufpreis plus die Sanierungskosten einen immer noch akzeptablen Preis ergeben, bleibt trotzdem das schlecht greifbare Empfinden. Dies drückt sich beim Kauf z.B. im "merkantilen Minderwert" bzw. im "unguten Gefühl" aus.

Keine leichte Entscheidung

Gruß

L. Parisek



Vielen Dank...



...für die prompten Antworten.
Ich war während des Wochenendes am Haus und habe die Proben genommen und werde diese nun verschicken. Diesmal war ich mit Taschenlampe und geschärften Sinnen unterwegs. Aus meiner Arbeit als Restaurator kenne ich den glitzernden Rasen oder die einzelnen Kristalle, welche sich auf der Oberfläche von (stark?) behandelten Objekten zeigen. Diese Indizien habe ich erstmal nicht gefunden. Dreimal auf Holz geklopft und Toi Toi Toi!
Dieses Schadstof-EX von Badenchemie scheint ja eine Alternative zu sein und auch das "Einpacken" könnte man sich überlegen... besser wäre natürlich eine für uns positive Antwort auf die Analyse der Proben. Also abwarten!
Ich werde mich wieder melden!

Beste Grüße an die fleißigen Mitglieder dieses Forums.

Alexander Gaethke