Lehmputz auf Gipskarton an Decke und Schrägen?

15.06.2006



Hallo,
habe trotz intensiver Suche noch keine Antwort auf meine folgende Frage gefunden:
Ich habe im Dachgeschoss an Decke und Schrägen Gipskartonplatten. Würde ich heute nicht mehr so machen, aber sie sind halt dran. Würde darauf gern ein dünnen Lehmputz haben. Funktioniert das und wenn ja, wie? Was muss man beachten, insbesondere an den Stößen?

Würde mich über zahlreiche Antworten sehr freuen. Auch über Tipps, welche Firmen das im Nordosten machen, sind schließlich über 100 m2.

Grüße aus Mecklenburg



LehmFeinputz in Stärke 3-5mm oder farbige Lehmedelputze



in Stärken von 2-3mm können auf Gipskartonplatten aufgetragen werden. Die Plattenstöße würde ich auf jeden Fall armieren (sog.Mullbinde oder Malervlies einspachteln). Dann würde ich eine ganzflächige Tiefengrundbehandlung empfehlen (um die Saugfähigkeit zu minimieren).
Nach Auftrag von Lehmgrundierung kann dann der Lehmputz aufgetragen werden.
Eine preiswerte Alternative wäre die Oberflächengestaltlung mit LehmFarben oder LehmStreichputzen,die ohne Tiefengrundbehandlung direkt aufgestrichen werden können.
Bleibt noch zu püfen, ob das Dach zusätzlich ca 1000kg Lehmputzgewicht verkraften kann.



Gipskarton und Lehmputz



Ich denke, dass ist auch eine Frage wie das Dach an sich aufgebaut ist. Ich denke da an so Dinge wie Dampfdiffussion, Durchfeuchtung etc. Ich bin der Meinung, dass Gipskarton das Material ist, das am wenigsten "Fehler verzeiht". Und da hätte ich dann auch bedenken mit 3mm Lehmputz. Lehm hat die Eigenschaft Feuchtigkeit aus der Raumluft zu binden und "dosiert" wieder abzugeben. Gips hat allerdings auch die Eigenschaft Feuchtigkeit aufzunehmen. Somit könnte es passieren, dass die Feuchtigkeit aus dem Lehm in den Gips wandert und die Haftung des Kartons auf dem Gips reduziert.

M.E. würde dann nicht der Lehmputz vom Karton fallen, sondern sich evtl das Papier von der Platte.

Bei 3mm hätte ich auch bedenken wegen der Plattenstösse. Wenn ich 1mm für das Armierungsgewebe zugrunde lege, dann bleibt noch 1mm druntr und 1mm dürber übrig. Ich glaube nicht, dass dadurch ein sichtbar werden der Stoßfugen, oder reissen der Verbindung dauerhaft verhindert werden kann. Zumal Lehm auch keine sonderlich hohe Querzugsfestigkeit aufweisst, zumindest dann nicht, wenn er nicht armiert ist.

Wäre nicht eine Möglichkeit die gesamte Fläche zu armieren, nicht nur die Fugen. Klar, dürfte teurer werden und auch einiges mehr aufwand machen. Und bei so dünner Schichtfläche wird man wohl auch jeden kleinen Fehler sehen.

Ich selbst hatte im letzten Haus viele 100m2 Gipskartonplatten an den Untersichten des Dachstuhls. Egal was wir gemacht haben, das mit Stößen und Rissen war immer ein Problem.

Schätze mal, das kommt auch massiv daher, dass ein Dach eben doch mehr schwingt durch Winddruck und Dachlasten als eine Mauer.

Vieleicht konnte ich ja einen denkanstoß geben.

Viele Grüße
Hans



mit dünnen Lehmputzen auf Gipskartonflächen



habe ich mittlerweile ca 25 Jahre praktische Erfahrungen.
Das ganze klappt gut, wenn die Plattenstöße armiert sind und die Plattenqualität stimmt.



System



Hallo !

Es wird doch immer gesagt man soll im System bleiben. Keinen Zementmörtel für weiche Ziegel, keinen Gipsputz auf den alten Lehmunterputz, keine Dispersionsfarbe auf den Kalkputz usw.
Warum also nicht auch umgegkehrt? Kein Lehm auf den Gipskarton sondern die von den Herstellern dazu passend angebotenen Produkte. Mit Glasfaserband und Uniflott Spachtel reißt da nix, auch bei hauchdünnem Auftrag. Gefilzte Oberfläche gefällig ? Gibt´s aus dem Eimer zum Rollen, direkt auf den Gipskarton ohne grundieren.
Ich finde Lehm ist nicht immer und in jedem Fall das optimale. Man sollte abwägen ob der erhöhte Aufwand auch lohnt. Lebt es sich unter Rigipsplatten mit dünnem Lehmputz wirklich besser als ohne den Lehmputz ?
Ein VW bleibt immer ein VW, auch wenn ich ihn Ferrarirot lackiere.

Versteht mich bitte nicht falsch, ich habe auch konsequent mit Lehm, Kalk, Schilf und Zellulose gearbeitet, wo alte Bausubstanz vorhanden war. Bei der neuen Außenwand der Küche habe ich aber nicht eingesehen warum ich Kalksandsteine nicht mit Zementmörtel vermauern soll, unter den Fliesen ist hydraulischer Kalkputz mit Zementanteil, die Fenster sind eingeschäumt und von außen ist die Wand mit Steinwolle unter den Klinkern gedämmt.


Viele Grüße,
Karsten



Danke für die Antworten



Hatte nach dem Einstellen der Frage erstmal gar keine Zeit die Sache im Forum weiterzuverfolgen. Auf jeden Fall vielen Dank für die Antworten.
Danke Hans und Karsten für die konstruktive Bedenkenanmeldung. Ich werde auf einen Lehmputz in den Schrägen verzichten. Ist ja ohnehin genug Lehm im Haus. Die Platten werden nach dem verspachteln direkt gestrichen. Vielleicht mit was drin für ein wenig Struktur.

Viele Grüße
Stephan