Lehmdecke entfernen - Probleme für die Statik?

08.12.2017



Hallo,
das Haus ist außen Backstein und innen Fachwerk. ca. 1870.
Die Decke bzw. Böden bestehen aus massiven Balken mit
Holzstaken dazwischen unter denen eine ca 8 cm dicke
Lehm-Strohschicht hängt, alles sehr schwer.
Wenn man diese Lehm-Staken nun komplett entfernt und statt dessen auf die Balken dann nur Rauhspund-Bretter nagelt oder schraubt, könnte sich das irgendwie auf die Statik auswirken? Die Bretter sind ja wesentlich leichter als die Lehmschicht.
Später soll auf dem Rauspund dann eine Fußbodenheizung
verlegt werden. Dazu muss sicher ein Ausgleich gemacht werden und zusätzlich noch OSB-Platten verlegt.
Es handelt sich um sehr massive Deckenbalken 20x30cm.
Es gibt dann also keine Füllung zwischen diesen Balken mehr,
könnten sie also ihre Lage allmählich verändern weil die
Festigung durch die Holzstaken zwischen ihnen fehlt?
Wir beauftragen demnächst einen Statiker, hätten aber
schon mal gern gewußt wie die Erfahrungen damit bei
Fachwerkspezialisten sind.
Danke für Antworten!
Christa



Deckenfüllung entfernen



Warum etwas entfernen, was auch historisch seinen Wert hat, zudem Brandschutz, Schallschutz und Speichermasse erhöht?

Stört die höhere Aufbauhöhe des Fußbodens nicht bei Türen, Treppen etc, wenn eine Fußbodenheizung installiert wird?

Fußbodenheizung bei einem ohnehin fußwarmen Boden ist weniger effektiv als zB Wandheizungen- ohnehin ist dies abhängig vom Heizsystem, Vorlauftemperaturen etc.

In welchem lichten Abstand liegen die Deckenbalken und welche Spannweite überbrücken sie?
8 cm Lehmstrohfüllung ist nicht sehr schwer- Estrich, Fußbodenheizung etc ist sicher schwerer- könnte von der Tragfähigkeit evt zusätzlich aufgebracht werden.
Was für ein Bodenbelag befindet sich jetzt darauf?

Warum soll überhaupt alles entfernt werden-gibt es gravierende Schäden?

Der Statiker müßte mit historischen Gebäuden Erfahrung haben-
zB beim Denkmalschutzamt nach entsprechenden Fachleuten fragen-

ein Statiker, der auf Neubau ausgerichtet ist kann kaum alle Konsequenzen der Änderung alter Holzbalkendeckenkonstruktionen beurteilen oder weiß diese überhaupt zu schätzen.

Andreas Teich



Ich frage mich auch immer wieder..



Warum man unbedingt die alten Decken entfernen muss. Wir waren an einer Stelle aufgrund eines Wasserschadens leider dazu gezwungen...und überlegen, ob wir uns nicht doch irgendwann noch einmal die Sauarbeit der Altvorderen machen und die Decke nachbauen..In Punkto Lärmschutz, Wärmeschutz und auch vom Raumklima sind die nicht zu toppen.
Altbauefahrener Statiker im Raum Berlin Brandenburg....Ingenieurbüro Eilers . Wenn es im Norden von Brandenburg ist, da kenne ich dann durch unseren Bau auch einige Handwerker, die einen Altbau auch wie einen Altbau behandeln und nicht schnellschnell auf Neubau umfrisieren wollen.

