Lehmputz für die Westwand - eine Belastungsprobe fürs MAterial

28.04.2016 bobbel



Hallo,

dies ist meine erste Frage hier, falls ich was falsch mache, sagt es mir bitte.

Wir haben ein Lehm-Fachwerkhaus, das mit der Westseite an einem freien Feld steht. Original war hier kein zusätzlicher Schutz wie Bretter oder Schindeln angebracht. Es gibt keine Nagelspuren auf den Balken von 1830.
Wir haben vor zehn Jahren diese Wand erneuert - folgend der Bauweise der originalen Wandteile: Lehmstaken, senkrecht in Kerben eingesetzt und in Wellerbauweise ausgefacht.
Das Problem: Auf dieser sehr stabilen wirklich zufriedenstellend geweordenen Wand musste ein Putz aufgebracht werden. In der Bauphase musste es schnell gehen und ich folgte - äußerst voreilig - dem Rat, Lehm-Sandputz aufzubringen. Lässt sich super verarbeiten, hält aber die starke Witterung nicht aus. Kalkputz täte das, wäre für mich aber eine Notlösung, zumal sie auf der Strohlehmwand mechanisch nicht gut hält.
Ich suche jetzt eine an den traditionellen Lehmputzen orientierte Mischung. Im Dorf (Oderbruch Märkisch Oderland) gibt es bewitterte Lehmgefache an Scheunen, die Jahrzehnte ohne Kalk durchgehalten haben. Das ist sehr feines Material, ohne Sand, dafür aber mit feinsten Faserstoffen, mehr weiß ich nicht dazu.

Weiß jemand mehr darüber?

Über Hilfe freut sich
Bobbel



Lehmaußenputz



Die Leute hätten sicher lieber eine Stülpschschalung davorgesetzt oder mit hydraulischem Kalk verputzt; das war damals vermutlich eine finanzielle Entscheidung Lehm zu nehmen und keine konstruktive.
Man behalf sich mit getrockneten Kuhfladen als Zusatz, eventuell gemeinsam mit etwas Kalk. Kuhfladen und gelöschter Kalk wurden mit etwas Wasser aufgeschlossen und in den Lehmputz eingerührt. Ohne Kalk wurden die Kuhfladen eingebröselt, eingemischt und verarbeitet.
Die halbverdauten, sehr fein aufgeschlossenen Zellulosefasern hatten eine große Oberfläche, sie wirkten im Putz wie eine Mikrobewehrung.
Mit Kalk gab es eine Albumin- bzw. Kaseinreaktion mit dem Eiweiß der Darmbakterien, das ergab ein Bindemittel.

Wenn die Putzoberfläche rauh genug war wurde herablaufendes Wasser abgebremst, das verringerte die Schleppkraft.
Damit wurde die Erosion verringert.
Kalkputz auf Lehm funktioniert, man behalf sich früher mit eingesetzten Tonscherben, einpunktierten Löchern usw. im Untergrund. Heute kann man Putzarmierungen verwenden.
Voraussetzung ist das der Putz einigermaßen frostsicher ist. Reiner Luftkalk PI CSI ist nur für innen gedacht, mit etwa 3 N/mm² Druckfestigkeit gibt es außen Probleme. Besser ist PII CS II.



Lehmaußenputz traditionell



Ja, das mit der finanziellen Entscheidung könnte sein. Das Haus ist das kleinste (und wohl damals ärmste) im Dorf.

Der Hinweis auf die Lehm-Kuhdung-Hydraulkalk-Mischung könnte zielführend sein. Es passt zu meinen Beobachtungen an alten Gebäuden, die der Witterung selbst ohne den schützenden Kalkanstrich noch trotzen, wie oben beschrieben.
Es passt auch zur selbst erhobenen Auflage, so traditionsnah wie möglich zu restaurieren.
Noch eine Frage, da ich ein ungelernter Baufachmann bin und daher nicht mit der Terminologie vertraut:
Dein Hinweis auf Putzmörtegruppen lautete: P II CS II.

Ich habe gegugelt und das hier gefunden: "Mörtelgruppe P II nach DIN 18550, CS II nach EN 998-1"
Gehe ich richtig in der Annahme, dass das zwei Bezeichnungen für dieselbe Sache (Hydraulkalkmörtel) sind, einmal DIN und einmal EU-Norm?

Dank schon mal!



Außenputz



Ja, das stimmt.