Eichentür

29.09.2004



Wir haben eine alte Eichentür von sämtlichen alten Farbschichten befreit und wollen sie nun eigentlich im Rohzustand belassen und sie `nur´ einölen. Jetzt hat unser Maler gemeint, dass alle Öle sich nicht mit Eiche `vertragen´ würden und das Holz zersetzen würden? Er würde sie wieder mit Farbe überpinseln. Alles Humbug oder ist etwas dran?
Vielen Dank schon mal im voraus





hallo sabine braun,
leinöl zersetzt eiche? keine ahnung, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.
alternative: ein Wachs (auro odgl.aus dem ökobaumarkt o.Ä.), ergibt eine sehr schöne oberfläche!)
habe gerade einen schönen massiven Schrank aus eiche von drei schichten Lack befreit und ebenfalls eingewachst. auf keinen fall wieder einlacken. (aussentüre oder innen?)
erstmal schöne grüsse
chr. bernard



Schlechter Scherz ???



Habe noch nie davon gehört, daß Öl Eiche zersetzen soll. Will der Anstreicher evtl. eine Ölfarbe nehmen;-)

@ Christian Bernard
Habe mir gerade die Deklarationen der Wachse von AURO angesehen. Sind alle nur für den Innenbereich geeignet. Enthalten aber alle Öle, bzw. Ester aus Leinöl etc.

Nächtlicher Gruß





o.k. warten wir,
ob nun: innentür, oder aussentür?



Reines Leinöl



...würde ich nicht nehmen, eher ein Holzöl auf Leinölbasis (eben ein "sicheres" Fertigprodukt eines namhaften Herstellers, z.B. Leinos, Osmo, Aglaia, usw.). Von einer "Zersetzung" ist mir dabei auch nichts bekannt, nur dass Hartholz nicht so "angefeuert" wird, wie Nadelholz. Ein Baulexikon aus dem Jahr 1888 empfiehlt sogar die Konservierung mittels Leinöl bzw. Ölgemischen... ob das Wissen veraltet ist? Eichenholz enthält viel Gerbsäure, verwechselt der Malermeister da irgendetwas?
Gruß
Stefan



Was ist denn ...



... ein Holzöl auf Leinölbasis?

Es gibt Holzöl - auch Tungöl genannt - und Leinöl. Beide sind prinzipiell verwendbar. Allerdings neigt Leinöl zum Vergilben.

Gruß aus BS



Warum nicht



An Leinöl kann man nicht so viel verdienen wie an Produkten von Caparol, Brillux oder Sto. Zersetzt nicht die Eiche, sondern den Geldbeutel des Malers.
Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik



Eichentür



Reines Leinöl ist überhaupt nicht zur Holzbehandlung geeignet, da es immer klebrig bleibt. Es muss zumindest ein (schwermetallfreies) Leinölfirnis verwendet werden, damit der Trocknungsprozess hinreichend beschleunigt wird.

Zu bedenken ist dabei allerdings: Wenn die Eichentür nur mit Leinölfirnis behandelt wird, dann wird sie innerhalb weniger Jahre vergrauen, da Leinölfirnis ohne Zugabe geeigneter Farbpigmente über keinerlei Lichtschutz verfügt.

Die vom Malermeister in Aussicht gestellte Zersetzung des Holzes durch Leinöl ist natürlich völliger Quatsch und entbehrt jeglicher fachlicher Grundlage. Im übrigen ist aber von einer Wachsbehandlung im Außenbereich und in Feuchträumen dringend abzuraten. Die Feuchtigkeit dringt unter die Wachsschicht und erzeugt dadurch einen sehr häßlichen Grauschleier.

Empfehlenswert sind anwenderfreundliche Fertigprodukte der Fa. Livos et al, wie z.B. Kaldet-Dünnschichtlasur, in verschiedenen Farbtönen. Dabei handelt es sich um leinölhaltige lichtecht pigmentierte Lasuren von sehr guter Verarbeitungsqualität.

mfg
Michael Späth



@Michael Späth



Kleine Anmerkung,

Leinöl gehört zu den trocknenden Ölen - es kann jedoch in Abhängigkeit von Temperatur etc. mehrere Tage dauern, aber es trocknet völlig auf.

