Liaver, Liapor, Poraver....sind diese Stoffe hygroskopisch?



In einer aktuellen Frage, die leider ohne Überschrift läuft und deshalb vielleicht kaum beachtet wird, wurde die Behauptung aufgestellt, obige Stoffe seien hygroskopisch. Irgendwelche Belege für diese Behauptung gab es leider bislang nicht. Ich habe so etwas noch nicht beobachtet, es ist für mich auch schwer vorstellbar, daß versinterter Ton Wasser anziehnen und dauerhaft binden soll.

Da aber kein Baustoff überall passt und ich auch schon gehört habe, daß Lehm/Liapor-Gemische u.U. schlecht trocknen können, bitte ich um Meinungen zum Thema.

Hier der Link zur Frage:

http://fachwerkhaus.historisches-fachwerk.com/fachwerk/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/64389$.cfm


Grüße

Thomas



Liapor



Ich kenne Liapor seit Jahren in meiner Arbeit als Planer, Gutachter und Bauüberwacher.
Es ist ein in der Paxis bewährtes Material, das weder Wasser hygroskopisch bindet noch wie ein Schwamm speichert. Die Oberfläche ist natürlich nicht gasdicht; eine begrenzte Wasseraufnahme in gasförmiger Form und in geringen Mengen ist sicher möglich. Was heißt das: Die Luft im Liapor nimmt mit der Zeit die Umgebungsfeuchte der Luft an, es bildet quasi eine Gleichgewichtsfeuchte; andere Baustoffe wie Holz, Kalk und Lehm tun dies auch. Da dies zeitverzögert erfolgt, wirkt diese Eigenschaft feuchteregulierend. Eine Wasseraufnahme in nennenswerten Mengen kann ich mir nur unter hydrostatischem Druck vorstellen, also wenn die Liaporkügelchen unter Wasser gedrückt werden bzw. im freien Wasser verbaut sind und dort längere Zeit verbleiben.
Der Grund der Diskussion war ja m.E. die Frage, ob Liapor durch den darunter liegenden Boden Bodenfeuchte aufnimmt und kapillar transportiert.
Dazu folgendes:
Liapor wird bei Schüttung in einer Körnung im Haufwerk eingebaut. Zwischen den einzelnen Körnern befindet sich Luft; um die Körner bildet sich auf der Oberfläche ein molekularer Wasserfilm aus der Feuchte der wasserdampfgesättigten Luft (3- Phasensystem)ähnlich wie bei Kies. Der Unterschied ist nur, das in den Liaporkugeln Luft eingeschlossen ist, im Kies nicht. Durch die Korngröße, die geringen Kontaktflächen der Körner untereinander und die großen Zwischenräume im Haufwerk ist die kapillare Steighöhe praktisch Null, es gibt nur die Gleichgewichtsfeuchte. Kondenswasser tropft ab, nur die einige Moleküle starke Wasserhülle um die Körner verbleibt (sog. Erdfeuchte). Der Unterschied bei Schüttungen aus Kies als Einkorn oder Liapor liegt nur in der geringeren Wärmeleitfähigkeit und der geringeren Masse von Liapor, es dämmt halt besser.
Korkgranulat, Weichfaserplatten usw. mit Kontakt zum Boden zu verbauen, ist m.E. ungünstiger, da die Körnungen kleiner sind und die größere Oberfläche mehr Feuchtigkeit als Molekularfilm binden kann (deshalb ist es trotzdem trocken!) Ich habe in der Lehre gelernt, das "trocken" die Abwesenheit von Wasser in tropfbar- flüssiger Form sei und "staubtrocken" einen so geringen Wassergehalt des Materials bedingt, das keine Staubteilchen durch Kohäsion mit Wasser gebunden werden können. Wird die Oberfläche einer Schüttung, egal aus welchem Material, mit trockener und wärmerer Luft belüftet, trocknet diese Oberfläche ab, der Molekularfilm verdunstet, die Oberfläche wird "staubtrocken". Das ist zwar nicht wissenschaftlich, veranschaulicht aber das Problem.
Zuletzt noch meine Meinung zum Ausgangspunkt der Diskussion:
Mag sein ich bin altmodisch, aber ich würde nie auf die Idee kommen, Holz oder Naturbaustoffe wie auch immer auf den nackten Boden zu packen, sondern zwischen dem (erdfeuchten) Boden und dem Bauteil eine Abdichtung legen. Darauf lege ich eine Dämmung und darauf die Nutzschicht, wie auch immer die aussehen mag. So muß ich nicht die Oberfläche des Bauteils, das auf der Erde liegt, durch Heizen und Lüften trocken halten.Auf die Dämmung kann ich zur Not verzichten, nicht aber auf die Abdichtung.
Abschließen sei mir gestattet, Herrn Florian Kurz und seinem großen Meister Herrn Fischer einmal ins wohngesunde massivwärmende strahlungsgeheizte Paradies zu k...en:
Ich würde gern einmal einen Ofen sehen, der nur Strahlungswärme abgibt und einen Raum ohne die "ungesunde" Konvektion heizt... Das muß man einem Ofen erst einmal beibringen! Diese renitenten Dinger halten sich nicht an die reine Lehre, sie erwärmen nicht nur die Luft durch Konvektion sondern leiten auch Wärme über ihre Kontaktflächen zu anderen Baustoffen ab! Ich bin jedenfalls froh über meine auch durch Konvektion funktionierende Heizung, so muß ich nicht in meiner Miefglocke sitzen.
Fazit: Es gibt keine "bösen" oder "guten" Baustoffe und Bauteile, es gibt allenfalls falsche oder richtige Anwendungen!

Viele Grüße

Georg Böttcher



Erläuterungen



Den sauberen Erklärungen von Herrn Böttcher kann ich vorbehaltlos zustimmen.

Die anschließende Wadenbeißerei gegen Forumsmitglieder schließe ich dabei natürlich aus, das ist unter Niveau und eines multi-taskers wie Herrn Böttcher unwürdig.

Zudem steht hier die Frage, wohin die an der Dichtung kondensierende Bodenfeuchtigkeit verschwinden soll.

Es gibt selbst hier im Forum Beispiele, wo nach Abdichtung der Bodenfläche die Feuchtigkeitsbelastung der Wände gestiegen ist.

Es spricht nichts dagegen, den Boden mit Schotter aufzubauen, Geovlies und LIAPOR drauf, Tragbalken einzulegen LIAPOR aufzufüllen und unter den Dielen ca. 6cm Luft zu lassen.

Die Oberfläche aller Bauteile, die den Wohnraum eingrenzen, sollten in Altbauten belüftet und getrocknet werden, besonders der Fußboden.

Und das geschieht nun einmal am Besten durch Strahlungsheizung.

Daß nebenbei Wärme duch Konvektion oder geringen Kontakt abgegeben wird, ist im Verhältnis zur abgestrahlten Energie unbedeutend und kann schwerlich als Beweis für irgendeine Theorie herhalten.

Schließlich interessiert hier die Hauptwirkung des Systems, und das ist augenscheinlich Wärmestrahlung.

Alles Gute





Moin,

zwei Anmerkungen von mir:

1. Guter Vorsatz, die Diskussion zu versachlichen.

2. Alle Baustoffe sollten mal anwenungsorientiert
auf ihre jeweilige Eignung, Vorteile und Nachteile durchleuchtet werden.
Wer diesem Diskurs nicht folgen kann oder will,
sollte einfach die Finger von der Tastatur lassen.

Viele Grüße,
Philipp Kawalek




trocken-Webinar Auszug


Zu den Webinaren