Tapezieren auf Lehmputz

03.01.2007



Hallo Leute
ich habe da ein kleines Problem und hofe das mir jemand helfen kann.
Und zwar renoviere ich gerade mit einem Freund das alte Geburtshaus seiner Schwiegereltern im Harz. Elektro, Wasser und Heizung sind schon prof. erneuert (bin selber Elektrotechnikermeister im Handwerk).Der Boden wurde schwimmend mit Parkett ausgelegt obwohl die Orginal Dielen noch sogut wie unbeschädigt waren, aber wir konnten die alten Herrschaften nicht vom Abschleifen überzeugen.
Unser Problem liegt nun da drin das die gesamte Wohnung mit 6-10 Tapetenlagen zugekleistert ist und diese mal komplett und mal garnicht vom Lehmputz zu entfernen sind.
Die Wohnung soll mit Raufaser neu tapeziert werden, jedoch sagte uns ein Nachbar das man dort schwierigkeiten bekämme
weil sich beim einkleister eine braune Brühe lösen könnte und die Raufaser verschmutzen. Wir würden gerne den Lehmputz erhalten weil das Gebäude wirklich ein Traum ist nur leider fehlt uns die Erfahrung mit Lehm und alles abspachtel kann doch auch nicht die Lösung sein.

mit dank im voraus
Guido



Lehmputz erhalten



Wenn sie das wirklich wollen entfernen sie die Tapeten restlos ! Gut und öfter einweichen, hilfreich dabei ist auch eine Perforierwalze- die macht Löcher in die Tapetenschicht ! Dann rauhen sie den Putz mit einem Nagelbrett auf, und ziehen neuen Lehmputz auf ! Auf keinen Fall über Tapetenreste putzen, die weichen auf, machen Blasen oder der Putz kommt wieder runter !



Farbe statt Tapete...



Die positiven Eigenschaften wie regulierung der Luftfeuchtigkeit oder Geruchbindung werden durch eine Tapete leider minnimiert. Zumal kommt der Charakter des alten Hauses viel besser rüber, wenn die Wände "nur" gestrichen sind. Nachdem die Tapeten restlos entfernt sind
Wände gut anfeuchten und Unebenheiten ausgleichen. (Tragfähigkeit des Putzes vorausgesetzt) Anschließend kann das ganze mit z.B. Lehmfarbe oder Kalk-Kaseinfarbe gestrichen werden. Nur bitte keine Kunststoffdispersion o.ä. aus dem Baumarkt verwenden.

Viele Grüße



Rauhfaser



Es tut einem in der Seele weh, wenn Lehmputz mit Tapete zugepappt wird. Wenn es sich jedoch nicht vermeiden lässt alte Tapetenreste unbedingt entfernen. Lose Stellen mit Lehmputz ausbessern. Die Wände vornässen, mit dünnem Tapetenkleister vorstreichen und trocknen lassen. Anschließend die Tapete kleben. Dann mit Lehmfarbe oder Kaseinfarbe streichen.
Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik





Hallo

noch ein paar gute Argumente gegen Tapete die nichts mit Bauphysik zu tun hat( für die Schwiegerleute):
- Rauhfasertapete muss gestrichen werden, wenn man nicht tapeziert hat man einen Arbeitsgang weniger auszuführen
= Zeit und Geld ersparnis!
- Tapeten neigen dazu sich vor allem an kanten und Berührungsflächen zu lösen, dann hängen fetzen weg das sieht nicht lange schön aus
- tapezierte Räume schimmeln lieber weil der Schimmel gerne Zellulose mag
- Tapeten haben Kanten und Ansätze, die man fast immer sieht, wenn man die Wand streicht sieht das viel eleganter aus

Ob das alles hieb und stichfest ist wage ich mal nicht zu behaupten aber es klingt gut und hilft vielleicht die "alten Herrschaften" zu überzeugen.
Gruß mit Augenzwinkern
Dorothée





Danke an alle für die promten und fachlichen Antworten,

es sieht also ganz danach aus das wir die Tapete abkratzen müßen aber wie schon erwähnt liegt die Entscheidung über den Wandbelag nicht in unserer Hand und man redet ein wie auf einen lahmen Gaul. Doch wollen wir das Haus so herrichten das die Substanz nicht beschädigt wird und vorhandenes erhalten bleibt. Deshalb auch Parket auf einer dicken Trittschalldäm., damit später der orginal Boden wieder aufgearbeitet werden kann (zuerst war PVC verkleben angedacht, doch diese Totsünde konnten wir ausreden).
Also nochmal besten Dank.
Guido



Noch ein bischen Futter...



...für den "lahmen Gaul".
Sollte der Lehmputz noch gute Oberflächenbeschaffenheit aufweisen, so kann er mit wenig Aufwand und etwas neuem Feinputzmaterial gut oberflächenstabil und hochwertig aufgearbeitet werden.
Danach nur Akzente setzen mit Tapetenbordüre vielleicht und den Rest mit Lehmfarben oder Lasurtechniken gestalten.
Zu Rat und Tat sind wir gern bereit zu unterstützen.

Grüße und gutes argumentieren
Udo Mühle



Tapetenbordüre



Also Udo-das hätt ich nicht von Dir gedacht ! :-)
Das du als Handwerker, der Wände so schön mit Lehm gestaltet, so etwas fades wie eine langweilige, absolut gleichmäßige, nicht im Farbton abweichende, schnurgerade Papierbordüre ins Spiel bringst- ne ne-das hätt ich nicht gedacht !
Gruß du Banause-
Thomas