Feuchten Raum mit Lehm verputzen

20.05.2005



Hallo allerseits

Bei unserm Bauernhaus (Hauptsächlich Bruchstein) haben wir in unserem Schlafzimmer im Erdgeschoss ein Feuchtigkeitsproblem. Der Raum ist nicht unterkellert und ist aussen an einer Seitenwand etwa 50cm mit Erde/Beton erhöht aufgeschüttet.
Die Wände sind alle Bruchstein. Innen hat der Vorgänger alles (Wände und Boden) mit Spanplatten ausgekleidet. Dahinter wahscheinlich einige Zentimeter Glaswolle, vielleicht sogar Dampfbremese (oder Alu-Kaschierung). Die Wände haben einen Reibeputz. Die Decke ist Profilholz. Der Vorgänger war Schreiner, wie unschwer feststellbar ist.... .
Wenn es nun draussen regnet, steigt die Luftfeuchtigkeit locker bis auf 90%. Auch sonst fällt sie bei geschlossenen Fenstern nicht unter 80%.
Feuchte Stellen konnten wir nicht feststellen, aber wer weiss, was sich hinter den Spanplatten alles verbirgt.
Nun haben wir den Gedanken, die Spanplatten von den Wänden runter zu reissen und eine dicke Schicht Leichtlehm auf die Wände zu schmeissen.
Haben aber keine Ahnung, ob dies eine gute Idee ist und ob wir so das Feuchtigkeitsproblem lindern können.
Herzlichen Dank für jeden Hinweis.

Marc





Hallo Marc Hübner,
ich fürchte Ihrer Beschreibung nach auch, daß innerhalb des Hauses bei derart hoher relat. Luftfeuchte überall eine komplette Dampfsperre sein muß. Das würde ich alles entfernen.
- Doch ungesehen kann man möglicherweise den falschen Tipp geben. Lehm innen wäre eine gute Lösung. Aber erst muß das Übel gefunden werden.
Auch außen würde ich versuchen, daß die Wand trockener wird. Der Beton läßt Feuchtigkeit hinein, aber kaum wieder heraus.

Gutes Gelingen wünscht
D.Fr.



Feuchte Wände



Hallo Herr Hübner,

ich glaube das beste wäre es wie Herr Fröhlich schon andeutete, außen den Beton entfernen und mit einer kapillarbrechenden Schicht auffüllen so das das Mauerwerk immer austrocknen kann. Innen auf jeden Fall die Spanplatten entfernen und alles erst mal austrocknen lassen . Das mit dem Lehm ist auf jeden Fall eine gute Idee! Vielleicht reicht auch ein dicker Lehmputz aus. Müsste man aber vor Ort sich anschauen! Bei Fragen einfach anrufen.

Grüße aus der Oberlausitz



Feuchtigkeit durch Boden



Vielen Dank für Eure Antworten.
Habe gestern gesehen, dass unter einer dichten Folie (ein Stück ca. 50x80cm), die einige Zeit auf dem Boden (auf den Spanplatten) lag, alles feucht war. Also scheint die Feuchtigkeit auch von unten zu kommen.
Ich werde, wenn dieser Raum dann an der Reihe ist, alles rausreissen und mal weiter schauen.
Grüsse

Marc



Zusatzinfo



Schließe mich den Vorrednern an, doch sollte eine genaue Vor-Ort-Besichtigung genaueren Einblick in Ihre Situation geben.
Eine zusätzliche umlaufende Heiztemperierung bringt Ihnen ebenfalls wahre Wunder.
Trotzdem sollte eine genaue Gebäudeanalyse vorgenommen werden, denn Ferndiagnosen sind immer mangelhaft.
Zu weiteren hilfreichen Aussagen stehen wir Ihnen gern bereit.
MfG aus der lausitzer Region, die LehmHandWerker.



Es muß nicht immer Lehm sein,



und in so feuchtem Milieu schon zweimal nicht. Wie soll denn der Frischlehm da jemals trocken werden. Ich habe genug Fälle, bei denen der dank seinem Gefüge stark feuchtrückhaltende Lehm dann beschimmelt. Die Lehmbauer hier werden wissen, was ich meine - auch wenn sie es nicht sagen.

Aus feuchtetechnischem und schimmelverhütendem Grund - aber meist auch wirtschaftlich betrachtet - ist wohl Luftkalkputz die beste Lösung - auch auf Bruchstein. Lehm hat seine Einsatzstärken - aber nicht im Feuchten.

