Lehmwand im Nassbereich wird durch Sumpfkalk zur wasserabweisenden Oberfläche?




Hallo,
ich versuche Lösungen für Probleme mit einer falsch angelegten Dusche im Fachwerkhaus zu finden.
Probleme sind: 1) die mit Lehmfarbe gestrichenen Lehmwände der Dusche im Nassbereich. Und die 2) schimmelnde, undichte Silikonrinne zwischen Duschwanne und Lehmwänden.
-- Wenn geduscht wird saugt sich der Lehm mit Wasser voll und tropft in das Untergeschoss. ---- Das Silikon dichtet in Verbindung mit Lehm nicht ab.

Gute Punkte: Der Lehm ist relativ trocken, da die Dusche momentan kaum benutzt wurde. Schönes Raumklima. Bad, hell mit großem Fenster; gut zum Lüften.

Nach langem Lesen hier im Forum könnte meine Lösung vielleicht folgendermaßen aussehen:
Die Lehmwände im direkten Nassbereich der Dusche i) erst mit Kaseingrundierung behandeln; ii) danach ca. zwei bis drei Schichten reine Sumpfkalkfarbe, um eine wasserabweisende Schicht auf der Lehmwand zu schaffen.
iii) Unschlüssig bin ich mir aber noch über die Versiegelung: Denke an "Mineralprotect Basic" in zwei Schritten; dem Sumpfkalk beigemischt zum einen. Und dann nochmals zum Versiegelungsabschluss als letzte Schicht.

I) Silicon ganz raus. Aber was könnte dann den Abschluss zwischen Wand und Duschwanne isolieren?
II) Sumpfkalk auf rauem Lehmputz, hält das auch ohne Kaseingrundierung?
III) Und, als Versiegelung "Nonosolid Mineralprotect Basic" - was ja als Natursteinversiegelung in Bädern eingesetzt wird -, wie sind da die Erfahrungen in Verbindung mit Sumpfkalk?

Danke schon mal für's Lesen und Feedback. Bin sehr gespannt.



Duscheinbau



Ich dachte mir ist schon so ziemlich alles an Unfug untergekommen aber die Idee im unmittelbaren Spritzwasserbereich wasserlöslichen Baustoff als Wandbekleidung einzusetzen toppt alles.

Wie kommen Sie darauf das Sumpfkalkanstriche hydrophob, also wasserabweisend sind?
Na gut.

1. Im unmittelbaren Spritzwasserbereich müssen wasserabweisende Bekleidungen eingesetzt werden. Wenn darunter als Träger wasserempfindliche Baumaterialien wie Holzwerkstoffe oder Lehm eingesetzt werden müssen die zusätzlich geschützt werden.
2. Spritzwasserfeste Bekleidung ist üblicherweise Fliesenbelag, es gehen auch fugenlose Beläge wie Tadelakt oder großformatige Platten. Tadelakt und Fliesen sind nicht wasserdicht! Deshalb die zusätzliche Abdichtung auf der Wand.
3. Der Übergang Wand-Duschtasse ist ein kritischer Bereich der besonders eingedichtet werden muß. Dafür gibt es spezielle Dichtmaterialien und Verarbeitungstechniken, die Anwendung erfordert spezielle Fachkenntnisse.
Nichts für Laien.

Ich empfehle Ihnen mal unter die Duschtasse zu schauen.



Ich als Sachverständiger im Lehmbau



werde leider öfters mit solchen Sachen konfrontiert.

Kollege Bötcher hat das auf den Punkt gebracht. Es gibt Verfahren die sind bewährt, das angedachte/ umgesetzte leider nicht.





@ Georg Böttcher Ingenieurbüro
Besten Dank für die informative Antwort. Zu den Eigenschaften des Sumpfkalks zitiere ich am besten mal aus Kurt Wehlte: Sumpfkalk, also "Kalciumcarbonat, verhält sich hydrophob" (wasserabweisend). Lehm hingegen reagiert hygroskopisch.

Mich interessiert aber noch wie der Sumpfkalk mit Versiegelungssubstanzen wie dem oben erwähnten "Nanosolid Mineral Protect" reagiert. Versiegelung statt Seifen wie bei Tadelaktoberflächen.



Sumpfkalk



Dann spritzen Sie mal mit dem Brausekopf warmes Wasser auf eine max. zehnelmillimeter dicke Sumpfkalkfarbe auf der Lehmwand und erfreuen sich daran wie das Wasser abperlt.
Mich wundert nur das noch niemand Sumpfkalk zum hydrophobieren anbietet. Wäre doch eine Marktlücke.



"Cocciopesto"



@ Georg Boettcher Ingenieurbüro

Das Prinzip nennt sich "Cocciopesto", stammt aus der Antike und kam im Bau wasserdichter Brunnen und Aquädukte zum Einsatz. Kalkmörtel – abgebundenes Calciumhydroxid – bildet eine weitgehend wasserunlösliche Oberfläche. Glaubt man nicht, ist aber so.

https://it.wikipedia.org/wiki/Cocciopesto



Dusche


Dusche

Aha, ein Troll.
Wenn Sie schon Verbindungen zu Ihren Produkten herstellen dann bitte etwas mehr Fachbezogenheit oder wenigstens gesunden Menschenverstand.
Meinen Sie nicht das es zwischen Kalkspachteltechniken und einem Sumpfkalkanstrich gewisse Unterschiede gibt?
Übrigens verstehe ich von solchen Techniken wahrscheinlich mehr als Sie, Sie können Ihr Werbegedöns also ruhig steckenlassen.



