Leichtlehm aus Sägespäne/Sägemehl?

16.07.2004



Hallo liebe Lehmbaugemeinde,
ganz kurz eine Vorstellung von mir.
Ich lebe seit ca. sechs Jahren in Rumänien und möchte hier anfangen ökologogisches Denken zu 'missionieren'. Der wachsende Raubbau hier und die ansteigende Umweltverschandelung dieser herrlichen Natur sollte
schnellstens gestoppt werden. Mir schwebt eine Gemeinschaft vor wie sie in wesentlichen Bereichen durch das ZEGG repräsentiert wird http://www.zegg.de). Dafür bin ich auch schon auf der Suche nach etlichen Hektar geeignetem Grund den ich dann käuflich erwerben möchte.

Bauen mit natürlichen Rohstoffen wäre ein wesentlicher Ansatz.

Ich habe das Internet schon nach einigen Informationen über Lehmbau durchsucht und möchte mich jetzt via 'learning by doing' in die Praxis einarbeiten.

Auf einem Gewerbegelände türmen sich Sägemehl- und Sägespänen-Berge. Kann man diesen Rohstoff nicht ebenfalls exklusiv zum Bau von Leichtlehm (Ziegel, Stampflehm) verwenden? Warum ist meist nur von Holzhackschnitzeln die Rede? Da wir hier an Sägespäne/-mehl (Weichholz, meist Fichte) leichter rankommen als an Stroh (Hackschnitzel habe ich hier überhaupt noch nie gesehen) drängt sich natürlich der Gedanke auf diesen Rohstoff mit Lehm zu kombinieren. Gibt es da irgendwelche Erfahrungen?

Ich habe sicher noch viele, viele Fragen. Insbesondere würde mich interessieren in welche Klasse sich der Lehm einordnet den ich hier für erste Experimente 'abbaue'. Welche Art von Fotos müsste ich machen um das von einigen Experten unter euch bestimmen zu lassen? Welche Zusatzinformationen braucht ihr da dann noch?

Herzliche Grüsse aus Siebenbürgen
Wolf



Probleme!



Hackschnitzel sind bautechnisch besser im Austrocknungsprozeß.
Sägemehl hält wesentlich länger die Feuchte und nimmt dazu auch noch wesentlich mehr an Feuchte in die Konstruktion mit hinein. Somit unterliegt dieses Material ganz schnell kompostierendem Effekt und es schimmelt und gärt enorm!!
Wenn an diese Materialien gedacht werden soll, dann müßte dieses auch als rindenloses Material verwendung finden.

Die technischen Erläuterungen sind aber noch viel umfassender und so wäre eine persönliche Kontaktierung sinnvoller und auch für uns sehr von Interesse.
Haben schon mehrfach an einer Kontaktierung nach Rümänien gewerkelt, doch scheiterte es immer an den Vor-Ort-Kontakten oder unserer eigenen Zeit!

Soviel zum Anfang und können aber bestimmt gute Fachkontakte mit vermitteln und an Deinem Projekt uns beteiligen.

MfG die aktiven Lehmbauer aus der Dreiländerregion Oberlausitz.



Nachtrag



Trage Dich doch einfach hier in die Plattform mit ein, dann kann man noch schneller und besser kommunizieren.

Grüße



Zuschlagstoffe bei Lehm !



Hallo Wolf,

hatte vor 2Jahren die Gelegenheit,die Gegend am Piatra Craiului zu erklettern.Land und Leute einfach nur toll!Da scheint man sich in eine andere Welt zu begeben!Dort lebt man nicht einfach in den Tag hinein,man genißt jede Minute! Du hast Recht,der Raubbau an dieser wunderschönen Landschaft ist sehr bedenklich!Zu deinem Vorhaben,ökologogisches Denken zu 'missionieren',finde ich einfach eine gute Sache!Auch weil ja die einheimischen Leute auch davon profitieren!Meine vollste Unterstützung hast Du,auch praktischer Natur,wenn sie deinerseits benötigt wird!Zu deiner Frage,zwecks Leichtlehm aus Sägespäne/Sägemehl:Zuschlagstoffe aus organischen Stoffen,z.B. Stoh,Rapsstroh,heidekraut,Fichten-und Tannenzweige mit ihren Nadeln,Stengel/Wurzelwerk,Spreu,Flachsrückstände,Tierharre u.a.,müssen trocken und borkefrei sein und werden entsprechend ihrem Vorkommen und ihrer Faserlänge verwendet!Die erfordeliche Faserlänge ist bei den einzelnen Lehmbauweisen verschieden!Aber vorallem funkieren sie als Armierung,das heißt,sie geben der Lehmmasse eine höhere Zugfestigkeit beim Austrocknen und verhindern zugleich die Rißbildung und vorallem erhöhen sie die Stoßfestigkeit!Sägespäne/Sägemehl verwendet man zwar auch,aber mehr bei Trockenlehmschüttung in der Balkenlage.Habe es schon oft beim öffnen von alten Balkenlage gesichtet! Ob es gut oder schlecht ist,muß jeder für sich beurteilen!Für deine ersten Experimente,sprich Eigenschaften und Prüfung deines Lehmvorkommens, kann ich Dir eine genaue Beschreibung von Herrn Alfred Beidatsch zukommen Lassen!

p.s.gibt es in deiner Gegend Häuser mit Lehmschindeldächern?

schöne Grüsse aus Berlin
vom Zimmergesell Michael





@Udo
In der Lehmbau-Mailingliste wies jemand darauf hin, dass Sägemehl/Sägespäne sich sinnvoll nur als Magerungsmittel verwenden lassen. Ein Dämmeffekt käme nicht zustande.

Ich habe ein Produktionsgelände mit 6000qm Fläche und einigen Gebäuden/Hallen gekauft. Es würde mir gefallen wenn sich hier ein Ökozentrum bilden könnte in dem sich meist Firmen niederlassen die mit ökologischen Projekten zu tun haben. Also z. B. in diesem Falle 'Produktion von Produkten aus Lehm', gegebenfalls Export derselben und natürlich Regionalvertrieb und Anwendung. - An einer Zusammenarbeit bin ich deshalb sehr interessiert. Soviel zu deinem Vorschlag.

@Michael
Es freut mich, dass dieses Land dir gefällt. Auch dein Angebot nehme ich natürlich an. Ich denke hier liesse sich gut der Tourismus mit Workshops/Seminaren in Lehm- und Srohballenbauweise und anderen Ökoprojekten ergänzen.

Offensichtlich lässt sich ja eine ganze Menge Zuschlagstoffe mit Lehm kombinieren. An der Beschreibung von Alfred Beidatsch habe ich natürlich Interesse. Ob es hier Lehmschindeldächer gibt weiss ich jetzt auf Anhieb nicht, aber ich werde das mal recherchieren.

Hier geniessen die alten Techniken nur mehr den Ruf der armen Leute. Früher wurde so gebaut. Deshalb ist es sehr verpönt die Idee 'Bauen mit Stroh und Lehm' auch nur anzudeuten. Es wird gleich abgewunken. Der moderne Rumäne baut nur mit modernen Baustoffen, auch wenn er über die Preise stöhnt. Etwas anderes kommt nicht in Frage. Lieber wird gar nicht gebaut.

Es ist also noch sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Und am besten überzeugt man hier wenn Westeuropäer diese Bauweise in der Praxis vorführen und Objekte zum Anfassen erstellen.