Perlit / Schamott als Zuschlagstoff

16.06.2006



Bin gerade am experimentieren mit verschiedenen Putzmischungen. Bei einem möglichst anorganischem Isolierputz würde sich doch Lehm mit Perlite anbieten.

Die ersten Versuche waren auch sehr positiv. Sehr homogene Mischung, wenig absanden, keine Trockenrisse (trotz Putzaufbau ohne Armierung). Damit müsste sich doch an nicht beheizten Aussenwandflächen ein brauchbarer Isolierputz aufbauen lassen.

Fa. Comprix aus Wiesbaden hat mir empfohlen bei den Flächen die mit Wandheizung versehen sind Schamottepulver zuzufügen. Damit würde optimales Speichervermögen erreicht werden. Hab mir mal einen Sack besorgt. Auch hier sind die Versuche gut geworden. Gleiches oberflächenbild wie bei Lehm / Perlit.

Die Frage ist:
Hat jemand damit schon Erfahrung? Macht Schamotte im Lehm bei Wandheizungen Sinn?

Bin ja mal gespannt.

Viele Grüße
Hans



wenn schon, dann nehmen Sie Perlite als Zuschlagsstoff.



warum ein anorganischer Isolierputz? Wir verwenden bei Leichtlehmputzen mit großem Erfolg Weichholz-Sägemehle in speziellen Absiebungen. Schamotte ist für Lehm kein guter Zuschlagsstoff,reagiert ähnlich wie Zement.:
anfänglich gibts eine sehr hohe Druck-und Biegezugfestigkeit im Lehmputz. Mit der Zeit, nach 2-3 Jahren geht die Druckfestigkeit rapide runter ,der Putz wird dann bröselig.
Perlite ist ein hochhygroskopisches, sehr starres Material. Gint auch anfänglich ein tolles Druckfestigkeitsbild ab, verändert jedoch stark das Saugverhalten des Lehmputzes.
Zum Schluß ein Tip aus der alten Römer-Bautechnikschule:
gehen Sie mal zum Tennisplatz, dort liegt ein roter Sand am Boden (hergestellt aus gemahlenen alten Dachziegeln oder Backsteinen, Ziegelmehl genannt). Damit wird Ihr Putz sehr schnell anziehen und bekommt einen superguten Abrieb und große Härte.
Viel Erfolg beim experimentieren wünsch ich Ihnen.



@ Herr Schillberg



das mit dem Ziegelmehl als Zuschlagstoff hört sich ja doll an. Wie sieht denn da das Mischungsverhältnis aus?

Wir wollen genau wie Herr Moser eine Wandheizung mit Lehm Verputzen und hätten noch viele Tonziegel, die man da vielleicht verwenden könnte.

Haben Sie eine Idee, womit man die zermahlen bekommt oder lohnt sich der Aufwand nicht?

Freundliche Grüße



Ziegelmehl vs Perlit



Hallo Herr Schillberg,

warum Perlite? Nun, ich denke für Isolierzwecke ist es doch mit auschlaggebend, welche Dämmeigenschaften ein Material besitzt. Perlit hat eine sehr große und pröse Oberfläche und enthält auf's Volumen gesehen viele Luftkammern. Im Gegensatz zu Holz. Deshalb hat Perlit, anders als Holz, auch andere Dämmeigenschaften. Das wird vermutlich auch der Grund warum in zunehmend mehr Isolier- und Sanierputzen Perlit zum Einsatz kommt.

Anorganisch hat bei mir mehrer Gründe. Einmal ist da das Brandverhalten. In meinem Haus ist extrem viel mit Perlit/Kalk gedämmt. Wände, Zwischendecken, Dach. Perlit ist nicht brennbar im Gegensatz zu allen natürlichen Faserstoffen. Gut, wenn diese dann mit Borsalzen behandelt sind gelten sie als schwer entflammbar. Aber weder will ich mehr brennbares als notwendig, noch große Mengen von Borsalz oder sonstiger Bindemittel. Denn ich bin auch kein Freund von den Klebstoffen in z.B. Weichholzmatten. Aber auch das ist wieder ein Punkt wo sich die Geister scheiden.

