Kompetenter Zimmermann gesucht




Grüße,

Nachdem mir das Forum schon bei anderen Themen weiterhelfen konnte, wende ich mich wieder an euch.

Und zwar suche ich einen Zimmerei-Betrieb der im südlichen Niederösterreich tätig ist, und Erfahrung mit Sanierung von Fachwerkbauten hat.

Die Handwerker die bis jetzt zu Besuch waren haben eher haarstreubende Tips gegeben.

Kurze Erläuterung:
Ich besitze ein 100 Jahr altes Vollziegel-Haus dass allerdings an der Ecke West/Süd (teilweise Wetterseite!) im Erdgeschoss eine Veranda hat die, sowie jene Außenflächen die bis zum Dachstuhl vertikal darüber liegen, in "Holzriegelbauweise" ausgeführt sind.

Die Veranda ist mit Schwellen/Pfosten/Riegel usw... ausgeführt in den Gefachen der Veranda sind einfach zurückversetzt Holzlatten genagelt.
Sämtliche Außenflächen oberhalb der Veranda sind mit einem sehr grobkörnigen (Schotter-artig) Kalkputz versehen und wahrscheinlich seit 100 Jahren nicht angerührt. Aber ein zwar abgeschrägter aber doch "kriminell" ausgeführter Spritzschutz aus Beton direkt an der Schwelle als auch ein undichtes Rohr für die Ableitung den Regenwassers des Daches als auch die zurückversetzte Holzschalung im Gefach haben wohl der Schwelle auf der Westseite derart zugesetzt, dass mittlerweile Setzungen von ca 3-4 cm erkennbar sind .

Ich möchte das Fachwerk bzw. die defekten Teile jetzt einfach auswechseln oder neu aufbauen.

Ein Zimmermann hat gemeint:
Heute verwendet man keine Schwelle mehr, sondern man stellt die Pfosten einfach auf Stahlschuhe und gibt eine "horizontale Sperre" gegen aufsteigende Feuchtigkeit
zwischen Stahlschuhe und Fundament.

Das kannst doch wohl nicht sein!. D.h. da müßte das vorhandene Fundament (Ziegel) so verstärkt werden, dass es die Last dieses "kleinflächigen" Stahlschuhs, der Pfosten und darüberliegender Bauteile aufnehmen kann.
Das muß dann wohl mit Beton und Zement sein... Und zu allem Überdruß noch eine Bitumenbahn gleich darunter?
Ich habe das Gefühl dass dies den "Verfall" eher beschleunigen denn verzögern würde!

D.h. ich brauche professionelle Hilfe !!!!!!!!
Wenn der Zimmereibetrieb dann auch noch Erfahrung hat mit Lehm/Lehmstein Ausfachung der Gefache, wäre das auch nicht schlecht.

Besten Dank

Rudi Nussbaum



Hallo,



das war dann eher kein Zimmermann, sondern ein Car-Port-Errichter. Habe leider keinen regional passenden Tip, wünsche dennoch viel Erfolg. Bitte berichten, wie es ausgegangen ist.

Grüße

Thomas



Lehmbau



Hallo Rudi


Bei mir in der Ecke Altlengbach fährt ab und zu eine Lehmbaufirma durch. Ich denke, sie kommt aus der Nähe von Baden. Hotfrog, Gelbe Seiten oä hilft sicher weiter.

Von einer Zimmerei erwarte nicht, daß sie fachgerecht Lehmbau ausführt. Behaupten und können sind zwei Dinge. Jeder soll das machen, was er kann. Und Zimmereien sind nun mal Holzwürmer...

Und eine Zimmerei zu finden, die sich mit Fachwerk auskennt, geht nur, wenn man mit offenen Augen durch die Lande fährt. Da, wo Fachwerke stehen, anhalten und mit den leuten reden...

Ich hab mit einigen Zimmereien gesprochen wegen Aufstockung mit Fachwerk... Nagelbinder, Balkenschuhe, maschineller Abbund mit CNC, das ist es, was die "Handwerker" kennen. Ist billig, geht schnell und man muß beim "schnitzen" nicht nachdenken...

Ab und an sehe ich mal Jungs, die auf der Walz sind... haben die nach 3 Jahren Reise ein Totalreset im Hirnkastl oder lernen die nix handwerkliches mehr?


Andreas



Fachwerk



dürfte im südlichen NÖ nicht so häufig zu sehen sein...

Die Firma die Sie meinen könnte Natur&Lehm in Baden sein, das ist aber soweit ich weiß nur ein Großhandel. Allerdings haben sie auf ihrer Homepage eine Verarbeiter-/ Händlersuche. Zu finden unter www.lehm.at

Auf der Bauen&Energie 2008 hatte ich mit einem von diesen Händlern und Verarbeitern Kontakt, mein Eindruck war etwas ambivalent. Ihn nach einer einzigen "Ferndiagnose" auf einer Messe zu beurteilen hielte ich aber für sehr gewagt, daher hier nicht mehr dazu.



