Eigenleistungen fair bewerten.

04.03.2011 Boris



Moin miteinander,

da meine Liebste und ich anstreben am Ende der Abzahlerei tatsächlich 50/50 zu stehen (so wie's im Grundbuch steht), taucht gerade die Frage auf, wie meine Eigenleistung pro Stunde anzusetzen wäre.

Wenn ich den "Handwerkernetto" nehme (also die Hälfte dessen, was ich den Jungs auf unserer Baustelle pro Stunde gezahlt hab) ergäbe das einen Betrag irgendwo zwischen 12,- und 22,- € / Stunde.

Wie habt ihr das geregelt?

Gibts da Vorgaben?

Gruss, Boris



Leistungsbewertung



Nicht der Zeitaufwand wird bewertet (da kriege ich auch das in der Nase bohren bezahlt), sondern die Bauleistung nach mittleren am lokalen Markt üblichen Preisen.
Also marktüblicher Preis der Bauleistung minus Materialkosten minus ev. Qualitätsabschläge.
Für den Schlaf- und Wohnzimmerfußboden aus geschnittenen Ziegeln in Lehm verlegt (siehe den hier laufenden Beitrag) würde ich als Sachverständiger bzw. Wertermittler einen Negativbetrag ausrechnen (Wert gleich 0 minus Rückbaukosten), da weder die Regeln der Technik eingehalten wurden noch eine übliche Gebrauchstauglichkeit vorhanden ist.
Es gilt der Grundsatz: Wie würde ein normaler Käufer diese Bauleistung bewerten?
Das ist wie mit dem liebevoll selbst aus GFK zusammenlaminierten Heckflügel, der an den Golf gepappt und angespachtelt wurde. Vielleicht findet sich ja ein Liebhaber, der das auch geil findet und dafür die vielen Stunden Heimwerkelei bezahlen will. Das ist aber für die Bewertung unerheblich. Kann ich den Golf damit verkaufen?
Kriege ich für so was mehr oder weniger Geld am Markt erlöst?
Diese Fragen sind zu beantworten.

Viele Grüße





Hallo Boris,

das sind ja nette Gedanken, aber mal ehrlich, wenn ihr zusammen Eigentum anschafft, es nutzt und zusammen darin wohnt wird es wohl kaum möglich sein jeden Handschlag zu bewerten um am Ende 50/50 zu stehen. Es sei denn in der Beziehung liegt kein Vertrauen und der Gedanke einer Trennung steht schon im Raum, dann könnte ich Ihre Überlegungen nachvollziehen. Eigentum zum jeweils hälftigen ideellen Wert anzuschaffen bedeutet auch Vertrauen! Vielleicht gibt Ihnen Ihre Liebste ja etwas, was nicht direkt mit einer Handwerkerleistung aufzuwiegen ist? Liebe, Vertrautheit, Wertschätzung, Respekt oder auch nur die normalen Dinge des Alltags wie Essen kochen, Wäsche waschen, Bügeln, Putzen, etc.???

Mein Tipp: Denken Sie nochmal drüber nach!

Beste Grüße,
Dominik



Der Wert der Arbeit



Schwierig,

mit dem Stundenansatz. Das würde bedeuten je langsamer Du arbeitest, desto höher wird Dein Eigenanteil respektive desto höher der Wert der Umbauarbeiten ? :-))

Vom hohen Kenntnisstand bei der Ausführung ausgehende: Zur fairen Bewertung würde ich zunächst eine Kostenschätzung über alle Arbeiten die ausgeführt werden erstellen – dabei ist es unerheblich wer die Arbeiten ausführt.
Bei jenen Arbeiten, die dann selbst ausgeführt werden können, kann dann der Lohnanteil ermittelt werden und diesen kannst Du dann vermindert ansetzen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Moin zusammen,



und erstmal Danke für eure Anregungen.

Unsere Frage ist eben, wie wir unser bewährtes 50/50-Prinzip (Was Arbeits- und Kostenteilung angeht)in diesem Fall fortsetzen können.
Das alte "Papi geht arbeiten und Mutti macht die Wäsche, bis dass der Tod uns scheidet"- Modell passt nun mal bei uns so richtig garnicht.....;-)

@Georg: Wenn wir für alle Gewerke KV's hätten sicher ein gangbarer Weg, hamwa aber nicht. Dein Vorschlag berücksichtigt allerdings nicht, dass ein normaler Betrieb seine "Nebenkosten" mit einpreist - die aber bei Eigenleistung nicht anfallen. Deshalb bin ich bei den "Stunden geleisteter Arbeit" angekommen. Nasebohren etc. selbstredend rausgerechnet, für "Heckspoiler" hatte ich (leider/gottseidank) keine Zeit.

