Grundsatzfrage reloaded: Lehm- oder Kalkputz

11.06.2012 De Meinweg



Hallo zusammen,

bitte jetzt nicht gleich wieder abwinken, weil meine Frage so klingt, wie die -zig anderen Threads zum Thema in den Archiven dieses Forums. Ich habe sie mir fast alle durchgelesen, es gab viel gute Argumente, viel Expertenstreit, viel Glaubenskrieg aber es blieben bei mir trotzdem noch ein paar offene Fragen.
Ursprünglich wollten wir beim Sanieren her vom Material komplett dem Altbestand folgen, also wieder Kalkputz, wo Kalkputz war und Lehm nur testweise im neuen Anbaugebäude. Je mehr ich aber umhöre oder hier im Forum lese, bekommt das Thema Lehm steigendes Gewicht. Angesichts der Tatsache, dass bei einem großen Teil der Threads schon wieder viele Jahre ins Land gezogen sind, in denen evtl. viele neue Erfahrungen gemacht werden konnten, halte ich eine Neuauflage nicht unbedingt für deplatziert.

• Bei gleichen Bedingungen, z.B. im Badezimmer: Wiegt die feuchtigkeitsregulierende Wirkung von Lehmputz die fungizide Wirkung von Kalkputz bezüglich der Schimmelgefahr auf?
Nicht überall kann im Bad Wandheizung verlegt werden und zur Belüftung muss Fenster/Tür reichen, ein elektronisches Lüftungssystem möchte ich nicht installieren. Sind Berichte über Schimmel auf Lehm repräsentativ oder liegen in solchen Fällen üblicherweise andere Gründe vor?

• An Wänden, die für Wandheizung vorgesehen sind, befindet sich jetzt ein weitgehend gut erhaltener alter Kalkputz, den wir mit der Putzfräse noch von ein paar Flickstellen mit Zement- und Gipsputz befreien. Gibt es zwingende Gründe, die Holzweichfaserplatten, auf welche später die Wandheizung aufgebracht und mit Lehm verputzt wird, ebenfalls in Lehm einzubetten, oder kann dies genau so gut auch mit dem sowieso schon für die Wand benutzten Kalk erfolgen?

• Hat es irgendwelche technischen Vorteile, Lehm-Edelputze (z.B. Yosima von Claytec) auf Kalk-Grundputz aufzubringen, oder kann man genau so gut Kalk, ggf. mit kalkechten Pigmenten, verwenden?

Die einen machen ihre Witze über die Lehmbatzenwerfer und schwören auf Kalk, die anderen vergöttern ihren Lehm und verweisen auf eindrucksvolle Referenzobjekte. Vielleicht fühlen sich trotzdem die einen oder anderen noch bemüßigt, ein paar erhellende Worte zum Thema beizutragen, ich bedanke mich schon mal!

Grüße
Christian



Lehm- oder Kalkputz



Hallo Christian,

das Thema bleibt immer aktuell, zumindest so lange wie es Menschen gibt, die neben ihrer Meinung keine andere akzeptieren.
Grundsätzlich kann es gar nicht die Frage sein, ob man Lehm oder Kalk den Vorzug einräumt. Der Einsatz von Lehm und Kalk hat sich historisch und territorial unterschiedlich entwickelt. Klimasituationen, Nutzungsansprüche etc. tun ihr Übriges.
Natürlich haben Kalk- und Lehmputze sehr unterschiedliche Eigenschaften und da darf man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Es kommt immer darauf an, welchen Vorteil eines Baustoffes Du nutzen möchtest.
Die Angst vor Schimmel ist eine Hysterie, welche von einigen Baustoffherstellern marktstrategisch ausgenutzt wird. Schimmel entsteht überall dort, wo dieser gute Lebensbedingungen findet und diese muss man ihm entziehen. Das erreicht man niemals allein mit dem „richtigen Baustoff“.
Das Thema Wandheizung ist ebenso kompliziert. Ja, es kann unter Umständen technische Vorteile haben die Holzweichfaserplatten in Lehm einzubetten. Es kann aber auch egal sein. Das hängt von Deinem Gesamtkonzept, Wandaufbau, Vorlauftemperatur usw., usw. ab.
Was es für Vorteile haben mag, Lehm-Edelputze auf einen Kalkgrundputz aufzubringen, entzieht sich meinem Verständnis. Was ist denn der Grund für einen solchen Gedanken?

Gruß
Jens



Lehm oder Kalkputz



@Jens: Kann dir größtenteils zustimmen.
Hallo Christian.

Vor allem: Ein Konzept bei dem die unterschiedlichen Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden hilft nicht nur Fehler zu vermeiden, sondern auch Geld sparen, selbst wenn einzelne Baustoffe mal teurer sein sollten.

Ein wichtiger Hinweis zum thema Wandheizung. Diese kann (!) auch in Kalk eingebettet werden. Das bessere Wärmespeichervermögen ist jedoch beim einputzen in Lehm gegeben.
Lehm hat zusätzlich geruchsabsorbierende und raumklimatisch postive Eigenschaften. Also auch ideal für Räume wie Bad und Küche. Nicht geeignet jedoch im direkten Spritzwasserbereich. Diesen also zusätzlich schützen oder mit Kalkputz kombinieren.
Das beiliegende Bild ist z.B. in einer privaten Wellness/Sauna, die mit Wandheizung und Lehmputz ideal funktioniert. (Leider ist die Bildqualität nicht besonders).
Ist das BV in der Eifel? Dann komme ich mir das gerne mal ansehen.
viele Grüße
Gunther



Kalk vs. Lehm



• Die Wandheizung als solche soll schon in Lehm eingebettet werden, nur die darunterliegende Dämmplatte soll wandseitig auf Kalk kommen, weil darunter sowieso schon Kalkputz ist.

• Mit dem "Konzept" ist das so eine Sache: Heute war beispielsweise der Schornsteinfeger da und meinte bei einer neugierigen kleinen Hausbegehung, dass der gute und steinharte Zementputz im (nicht durch uns) teilausgebauten Dachgeschoss der einzig gescheite Putz im ganzen Haus sei.
Ein ausgesprochener Lehmbauer wird vielleicht dazu raten, genau diesen Putz als erstes abzuschlagen und durch Lehm zu ersetzen. Alles hat seine pros und contras.