Trocknet ein Hausschwamm den Lehmboden aus?

31.03.2007


Ich besitze einen Altbau von 1903.
Meine Frage lautet einfach : Trocknet der Hausschwamm den Lehmboden aus? An einer Stelle im Bodenbereich war der Lehmboden wie Sand. Er war völlig locker und ausgetrocknet.Ich habe den Bereich großräumig ausgekoffert. Ich habe dann mit Kies aufgefüllt und eine Dampfsperre gelegt. Zuoberst dann einen Estrich verlegt.
Ich wäre dankbar für eine Auskunft.
Gru




Wie



kommst Du auf Hausschwamm?
Sind Fruchtkörper vorhanden gewesen?
Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik



tja , tach auch ,



bißchen spät für eine Analyse : Lehm weg , Estrich drüber ,
nix mehr zu sehen ! Guck doch mal : www.holzfragen.de , da hat ein genialer Schwammsinniger viele Bilder und Hilfen parat ( Grüße an Rüpke )
Jürgen Kube



Danke



Da man ja auf dieser Seite viele Bilder von Schädlingen sehen kann und ich ja kein Experte bin, bin ich dazu übergegangen einen Fachmann zu rate zu ziehen.Vielen Dank für eure Hilfe.
Ich habe fälschlicherweise hier schon reingeschrieben wie ich vorgehen werde.Also der Estrich ist noch nicht verlegt.Bisher ist nur das befallene Holz und das Erdreich großzügig abgetragen worden.
Sorry, mein Fehler.



Gute Entscheidung!



Alles Gute und
Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik



keine Trocknung durch den EHS



Guten Tag, ich verstehe Ihre Frage nicht ganz. Vorweg: Wenn Sie Hausschwammbefall haben, dann muss von einer Fachfirma ordnungsgemäß saniert werden. Das Wichtigste ist zu bestimmen wo die Feuchtigkeit her kam und sie abzustellen. Jetzt zu dem wie ich Ihre Frage verstehe:
Im Befallsbereich sah der Lehmboden anscheinend anders aus. Lehm ist insofern für Hausschwamm interessant, wie er als Versorger mit Mineralien dient. Grundsätzlich ernährt sich der Pilz vom Holz. Er braucht aber wie andere Lebewesen auch einige Mineralstoffe. Sowohl zum Aufbau von eigener Pilzsubstanz, als auch zur Neutralisierung von Oxalsäure, die bei seinen Stoffwechselvorgängen entsteht. Lehm dient z. B. als Stickstoffquelle, da der Stickstoffanteil im Holz relativ gering ist um viel Pilzsubstanz zu bilden. Grundsätzlich hat das jedoch nur Randbedeutung. Die Stickstoffgehalte von Lehm schwanken auch deutlich (Zyca: Der Einfluß stickstoffhaltiger Salze auf die Zerstörung von Bauholz durch Pilze" in Zeitschrift: "Angewandte Botanik" Bd. XXI Heft 6). Dass Lehm durch Hausschwammbefall deutlich verändert wurde oder trockener war als der umgebende Lehm ist mir bisher noch nicht untergekommen.
Wenn irgendwo flüssiges Wasser zutreten konnte, hat der Lehm das Holz eher nass gehalten als trocken. Hausschwamm ist als keinesfalls ein Mittel um Schüttungen auszutrocknen o. ä..
Möglicherweise war der restiche Lehmbereich dem Schwamm zu feucht, so dass dort eher Bedingungen für andere feuchteliebendere Pilze herrschen.
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



Der Hausschwamm trocknet nichts aus, sondern kann sich auch dort ...



Als Ergänzung zu den bereits o.g. recht guten Ausführungen. Ich bin mir nicht sicher, ob im Baustoff Lehm eine 100%ige Bekämpfung möglich ist. Ich habe selbst ein altes Lehmhaus, welches an verschiedenen Stelen zum Teil sehr stark durch den Echten Hausschwamm befallen war. (ca. 200 qm Fußboden und Wände) Man muss also auch etwas Entkernen.
Der Strohanteil in den Stampflehmwänden wird neben der Holzkonstruktion als Nahrungsgrundlage verwendet und wächst auch im staubtrocken Baustoff. Wenn man nach der DIN 68800 Teil 4 verfährt, dann bleibt vom Gebäude nichts übrig. Wenn man in Eigenleistung verfährt, entfällt die Haftungsfrage für die qualifizierte Fachfirma (Sachkundenachweis), die immer mehr sanieren müssen, um nicht in die Haftung zu kommen. Die Sanierung sollte in Anlehnung des Beuthkommentars zur DIN 68800 erfolgen. Sicherlich hilft hier auch die Sachkunderat eines erfahrenen Fachmanns, der sinnvoll von der Haftung für die Ratschläge ausgeschlossen werden sollte. Drei ganz wichtige Kriterien sind hier ein zu halten.
1. Trockenheit aller Baustoffe,
2. Abkopplung von der Nahrung, speziell von der Holzkonstruktion (für die Denkmalschützer nicht sehr begeistern) auch einmal Stahlträger oder andere mineralische Konstruktionen statt Holzbalken verwenden.
3. Kontrolle, Kontrolle und eventuell nacharbeiten.

Eine Schwammsperre durch Bohrlochinjektage in der Lehmwand bringt nichts. (Vielleicht hat hier jemand eine gute Erfahrung?) Besser ist den Befallsbereich abzubrechen, das weiße (bis leicht graue) Myzel kann man im Lehm/Stroh ganz gut erkennen. Der Abbruch erfolgt ein paar Zentimeter über den Befall hinaus. Dann wird die freigelegte sowie die angrenzende Fläche mit Schwammsperrmittel (Adolit M, Baselit M o.ä.) getränkt. (Mit Chemikalien sparsam umgehen, dort wo ein Befall war lieber etwas mehr als die Verarbeitungsvorschrift besagt.) Stehen lassen, Kontrolle und eventuell noch etwas Nacharbeiten. Die Bereiche werden dann wieder mit einem leichten Kalkmörtel ausgemauert (Blähton, Leichtziegel).
Die Schüttung unter der befallenen Dielung habe ich auch nur ausgegraben und mit einer PE-Folie Betonplatte 10 cm, Dämmung PE-Folie und Betonestrich versehen. Es dauert viele Jahre bis das Lehmmauerwerk trocken wird. Eine Fußbodenheizung oder eine Randleistenheizung (Strahlungsheizung) dürfte hier sehr nützlich sein.
Die Sanierungsmaßnahmen wurden vor 9 Jahren durchgeführt und ich habe Ruhe.
Im Beitrag www.ib-rauch.de/okbau/lehmbau.html wird in einem Abschnitt die Sanierung beschrieben.
Im Beitrag www.ib-rauch.de/okbau/lehmfeucht.html wird zwar auf Hochwasserschäden eingegangen, aber ein paar Tipps kann man sich schon entnehmen. In der Bildergalerie unter www.ib-rauch.de/bildgal/bucks/bucks.html wird der Zustand vor und nach der Sanierung gezeigt.
Als Ergänzung noch der Beitrag zur Lebensweise des Echten Hausschwamms
www.ib-rauch.de/Beratung/hausschw.html