"Werbegedöns"



@ Ingenieurbüro Georg Böttcher

Mit Verlaub, wieso bin ich "ein Troll" wenn ich Sie auf alte Verarbeitungstechniken hinweise? Was sollte daran Werbung sein? Diese Unterhaltung ist doch wenig zielführend. Geschenkt, Herr Böttcher.



Ah,



Der getroffene Hund bellt.....



Dusche


Dusche

Weil diese "alten Verarbeitungstechniken" nichts, aber auch gar nichts mit Sumpfkalkfarbe zu tun haben, die wiederum nichts mit wasserabweisend.
Noch was als Dreingabe:

Wer im unmittelbaren Spritzwasserbereich Lehmputz verwendet hat nichts vom Material Lehm verstanden. Für einen Laien ist das kein Vorwurf, wohl aber für jemanden der beruflich damit zu tun hat.
Wer glaubt das Sumpfkalk(farbe) wasserabweisend ist hat nichts von Luftkalk verstanden, auch wenn Sie mit Abdichtmaterialien zugekleistert wird.
"wasserunlöslich" ist übrigens etwas anderes als "wasserabweisend".
Wer glaubt das eine Silikonfuge als Abdichtung am Übergang Wand/Boden ausreicht hat nichts von Abdichtungen verstanden.

Lassen Sie an die Dusche lieber jemanden ran der davon Ahnung hat.



Duschauskleidung



Ein genauerer Blick ins techn. Datenblatt der Sumpfkalkfarbe hätte allerdings schon zu der Erkenntnis geführt, dass die Farbe für den direkten Spritzwasserbereich einer Dusche ungeeignet ist, der zudem im nassen Zustand abgewischt wird
(die Farbe müßte zumindest scheuerbeständig sein):

"Kreidezeit Sumpfkalkfarben sind geeignet für den Innen-und Außenbereich.

Ideal geeignet für Anstriche in Feuchträumen
durch hohe Diffusionsfähigkeit, lang anhaltende Alkalität und schwitzwasservermeidende Oberfläche.

Eigenschaften
Trockenwischfest,besonders spritzwasserfest
spannungsarm, gutes Deckvermögen, mehrfach
überstreichbar, desinfizierend, schimmelabweisend"

Hohe Diffusionsfähigkeit und Schwitzwasservermeidung sind nur bei sorptiven Materialien möglich, d.h. Wasser/Wasserdampf wird aufgenommen, was für dahinterliegende, feuchteempfindliche Oberflächen tödlich sein kann.

Selbst wenn die Oberfläche so abgesperrt werden kann, dass sie wasserdicht ist bleibt nichts mehr von den Eigenschaften des Lehms- dann könnte gleich ein entsprechend dichtes Material verwendet werden.

Silikon funktioniert selbst auf Zementputzen und Holz nur mit entsprechender Grundierung- auf bröseligen, weichen Oberflächen wie Lehm gibts gar keine Haftung oder Abdichtung.
Evt kann Kompriband bei entsprechendem Gegendruck verwendet werden- bei direktem Spritzwasser aber auch nur für senkrechte Fugen, nicht bei horizontaler Einbaulage.

Evt zur kompletten Abdichtung eine Glasplatte mit EPDM- oder Silikondichtungsprofilen auf die Duschtasse stellen.
Als Simpellösung einen transparenten Rundum-Duschvorhang verwenden.

Ob Mineralprotect basic bei derart weichen Oberflächen funktioniert ist äußerst fraglich.Hotline anrufen!

Andreas Teich



Dusche


Dusche

Ich habe mir mal den Link zu Cocciopesto angeschaut, der ist in italienisch.
Viel erfährt man nicht daraus, nur das man früher wasserdichte Mörtel und Betone hergestellt hat wo es erforderlich war, eine altbekannte Tatsache. Cocciopesto beschreibt wohl Ziegelsplittbeton und/oder Kalkputz mit Ziegelmehl als Zuschlag, auch das nichts Neues. Wasserdicht wird der erst durch geeignete Zusätze wie Luftporenbildner und durch die Verarbeitung.
Viele Hersteller von Fertigmörteln verwenden Ziegelmehl als künstlichen latenthydraulischen Zuschlag.
Was ein hydraulischer Kalkmörtel mit Sumpfkalkfarbe zu tun hat ist mir immer noch rätselhaft.
Jedenfalls wäre der Mörtel eine Alternative für den Lehmputz. Lehmputz runter, hydraulischen Kalkmörtel drauf, dann Abdichten (der Mörtel selber ist nicht wasserdicht). Ein Kalkzementmörtel tut dasselbe, ist aber sicher billiger.
Wenn die Ebenheit der Wand es zulässt bevorzuge ich Trockenputz wie Aquapaneel oder Wedi, hohlraumfrei aufgeklebt.
Dann einen geeigneten Belag aufbringen.
Das kann ein Kalkspachtel sein, wie z.B. Tadelakt. Fliesen sind nun auch nichts fluchwürdiges an der Duschwand.



Wikipedia hat auch andere Sprachen



https://de.wikipedia.org/wiki/Opus_signinum
Aber die Informationen sind auch in Englisch und Französisch nicht umfangreicher.

Ich kann dabei auch nichts relevantes zum Problem erkennen. Der beschriebene Kalk ist zwar "relativ wasserdicht", aber es handelt sich hier um einen Estrich und nicht um eine mögliche Beschichtung.



Bindemittel



Es muss nicht immer Wikipedia sein:

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Kalk_oder_Zement_Teil1-Kalk.pdf

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Kalk_oder_Zement_Teil2-Zement.pdf



Sehr informativ



Vielen Dank noch einmal an alle Beteiligten, hier kann man viel lernen!

Ich tendiere zu tadelakt, altbewährt und sieht toll aus!