Leinölfirnis enthält Sikkative und muß qua Defintion innerhalb von 24 Stunden trocknen. Die Zusammensetzung der Sikkative ist immer eine Gratwanderung. Auch wenn die meisten heute bleifrei sind - enthalten auch die Firnisse der "Naturfarbenhersteller" meistens noch Kobalt und Zirkonium. Es gibt da noch keine geeigneten Ersatzstoffe, da sowohl die Trocknung von außen als auch von innen durch diese Katalysatoren (Salze) beschleunigt werden soll.

Ansonsten stimme ich Ihren Ausführungen zu.

Gruß aus BS



@ Bernd Fröhlich



Sie haben natürlich recht, mein "Holzöl auf leinölbasis" sollte wohl korrekter heißen "Öl für die Behandlung von Holz auf Leinölbasis". Sorry für die ungenaue Formulierung.
Und Leinöl trocknet wirklich völlig trocken auf (auch wenn es ziemlich lange dauern kann) - ich benutze es in der Ölmalerei (klassisches Malmittel: Leinöl plus Terpentinöl 1:1). Es trocknet zuerst an der Oberfläche und dann langsam nach "innen". Und es vergilbt im Laufe der Jahre und bietet keinerlei UV-Schutz, weder für Bilder noch für Holz, stimmt. Gruß aus Gerlingen
Stefan



Eichentür



Guten Morgen,

in den bisherigen Diskussionsbeiträgen ging es um Lasuren. Es geht auch mit Lack:
Ich habe vor 20 jahren mal im Keller einen alten Zeichentisch gefunden, den der Polier wohl nicht mehr aus dem Keller hat befreien können. Nach Abschleifen und Lackieren mit vielleicht 8 - 10 Schichten Blue-peter Classic, in einigen Abständen kommt immer mal wieder eine Schicht drauf, hat die Fichtenplatte jetzt einen Glanz wie Honig, der eine unglaubliche Tiefe bekommen hat und am ehesten an Geigen erinnert. Mit PU-Lacken und lasuren ist diese Wirkung nicht zu bekommen.

mit besten Grüßen



Außenbereich



Erstmals vielen Dank für die vielen Antworten!!!
Ich hätte natürlich dazu schreiben sollen, dass es sich bei unserer Tür um unsere Haustüre handelt! Sorry.
Im Innenbereich haben wir unsere ganzen Balken mit Leinölfirniss eingelassen. Sieht toll aus, aber bei einem kleinen Holztisch, haben wir dieses zuerst auch gemacht. Leider konnte man da die Wasserflecken gut darauf sehen ( es bildeten sich unschöne, weiße Ränder) und dann denke ich, dass das bei einer Außentüre nicht so toll aussieht. Aber es muss doch eine Alternative zu einer Ölfarbe geben. Herr Beckmann´s Vorschlag hört sich doch auch gut an? Oder ein Wachs das Wind und Wetter trotzen kann ?!



Außentür



Auf ihren Booten verwenden viele Segler Hartwachsöl.



Seeräuberstory



Fragt bitte mal den alten Käptn Blaubart, mit welchem Kalfater-
Pech-Öl-Gemisch er seinen alten Eichenholzkahn dauerhaft
gedichtet, gesichert und konserviert hat. Eiche vertägt bestens
Öle (nach meiner Erfahrung), Kunos-öl (Linus) habe ich mehrfachs
verwendet, um Eichenständer einzulassen. Wird sehr schön,
leider wird die Eiche sehr dunkel (ich rede hier von 400 Jahre
alten Ständern). Mein Bruder hat einen neuen Eichenmassifboden mit ähnlichem Öl eingelassen, kommt schön honigbraun. Alles eine Frage der Tannine/Gerbstoffe, wie beim Wein. Ach ja, habe
neulich einen excellenten Minervois gekauft, direkt beim Erzeuger...

gruss aus dem Süden
Pyrenäen-Torsten