Lehmwände, Möglichkeiten der Renovierung

28.04.2018 stevem



Hallo Zusammen,

ich habe mir mit meiner Familie ein kleines Reihenhaus aus dem Jahre 1927 gekauft ( 3 Kinder), soweit so gut! Es besitzt viele Lehmwände, die ich grade von den zahllosen alten Tapetenschichten ( Raucher...) befreie.

Darunter befindet sich nun der blanke Lehm, oder auch teilweise, an manchen Wänden, eine weiße Schicht über dem Lehm (Kalkputz?).

Generell würde ich gerne den Lehm wieder atmen lassen und das Raumklima somit aufwerten, bzw. die Lehmwände in ihrer Funktion effektiv nutzen wollen -> wenn möglich keine neue Tapete.
Nun habe ich viel gelesen und aber doch nur lose Begriffe in meiner Erinnerung wie. z.b. Lehmputz, Kalkputz, Kaseinfarbe, Lehmfarbe.. usw.

Mein Ziel ist es eine natürliche Farbe, die am besten noch schützend ist zu benutzen ( gern auch Schimmelhemmend) und keine übliche Dispersionsfarbe. Auch möchte ich eigentlich Abstand von Tapete nehmen oder aber benötige ich auch noch eine Anleitung wie ich am Besten die Tapete auf die freien Lehmwände bekomme. Wie streiche ich Lehmwände ohne Tapete?


ich hoffe hier habt die Zeit und Ausdauer mir das einmal näher zu bringen und unterstützend zu helfen.
Ich liebe diese alten Häuser und auch die natürlichen Rohstoffe, jedoch bin ich kein Fachmann und würde mich freuen von euch zu hören.

LG Steve

PS: Dielen gibt es auch noch, aber das Thema kommt danach :-)... Linoleum wäre der Traum (Spanplatte auf Dielen?), aber Teppich eher realistisch (einfach über die alten Dielen drüber)...



Naturfarben



Man müsste mal sehen was nach dem Entfernen der Tapeten und Reinigung übrig bleibt. Ob es sich bei der "weißen Schicht" um einen dünnen Kalkputz handelt lässt sich auf dem Bild nicht erkennen. Aber traditionell war üblich, grobe Lehmputze mit einer feinen Kalkschicht zu überziehen.

Jedenfalls scheint die Schicht nicht mehr tragfähig zu sein. Ggf. lässt sich abheben und die Fläche mit einem Gitterabot "reinigen" und etwas "egalisieren".

Was die Anstriche anbelangt hast du im Prinzip alle von dir schon benannten Möglichkeiten.

Je nach Anspruch können die Lehmflächen fein geglättet werden, hier empfiehlt sich beispielsweise der Lehm-Feinputz von Conluto, mit feinem 0,5 mm Korn und Feinstfasern vom Hanf. Der wird bis maximal drei Millimeter in einer Schicht aufgezogen. kleine Unebenheiten werden vorgelegt, tiefere Fehlstellen mit Lehmörtel beigeputzt.

Als "Minimallösung" wäre auch denkbar nur partielle Ausbesserungen vorzunehmen und mit einem feuchten Schwammbrett die Übergänge zu "glätten".

Wenn du es schön weiß haben möchtest empfehlen sich Kalkfarbanstrische mit (Kalk-) Kaseinfarbe oder Sumpfkalkfarbe.

Zur ersten Übersicht empfiehlt es sich mal bei der Fa. Kreidezeit zu gucken. Die sind Jahrzehnte am Markt und bieten (fast) alles an.

Jedenfalls haben die informative Merkblätter zu den Produkten, wo man sehr schnell mitbekommt wie es geht.

Da sei beispielsweise die Sumpfkalkfarbe oder die Kasein-Marmormehlfarbe empfohlen. Auf Lehm wird da eine Kaseingrundierung vorgelegt und zumindest der Grundanstrich stärker verdünnt aufgebracht.

Zur Applikation sei die Bürste oder größerer Flächenstreicher guter Qualität empfohlen, die im "Kreuzgang über die Fläche geführt werden.

