Lehmbaustoffe und das Thema Thoron




Aus aktuellem Anlass einer derzeitig noch fertigzustellenden Baustelle, konfrontierte mich vor ein paar Stunden der Bauherr mit der Frage:
Wie verhält sich der Tatbestand, dass wir mit unseren geprüften Lehmbaustoffen eines am Markt platzierten Herstellers, bei ihm trotzdem radioaktive Stoffe (Radon und Thoron!) einbauen würden und Thoronhalt ein Schwesternprodukt von Radon wäre.
Welche Gesundheitsschädigung ist nunmehr zu erwarten?
Nach dem von ihm zusätzlich auf das in absehbarer Zeit weiter verschäftere Strahlenschutzgesetz für Wohnräume und Gebäude hingeweisen wird, erhebt er nun den Vorwurf, er hätte jetzt kein natürliches wohngesundes Gebäude mehr, sondern eher das Gegenteil.

Dass die Thematik sehr eng mit der mittlerweile viel zu dichten Bauweise auch zusammenhängend betrachtet werden muss, ist mir bereits bekannt.
Doch wo soll denn jetzt die Reise mit dieser Information der angeblich "stark" belasteten Lehmbaustoffen hingehen?

Welche Grenzwerte sind da mittlerweile bekannt und bereits mal gemessen worden in modernen Lehmhäusern?

Bin gespannt, wie dieses Thema jetzt Beachtung und der Aktualität entsprechend zu Ergebnissen findet!

FG Udo





Radioaktive Isotope von Kalium (K 40) hat er noch vergessen. Radioaktives Kalium führt man sich aber mit Lebensmitteln täglich ein. Also muss man auch vorsichtig mit Kaffee und Schokolade umgehen.

Das Lehm wie grundsätzlich alle Baustoffe aus Ton, einem Zerfallsprodukt von Gesteinen einen höheren Gehalt an (natürlichen) radioaktiven Isotopen haben ist ja nicht so neu.

Bei Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen fragt ja auch kaum jemand nach.

Der Spiegel hatte das mal anhand von Untersuchungen zur Radioaktivität in Wohninnenräumen den Zusammenhang zu Lehmbaustoffen hergestellt. Da ein untersuchtes Fachwerkhaus höhere Messewerte aufwies.

Hierauf haben doch die Hersteller von Lehmbaustoffen reagiert und ihre Produkte prüfen lassen. Da wurde doch festgestellt das kein zusätzliches "Risiko" für den Eintrag an (natürlicher) Radioaktivität durch Lehm gegenüber anderen Baustoffen besteht.

Die Belastung an radioaktiven Gasen dürfte überwiegend direkt aus der Bodenluft resultieren, die über den "undichten" Keller ins Haus gelangt. Da kann es je nach geologischer Lage erhöhte Konzentrationen geben.

Da kann man sich an das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter wenden.

http://www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/radon/gebaeude/gebaeude_node.html



Natürlich?



Ich hab ja auch in meinem ganzen Haus Lehm verbaut. Als Verarbeiter ist man bei der kurzen Halbwertszeit von Thoron derjenige der am meisten davon betroffen ist. Auf der anderen Seite ist es eine Tatsache, dass bei einem natürlichen Baustoff auch entsprechende natürliche Radioaktivität auftreten kann.

Ich erinnere mich noch an Tschernobyl, als auf einmal die ganzen Pilze aus den Bunkern ebenso auf Radioaktivität getestet wurden und erst da wurde die Tatsache bekannt, das natürliche Radioktivität in den Bunkern doch recht hoch sein kann. Die letzten 30 Jahre habe ich dann von diesem Thema nichts mehr gehört.

Jetzt kommt es wieder auf. Die Messwerte sind da und veröffentlicht. Die Frage sind die Auswirkungen. Meiner Ansicht nach ist es das Problem mit der Erwartungshaltung. Natürlich wird mit schadstofffrei gleichgesetzt. Aber viele Schadstoffe sind natürlich. Ich mache mir dazu keine zu großen Gedanken, allein aus dem Grund, dass diese Belastung natürlich ist und außerdem in einer ganz geringen Dosis.

Für mich wäre es spannend zu Wissen was diese Strahlung mit uns macht, welches sind die Auswirkungen auf unseren Körper? Bei Radon findet man ja auch ganz schnell die therapeutischen Anwendungen dafür.



Natürliche Radioaktivität



Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas mit einer Halbwertzeit von 3,8 Tagen. Thoron ist ein Isotop des Radon mit einer HWZ von 5.6 Sec. Diese Isotope Entstehen aus dem natürlichen Zerfall von Radon und Thorium (Zerfallsreihe von Natur–Uran), das in Spuren im Gestein/Boden vorkommt. Diese Belastung ist regional sehr unterschiedlich, und ist oft die stärkste natürliche Strahlemquelle.

Da kannst Du nix machen! Ausser lüften, Radon ist ein Gas.

Nach 38 Tagen ist die Radon Belastung auf weniger als 1/1000 gefallen, ausser man hat Baustoffe verwendet, die selbst hohe Anteile von Natur–Uran enthalten. Daraus ergibt sich die frage, woher der Lehm stammt. Wenn das eine Region mit geringer Radon Belastung ist, ist auch der Lehm sauber, der wird ja beim Hersteller auch noch ein wenig gelegen haben.
Wenn dem nicht so ist, muss man wohl den Hersteller fragen.
Im übrigen gibts das problem bei Neubauten mit dichten Fenstern und Türen ebenso, insbesondere in Kellern.
Zusammenfassend ist das ein Problem des Ortes und nicht ein Problem des Materials.

Kann man alles easymatic bei Wiki nachlesen. Dem Bauherren sei gesagt, dass es eben sehr viel mehr dumme Fragen gibt als korrekte Antworten.
Im übrigen kann die alte Hochofenschlacke in den Zimmerdecken auch ganz lustig strahlen.

Gruss

GE



Radionukleide



Lieber Kollege Mühle,

Wenn Du etwas über die Messwerte bzgl. der natürlichen Strahlung durch diverse Isotope in dem von Dir verwendeten Lehm eines bestimmten Herstellers wissen willst, solltest Du Dich gezielt zur Quelle des Wissens darüber begeben, nämlich zum Hersteller des Materials. Der sollte inzwischen die Angaben darüber dokumentieren und zumindest auf Nachfrage bekannt geben. Es ist zwar sicher interessant, hier im Forum die Frage in die Rund zu werfen, aber eine verbindliche Aussage kannst Du hier nicht erwarten, es sei denn, der Hersteller liest Deine Frage und antwortet Dir.
Du kannst auch nachlesen in Horst Schröders Fachbuch "Lehmbau" ab Seite 351 Kapitel 85 - 5.16 Strahlenbelastung, zumindest die allgemeinen Erkenntnisse werden dort wissenschaftlich fundiert und unabhängig von Herstellern dargelegt. Macht sich gut als Argumentation gegenüber dem Kunden.
Viele Grüße und weiterhin frohes Schaffen, Andreas Wugk