Altes Lehmhaus macht Probleme

09.06.2012 Christl



Wir haben ein ca.150 Jahre altes Stampflehmhaus erworben ohne Fachkenntnisse über Lehmbau zu haben.
In verschiedenen Beiträgen über Lehm heißt es, man kann Lehm immer wiederverwenden, nachdem er entsprechend eingeweicht ist.
Das habe ich versucht,aber der Lehm schimmelt bevor er richtig trocken ist.
Zur Erklärung. Wir haben im Dachboden einige Lehmwäde und -decken entfernt und hatten gehofft diese Lehmgemische für Ausbesserungen wiederverwenden zu können.
Kann mir jemand einen Tip geben wie ich den Schimmel vermeidenkann.
Ach ja gleich noch eine Frage. Ist in einem nicht unterkellertem Stampflehmhaus eine Fußbodenheizung gescheit?



Schimmel



Christl


Lehm KANN man wiederverwenden, sollte aber nur im Notfall passieren. Wiederverwendeter Lehm kann unter Umständen stinken oder schimmeln, da er im Laufe seines "Lebens" als Baustoff Grüche und organische Verbindungen (Staub) aufnimmt oder verarbeitet. Im Lehm mitverarbeitete Füllstoffe wie Stroh, Schäben, Tannennadeln oder ähnliche Füllstoffe verlieren ihre Stabilität und vermengen sich bei Wiederverwendung unkontrolliert.
Bei der Verwendung von Lehm ist nach der Verarbeitung in oder an der Wand auf eine ausreichende Lüftung zu achten, da Lehm nicht abbindet sondern trocknet.
Ein geringer Schimmelbefall ist oft zu beobachten, in der Regel abe nicht sehr schlimm, wenn er nur oberflächlich auftritt und kein Schwarzschimmel ist. Nach dem Trocknen lässt sich dieser Schimmelbelag von den Oberflächen mechanisch entfernen.

Schimmel tritt vermehrt dann auf, wenn die Untergründe vor dem Verputzen nicht richtig durchgetrocknet sind. Gerade bei Stampflehm sollte ein Trochner aufgestellt werden oder durch offene Fenster der Untergrund getrocknet werden, bevor der Oberputz aufgetragen wird...

Bevor ihr den alten Lehm aufarbeitet, solltet ihr Euch besser nach neuen Lehm umschauen, dabei hilft oft ein Blick in Nachbars Baugrube oder ein Blick auf örtliche Straßen -oder Ortsbezeichnungen, die Lehm- oder Pötter- im Namen tragen. Diese weisen auf ältere Lehmgruben hin. Auch ein Klön mit Ortsansässinen bringt oft Hinweise auf alte Lehmgruben im Umland.


Andreas





Hallo Andreas
Danke für die schnelle Antwort. Sie nimmt mir ein bischen die Panik vor einem verschimmelten Haus.
Wir hatten uns für die Verwendung des vorhandenen Lehmes aus folgenden Gründen entschlossen. Punkt1 war die Frage der Entsorgung und Punkt2 die Zusammensetzung des Lehmes.
Der Stampflehm von der Wand und der Wickellehm von der Decke sind doch mit verschiedenen Materialanteilen gemischt. Und so hatten wir uns gedacht gleicher Lehm für gleiche Reparaturstellen müßte klappen. Bei frischen Lehm
bin ich in dieser Hinsicht wieder unsicher.
Bis auf die vereinzellt auftretenden hellen Schimmelpunkte
hat die Reparatur, auch was die Haltbarkeit betrifft ganz gut geklappt.
Gruß Christl



Lehmwickel



Christl

"der Wickellehm von der Decke sind doch mit verschiedenen Materialanteilen gemischt. "

Darin liegt ja das Problem. Der Strohanteil in den Lehmwickel wird im Laufe der Jahre brüchig und ist dann für nix mehr geeignet. Er ist dann der organische Anteil, der im Lehm zu Problemen führt.

Was die Entsorgung von Lehm angeht, gibt widersprüchliche Meinungen.
Meine PERSÖNLICHE Meinung ist, das Zeugs kann mit dem Miststreuer auf den Acker, wenn kein Mörtel und keine Farbreste (Putzanteile vorher entfernen) enthalten sind.

An Sonsten als Füllmaterial im INet anbieten oder in Schlaglöcher verfüllen...


Andreas



Kosten



Hallo Christl,
ihr habt doch sicher ein Lehmwellerhaus erworben, wir haben auch eins, das wäre typischer für Nordsachsen als Stampflehm.
Verwende bitte den alten Lehm nicht wieder, warum wurde schon beschrieben. Ich kenne einen Baulehmanbieter in eurer Nähe (Brehna) welcher euch sehr günstig mit der nötigen Mischung beliefert bzw. bereitstellt, in die Verarbeitung unterweist etc.. (einfach mail an mich)
Klar geht Fußbodenheizung, wichtig ist der richtige Fußbodenaufbau icl. Belag. Gibt es eine Horizontalsperre in den Wänden...sicher nicht. Da geht´s schon los. Vorsicht beim Drauflossanieren!
Hast du ein Bild der Hauses wo man etwas sehen kann?



Altes Lehmhaus macht Problemen



Erstmal Danke für die Antworten zu meinen Fragen. Wir sind mitten im Bauen und die Probleme werden nicht weniger. Ich komme deshalb nur in Abständen dazu im Forum zu lesen.
Mir ist der Unterschied zwischen Stampflehmhaus und Lehmwellerhaus nicht so genau klar. Kann also auch Lehmwellerhaus sein.
Wir haben erstmal nach privaten Lehmgruben gesucht, aber Brehna ist mal ein Tip, den wir erkunden werden.
Zum Fußbodenaufbau, der ist wie folgt vorgesehen.
Grundestrich-Schweißbahn-Dämmplatten-Fußbodenheizungselemente-Deckestrich-Fliesen.
Eine Horizontalsperre in den Wänden haben wir bis jetzt nicht entdeckt.
Bilder vom Haus haben wir massenhaft,aber mit dem ins Netz stellen hapert es bei mir.
Weil wir gerade so beim plaudern sind vieleicht noch ein paar Fragen.
Wir haben in der Wand ein riesiges verlassenes Insektennest gefunden. Vermutlich ehemals Ameisen oder Wespen oder so. Aushöhlung ist ca. 30x60x50cm.
Kann ich das einfach wieder mit Lehm zustopfen, in der Wand kommt ja kaum Luft zum trocknen dran.
Und wie saniert man ein Bad im Lehmhaus? Womit kriegt man Fliesen am Lehm fest beispielsweise.

Christl



Lehm...



...saniert man mit Lehm ;) wenn du nur etwas ausfüllen musst ohne statische Anforderung, dann möglichst viel Lehmsteine mit möglichst wenig Mörtel, also dünne Fugen. Wegen des Schwindens. Was auch geht ist eine Lehmschüttung aber die schwindet beim trocknen je nach Mischung mehr oder weniger.
Wenn es tragende Teile sind dann nehme ich Backsteine mit Kalkmörtel. Haben die bei unserem Haus schon vor 100 Jahren so gemacht, und hält bis heute. Ist nicht so einfach mit dem Wellerbau. Ich habe bisher niemanden gefunden, der sich da wirklich auskennt. Wichtig ist auch die Fehlstellen vorher lotrecht und in Waage auszuräumen, quasi kastenförmig. Das hält besser.