LG
Aus OHV
Anna





Danke Herr Teich für Ihre Überlegungen.
Der Lehm ist also nicht sonderlich schwer? Könnte man daraus schließen dass man ihn und die Staken also entfernen kann? Ich dachte eher an so etwas, dass die Balken sich etwas drehen könnten wenn die Holzstaken zwischen ihnen fehlen?
Aber gut es wird ja sofort der Rauspund aufgeschraubt oder genagelt (was wäre besser?), was auch wieder etwas stabilisiert. Darüber kommt noch etwas Dämmmaterial, aber so bleibt es vorerst für 2-3 Jahre.
Die Fußbodenheizung wäre eine Trockenheizung, also nicht so schwer.
Jetzt liegen nur nicht gefaste Dachbodenbretter über den Balken. Der Abstand zwischen den Balken ist ca 80 cm, manchmal weniger.
Sie sind 4,5m lang und liegen auf einem langen Mittelbalken auf der durch die ganze Länge vom Haus geht.
Vielleicht hatte ja jemand hier schon mal mit ähnlichem zu tun und Erfahrung? Anzunehmen dass das die Regel ist wenn man ein altes Haus saniert.
Ich möchte übrigens eine Mischung aus alt und neu, es besteht kein Denkmalschutz ... und Lehm mag ich gar nicht,
vor allem nicht an der Decke wo er die Durchwärmung vom Haus verhindert, außerdem sondert er permanent Radon ab, wir haben das messen lassen.
Vor allem aber geht es hier auch um die Ästhetik, diese massiven alten Balken in voller Pracht sichtbar zu machen.
Danke und Grüße
Christa



Stakendecke



Hallo Christa!

"Lehm mag ich gar nicht" ... sehr mutig, dass so selbstbewusst in diesem Forum zu verkünden ;-)

Aber um mal die Frage zu beantworten: ja die Stakendecke kannst Du einfach so entfernen. Sie hat keinerlei statische Funktion.
Das Kleingedruckte: falls der Handwerker, der die Decke gebaut hat, die Staken so press befestigt hat, dass sich die Balken verzogen haben, könnte natürlich etwas Spannung drauf sein.
Grundsätzlich kann es bei einem Fachwerkhaus natürlich immer passieren, dass wenn man hier rumspielt sich da was tut.
Eine Konterlattung könnte sowas ausgleichen, und bei einem Balkenabstand von 80cm wäre das sowieso angebracht.

Mir juckt's eigentlich in den Fingern noch mehr zu kommentieren, zu dem was hier bereits gesagt wurde...

Viele Grüße :-)

Lehmbauer Marc





Danke Marc für die sachliche Antwort.
Eigentlich dachte ich dass da mehr Beiträge kommen, weil so was doch sicher permanent gemacht wird, vielleicht noch mit
Vorschlägen z.B. über Ausgleich, soll man den sofort machen,
dass also der Rauhspund schon gerade liegt? Bei wieviel Spielraum könnte man drauf verzichten und die Bretter einfach fest auf den Balken anziehen? Oder kann man den Ausgleich später doch auf dem Rauhspund machen, auf den ja dann OSB-Platten kommen? Einen Ausgleich soll man natürlich von unten nicht sehen, also müsste man da was auf die Balken legen, Klötzchen oder ähnliches?
Gut, vielleicht findet sich noch jemand der genau so etwas schon gemacht hat...oder wenigstens einen Link?
danke und tschüss
Christa



Stakendecke



Stakendecken gibt es schon häufig, nur meistens freuen sich die Hausbesitzer darüber und arbeiten damit weiter :-)

Verstehe ich das richtig... Du willst die vorhandenen Bretter durch Rauspund ersetzen und darauf eine Lage Dämmung machen? Aber nur für 2-3 Jahre, dann kommt irgendwie noch eine FBH dazu, dadrauf?! Und dazwischen irgendwo OSB? ... und das soll alles noch ausgeglichen werden?! Wie kamst Du auf diesen Aufbau? :-)

Zugegeben, mein Spezialgebiet sind Wände und Decken, nicht Böden. Aber für mich klingt das alles komisch.

Rauspund direkt auf den Deckenbalken ausgleichen, ohne Konterlattung, stelle ich mir sehr kompliziert vor. Eigentlich jedes Material, auch OSB etc.

Ich würde direkt auf die Balken eine Konterlattung aufbringen, mit vielleicht max. 60cm Abstand. Darauf von mir aus OSB. Dann wäre da schonmal ein ebener Boden, mit dem man weitermachen kann.

Zwischen die Konterlattung kann dann auch etwas Dämmung. Vielleicht wäre es auch eine Überlegung wert, ein wenig auf die "volle Pracht der Balken" zu verzichten und davon noch ein paar cm der Dämmung zu schenken. Dann wird der Fussboden auch nicht ganz so hoch.

Was für eine Oberfläche soll von unten denn dann sichtbar sein? Um den Ausgleich, die "Klötzchen", nicht mehr zu sehen muss da ja sowieso etwas passieren.

Als Lehmbauer schlage ich vor: Stakendecke! ;-)