Innendämmung aus Leichtlehm

17.10.2007



In bislang privater Initiative sind wir, eine Gruppe aus Künstlern, Planern, Designern und vielen anderen dabei eine alte Industriehalle zu einem Veranstaltungszentrum umzubauen.
Wir möchten bei all unseren Umbauarbeiten auf die Nachhaltigkeit der verwendeten Materialien achten. Die Halle wurde als innenliegendes Stahltragwerk errichtet. Die Aussenwände bestehen aus 24er Mauerwerk, welches bislang ungedämmt ist. Im Zuge des aktuell geplanten Umbaus möchten wir die Aussenwände dämmen. Da wir die Fassade nicht wesentlich verändern wollen, um den Charakter des Gebäudes zu erhalten werden wir auf eine Innendämmung zurück greifen müssen. Welchen Aufbau würdet Ihr uns empfehlen, besonders unter dem Gesichtspunkt temporärer Nutzung und somit stark schwankender Luftfeuchtigkeit? Ich habe bislang an entweder die Variante einer etwa 15cm starken massiven HanfLeichtlehmwand, oder einer Lehmbauplatte mit dahinter eingebrachtem Hanf gedacht. Bei der 2. Variante mache ich mir Sorgen um Kondenswasserprobleme. Wie würdet Ihr das Problem angehen?
Über eine rege Diskussion würde ich mich freuen.
Gruß Adrian



Innendämmung mit Leichtlehm



Bei so einem komplexen und teuren Vorhaben,
wo sich eine Menge Menschen in einem quasi öffentlichen Gebäude mit vielen Funktionen aufhalten werden, ist eine Menge Hirnschmalz von Statikern, Brandschutzexperten, Beleuchtungsfachleuten und Spezialisten aus den Bereichen Raumakustik, Lüftung, Klimatisierung und Heizung gefragt.
Sich schnell mal für eine Dämmvariante zu entscheiden, halte ich ohne Gesamtbetrachtung der Aufgabe für unseriös.

Wie ich diese Probleme angehen würde?
Schon in der Phase der Aufgabenstellung die o.g. Spezialisten mit heranziehen, engen Kontakt mit Ihnen in der Entwurfsplanung halten, Ihre Meinungen berücksichtigen, so früh wie möglich mit einarbeiten und sich bei der Werkplanung so eine Menge Ärger ersparen.
In diesem Prozess wird sich dann das Problem der Dämmung mit klären, und zwar nicht nach Gefühl, sondern nach sorgfältiger Abwägung aller relevanten Gegebenheiten.

Kosten solche Leute Geld? Ja.
Kann man sich diesen Aufwand sparen? Nein (oder man ist ein omnipotentes Planungsgenie).


Viele Grüße
Georg Böttcher



das auf jeden Fall



... sicher hast Du damit sehr recht. Keiner von uns hält sich für omnipotent, daher steht es auch ausser Frage das wir eng mit verschiedenen Fachplanern und Experten (Architekt, Statiker, Lehmbauer, etc)zusammenarbeiten.
Wollte auch kein allgemeingültiges Gesamtkonzept erfragen, sondern erfahren ob Erfahrungen mit dem Wandaufbau, Aussen Mauerwerk, Innen Leichtlehm vorliegen und ob dieser Wandaufbau zu Kondenswasserproblemen führen kann.



Mit der Hanfleichtlehmwand



haben wir noch keine Erfahrungen gemacht.
Gute mit Holzweichfaserplatten und Lehmputz (evtl. mit Wandheizung). Hier sind sehr kompetente Auskünfte bei www.claytec.de zu erhalten (auch telefonisch)Die haben zusammen mit Gutex den Weg bereitet.
Gute Erfahrungen gibt es auch mit dem Leichtlehm zum einstampfen von Thilo Schneider (evtl. mit Wandheizung). Auch er hat das Material entwickelt und kann kompetente Auskünfte geben. (036206-23470).
Dass ihr eine fachliche Begleitung habt, ist gut und wichtig, weil ja bei Innendämmungen viele Punkte, wie einbindende Bauteile, etc. äußerst genau angeschaut werden müssen.
Schöne Grüße. Jürgen Maier



Nägel mit Köpfen



Hallo
Georg hat es schon angedeutet!
Nehmen Sie einen ders macht und Nagel Sie ihn fest wenns schief geht!
Ich bin kein Freund von Innendämmungen und so was - lieber mache ich das wofür der Mensch geboren wurde: Hirnschmalz einsetzen - aber das hat ja auch schon Georg geschrieben.
Das ist meist und langfristig das billigste und das nachhaltigste - aber das sollte man nicht sparen.
Das System ist sehr komplex und kann nicht auseinandergetütert werden - dann einzeln "optimiert" und dann das Ergebnis wieder zusammengebastelt werden. Das haut nicht hin!

