Lehmboden in Mietwohnung (Altbau)

23.01.2009



Hallo Allerseits!

Seit kurzem wohne ich in einer hochparterre Altbauwohnung in Hamburg. Unter unserer WG befindet sich eine Bar, welche obwohl sehr klein, doch beachtlichen Krach macht!

Da der Parkettboden in unserer Wohnung doch schon sehr in die Jahre gekommen ist, frage ich mich, ob man ihn nicht vielleicht durch einen Lehmboden ersetzen könnte. Nun zu meinen Fragen.

1. Ist ein Lehmboden in einem Altbauhaus überhaupt zu realisieren (zu viel Gewicht?) ?

2. Wird ein Lehmboden den Lärm der Bar (Laute Rufe beim Kickern, der Tischkicker an sich, Musik etc) dämpfen?

3. Hat hier jemand bereits Erfahrungen mit dem Bau eines Lehmbodens gemacht (Hier im Forum bin ich leider nicht fündig geworden)?

4. Welche Materialkosten würden für ungefähr 40qm entstehen?

5. Ist so ein Boden durch Laien (mit fachkundiger Beratung natürlich) zu machen oder sollte die Arbeit besser von einem Fachmann gemacht werden?


Glaube das reicht für das erste an Fragen, über Antworten würde ich mich sehr freuen.

Montag haben wir einen Termin mit unserer Hausverwaltung, da wird es auch darum gehen in wie weit der Vermieter sich an den Renovierungskosten beteiligen wird. Würde das Thema Lehmboden gerne schon mal ansprechen, es sei denn meine Idee ist völliger Mist!

Viele Grüße,

Tobias



Lehmboden



Das mit dem "völligen Mist" klingt zwar hart, kommt der Realität aber sehr nahe.
Lehmestriche sind für Geschoßwohnungen nach heutigem Standard nicht geeignet.
Sie stellten früher die niedrigste Stufe im Wohnkomfort dar.
Man fand sie in einfachsten Hütten und Bauernkaten direkt auf dem Erdboden, der Tenne oder auf Dachböden als Winddichtung und Rieselschutz.
Sonst gab es sie in Werkstätten wie Schmieden, Gießereien usw. und als Belag in Reithallen, wo sie noch bis ins letzte Jahrhundert Verwendung fanden.
Es gibt heute einige Anbieter, die Stampflehmestrich als Massespeicher für eine Fußbodenheizung anbieten.
Der eigentliche Bodenbelag muß dann noch darauf aufgebaut werden, da Lehmestrich weder abriebfest noch wasserbeständig ist.
Für die Schalldämmung und den Brandschutz ist Ihr Vermieter zuständig.
Machen Sie dem Druck.
Zur technischen Lösung des Problems kann man pauschal keine Universalrezepte abgeben.
Nur soviel:
Gegen Luft- und Körperschall hilft entkoppelte, mehrschalige Bauweise und Masse.
Das wäre beim Fußboden z.B. ein schwimmender Estrich.
Mit Lehm geht ein schwimmender Aufbau nicht.
Dann gibt es aber noch Fenster, den Hausflur, die Wände, Leitungsschächte...


Viele Grüße



Hallo Georg Böttcher!



"-Lehmestriche sind für Geschoßwohnungen nach heutigem Standard nicht geeignet-".
Da gebe ich Ihnen Recht!

"-Sie stellten früher die niedrigste Stufe im Wohnkomfort dar.
Man fand sie in einfachsten Hütten und Bauernkaten direkt auf dem Erdboden, der Tenne oder auf Dachböden als Winddichtung und Rieselschutz-".

Hier aber nur bedingt! Da Lehmdecken bzw. Packungen bis zu 15 cm, z.B. in der Renaissance sehr gern als Brandschutzdecken über Bohlendecken oder auch generell angeordnet worden. Bsp finden sie z.B in Görlitz Nonnenstr.16 oder am Untermarkt.Damit gehören Lehmböden mit überlaufender Diele für mich eindeutig zum gehobenen Baustandart vergangener Zeiten. Sogar Brandschutztüren waren mit Lehmschlag.(Untermarkt 25 in Görlitz noch Orig.).
"Ich weiß es nicht ganz genau"! Aber ich glaube das auch bei der Anna Amalia in Weimar, Lehm für Schadensbegrenzung sorgte.