Ansonsten nehme ich an, daß das Schlafzimmer nicht ausreichend temperiert wird, jede Lüftung dann Kondensat in kühle Flächen liefert, die Außenwände ggf. noch mehr auskühlt und deswegen alles grausam auffeuchtet. Voraussichtlich ist auch die Bodenfeuchte nur Kondensat aus dort unten besonders abkühlender Raumluft - das müßte halt vor Ort etwas genauer beguckt werden.

Kalk alleine wird das nicht bessern - er sollte schon begleitet werden von trocknenden Maßnahmen - Hüllflächentemperierung, Lufttrockner, auch aus Sicht des Wohnklimas ...

Dann wirds.

Die Links bieten Detailaufklärung:

http://www.konrad-fischer-info.de/7temper.htm



http://www.konrad-fischer-info.de/213baust.htm



http://www.konrad-fischer-info.de/7fehrtab.htm



http://www.konrad-fischer-info.de/29bausto.htm



Feuchter Boden



Vielen Dank für die Anregungen.
Habe inzwischen gesehen, dass sogar mein hölzernes Bücherregal, welches auf den Spanplatten steht, nasse Füsse bekommt. Die untersten drei Zentimeter sind vollständig durchfeuchtet!
Sobald wir mit der Wohnung anfangen werden, wird dies wohl das erste Zimmer sein, in dem gerissen wird. Ich melde mich dann wieder mit dem aktuellen Zustand.

Gruss & Danke

Marc





@ Hallo Marc Hübner,
Sie müssen unbedingt vorher abklären woher diese Feuchtigkeit kommt. Und die Ursache beseitigen. Sonst ist jede Art einer Sanierung oder Renovierung zum Fenster hinausgeschmissenes Geld.

Nachdenkliche Grüße
D.Fr.





Ich hoffe, dass nach dem Entfernen der Spanplatten einiges zum Vorschein kommt, was die Frage nach der Herkunft des Wassers klären wird. Hoffe jedoch, dass es nicht so aussieht:

http://fachwerkhaus.historisches-fachwerk.com/fachwerk/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/28684$.cfm

Naja, riechen tut's ja schon, aber nicht nach Pilz, sondern einfach feucht und nach Schimmel (Wenn mein Riecher sich nicht irrt).
Hatte den Eindruck, dass es bei dem warmen Wetter draussen in den letzten Tagen eher schlimmer geworden ist. Habe aber keine Ahnung, weshalb.

Gruss

Marc



Weil noch mehr Feuchteangebot



aus schwülwarmer Sommerluft in unterkühlte Bauteile - logischerweise ist die Temperaturschichtung im Raum unten am kühlsten - einkondensiert.



Macht Sinn,



ich hatte dann den ganzen Tag das Fenster offen, aber die Luftfeuchtigkeit sank nicht unter 75%. Die Temperartur im Innenraum stieg auf 21°C (aussen 30°C).
Wenn man aber diese Feuchtigkeitsquelle eliminieren will, müsste man ja den Innenraum auf Aussentemperatur aufheizen oder nicht lüften, damit keine mit Feuchtigkeit beladene Luft reinkommt.

Wenn ich Sie recht verstehe, Herr Fischer, könnte die ganze Feuchtigkeitsproblematik daran liegen, dass es bei uns einfach zu kalt ist!? Wir haben nur einen Kachelofen, den wir aber schon länger nicht mehr eingefeuert haben, da es sich bei 16°C leben lässt. Als es nun in letzter Zeit wärmer wurde draussen, haben wir natürlich stets alle Fenster geöffnet...... .
Somit könnte die geplante Zentralheizung und damit stets etwa 20°C Innentemperatur wahre Wunder bewirken????


Gruss

Marc



Richtig heizen, heißt nicht,



im Sommer das Haus über die Außentemperatur zu heizen! Richtig heizen und richtig lüften gehört zusammen. Dann gibt es erst mal kein übermäßiges Kondensat und keine unterkühlten gefährdeten Bauteile im Bauwerk. Was dann im Sommer in 20grädige Wände noch aus 30grädiger Luft reinrutscht, verkraftet das Bauwerk - vorausgesetzt, es ist sorptionsoffen und nicht mit Plastikpampe (Dispersion, "Mineralfarbe", Dispersionssilikatfarbe, ...) beschichtet. Es hängt eben alles zusammen - und nur mit dem Baumarktwissen gebildet macht man auch viel falsch. Deswegen auch mein detailliertes Infoangebot auf der Webseite insgesamt und auf den hier folgenden Links:


Richtig und falsch heizen



Plastikpampe



ist ziemlich sicher vorhanden.
Die Aussenwand hat (nach meiner Vermutung) folgenden Aufbau:
-Aussenputz mit dichter Farbe (Stellenweise fällt der Putz ab...)
-60cm Bruchstein
-Innenisolation aus Glaswolle mit Alufolie kaschiert (wurde im ganzen Haus eingesetzt, somit sehr wahrscheinlich auch in diesem Zimmer)
-Eine Schicht verleimte Spanplatten
-Reibeputz

Also mehr als eine Schicht, die so ziemlich nix durchlässt.

