Leinölfrage

05.03.2007 putzig


Ich brauche hier mal eure Erfahrungen...ich bin wieder mal total verwirrt:
Die Hölzer im DG will ich sämtlich mit Leinöl pur behandeln. Probeanstriche an 2 Balken (mit Speiselleinöl aus der Lausitz) brachten hervorragenden Ergebnisse.
Nun brauche ich aber so 5-10Liter desselben und gehe also auf Preisvergleich. Wie es so ist, von 20 bis 70EUR ist wieder mal alles drin (5Liter).
Nun frage ich mich natürlich, woher die Unterschiede kommen. Es handelt sich immer um reines kaltgepresstes Öl ohne Zusätze. Verkauf von deutscher Adresse, hergestellt von Österreich bis Schweden. Direkt von der Ölmühle bis zum Farbenprofi - alles dabei (...nee im Baumarkt war ich nicht nicht :-))
Arrghh!
Greife ich mit dem preiswerten Öl in die ...?
Ist das teure zwar gut, aber eigentlich Luxus?
Wenn ich 'nen Fuffi sparen kann bin ich natürlich dabei.
Allerdings will ich natürlich keine untauglichen Sachen verarbeiten.
Hat wer ein paar Tipps zur Enscheidungsfindung für mich?
Danke.

P.S. Ich weiss - ich hätte mich am Wochenende auf der Hausmesse in D beraten lassen können. Man hat nur eben nicht immer Zeit. Leider.



Hallo Herr Puruckherr,



Leinöl ist eigentlich zu dick für solche Anwendungen und trocknet langsamer, ich persönlich würde ein Hartöl aus dem Naturfarbensektor bevorzugen. Preislich kann das freilich mit Leinöl nicht konkurrieren.

Wenn Sie bei Leinöl bleiben wollen, sollten Sie es zumindest 1:1 mit reinem Balsamterpentin oder einem guten mehrfach destillierten Orangenschalenöl verdünnen, um eine hinreichende Eindringtiefe zu gewährleisten oder/ und es möglichst heiß auftragen (besser im Wasserbad erwärmen).

Ich glaube nicht, daß Sie für mehr Geld automatisch ein besseres Leinöl erhalten, außerdem könnten Sie wohl kaum Qualitätsunterschiede erkennen. Von einem Fachberater von Naturhaus habe ich erfahren, daß Naturhaus nur ausgewählte Herkünfte bevorzugt, da das Öl regional unterschiedliche Qualitäten hat. Die Kriterien der Lebensmittelherstellung passen aber nicht mit denen der Farbenherstellung zusammen.

Egal welches Leinöl Sie auf die Balken streichen, es wird hinterher ölig aussehen :-) Wenn's denn Leinöl sein muß, würde ich hier nach dem Preis gehen. Übrigends: Leinöl neigt stärker als viele Hartöle zum Vergilben. Auf alten Hölzern interessiert das nicht, bei neuen könnte es störend wirken.

Grüße

Thomas



Schöne Balken



Hallo Her Böhme,

ich habe bereits 2 gebürstete (neue) Sparren komplette mit purem Speiseleinöl eingepinselt. Es ist nicht ölig und prima getrocknet. Es gefällt uns sehr gut. Die Maserung kommt prima zu Geltung. Auch einige kleine Möbelstücke habe ich nach dem Abschleifen mit Leinöl pur behandelt. Ich bin sehr zufrieden.
Darum irritiert mich Ihre Aussage jetzt etwas.

Aber den Tipp mit dem Terpentin werde ich beherzigen.



Vielleicht noch



als Anmerkung:

Der Vergilbungsprozess wird sich fortsetzen. Wenn das für Sie so o.K. ist, dann ist es gut. Manche mögen den starken Gelbton auf hellen Hölzern nicht.

