Oberfläche außenliegende Fensterbänder? Oberflächenbehandlung von Eichenfenstern?

11.01.2005



Hallo!
Wir haben für unser Haus von 1742 neue Fenster bauen müssen und haben deshalb neue Eichekastenfenster (4- und 2-flüglig außen, nach außen aufgehend, mit 2-flügligen Innenfenstern) gebaut mit sehr schmalen Profilen (35/45 mm - wie im Haus vorgefunden)und Bleisprossen (Karnisblei)). Wir wollen die Fenster roh oder geölt altern lassen - halt so wie die ersten Fenster in dem Haus vermutlich auch waren ...
Nun meine Fragen:
Üblich sind bei uns Fensterwinkelbänder, die außen aufgeschraubt/ eingefräst werden - wie behandle ich diese Roheisenbeschläge? Besonders in dem Bereich, wo sie auf der Eiche aufliegen? Gibt es ein Detail, dass die Schwitzwasserbildung zwischen Eiche und Beschlag verhindert, ohne die Wirkung der Winkelbänder aufzuheben?
Wenn wir keine Winkelbänder nehmen - weil wir keine Lösung für diese Probleme finden - wollen wir vielleicht Fitschenbänder einbauen - weiß jemand, wie man diese Bänder einbaut? Also wie wurden/ werden die schmalen Schlitze hergestellt???

Des weiteren möchte ich gerne wissen, ob es Erfahrungen dazu gibt, ob es besser ist, Fenster nur zu hobeln und nicht zu schleifen, weil die Mikrostruktur der geschliffenen Oberfläche größer und deshalb angreifbarer ist? Leider haben wir keine Zeit eine geschliffene, eine gehobelte und jeweils eine geleinölte Eiche für 5 Jahre in den Regen zu stellen um zu sehen, was am besten aussieht ...

Spricht etwas dagegen, Eichenholzfenster, die konstruktiv vor Regen geschützt sind (Dächelchen) und auch nicht in der prallen Sonne sitzen (alte Bäume im Süden) erst einmal silbergrau/ dunkelbraun werden zu lassen und dann evtl. mit Leinöl zu behandeln?

Wie machen das die Menschen in den Alpen oder dem Schwarzwald, dass ihr Holz so schön verwittert ohne, dass es gleich kaputt geht?


Fragen über Fragen, und ich hoffe auf die eine oder andere Erkenntnis ....

Herzlichen Dank,
Mira



Geschmacksfragen



Hallo Mira,

ob nur hobeln oder schleifen ist irgendwo eine Geschmacksfrage. Wenn geschliffen wird, nach dem Schleifgang die Oberfläche anfeuchten, damit sich feine Fasern aufstellen - und dann nachschleifen.

Holz wird unter UV-Einfluß immer "zerstört" - eine Beschattung hilft da nur partiell. Deshalb würde ich dazu raten, eine Leinölbehandlung gleich vorzunehmen - die Patina kommt noch früh genug.

1. Anstrich: Halböl aus 50% (Balsam-)Terpentinöl und 50% Leinöl(-firnis)
2. Anstrich: etwas fetter

Auch dem Kitt tut es gut, wenn er jährlich mit Leinöl abgerieben wird - weniger Versprödung.

Ich weiß nicht, ob diese Behandlung dann auch für die "Eisenbänder" reicht - vielleicht äußert sich dazu noch ein/e Fachmann/frau.

Viel Erfolg

Bernd



Danke für die Antwort!



Würdest du das Leinöl erhitzen UND mit Terpentin verdünnen oder reicht erhitzen?
Ist Firnes besser als Öl? Wenn es doch dicker eingekocht ist, ist dann nicht das dünnere Öl besser?

Gruß,
Mira





Hallo Mira,
es freut uns, daß Ihr so geschmackvolle, gute Fenster Eurem Haus gönnt. Herzlichen Glückwunsch.!
Mein Namensvetter Bernd hat schon alles beschrieben. Den Anstrichtopf anzuwärmen ist immer besser bei einer Tränkung mit Leinöl. Das erhöht zunächst die Eindringtiefe.
Zuerst immer mager beginnen (also mehr Terpentin, weniger Firnis), daß hoffentlich gut vom Holz aufgesaugt wird. Man spricht vom Halböl. Danach kann man den Ölanteil erhöhen. Reinen Firnis aufzutragen ist nicht gut. Es bildet sich dann eine runzelige Haut, weil das Dicke nicht eindringen kann. Also lieber stärker verdünnen und ein Mal öfter streichen.
Die Holzoberfläche sollte dann immer so "fett" genug sein, also getränkt, daß ein Wassertropfen normal abperlt.
Bei Eichenbalken im Fachwerk wäre das anders. Aber an Fenstern und Türen ist die Beanspruchung größer und deshalb besserer Schutz nötig.