Gruss

Marc



Schöne Schei...,



die Dich da erwartet!
Nach deiner Wandaufbauvorgabe (Sichtung), würde ich nun auf Komplettsanierung tippen wollen.
Und leider ist dies eben nicht der Einzelfall in unserer Bau"kultur", daß es nach gewissen "Tagen" dann zum großen Problemfall sich entwickelt.
Und wenn's publik gemacht wurde, daß diese oder jene Baumaterialien so nicht mehr funktionieren und probleme bereiten, dann bekommt das Kind einfach einen neuen Namen und neue "Prüfdaten".

Grüße aus der Lausitz, wo's ebensolche Thematiken gibt.



Komplettsanierung



ist eh klar. Alles muss raus. Mein Vorgänger hat verwendet, was er für gut hielt (und was ihm wahrscheinlich als solches empfohlen wurde). Vor allem durfte es nichts kosten.
Komplettsanierung, was verstehst Du genau darunter? Dass die Fassade gemacht werden muss, war von anfang an klar. Dass wir in der unteren Wohnung (wo sich auch besagtes Zimmer befindet) einiges ändern werden, war auch schnell klar.... .
Ich hoffe nur, dass nicht zu stark in die Bausubstanz eingegriffen werden muss (wie auch immer).
Die Feuchtigkeit des Bodens macht mir noch Sorgen, bin gespannt, wie es unter den Spanplatten aussieht.

Gruss

Marc



Komplettsanierung umfaßt:



1. vernünftige Fensterlüftung durch ausreichenden Fugendurchlaß (evtl. nur obere Lippendichtung rausnehmen), Stoßlüftung klappt da nicht
2. vernünftige Oberflächen ohne Trocknungsblockade (Kalkputz und -anstrich, bzw. Leimfarbe)
3. vernünftiges Heizsystem ohne Kondensat feuchtwarmer Heizluft in kühlere Bauteile.

Details auf den Links:


Rund um die Fensterprobleme und den Holzschutz



Geheimnisse rund um Putz und Mörtel



Anstriche - richtig und falsch



Richtig und falsch heizen - Zur Hüllflächentemperierung



Rund um Schimmel, seine Ursachen und Beseitigung



Willkommen im Club...



hab mir vor einiger Zeit auch mal ein altes Haus gekauft. Sah auch ganz gut aus. Dachte auch ich müsste nur Fassade neu machen und halt großzügig renovieren. Am Schluß war das Haus dann leer vom Keller bis zum Dach. Ich wollte jetzt aber keine Angst machen. Was ich sagen wollte. Unsere Wände waren auch aus Bruchstein. Die haben das alles sehr gut verkraftet auch das Steingefüge und das Fugenmaterial war noch gut. Alles was aus Holz war musste dann raus.

Da wo es feucht ist, weil z.B. aus dem Keller aufsteigende Feuchtigkeit vorhanden ist würde ich keinesfalls mit Lehm arbeiten wollen. Lehm gehört m.E. dahin wo er immer wieder richtig durchtrocknen kann. Lehm kann zwar viel Feuchtigkeit absorbieren und langsam wieder abgeben. Aber auch das hat eine Grenze.

Also wir haben damals alles rausgemacht. Decken und Bodenbeläge entfernt, alles was irgendwie Feuchtigkeit "gebremst" hat und erst mal richtig austrocknen lassen.

Im Keller gabs dann reinen Kalkputz. In unserem Fall mit Perlite als Zuschlag. Keller ist jetzt trocken. Putz noch an der Wand.

Ich würd in jedem Fall das was eh raus sollte so schnell wie möglich raus machen und dann mal ein Schadensbild erstellen und prüfen woher die viele Feuchtigkeit kommt.

Viel Erfolg
Hans



Feuchtes Schlafzimmer



Man sollte nicht krampfhaft versuchen, die Nutzung dem Raum (eigentlich ein Hochkeller) anzupassen. Legt dort lieber einen weniger Feuchteempfindlichen Raum hin und nehmt euer Schlafzimmer nach oben.