Zum anderem soll jedes Öl etwas einziehen können, dann nimmt man die Überstände ab, da dicke Schichten Öl stark verzögert trocknen. Gerade auf einem unebenen (gebürstetem) Untergrund ist das eigentlich gar nicht zufriedenstellend hinzubekommen bei dicken Ölen. Nun sind meine Maßstäbe freilich nicht verallgemeinerbar, aber ich versuche hier halt darzulegen, was ich für eine mängelfreie Leistung halte.

Grüße

Thomas W. Böhme



Leinöl



Hallo Jens,
ich verwende kein Speiseleinöl, sondern Leinölfirnis von Kreidezeit
Kosten für 5 l: ca. 35 €
Sparsam zu Verarbeiten (reicht für ca. 100 m²), trocknet schnell.

Dann habe ich noch Leinöl gekocht von www.leinölpro.de hier. Kosten für 5 l: ca. 84 €
Davon bin ich nicht halb so begeistert. Es läßt sich wesentlich schwerer verstreichen und zieht auch nicht so gut/schnell ein.

@Herr Böhme,
ich lade Sie gerne ein, sich unsere Fichten- und Eichenbalken anzuschauen, die wir alle mit Leinölfirniss unverdünnt gestrichen haben. Die Maserung kam toll raus, das Holz ist natürlich dadurch angefeuert - wie es so schön heißt - aber gerade das sieht super aus. Es glänzt nix übermäßig und die ollen Balken haben das Öl regelrecht aufgesaugt. Die Trocknungsphase hat noch nicht mal 24 Std. gedauert (bei ca. 15°C Raumtemperatur). Da wir sparsam gestrichen haben, war so gut wie kein Überstand abzunehmen.

Grüße
Ulrike



Leinöl und oder Firnis



entgegen landläufiger Ansicht hat ein reines Leinöl eine völlig andere Eindringtiefe, als eine Leinölfirnis.
Leinöl dringt wesentlich tiefer ein als Firnis - durch die Erwärmung "verklumpen" die Molekularstränge und dringen deshalb weniger tief ein
Vorsicht auch bei übermässig gepresstem Leinöl - das hat einen hohen Eiweißgehalt - die Oberfläche fängt dann bei Feuchteeinwirkung zum "schimmeln" an (schwarze Flecken oder Belag)

FK



Merkwürdig



kann ich mich etwa nicht mehr auf mein Gedächtnis verlassen?

Wenn das so ist, Herr Kurz, wie Sie schreiben. Wieso dringt dann das Firnis so gut ins Holz ein und ist schnell trocken?

Ich habe den direkten Vergleich - weil mir das Firnis ausging und ich fertig werden wollte ...



Hallo Ulrike,



ein guter Tee unter alten Balken ist besser als Champagner auf dem Bahnhof :-). So wie es gelegentlich passt, komme ich gern auf die Einladung zurück.

Gegen die Empfehlung, Firnis zu nehmen, spricht nichts, allerdings aus schon genannten Gründen besser verdünnt. Das steigert unbestritten die Eindringtiefe - und Firnis dringt pur aufgrund der kürzeren Trockenzeit weniger gut ein als Leinöl (siehe z.B. WIKIPEDIA).

Nun ist es natürlich im Innenbereich auf Balken, die nicht mechanisch beansprucht werden, zweitrangig, wie tief das Öl eindringt. Das optische Bild bleibt gleich. Außerdem nimmt Ihr altes Holz das Öl wesentlich besser auf als neues. Ich habe mir mein Gefühl für das Öl vom Fußboden her erarbeitet, und da sind Aspekte wie Eindringtiefe und Trockenzeit ungleich wichtiger. Da nun auch auf den Balken ohne nennenswerten Mehraufwand auch eine bessere Eindringtiefe erreicht werden kann, empfehle ich halt diese Variante.

Grüße

Thomas



Wie sich die Antworten manchmal kreuzen...