In Leipzig arbeiten wir auch gerne mit der Kalkkaseinfarbe der Fa. Streichgut, diese gibt es auch in einer "gekörnten" Variante. Diese liefert bei der Altbaurenovierung auf eher nur grob zugerichteten Flächen meist gefälligere Ergebnisse.

Auch "Lehmfarben" lassen sich auf hellen Grundierungen ausführen.

Von den häufig im Baumarkt empfohlenen "Silikat-" und "Mineralfarben" rate ich eher ab. Generell sollte man bei dem Thema den Baumarkt lieber meiden, da macht man nur (unnötige) Umwege.

Das hat jetzt weniger was mit fragwürdigen Billigmentalitäten zu tun, sondern eher damit das man dort häufig auf wenig adäquate Materialien und dazu noch auf ahnungslose Berater trifft. Spätestens hier wird aus jeder Kleinigkeit zuverlässig ein "Projekt".

Die genanten Anstrichstoffe ließen sich auch alle selber, nach tradierter Praxis preiswert herstellen.



Art des Putzes



Guten Tag,

und Vielen Dank für die ausführliche Antwort.
Sollte ich nun eher Lehmputz nehmen und darüber Sumpfkalkfarbe auftragen oder wieder Kalkputz und dann die Farbe? Oder reicht es einfach nur auf dem Lehm z.b. Kalk Haftputz - fein zu Verputzen ohne nachfolgenden Anstrich?

Grüße Steve





Kommt etwas darauf an was man am Ende möchte.

Für Kalk auf Lehm gibt die Fa. Claytec in ihrem Arbeitsblatt (6.9) dazu Erläuterungen zur Ausführung und nennt auch geeignete Produkte.

http://www.claytec.de/produkte/bautechniken/fachwerksanierung/69-kalk-innenputz.html

Bei Lehm haben wir es mit einem (natürlichen) Gemisch aus Sand, Schluff und Ton und stellen ein endgültiges Zerfallsprodukt von Gesteinen dar, dass aus den geologischen Ablagerungsorten gewonnen wird. .

Der Lehm haftet durch die Adhäsionskräfte der feinen Tonpartikel. "Klebt" also rein "mechanisch" an der Wand.

Hingegen wird der Kalk als Bindemittel aus gebrannten Kalkstein gewonnen und reagiert nach den löschen mit Wasser zusammen mit Kohlendioxid aus der Luft wieder zu Kalkstein. Die Haftung am Untergrund wird hier ebenfalls zunächst durch Adhäsion, verstärkt durch den saugfähigen Untergrund gewährleistet und vernetzt sich dann später chemisch mit dem kalkhaltigen Untergrund durch die Carbonatisierung.

So das die Kombination Kalk auf Lehm mehr ein "improvisiertes" aber bewährtes Konzept darstellt.

Um hier günstige Bedingungen zu schaffen wird zuvor die "Egalisierung" mit einer frischen Schicht Lehmunterputz empfholen. Neben den mechanischen Vorbereitung wird andernorts die Empfehlung mehrmals mit einer Kalkmilch oder eine Kalkkaseinschlämme (Sumpfkalk + Magerquark) zu Grundieren oder dem Unterputz Kalksand beizugeben.

Kalkputzflächen mit einheitlicher Oberflächenoptik herzustellen ist nicht immer ganz einfach, so das da öfters noch "Egalisierungsanstriche" vorgenommen werden.

Das ist dann mehr Geschmacksfrage.

Auf den Kalkputzen hat man früher einen Anstrich mit Kalkkasein ausgeführt und diesen dann mit Musterwalzen weiter verziert.

Mit den nunmehr verfügbaren Lehmfeinputzen kannst du aber genauso gut die Oberfläche richten und beispielsweise mit einer feinen Schwammscheibe ausreiben.

Da hast du dann eine Lehmfläche die in ihrem Naturfarbton. Diese kann dann wie bereits benannt ebenfalls weiter beliebig farblich gefasst werden.