Das Anstreichen sollte man/ muß man alle paar Jahre wiederholen. Doch wer sein Haus liebt, leistet auch das.
Der Verwitterungsgrad ist auch abhängig von der Himmelsrichtung. Die Wetterseite, die auch am stärksten der UV-Strahlung der Sonne ausgesetzt ist, "altert" schneller, wie schon Bernd schrieb.

Gutes Gelingen wünscht
Dietmar



Theorie und Praxis



Hallo Mira,

jetzt hast Du mehrere Fragen angeschnitten - zuerst das Anwärmen.

Funktioniert in der Theorie, in der Praxis nur bedingt (und manchmal garnicht). Sicherlich hat ein vorgewärmtes Öl eine bessere Eindringtiefe, da es dann eine andere Viskosität hat. Das Problem ist aber das zu bearbeitende Werkstück: Wenn das nicht ebenfalls erwärmt wird, wird das Öl auf der Oberfläche sofort wieder auf die Umgebungstemperatur abgekühlt - und der theoretische Vorteil hat sich wieder in die harte (kalte) Praxis zurück gezogen. Man arbeitet bei einem Pinselstrich ja nicht mit den Mengen, die dann das Werkstück mit erwärmen ;-) Vielleicht bringt es am Anfang etwas, aber wer kann seinen Leinöl-Topf schon dauernd am Köcheln halten - nach einiger Zeit ist der erwärmte Topf dann auch wieder auf Normal-Temperatur.

Insofern möchte ich hier meinem Namensvetter ETWAS widersprechen. Aber das von ihm genannte Prinzip von mager auf fett ist schon absolut richtig.

Starten also immer mit dem genannten Halböl - der Mischung aus Leinöl und Terpentin.

Terpentin ist ein Naturprodukt - aus Nadelbäumen. Wenn Balsam-T. dann aus lebenden, ansonsten per Destillation aus sonstigem Holz. Terpentin ist eine Löse-/Verdünnungsmittel, das im Prinzip vollständig verdunstet, aber die Eindringtiefe des Öls erhöht.

Bitte nicht verwechseln mit Terpentin-Ersatz - das ist ein Produkt aus Erdöl => Testbenzin.

Zum Firnis: Reines Leinöl trocknet sehr langsam - deshalb werden Trocknungsstoffe (Sikkative) zugesetzt. Das sind Metallverbindungen, die als Katalysatoren wirken, und dem Öl Sauerstoff zuführen. Dadurch wird die Oxydation des Öls (Trocknung) beschleunigt. Auf bleifreien Firnis achten !!!! (Kobalt, Mangan und Zirkonium sind Kompromisse an der Grenzlinie)

Das ist also Firnis - der trocknet dann innerhalb von ca. 24 Std., während der Prozess bei reinem Leinöl schon ein paar Tagge dauern kann.

Wenn Ihr Eure Fenster allerdings zum Streichen wettergeschützt, staubfrei etc. lagern könnt, bis sie trocken sind, könnt Ihr natürlich auch reines Leinöl verwenden - oder Leinöl-Standöl (vor-oxidiertes und vor-polymerisiertes Öl). Das trocknet dann wieder schneller, ist aber sau-teuer durch den Bearbeitungsprozess !!!!

Wenn Ihr 3 Anstriche machen wollt, dann den letzten mit reinem, unverdünntem Öl (oder Firnis). Die Entscheidung zwischen Öl und Firnis müßt Ihr ganz allein vor Eurem Öko-Gewissen und den Arbeits-Möglichkeiten abmachen.

Das in Kürze und Gruß aus BS

Bernd





Wow! Herzlichen Dank - ich glaub, jetzt hab ich das endlich mal begriffen! ist aber auch verwirrend!
Weiß denn jemand die günstigste, beste Bezugsquelle für Leinöl???
Kann man eigentlich auch das Leinöl aus der Nahrungsmittelbranche nehmen? Damit pinsel ich ab und an unsere Frühstücksbrettchen an - es zieht sehr schön ein!