Gruß Ronny



Lehmboden



Solche Lehmauflagen für Dielung und Fliesen kenne ich aus Schlössern auch, sowohl auf Holz, aber auch auf Gewölben.
Sie erfüllten aber nicht erster Linie die Funktion eines tragenden Estrichs, sondern waren Masse zur Deckenvorspannung, Brand- und Schallschutz, zur Druckaufnahme und -verteilung, Träger von Dielung und Fliesen.
Ich würde sowas eher als gebundene Schüttung sehen.
In einem Umbau eines Bürogebäudes aus den 20-ger Jahren des letzten Jhr. (Rentenkasse des Deutschen Anwalts- und Notarvereins)war im Dachgeschoß die Deckenfüllung aus magerem Lehm bis über die Balken gezogen.
Zwischen den Balken lagen Lagerhölzer praktisch schwimmend im Lehm, auf denen dann die Dielung genagelt war.
So eine Decke war schwingungsarm, schalldämmend, brandsicher und rauchdicht.
Nun weiß ich nicht, ob der Fragesteller das meinte.
Klassischer Lehmestrich wurde nach meinem Verständnis durch lagenweisen Einbau und Schlagen mit dem Pflegel hoch verdichtet; die Oberfläche war zugleich Nutzschicht.
Vor allem in der Küche und im Flur kam solcher Estrich zum Einsatz, er mußte ständig gepflegt und gewartet werden, da er oberflächlich erodierte.
Der Boden und der Lehm waren nie ganz trocken, da Erdfeuchte und Planschwasser auf ihn einwirken konnten.

Unter einer Dielung ist Sand bzw. lehmiger Sand eine bessere Auflage, da weniger kapillar und somit trockener.
In der Levante, wo es meist knochentrocken ist, war bzw. ist ein Lehmestrich durch den geringen Wassergehalt viel härter und stabiler.
Dort macht er auch noch heute Sinn, zumindest in nicht wasserbelasteten Räumen und wenn man die Staubbelasteung in den Griff kriegt.

Viele Grüße



Lehmboden gänge!



@ Georg; @ Ronny!

Die Frage wäre hier jetzt nur, wie sollte er denn ausssehen?
Und desweiteren würde sich die Frage stellen, dass es nicht diese sein sollten, die wir aus den historischen Werkestätten oder Lehmkaten vom Lande her kennen.

Es gibt mittlerweile hochmoderne Lösungen, die diese Eigenschaften eines Lehmbodens in sich vereinen und die eventuellen gewünschten Erfolge einer entsprechenden Schalldämmung hergeben.

Mit Lehmpaneelen ist dies möglich.
Aber eben nicht als endgültiger Endboden.
Hier sollte dann schon einen Holzweichfaserplatte zur Aufnahme des endgültigen Holzbodens aufgebrachtwerden.

MfG Udo Mühle



Lehmbodenaufbau: Nachtrag



Und so sähe dann die Herangehensweise zum weiteren Aufbau aus.
Türhöhen sollten dringendst in die Betrachtung fallen!

Grüße Udo Mühle



Lehmpanellen



hallo udo
wer stellt den so ein super stoff her und was wiegt so ein qm panelle
sowas ist mir in meinen lehmbauerleben noch nicht unter gekommen.
da sieht man mal wieder man lernt nicht aus.(immer fleißig Fachwerk de lesen)
gruß thomas



Fischer



Sagt Dir das was?
Sicherlich!

Grüße Udo



Lehmboden die Zweite und Schallfragen



Danke für die zahlreichen Antworten bislang :)

Ich dachte nicht an einen herkömmlichen Lehmboden, wie er in alten Werkstätten. Häusern usw. verwendet wurde. Als ich im Sommer ein paar Tage mit einen Lehmbauer zusammen arbeiten konnte, fragte ich ihn ähnliches. Er meinte, dass es da wohl eine Technik gibt, mit welcher man schöne, bewohnbare Lehmböden in eine Wohnung zaubern kann.

Hierbei macht man wohl eine dicke Lehmschicht auf den Boden wartet bis diese getrocknet ist und Risse gebildet hat und geht dann nochmal mit einem flüssigen Lehmputz darüber. Schlussendlich wird der Boden mit einem Öl versiegelt. Als Ergebnis hatt man dann wohl einen glatten, festen und staubfreien Lehmboden.

An so viel kann ich mich errinnern, hatte gehofft in diesem Forum vielleicht näheres darüber zu erfahren. Vielleicht kennt jemand in diesem Forum ja diese Technik.

Zum Thema Lärmschutz:

Der Besitzer der Bar unten meinte zu uns, es wäre wohl einfacher und billiger bei uns in der Wohnung den Schall zu dämmen als in der Bar, wo man an die Decken müsste.
Er hat da wohl Bekannte, die das mit Sand und Gehwegplatten machen würden. Die Kosten würde, soweit ich das bislang verstanden habe, er übernehmen.

Was meint ihr dazu? Ist es wirklich einfacher in der Wohnung den Parkettboden durch das oben genannte Verfahren zu ersetzen, oder macht eine Schalldämmung von unten mehr Sinn?

Über weiter Antworten freut sich,

Tobias


Was sagt ihr dazu?



Clay floor



Hallo,
In den USA wird sowas öfter gemacht.
Ich hatte mal eine Beschreibung dieser Technik.
Ist leider verloren gegangen.
Aber an das Ölen (Leinöl) kann ich mich noch erinnern.
Viele Grüße



Lehmestrich



Das so ein Estrich geht, ist nicht die Frage.
In dem Buch " Der Maurer" von Opterdecke wird eine Mischung von Rindsblut und Teergalle? unter Zusatz von Hammerschlag als Auftrag zur Versiegelung genannt.
Lehmestrich nennt er übrigens nur zur Verwendung in Dreschtennen und anderen landwirtschaftlichen Bauten und als Fußboden in Kegelbahnen.

