Schimmel im Lehm/ Schilffachwerk (Fachwerk aus 1750)




Hallo!
Wir sanieren ein Fachwerkgebäude als Einzeldenkmal. Es ist auch bis jetzt alles gut verlaufen. Die Gefächer , teils mit alter Holzlattung ausgefüllt, wurden mit Schilfrohrmatten und anschliessend mit Lehm aus Bigpack Behältern aufgefüllt und mit Lehm verputzt. Dicke ca. 4 bis 9 cm. Nun zeigen sich nach Austrocknung der Oberfläche erhebliche Risse und an einzelnen Stellen ein Schimmelbefall. Ein Gutachter hat festgestellt, dass das Material aus dem Bigpack ein Bakterium der Gattung Bacillus aufweist.
In einer 2. Probe aus der Wand wurden Schimmelpilze mit der Indikation für Feuchteschäden und Toxinbildner nachgewiesen.
In einer 3. Probe aus dem Schilfrohr wurden Indikatororganissmen für Feuchteschäden und Toxinbildner nachgewiesen.
Frage: Muss der Lehm wieder ausgebaut werden oder gibt es eine Möglichkeit dem Schimmel und die Toxinbildner oberflächig zu bekämpfen und kann ausgeschlossen werden, dass der Schimmelbefall erneut auftritt?
Georg Winter



Wichtig



wäre wohl zu wissen was für ein Toxinbildner und Bacillus nachgewiesen wurden,in der Begrifflichkeit ist ja von Schimmel bis Milzbrand alles möglich.
Die Luft dich einatme ist durchsetzt mit (Schimmel)Pilzsporen,deshalb muß ich aber vom atmen nicht gleich krank werden.

Grüße Martin





Hallo Martin!
Die gefundenen Pilze heißen:
Aspergillus versicolor
Chaetomium ssp
Peacileomyces variotii, Stachybotrys chartarum
Tichoderma ssp
Georg



Hallo Georg



Ich könnte die gefundenen Pilze wikipedieren ,ihnen dann aber dann keine zufriedene Antwort geben ,ich habe beruflich viel mit Holzzersetzenden Pilzen zu tun ,allerdings im lebenden Holz.

Ich wollte nur aufzeigen ,das man erstmal wissen muß um was es sich handelt.
Oft kommt beim Stichwort Schimmel ,die große Panik ,wie gesagt die Luft ist voll da von.

Oberflächlich habe ich hier im Lehm auch schon Schimmel gehabt,nach dem durchtrocknen ,ist dieser verschwunden und auch nicht wieder aufgetaucht.
Wenn die 9cm in einem Arbeitsgang aufgebracht wurden,sollte eine Rissbildung nicht verwundern.

Grüße Martin





alles völlig unspezifische Befunde. Mach mal eine Abstrich von Deiner Computertastatur oder Deinem Kopfkissen.

Der Nachweis von Schimmelpilzen gelingt regelmäßig im Waldboden, im Kompost, auf dem Käse und der echten Salami, an diversen Körperöffnungen (ganz vorne und ganz hinten), auf Haut + Haar, im Blumentopf und wer weiß wo noch alles.

Das gute ist: eine gesunder Mensch wird hiervon gar nicht krank, einer mit Immunschwäche vielleicht.

Da Mikroorganismen uns ständig begleiten, spielt es auch keine Rolle ob nun auch noch ein paar an einer Wand sind, die noch nicht ganz durchgetrocknet ist. Wenn die Wand trocken ist verschwinden sie von alleine, wenn die Wand später wieder nass wird kommen sie wieder...

Entscheidend ist, dass auch der Mensch die Infektionsquelle für die Wand sein kann (wie beim Gouda, den alle immer mit den Fingern anfassen und der nach zwei Wochen schimmelig wird).

keine Panik und abwarten, bis alles richtg trocken ist.

Wer sich vorstellt, er könne ein Naturprodukt, das aus dem Boden kommt, in unverschlossenen Säcken kaufen, und das Ganze wäre steril, der irrt.
Das gleiche gilt natürlich für das Stroh im Lehm und selbstverständlich auch für die 'alte Holzlattung'

Gruß G



Gutachter für Schimmel ...



... wie kam es eigentlich zu diesem Gutachter? Und wenn, was war nun der Rat von ihm?

Ich befürchte, dass wir in letzter Zeit in Sachen Schimmel etwas hypersensibilisiert werden. Klar, soll das nicht sein und man muss etwas gegen die Ursache tun. Aber wenn der Lehm trocken ist, dann sollte die Ursache doch beseitigt sein, oder?

Eine einfache oberflächliche Behandlung der Pilzsporen wäre für mich ein Abtupfen mit 80%iger Alkohollösung. Aber ich kenne noch nicht das Ausmaß des Befalls. Außer der Namensgebung von den Pilzen und einer Rechnung dafür würde ich mir von einem Gutachter schon noch ein wenig mehr erwarten.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



schimmliger Lehm



1. In die Lehmbauregeln schauen.
2. solche Arbeiten nur bei warmem, trockenem Wetter (ab Frühjahr) ausführen.
3. besser in mehreren dünnen Lagen arbeiten als eine dicke Schwarte.
4. die einzelnen Lagen immer gründlich trocknen lassen bevor der Oberputz draufkommt.