@ Florian Kurz
Das Schimmelproblem stieß mir auch schon auf, und die Erklärung hinsichtlich Eiweiße ist überzeugend. Bloß, woran kann ich jenseits blumiger Versprechungen (was genau ist denn "schonend gepresst", "naturbelassen" etc.) am Produkt selbst erkennen, ob da ein Übermaß an Eiweißen vorliegt?

@ Ulrike Nolte
Pflanzenöle als Naturprodukte differieren in Ihren Eigenschaften stark. Leinöl wird, wenn es länger steht, dicker (Standöl bzw. Sonneneingedicktes Leinöl). Die freien Bindungen der ungesättigten Fettsäuren verknüpfen sich dann miteinander, bis zu festem Gelee. Auch Firnisse verschiedener Hersteller können stark differieren. Insofern werden Sie sich sicherlich auf Ihr Gedächtnis verlassen können - das Leinöl war bloß etwas älter.

Grüße

Thomas



So gefälllt mir das ....



eine Frage - viele Meinungen. So wie immer eben :-)
Also - ich fasse mal zusammen:

Der Hersteller des Öles und somit der Preis spielt eher eine untergeordnete Rolle (wird übrigens sehr viel als Pferdefutterzuschlag verkauft - wusste ich auch noch nicht ) und sind relativ unkritisch für meine Anwendung im Innenbereich.
Empfehlenswert ist der Zusatz von Terpentin zur Erhöhung der Eindringtiefe allemal - egal ob reines Öl oder Firnis.

Danke für eure Diskussion - ich gehe dann mal Geld sparen :-)



Leinölpressungen



Leinsamen wird mehrfach kalt, dann mehrfach heiß gepresst, zum Schluß werden die Reste mit Äther extrahiert. Was für die Pferde verwendet wird, stammt wohl nicht gerade von den vordersten Plätzen.

Für gute Naturfarben und für den Menschen ist die erste Kaltpressung am besten, weil deren Öl am reaktivsten ist, d.h. die ungesättigten Fettsäuren verbinden sich mit größter Freude untereinander, mit Sauerstoff oder aber mit den Lignin-Molekülen des Holzes. Heißpressungen sind viel weniger reaktiv und trocknen somit auch sehr viel schlechter oder gar nicht. Für gute Naturfarben wird denn auch nur das Öl der Ersten Kaltpressung verwendet, mit sparen ist da nicht viel.

Zudem ist Speiseleinöl zum Streichen weniger gut geeignet, weil es nicht genug gereinigt ist. Was im Nahrungsmittel willkommen ist (Vitalstoffe, Vitamine, Eiweiße) führt im Anstrich zu Problemen (Möglichkeit der Schimmelbildung usw.)

Auf deutlich längere Trockenzeiten des Speiseöles wurde schon hingewiesen, Leinöl für Anstriche wird immer zu Standöl gekocht.

Das alles ist weniger wichtig, wenn Holz im Innenbereich behandelt wird, wo es nur auf die Optik ankommt. Im bewitterten Bereich sollten diese Hinweise jedenfalls beachtet werden.

Grüße

Thomas



Leinölpressungen



werden so NICHT immer gemacht!

Diese Auspressen der "Frucht" ist was anderes als kaltgepresst!

Ob Naturfarben oder Biofarben - ich nehme die nicht und denke dass Leinöl von Leinölpro dazu am Besten passt!
Weitere Infos dort nachlesen!

mfg

FK



Was ist den der Unterschied



zwischen kaltgepresst und kaltgepresst?

Leinsamen wird immer so gepresst, für verschiedene Anwendungen ist ja auch das minderwertige Leinöl offensichtlich gut genug. Das ist auch nicht so wichtig, wichtig ist, was in die Farbe kommt.

In allen Naturfarben (auch bei Leinölpro) ist kaltgepresstes gekochtes Leinöl, also Standöl. Auch wenn es offensichtlich zu den Kurz'schen Glaubenssätzen zählt: Die Produkte von Leinölpro sind nichts anderes als gute Naturfarben, so wie die von ... und ... und ...

Grüße

Thomas