Ausfachung mit Vollziegel?

10.01.2005



Ich habe ein Haus in einem Sanierungsgebiet erworben. Das Haupthaus um 1900 (Bauakte existiert nicht, aber Ende des 19 Jh. wütete in der Ecke der Stadt ein Stadtbrand - auch von der äußerlichen Erscheinung kommt es hin) in Vollziegel. Der Anbau (EG Vollziegel, 1. OG. Fachwerk verputzt) stammt nach meinen Vermutungen aus einer früheren Zeit - um 1860 (habe ich anhand noch vorhandener Türen und Türbeschläge und Fensterprofile datiert). In unserer Gegend (Naumburg/Saale) war bis ins 20 Jh. hinein - auch im städtischen Bereich - Fachwerk (verputzt) bei "Billigbauten" völlig normal. Aber, soweit ich weiß, immer mit Lehm-Stroh-Ausfachung. Hnadelt es sich bei der Vollziegelausfachung um eine "Bausünde" aus späterer Zeit?
Termin mit dem Denkmalsschutz ist demnächst, ich wäre gern vorbereitet. Falls der Anbau überhaupt noch zu retten ist (was nähere Untersuchungen erst noch zeigen müssen) hätte ich gern eine Lehm-Stroh-Ausfachung.
Das Haus ist übrigens ein Totalsanierungfall.

Gruß
Bettina





Hallo Bettina Ingenkamp, manchmal ist meine Frage zuerst:
Wo genau in welchem Ort steht das Haus, damit ich event. den richtigen Fachmann vorbeischicken kann. Wir versuchen ein Netzwerk aufzubauen und manchmal können wir auch praktisch helfen.
Die Frage, die ich mir zuerst stellen würde: Ist mein Fachwerkgerüst in Ordnung? Müssen Balken erneuert werden, dann fallen die Ausfachungen ohnehin raus.
Ob die Ziegelausfachungen original sind kann man nur augenscheinlich vor Ort klären mit sehr gründlicher Untersuchung. Um 1900 war schon alles möglich. Aus der Ferne vermute ich zunächst: Dies kann noch nicht der Grund einer Denkmaleigenschaft sein.
Daß Ihr traditionell mit Lehm & Stroh sanieren wollt, find ich gut.
Nachdenkliche Grüße
D.Fr.





einzeldenkemal ist und wird das haus nicht. Dafür ist es zu bescheiden. Aber es liegt in einem sanierungsgebiet und ergo darf ich natürlich nicht machen, was ich will. dass die Ggfache erneuert werden müssen, falls das Gebäude überhaupt noch zu retten ist, ist sowieso klar - die frage ist nur, wie?
bei einer Sanierung eines lebendigen objektes wie dem eines hauses ist das doch immer die frage: welchem zustand nähert man sich sich an? dem urzustand, falls rekonstruierbar? irgendeinem dazwischen? dem, mit dem besten leben kann?
ich bin mir eigentlich sicher, dass die gefache einstens mit lehm ausgefacht waren, was anderes wäre hierorten unüblich. das meint auch die archtektin, die schon etliche sanierungen in meiner stadt betreut hat.
es könnte natürlich sein, dass der denkmalpfleger kommt und sagt: supi, vollziegelausfachung, wie selten, dann mach das mal wieder so.
im urzustand wird das gebäude eh nicht wiedererstehen: das masivgeschoß wird definitiv abgerissen werden müssen, auch decken und böden sind hin.

gruß
bettina





Hallo Bettina, nun macht sich jeder etwas eher Vorstellung von der Situation. Trotzdem wäre ein Foto viel hilfreicher. Da Ihr Euch schon viele Gedanken macht und kooperativ seid mit allen Partnern, die auch dort etwas zu sagen haben, sehe ich keine Probleme. Und manches wird die Zeit bringen.
Baut nach außen immer so, daß es auch der Umgebung, den Nachbarhäusern angepaßt wird. Dadurch schafft Ihr mehr Harmonie im Stadtbild.
Und gegen Lehmbau, Ausfachen mit Lehm, hat sicher niemand Einwände, wenn grundsätzlich Sanierungsbedarf herrscht. Aber - wie gesagt - ungesehen kann man kaum optimale Tipps geben.
Gutes Gelingen wünscht
Dietmar





Hallo bettina,

bei der Ausfachung kommt es drauf an, wie viel Geld im Beutel ist. Schau mal beim Udo Mühle auf die Homepage, da siehst du Ausmauerungen mit Leichtlehmsteinen. Die sind preiswerter und sind genauso gut, vorausgesetzt die Verarbeitung stimmt. Aber die Vorgehensweise von Herrn Dietmar Fröhlich ist richtig. Eine Voruntersuchung ist unumgänglich, sonst hilft die beste Sanierung nichts.

michael.