FK



Innendämmung mit Leichtlehm



Um das von F.K. noch mal zu unterstreichen:

Natürlich gibt es gute Beispiele für den Einsatz von Leichtlehm- Innendämmung.
Aber aus dem Wohnungsbau, wo ich Raumhöhen um die 2,50 m und Wandflächen bis ca. 25 m² habe.
Was ist mit Raumhöhen von 5 m, 10 m und höher, Wandflächen von 100 m² und mehr?
Allein das Gewicht einer Vorsatzschale ist bei 5 m Höhe doppelt so hoch, es gibt höhere Spannungungen aus thermischer Belastung schon zwischen unten und oben. Ob ein paar Tellerdübel und die Adhäsion das aushalten, bezweifele ich.
Was ist mit Schall?
Wie wird das Tragwerk mit seiner Wärmeausdehnung angeschlossen?
Was ist mit Öffnungen?
Von der Kondensatbildung bei großen Räumen und Flächen will ich gar nicht erst anfangen. Die Luftführung und Klimatisierung von großen Räumen mit vielen Menschen ist eine Wissenschaft für sich.
Massive, sorptionsfähige Wände wie in Kirchen können eine Mengen Kondensat wegstecken, ohne sich zu verformen oder weich zu werden, aber Lehm in der Situation?
Wenn Ihr Euch selber nicht diese Fragen stellt, wird es irgend ein Bauamt, das Gewerbeamt oder eine andere Behörde tun!

Viele Grüße
Georg Böttcher



innendämmung mit leichtlehm



Grundsätzlich ist eine Innendämmung mit Leichtlehm zu empfehlen,da ihr die unter Anleitung selber erstellen könnt.
Tauwasser-Ausfall und Kondeswasser kann so eine Dämmung mit einer Dämmstärke von 15cm locker wegstecken.
Ihr benötigt das 1,2-1,5 fache des Volumen der Wand, je nach Verdichtungsgrad. Leichtlehmschüttungen wiegen etwa 600-700 kg pro kubikmeter.Damit müßte euer Statiker was anfangen können.
Fensteranschlüsse sind problemlos rauszuarbeiten.
Mein Tip Sucht euch ein Lehmbau-Facharbeiter der euch bei der Erstellung begleitet.
Der Aufbau ist etwa so 15cm Leichtlehmschalung-Schilfrohrgewebe davor und dann zweilagig mit einen Lehmputz
verputzen,eine Gewebe einlage zwischen den beiden Putzschichten ist empfehlenswert aber nicht vorgeschrieben.
Laut Lehmbauregeln dürfen Leichtlehmschüttungen nur bis zum 1.Oktober erstellt werden da es sonst zu problemen mit der
Trocknung kommen kann.Die Trochnungszeiten sind mit 8-12 Wochen angesetzt.
Erkundigt euch doch mal bei Conluto Tel05236/8896-0
die sind aufalle Fälle fit auf dem Gebiet



Nun laßt mal die Kirche im Dorf.



Es ist richtig und wichtig, dass jede Massnahme und Veränderung an Gebäuden von Fachleuten begleitet werden sollen. Aber soll ich keine Maßnahme durchführen, vom Verlegen eines Dielenbodens, über die Dachdämmung bis zum Anstreichen eines Putzes, weil ich etwas falsch machen könnte?
15 cm Leichtlehm vor ein 24 cm Mauerwerk geht grundsätzlich... Wie von allen immer deutlich gemacht... nicht ohne spezifische Bewertung und Ausführung nach den Gegebenheiten VOR ORT.
Schöne Grüße. Jürgen Maier