Nochmals danke,
Mira



Quellen



Hi Mira,

Du kannst natürlich das Öl aus dem Reformhaus nehmen - ist aber alles eine Frage des Preises.

Die o.a. Produkte kosten im Fachhandel/-Versand zwischen ca. 7 - 9,50 / Liter.

Habe bisher Produkte von Auro (www.auro.de) und Kreidezeit (www.kreidezeit.de) verwendet. Falls Ihr noch weitere Materialien sucht, lohnt sich auch ein Blick auf www.kremer-pigmente.de. Da findest Du auch die Vertriebspartner in Deiner Region (apropos: bei Terpentin möglichst portugiesisches kaufen - gibt's von Kreidezeit)

Ob das nun die absoluten Discounter sind, mag ich nicht beurteilen - geh aber besser nicht in die Baumärkte. Da habe ich schon so manches Produkt gesehen, daß für Laien "sehr undurchsichtig" deklariert war - fast unbrauchbar, aber per Liter 1 Teuro billiger

Viel Erfolg

Bernd



Was da noch zu sagen wäre !



Hallo Mira,

wenn Du sagst, das ganze ist verwirrend - kann ich Dir irgendwo zustimmen - das muß man halt LERNEN.

Ich habe eine wirkliche Hochachtung vor "gelernten UND praktizierenden Malern" - aber leider gibt es fast nur noch Anstreicher. Leider aber auch mit allen noch nicht erkannten (Spät-) Folgen für die Auftraggeber und Billig-Käufer.

Gruß aus BS

Bernd



das wesentliche wurde bereits gesagt...



... zu den bändern:
roheisen auf eiche (gerbsäurehaltig) wird immer zu oxydationsflecken führen.
deshalb sollten die beschläge in irgendeiner art behandelt werden (lack, je nach geschmack)gerade für aussen. eine "schwitzwasserproblematik" ist nicht zu erwarten, bzw. zu vernachlässigen (die bänder sind doch sowieso bewittert, also feucht).
winkelbänder sind sowohl aus ästhetischer (denkmalpflegerischer) alsauch aus technischer sicht eine gute lösung.
fitschenbänder einzubauen ist ziemlich aufwändig. dafür gibt es spezielle stemmvorrichtungen. für den fensterbau eher unüblich.
wenn, dann ggf. einbohrbänder. dafür benötigt man dann aber spezielle schablonen.
gr. christian bernard



Nochmals Eisenbänder



Man macht in jedem Falle nichts falsch, wenn man die Eisenteile vor dem Einbauen mit Zaponlack (völlig farblos auf NC-Basis) behandelt. Ich weiß, das ist nicht ökologisch, aber hilft. Dadurch ist das Eisen geschützt und gibt keine häßlichen Rostflecke am Rand. Ein guter Fensterbauer weiß das.
Grüße wieder
Dietmar





Einbohrbänder finde ich nicht wirklich denkmalpflegerisch i.O. ...
Wahrscheinlich werden wir es mit Winkelbändern für außen und (auch aus Kostengründen) Fitschen für innen probieren ...

Irgendwo in diesem Forum habe ich gelesen, dass man Eisen "haltbar" machen kann, wenn man es einige Zeit in Eichenspäne legt ... wenn das kein Aprilscherz war, müßte doch die Verbindung Winkelband-auf-Eiche auch das Eisen haltbarer machen?!

Gruß,
Mira



zaponlack



hallo,

bin auf der suche nach bezahlbaren zaponlack.
haben sie mir eine adresse wo man größere gebinde einkaufen kann?

mfg o. kunze



chemikaliensensible berücksichtigen..



bitte verwendet keine terpentinverbindungen..die sind bei asthma schwer zu ertragen und chemikaliensensiblität auch..

bleibt bei reinen Ölen oder lasuren auf wasserbasis..

ebenso lasst euch vom gesundheitsamt beraten,welche stoffe schwere umwelterkrankungen bei Holzschutz hervorgerufen haben und meidet sie..

lieber alle 20 jahre ein fenster austauschen ,als umweltkrank zu leiden..

ich vertrage keine lösungsmittel mehr und kämpfe mit asthmaanfällen dann..,uns es geht immer mehr menschen so,weil die Belastung mit Chemie in unserer umwelt zunimmt..

herzlicher gru