Wie verhält er sich unter den heute üblichen Wohnverhältnissen?
Was passiert, wenn ich den Stuhl oder den Sessel verschiebe?
Wie wird er gereinigt?
Das Öl kann Staub binden, aber nicht den Abrieb verhindern.

Auf was soll der Estrich aufgebracht werden?
Er wurde immer auf nackten Boden aufgebracht.
Auf die Oberseite einer preußischen Kappe mag das noch gehen, wenn ich es schaffe den Estrich richtig zu verdichten. Opterdecke schreibt, das so lange mit dem Schlagholz geschlagen wird, bis keine Eindrücke in der Oberfläche entstehen. Wer kann das noch?
Das heißt noch nicht, das ich damit eine glatte, waagerechte und ebene Fläche hinkriege. Eine Tenne ist etwas anderes als ein Wohnzimmerfußboden.
Und mit einer Rüttelplatte durchs Wohnzimmer zu fahren halte ich für abartig. Ich muß nämlich unter den Estrich zur Schallentkopplung eine weiche Lage bringen.
Hat sich was mit Verdichten.
Einen schwimmenden Estrich kann ich auch billiger und effektiver als Zementestrich einbauen. Das wäre für ein Wohnhaus aus der Gründerzeit auch passender, das wußte auch schon Opderdecke.


Viele Grüße



Lehmboden in Mietwohnung (Altbau)



Hallo,

Ich tendiere in diesem Fall eher zu einer Perlitelösung in schwimmender Ausführung, hängt aber davon ab, was für eine Decke eingebaut ist.

Grüsse Thomas



Alles unnütz,...



...wenn man nicht weiß, was für eine Aufbauhöhe möglich ist (Türen, Brüstungen etc.!!) und welche statischen Möglichkeiten die bestehende Deckenkonstruktion hergibt.

Ich hätte da auch noch eine andere Variante, wo mit Lehmschüttung und den Paneelen gearbeitet wurde.

Grüße in die Runde,

Udo



Stampflehm-Böden



es gibt in zwischen Stampflehm mischungen mit den man wunderbare fußböden machen kann ohne ochsenblut und all den kramm den man früher in den lehm gemischt hat.
die mischung ist ähnlich wie die für stampflehm wände.
diese böden werden masiv verdichtet und dann mit einem oel
poliert.damit der boden dann wisch fest ist.
das hat nicht mehr viel mit dem alt herkömmlichen lehmstrich zutun.
ob so ein stampflehm boden in diesem fall angebracht ist,
bei einer rohdichte von etwa 2200 kg ist fraglich da sollte man erst mal einen Statiker fragen.
thomas



Lehmestrich



Lieber Herr Weisbrich, haben Sie:
a) sowas schon selber gebaut,
b) es schon gesehen oder
c) nur davon gehört?
Würden Sie sowas, das nicht den aaRdT entspricht, in eine Geschoßwohnung einbauen und dafür 5 Jahre Gewährleistung übernehmen?

Das eigentliche Problem, eine gute Schalldämmung, wäre damit übrigens immer noch nicht gelöst.
Auch nicht die Verdichtung auf einer Kappendecke.

Viele Grüße



Lehmboden



Hallo

Wie Robert bereits schrieb, gibt es deutlich mehr Hinweise auf Lehmböden (auch für Wohnräume) auf englischsprachigen Webseiten.

Einfach mal google nach "rammed earth floor", "earthen floor", "adobe floor" usw. fragen.

Eine Anleitung findet sich z.B. hier:

http://www.dancingrabbit.org/newsletter/Newsletter0701-floors.php

Aber auch auf Deutsch gibt's Infos:

http://www.coviss.ch/index.cfm?s=beitrag&beitragID=59

Ich denke jedoch nicht, dass ein reiner Lehmboden die Schallprobleme löst!!!

Gruss

Marc



stampf lehm



hallo herr böttcher!
zum arbeitsfeld des lehmbauers gehört unterandern das erstellen von stampf lehmböden und wänden.
selbstverständlich habe ich schon stampf lehm wände und böden erstellt.böden leider bissher nur kleinere flächen von bis 20 qm.
wenn ein kunde auf mich zukommen würde und in einer geschoßwohnung einen stampf lehm boden haben möchte
und den nötigen statischen Nachweis hat ,wieso nicht.
ich finde das nicht aus der art.
so ein lehmboden ist keine arme leutesache sonder eine hochwertige handwerkliche leistung
lehm hat als schwerlast Baustoff sehr gute schalltechnische
eigenschaften.
ob ich in den oben gefragten fall einen stampf lehmboden empfehlen würde ist fraglich.
beste grüße
thomas