@Dominik: Deine Antwort hätte von mir sein können.....aber als "gebrannte Kinder" aus vergangenen Zeiten, hat sich's bei uns durchaus bewährt, dem jeweiligen Bauchgefühl nochmal nüchterne Zahlen gegenüberzustellen - das überlebt auch den Streitfall und rüttelt auch nicht an unserem gegenseitigen Vertrauen.

@Christof: Grundsätzlich sollte man ja nicht immer von sich selbst auf Andere schliessen.....;-))

Praktischerseits ist dein Vorschlag aber nur schwer umzusetzen, weil wir ganz und garnicht Gewerk für Gewerk gearbeitet haben, sondern nach "Wer muss wann eingezogen sein" bzw. "Was liegt grad an und muss jetzt gemacht werden".

Und genau das "vermindert ansetzen" wollt ich mal in € wissen......


Grüsse, Boris



Leistungsbewertung



Hallo Boris,
es geht bei so einer Bewertung einzig und allein darum, was die betreffenden Leistungen am Markt, also "im gewöhnlichen Geschäftsverkehr" kosten würden. Wenn keine Eigenleistung, dann eben ein Handwerker- und der kalkuliert nunmal auch alle Kosten, dazu Wagnis und Gewinn.
Sonst müsst Ihr Euch in der Familie eine Sonderwirtschaftszone mit eigener Währung und eigenen Wertstandards einrichten. Ein Hemd bügeln 3,80 VE (Verrechnungseinheiten), einmal Müll runter tragen 0,80 VR...

Viele Grüße



Diese



Frage erstaunt auch mich ein wenig nach über 25 Jahren Ehe und 2 Ausbauwohnungen und einem ausgebauten Bauernhof.
Wie hoch wird denn dann die Geburt eines Kindes gewertet, denn die Zeugung kannst Du ja nicht als kostenintensiven Aufwand abrechnen.
Wenn Ihr aber wissen wollt, welchen Wert Ihr Euch zusammen geschaffen habt, dann lasst Euch doch hinterher ein Gutachten erstellen. Vergiss dann aber nicht, dass die Pausenversorgung für den Handwerker auch was kostet.....Und was ist bei Pfusch, zahlst Du dann auch für den Ersatz? Sorry, ich muß noch immer grübeln ............................. getreu deinem Motto



Ich kann..



..die Überlegungen einer gerechten Bewertung schon verstehen. Aber wäre es nicht wirklich einfacher und auch "fairer" die Sache die ihr gemeinsam geschaffen habt zu bewerten und nicht den Aufwand der dazu geführt hat?
Also mittels eines Gutachters den Wert des Hauses zu ermitteln und das Ergebnis dann 50/50 zu Grunde legen?

Die Zuhilfenahme eines Stundensatzes für die Eigenleistung würde ja bedeuten, ihr habt das auch mal erfasst.
Wenn ich mir vorstelle, jeden Handgriff den ich an meiner Hütte getan habe, zeitlich aufzuschreiben, du meine Güte. Wo käme ich da hin ;-).

Grüße
Martin



Moin zusammen,



meine Frage taucht auch woanders im Netz genau dort auf, wo einer mehr Kapital und der andere mehr Arbeitskraft miteinbringt:

Wie bringt man beides in eine gesunde Relation zueinander?

@Olaf: Aus deiner Situation heraus zugegeben sicher eine absurde Frage. Wir sind halt weder verheiratet noch haben wir gemeinsame Kinder und können beide nicht ausschliessen, dass uns das Leben noch in unterschiedliche Richtungen zieht.
Klar gehört Pausenversorgung etc. genauso dazu wie die "Abzüge in der B-Note".

@Martin: Das Gutachten machen wir, das dokumentiert jedoch nur den Zugewinn insgesamt, nicht aber den jeweiligen Anteil daran.
Die Stunden haben wir so gut es ging erfasst (erschien uns damals am sinnvollsten), "Lehrgeld" natürlich nicht. Das hat mich auch so interessiert, weil die "gefühlte Eigenleistung" ja meisstens überschätzt wird....;-)


Grüsse, Boris





Also,
wenn das, was Du Eigenleisten willst, vom Handwerker als Leistung eingekauft 30'000 kosten täte, dann hast Du diese 30'000 geleistet und man mag sie Dir gutschreiben. Abzuziehen sind dann die Leistungen, die an Dir verübt wurden, und die im Unterlassensfalle Du als Kosten gehabt hättest, wie z.B. dich bekochen lassen.
Ab einer bestimmten Genauigkeit, die von den Vertragspartnern abhängt, wird das Rechnen zum Selbstzweck.