Behandlung neuer Eichendielen

28.12.2010



Hallo Fachwerk-Community,

seit vor wenigen Tagen endlich in unserem ca. 200 Jahre alten, denkmalgeschützten Fachwerkhäuschen unser neuer Wohnzimmerboden (Eiche, Dielen ca. 20 cm breit und ca. 2 cm stark, mit angefräster Feder und Gegenzugnuten) verlegt wurde (verdeckt verschraubt; Untergrund: Betonboden, dann Balkenunterkonstruktion, Isolierung: Climacell), schmökere ich im Forum nach der besten Behandlungsart herum und werde nicht so richtig schlau, da viele Beiträge sich widersprechen, aber nicht argumentativ direkt aufeinander bezogen sind.

Ich würde in jedem Fall eine Behandlung mit Naturölen bevorzugen (unser Schreiner, der die Dielen wunderbar verlegt hat, empfahl Hornbach Hartwachsöl, da schnelltrocknend und sehr belastbar - aber da ist gleich als erste Zutat Isoaliphat drin... wenn ich das richtig verstanden habe, dringt das nicht so tief ins Holz ein - oder wo genau sind die Probleme mit dieser Art von Wachsöl?).

Wenn ich die Beiträge im Forum richtig verstanden habe, dringt das Öl nur beim Erstauftrag tief in das Holz ein, der Rest ist dann eher "Oberflächenbehandlung".

Was spricht für, was spricht gegen eine Erstbehandlung mit rohem Leinöl (zB von Leinölpro)? Wie genau sollte diese erfolgen? (Längere Trockenzeit erscheint mir weniger problematisch, die Fragen des "Nachgilbens" und der Belastbarkeit dagegen schon). Ist ein Auftragen mit dem Pinsel ausreichend oder muß das Öl maschinell einmassiert werden?

Kann man dann bzw. ist es sinnvoll, um eine größere Belastbarkeit zu erzielen, mit Hartwachsöl nachölen? Wenn ja, was für Produkte sind hier zu empfehlen (u.a. besagtes Öl von Hornbach ja oder nein)?

Herzlichen Dank,
Lotta



Isoaliphat



ist, wenn ich mich richtig erinnere, ein Oberbegriff für gestreckte (also nichtaromatische) Kohlenwasserstoff-Ketten, wobei der Begriff Iso auf verzweigte Ketten hinweist. Diese Gruppe von Stoffen ist immens vielfältig, und umfasst das was wir als Wachs oder Paraffin verstehen, ist in Schuh- und Gesichtscreme oder auch Butangasflaschen, kann fest oder flüssig oder gasförmig sein. Aus dem Namen Isoaliphat auf irgend eine Eigenschaft zu schließen (außer das es nicht wasserlöslich ist), hielte ich für voreilig.

Ich habe gelesen, dass rohes Leinöl nur sehr langsam aushärtet (also nicht etwa trocknet) und das deswegen der Leinölfirnis extra Siccative zugesetzt werden, die diesen Vorgang erheblich beschleunigen. Zum Aushärten benötigt Leinöl Licht und Sauerstoff.

Lt. dem von Dir genannten Anbieter 'trocknet' es in 24 h, allerdings bei 15 um Auftragsstärke, das ist deulich dünner als ein Haar. Bei Deiner Idee das Leinöl in die Dielen einziehen zu lassen, wird die Dicke ja sicher mehr als das betragen und das mit dem Licht und Sauerstoff ist auch so eine Sache. Das Ergebnis würde 'Bernsteinhart' (wann auch immer), ob das für einen Fußboden reicht?

Wenn Du allerdings ohnehin noch ein Hartwchsöl auftragen willst, gibt's dazu sicher eine passende Grundierung.
Da kommen dann wieder die Isoaliphate oben drauf und machen das ganze so gut es geht stabil.

Ich finde Leinöl eine tolle Sache und benutze es auch, auf den Fußboden würde ich es nicht tun.

Sicher gibt es aber berufenere hier im Forum.


Gruß

Götz



Wie immer...



...rate ich von der Verwendung von Wachsölen und Wachsen im Fußbodenbereich ab, im Verhältnis zu Hartölen ist der Pflegeaufwand höher, die Imprägnierung geringer, es besteht die Gefahr von Anschmutzungen, Laufstraßen etc.

Ich arbeite seit 2004 nahezu ausnahmslos mit Produkten der österreichischen Marke "Natural". Sollten Sie sich eine Thermopadmaschine ausleihen können, wäre das Heißöl die erste Wahl, ansonsten das Parkettöl.

Leinöl kann grundsätzlich verwendet werden, es trocknet aber viel langsamer, und darf nur in sehr guten Qualitäten eingesetzt werden (erste Kaltpressung). Es ist somit nicht wirklich billiger. Zudem gilbt es stärker.

Eine Schichtbildung muß bei allen Fußbodenölen vermieden werden, Überstände sind abzunehmen. Das wird mit dem Lappen zur Qual, mit der Einscheibenmaschine und weißen Pads geht's gut.

Steht alles schon ganz oft im Forum.

Gutes Gelingen wünscht

Thomas



@ Götz



Die Isoaliphate der handelsüblichen Ölwachse und Öle sind Lösemittel. Geruchsneutral und von geringer Toxizität.

Muß m.E. nicht im Fußbodenöl sein.

Grüße

Thomas



Danke!



Hallo Götz und Thomas,

danke sehr für die Antworten! Ok, dann werde ich in jedem Fall ein reines Öl nehmen, entweder von Natural oder von Naturhaus (entsprechend des genannten anderen Threads im Forum).

Viele Grüße,
Lotta





Im Thread Dielen färben oder räuchern (Link: http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/forum/a/listForumSplitt/0,159215$.cfm) haben wir uns auch über Öl unterhalten und auch darüber, ob die Naturhartöle syntetische Lösungsmittel enthalten!

Ohne es verdammen zu wollen, auch bekannte Hersteller von Naturölen verwenden z. B. Isoaliphate und Isoparaffine

Sehr gute Infos zum Thema Naturfarben und konventionelle Farben sind auf http://www.wikidorf.de/reintechnisch/Inhalt/HolzOelenProdukte zu finden.

D. h., auch bei sog. Naturölen können durchaus bis zu 40 %
der verkauften Flüssigkeit aus Lösungsmittel bestehen, die aus der Petrochemie stammen!

Grüsse
Gerry



Da hat sich Gerry was ergoogelt,



und das wird er sicher noch ganz oft mit uns teilen:-)

"bei Naturölen können durchaus bis zu 40 %
der verkauften Flüssigkeit aus Lösungsmittel bestehen, die aus der Petrochemie stammen"

Das ist insofern falsch, als daß Isoaliphate keine Lösemittel, sondern Verdünnungen sind. Das wird gern verwechselt, und auch mir ist das schon passiert. Wichtig ist dieser feine Unterschied, weil Lösemittel recht reaktionsfreudig sind und damit weitaus mehr Schadenspotential haben, als die äußerst reaktionsträgen Isoaliphate.