Wenn dazwischen mal etwas Schimmel auftritt dann nur weil die Trocknung zu lange dauerte.
Das mit dem Schimmel sehe ich auch nicht als Problem, eher das Gefachholz, das ebenfalls eine lange Zeit im feuchten Lehm lag bzw. vielleicht noch liegt.
Wie ist denn der Wandaufbau im Detail erfolgt, in welcher Jahreszeit, in welchen Zeiträumen?

Viele Grüße



Ich würde ...



gründlich heizen und lüften. Hier war wohl, wie Georg schon schreibt, der falsche Zeitpunkt das Problem.

Grüße

Thomas



Bitte mal als Lehrsatz aufschreiben!!!



Traditionell ist die Lehmbauzeit April bis Oktober!!!!!!!!

Warum wohl!!!!!!



@ Roland



Auch 30x schreiben "Ich darf im Winter keinen fetten Lehmputz machen" hilft nicht, leider. Irgendwie kollidiert das herrliche Baumaterial Lehm beharrlich mit heutigen Baugebräuchen.

Wer im Innenbereich im Winter lehmt, sollte jedenfalls auch bereit sein, ein kleines Vermögen für den Betrieb leistungsfähiger Bautrockner auszugeben.

Was hast Du denn da Schönes im Putz auf dem Bild? Die Fläche hat ja ein herrliches Farbenspiel.

Grüße

Thomas



Heutige Baugebräuche



Eine schöne Kindheitserinnerung....früher war der Vatter im Winter oft Zuhause weil dann nicht gebaut wurde und die Zimmerleute Schlechtwetter hatten.....



@ Thomas



Eigene Erfindung von mir, ich nenn es Lehmenkausto!
Pigmente in Wachsseife !

Wer archaische Materialien und Techniken liebt , sollte bitteschön auch die althergebrachte Verarbeitung dieser beachten! Und Winter ist nunmal die schlechteste aller Jahreszeiten fürs Althergebrachte!



Schimmel im Lehm/ Schilffachwerk (Fachwerk aus 1750)



Hallo Alle!
Kan man die genannten Pilze mit Wasserstoffperoxid 30% behandeln? Ist das Material auch nach der Behandlung ungefährlich?
Welche Möglichkeiten zur Vernichtung der Pilze gibt es sonst noch ohne den gesamten Lehmeinbau zu erneuern?



Spiritus,



85%ig, tut's auch. Momentan zumindest.

Weit mehr Augenmerk würde ich aber der beschleunigten Austrocknung widmen.

Grüße

Thomas





Wenn auch beide Methoden an der Oberfläche desinfizierend wirken, wird man weder mit Alkohol noch mit Wasserstoffperoxid den Lehm steril bzw. das Problem in den Griff bekommen (allerdings wird zumndest bei H2O2 der Lehm hinterher noch nasser sein als zuvor).
D.h. solange die Rahmenbedingungen für den microbiellen Bewuchs stimmen, wird das allenfalls kurzfristig helfen.

Der Lehm muss auch nicht 'raus, er muss trocknen! Bei der ggw. Kälte gibt's jetzt doch eigentlich ideale Bedingungen für Bautrockner.

Wenn der Lehm aus- und neuer Lehm in gleicher Weise (4-9 cm) wieder eingebaut wird, entsteht das Problem wahrscheinlich von neuem.
Wenn der Lehm im BigPack nicht auch schimmelig war, ist doch die Wahrscheinlichkeit hoch, das das Problem erst mit dem Einbau entstanden ist.

Lassen Sie sich von Ihrem Gutachter doch mal eine sterile Petrischale mit einen Nährboden geben und stellen sie die offen in einen 'schimmelfreien' Raum, der eine ähnliche Staubbelastung hat, wie dder oder die Problemräume.
Ich wette, spätestens nach drei Tagen wachsen die ersten Schimmelpilze.
Ersatzweise kann man auch ein Stück Käse nehmen, man muss nur dafür sorgen, dass er nicht vorher trocknet.

Zur Frage, ob das Material (welches eigentlich?) nach der Behandlung ungefährlich ist kann man nur sagen:
Sowohl Lehm, als auch Wasserstoffperoxid und sogar "an einzelnen Stellen Schimmelbefall" ist vor und nach den vorgeschlagenen Behandlungen ungefährlich.

Trockener Wohnraum ist aber angenehmer.

Gruß G

(bei uns wurde der Lehmputz mit der Putzmaschine aufgebracht. An den Stellen, die oberflächlich etwas länger feucht waren gab's erst rosa Schimmel, dann weißen.
Als die Wände trocken waren, war alles weg und so ist's bis heute geblieben)