Aufbau Lehmwand

01.12.2011



Hallo Zusammen!

Ich hatte das in einem anderen Beitrag schon mal angerissen(20cm Stroh im Putz).
Ursprünglicher Gefach/wandaufbau ,14er Fachwerk,Stakung mit Weide verflochten,gesamt Stärke der Wand 20cm.
Der Lehm hat recht hohen Steinanteil,da wurde nix gesiebt,hoher Langstrohanteil.
Meine Frage ist jetzt mit welcher Technik,Stampflehm oder Putz ,wurde das gemacht.In der Seitenansicht meine ich schon mehrere Lagen erkennen zu können was für angeworfen und verputzt spricht.
Was meint ihr?

Grüße Martin





Draufsicht





Und noch eins



Das ist



Strohlem der als Putz oft mehlagigig in großen Schichtdicken aufgetragen wurde. Früher war im September Schluss mit Lehmbau, sonst konnte keine Trocknung mehr stattfinden.

Grüße Gerd



Diese Ausfachung ...



kann man nur von Hand anwerfen bzw. einarbeiten (besser: "einmassieren") in Lagen von 4-5 cm, die antrocknen müssen, bevor die nächste Lage eingebracht wird.

Wenn Sie den Altlehm ausbessern wollen oder ausgelösten Gefachelehm wieder Aufarbeiten wollen, müssen Sie den verbliebenen Altlehm im Gefach sehr gut vornässen bzw. anlösen, damit der frische Lehm einen Verbund damit eingeht. Das Stroh im Gefachelehm sollte als "Bewehrung" dabei freigelegt und für eine gute Verbindung mit dem frischen Lehm genutzt werden



Strohlehm



Danke für die Antworten!

Ich werde ein Gefachfeld,zwecks Ständeranblattung ausbauen müssen und möchte das anschließend wieder original aufbauen,allerdins erst im nächsten Frühjahr.Könnte mir aber jetzt schon mal die Staken und Ruten schneiden und mich der Lehmbauliteratur widmen.
Die Aussenwände werden mit Ziegeln(Wetterseite) und Lehmziegeln ausgefacht,auch hier würde ich innen gerne 3-4cm Strohlehm aufbringen.
Ich gehe mal davon aus das der vorhandene Lehm der Aushub aus der Baugrube war,nebenan wird auch gebaut,habe mir einige kubik Lehmaushub untern Nagel gerissen,ich denke das ich den Lehm/Strohanteil aus dem Bestand"kopieren"kann.

Grüße Martin



Gefach



Das Auszäunen war früher Frauen- und Kinderarbeit.
In einer flachen Grube wurde Lehm angefeuchtet und mit den Füßen als Brei gestampft um ihn zu egalisieren. Dabei wurde bei Bedarf das Stroh mit eingetreten, dann samt Lehm in Mulden oder auf Brettern zur Baustelle geschafft und dann angeworfen. Der Strohlehm wurde mit nassen Händen eingedrückt und verteilt. Dabei mußte immer eine zweite Person mit einem Brett o.ä. auf der anderen Seite der Auszäunung stehen und gegendrücken damit die sich nicht verschob.
Nach dem Trocknen wurde verputzt, manchmal auch nur einfach mit Lehm ohne Strohanteil glattgestrichen. (siehe Foto)
Ich habe auch schon mit Langstroh im Lehm gearbeitet; dazu mische ich immer etwas Stroh portionsweise im Mörtelfass per Hand mit Lehm und werfe dann den Batzen an. Das Stroh was man heute kriegt ist durch die Dreschtrommel schön weichgeklopft und läßt sich sehr gut formen.
Lange Einweichzeiten braucht man nicht, das sehe ich als Vorteil. Das trockene Stroh nimmt das überschüssige Anmachwasser auf, der Lehm wird von innen getrocknet. Außerdem quellen die Zellulosefasern auf, gleichzeitig schrumpft der Lehm. Die Bewegeungen kompensieren sich und mindern so Risse.

Viele Grüße



Strohlehm



Hier ein Bild von einer Auszäunung mit Strohlehm.



Strohlehm



Die andere Methode war der Einbau von Windelpuppen, gespaltenen Aststücken, die in ausgespänte Nuten eingeklemmt wurden. Vorher wurden sie mit in Lehmbrei geweichtem Langstroh umwickelt bzw. umflochten.
Die Herstellung ist heute problematisch, da Getreidestroh viel kürzer als früher ist. Man muß schon suchen bis man einen Bauern findet der noch alte Sorten mit langen Halmen anbaut.
Das Bild zeigt eine Decke; das Prinzip ist dem einer Wand gleich (abgesehen davon das einem hier der Sch. auf die Brille kleckert).
Die Fotos stammen aus dem Ecomusee im Elsass.