Lehmbau



@ Kellergassenkatze


Natur und Lehm ist es nicht, die verkaufen nur. Die Firma ist ein kleines Unternehmen aus der Region, irgend ein Nachbar hat mir mal den Namen gesagt...aber das Alter halt.

Fachwerk findet man im Badener Raum oder im Neunkirchner Raum, allerdings nicht mit Lehm vermauert und oft aus dem vorletzten Jahrhundert...


Andreas





Grüße,

danke für Eure Tips.
Ich hoffe, dass ich nun den richtigen Zimmermann gefunden habe.
Anbei noch eine Detailansicht der Veranda-Schwelle um die es sich dreht. Ich habe den Betonsockel, die Wurzel fast allem Übels, einmal abschnittsweise weggestemmt.

Schön zu erkennen ist der Aufbau von unten nach oben:
-Fundament (innen: irgendwas mit Ziegel, Bruchstein, Mörtel; außen: Betonziegel)
-Horizontale Feuchtigkeitssperre (Bitumen oder sowas ähnliches)
-Backstein
-Schwelle

Der Wiederaufbau soll so ähnlich sein:

-Fundament
-Kalkmörtel
-Backstein
-Kalkmörtel
-Schwelle


Ich denke mit der Nutzung des Kalmörtels hat man dann sowieso die entsprechende kapillare Sperrschicht. Da braucht es dann keine "in beide Richtungen" sperrende Bitumenbahn.

Da geht es dann natürlich gleich weiter. Wer kann heute noch einen echten Kalkmörtel ohne das berühmte "Schäuflein Zement" herstellen und verarbeiten? Ich habe da einfach mal beim Bundesdenkmalamt nachgefragt, und einige Kontakte bekommen. Da halte ich euch auf dem Laufenden!

Beste Grüße



Kalkmörtel...



...bildet definitiv keine kapillare Sperrschicht.

Grüße

Thomas



Und



so lange oben eindringendes Wasser seitlich wieder entweichen kann, sehe ich mit einer Bitumen-Sperrschicht o.ä. auch keine Probleme. Dafür verhindert sie zuverlässig das Aufsteigen von Feuchtigkeit.



Kalkmörtel



Was soll der Quatsch mit dem Bundesdenkmalamt?
Einen Kalkmörtel zum Mauern zusammenzurühren ist keine hohe Restauratorenkunst, das kann jeder Bauhelfer.
Dazu braucht es einen Sack Weißkalkhydrat für ein paar Euro, Sand und Wasser.
Oder Werktrockenmörtel PI.
Ein wenig Zement schadet in Ihrem Fall auch nicht.
Bleiben Sie bei den wirklich relevanten Sachen:

1. Die Schwelle muß vor Spritzwasser geschützt werden, entweder durch den Dachüberstand oder eine genügende Höhe über dem Boden, dazu noch eine Anfasung (Abschrägung) des vorspringenden Sockels
2. Falls die Wand beregnet wird, muß das Wasser an der Schwelle ablaufen können (Tropfkante, Überstand).


Viele Grüße





@Thomas,

Natürlich scheint die Anfrage an das BDA etwas überzogen. Jedoch gibt es, vielleicht im Unterschied zu Deutschland, kaum "Bauhelfer" die sich noch mit dem Mischen und korrekten Verarbeiten von reinen Kalkmörteln und Kalkputzen auskennen. Fürs Untermauern der Schwelle mit Mörtel reicht ja vielleicht noch ein einfaches Zusammenmischen. Jedoch brauche ich ja dann auch noch Kalkputze außen und innen (z.B. in den zu renovierenden Gefachen). Diese müssen ja auch noch farbspezifisch angerührt und verarbeitet werden. Und das so, dass es zur alten intakten restlichen Mauerputz-Substanz passt. Das traue ich mir nicht zu, und auch sonst niemand von den mir erfragten Maurern, Malern und "Bauhelfern".
Das österr. BDA hat mir da Kontaktdaten von einem der wenigen Spezialisten in meiner Gegend geben können. Der Herr war heute vorort wegen einer ersten Analyse und hat auf Anhieb überzeugt. Daher war der Schritt in Richtung BDA einmal aus meiner Sicht kein "Quatsch" :)
Provokantes Statement: Warum kontaktiere ich überhaupt dieses Forum hier. Ein jeder Hornbach, OBI, Bauhaus, WasWeißIch-Baumarkt Verkäufer kann mir ja auch sagen wie ich mein Haus zu renovieren habe......
Eben genau darum: Weil ich kompetente Leute suche die sich mit Altbestand auskennen. Und da ist mir jedes Mittel recht, wie auch das Nerven, Quälen und Belästigen von Mitarbeitern des BDA, bis sie die entsprechenden Kontaktdaten ausspucken. :)

Ansonsten danke für die Tipps. So inetwa dachte ich mir das und werde es auch ausführen. Die Wand selber ist der Witterung je nach Hauptwindrichtung öfters mal dem Regen ausgesetzt. (Fluchtlinie ist NNW. Wetter-Frontdurchgang ist meist NW bis N). Daher werde ich die Schwelle mit Tropfkante und Überstand ausführen.

Beste Grüße