Viele Grüße





Na mal sehen was Frau und Kind zu ihrer neuen Aufgabe sagen...

Die Decken hier sind auch mit Lehm verputzt,allerdings liegen die Staken auf einer Leiste auf,die seitlich am Deckenbalken angenagelt ist.Ich werde die Balken selber, aber unverpuzt lassen,auch wenn es so nicht dem original Zustand entspricht.

Zum Stroh ,ich habe sehr gute Kontakte zu einigen Demeterhöfen in NRW,dort werden auch alte Getreidesorten angebaut,bei interesse kann ich da gern vermitteln,wobei dieses Jahr rückt keiner mehr Stroh raus,fürs Getreide war der Sommer hier lausig!



Noch eine Technik..



..mit Staken und langfasrigem Strohlehm.Das Bild stammt aus einem verfallen Gutshof im Erzgebirge.Aus der von Herrn Böttcher gezeigten Technik mit dem Auswinden von Weideruten entspringt übrigens das Wort "Wand" -von winden.
Beste Grüße und gutes Gelingen..

Patrick Bormann



Gefachlahm, ähm - Gefachlehm



Wenn ich Ihre drei Fotos richtig deute, besteht die Ausfachung lediglich aus Stakung (eben die grob vorgerichteten, jedenfall in McPomm meist Kiefernholzknüppel) und Strohlehm. Um Aufwand zu sparen, würde ich es dabei belassen. Falls Flechtwerk erforderlich, geht auch Hasel (Dicke: kleiner Finger bis Daumen), gespalten. d.h.Ruten schneiden je nach Standort der Hasel ca. 1,5-2,5 m, am dicken Ende des FRISCHEN Holzes quer durch die Markröhre einen Schnitt von ca. 2cm tiefe anbringen und dann die Rute biegen. Das Ergebnis soll sein, dass der Stecken längs halbiert aufreisst. Falls erforderlich, die Halb-Ruten vor dem Einbau wässern, um sie elastisch verwenden zu können.
Beim Lehm (Beschreibung ohne Flechtwerk)gehe ich von einem Aufbau in drei Lagen aus. Dabei wird der Anteil des Strohs von Innen nach Aussen abnehmen. Für die erste Lage wird das Stroh - dabei ersteinmal unerheblich ob lang oder kurz (sicher ist lang besser, aber man(n)/frau sollte wirtschaftlich das im Ort vorhandene Stroh nutzen)mit recht nassem Lehm zu ca. 40 cm langen und ca. 7-8 cm dicken Würsten geformt und diese eingeflochten, bzw. gelegt - Achtung, optisch überwiegt hier deutlich der Strohanteil im Gemisch. Die Stakung vor Beginn des Ausflechtens mit der reinen Lehmmischung einstreichen (Quast oder Hände.
Die zweite Lage ebnet die Fläche und stellt den Putzgrund dar - muß also ca. 0,5-1,0 cm hinter der geplanten Putzoberfläche zurückliegen. Hier Kurzstroh verwenden, der Strohanteil ist in der Mischung noch deutlich zu erkennen. Die letzte Lage ist dann der Oberputz.
Hier wird kurzes, besser gehächseltes Stroh verwendet. Den Anteil bestimmt die zu erzielende Oberfläche.
Vor den einzelnen Arbeitsgängen soll die darunterliegende Schicht durchgetrocknet sein.
Wenn die Zeit drängt, z.B. Strohleichtlehmsteine aus Krummenhagen (Egbert Zietz) für Wanddicken ca. 13 und 16.cm verwenden.
Achtung: aus Gründen des Schallschutzes und der Winddichtigkeit empfehle ich eine Wandseite auf jedem Fall vollflächig zu putzen.



Ein(ge)fach



Ihr macht mich richtig glücklich mit euren Antworten und Infos!
Die Stakung ist schon verflochten ,Weide die der Wurm teilweise recht bröselig hat werden lassen.Die Stakung ist zum Teil gespaltene Eiche und Weidenknüppel alles Recycling hier.
Ich habe vorletztes Jahr eine große Haselnuss auf n Stock gesetzt,da ist jetzt jede Menge Rutenmaterial.
Zum Schallschutz,ist das erste Haus in dem ich wohne und von meinen Nachbarn nix mitkriege,obwohl hier ne Menge Material in den Wänden noch fehlt!
Das wirklich spannende für mich ist ,das ich keine hundert Meter gehen muß um sämtliche Materialien für meinen Wandaufbau zu finden,Hasel steht im Garten ,Stroh vom Bauern nebenan ,steht im Stall,Eichenstaken in Form von Brennholz kubikmeterweise,auch nur 10 minuten von hier entfernt gefällt,tonnen von Lehm den ich noch nicht mal selber ausbuddeln musste....jetzt brauchts noch Wissen und Erfahrung.

Danke bis hier hin!
Grüße Martin