Für mich zählen folgende Fakten. Perlit ist preisgünstig, chemisch relativ unbelastet (allerdings ist das auch stark davon abhängig über welchen Weg extrudiert wird). Es neigt - insbesondere im Verbund mit Kalk - auch unter feuchtesten Bedingungen nicht zur Schimmelbildung. Mäuse mögen es wegen des Kalkzuschlags nicht. Es lässt sich prima vom Selbstbauer in Säcken transportieren, einblasen, als Perlit/Kalk-Mischung einfüllen... das waren die Argumente die bei mir dem Perlit den Vorzug vor allen anderen Dämmaterialien gegeben haben.

Ich habe ein sehr großes, altes Haus umgebaut (400m2 Wohnfläche), alter Keller, ohne Gründung, feuchte Wände. Und bei der Fläche wirkt sich jeder cent mehr oder weniger schon signifikant aus.

Der Keller ist mit reinem Kalkputz + 20 Volumenprozent perlit geputzt. Ist jetzt seit drei Jahren an der Wand. Kein Schimmel, keine Abplatzungen, keine Hohlstellen, keine Risse und vor allen Dingen kein muffiger Keller mehr.

Der Dachstuhl ist als Zwischensparrendämmung ebenfalls mit Perlite-Kalk ausgeführt. Ohne Plastik. Keine Dampfsperre, keine Dampfbremse. Im Winter ists unterm Dach warm im Sommer kalt. Auch da keine Feuchtigkeitsprobleme, kein Tauwasseranfall.

Keine Ahnung ob Sie das interessiert. Aber ich dachte ein paar Erfahrungsberichte könnten wohl nicht schaden.

Beim Lehm bin ich mir jetzt eben unsicher. Da fehlt es mir an Erfahrung.

Bezüglich Schamotte und Ziegelmehl. Also im Grunde ist doch der Unterschied zwischen Schamotte und Ziegelmehl nicht so groß. Das eine ist gebrannter und gemahlener Ton, das andere ist gebranter und gemahlener Lehm. Würde als sagen, dass der Hautunterschied die "Fettigkeit" der Mischung ist. Mit anderen Worten. Bei Zuschlag von Schamottepulver zu Lehm müsste etwas mehr abgemagert werden und beim mischen länger sumpfen lassen, damit das Schamottepulver mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Und die Wand sollte wohl stärker vorgenässt werden.

Herr Comprix schwört bei Wandheizungen auf Schamotte.

Nun, es wird wohl nichts bleiben, als wieder mal auf eigene Faust zu experimentieren.

Was mir grade noch einfällt und eigentlich auch gegen Ihre Argumente spricht ist der klassische Kachelofenbau. Dort wird doch auch mit Schamottesteinen und Lehmmörtel gemauert, mit einer Technik die auch schon einige Jahre auf dem Buckel hat.

Aber dennoch freue ich mich immer über ihre Anregungen. Vielen Dank.

@Frau Labbow
Bezüglich des Ziegelmehls. Sollte einfach zu bekommen sein. Einfach mal bei www.wlw.de ziegelmehl eingeben. Dort gibt es den Tennisplatzbau als Kunden. Ich hab mich vor längerer Zeit mal dafür interessiert. Kosten pro Tonne liegen so zwischen 200€ und 300€. Aber was das ganze meist wesentich teurer macht ist der transport.

Das mit Ihren Ziegeln ist wohl nicht wirklich realisierbar. Da sie bei "Selbstmahlung" wohl allenfalls groben Ziegelsplitt bekommen und dabei ein bischen Mehl abfällt.

Mit dem Ziegelsplitt könnten Sie aber Kalk-Ziegel-Estrich machen. Soweit ich weiss, hat man auf diese Weise früher auch Estrich gemacht. Soll im Vergleich zu Zement-Estrich, weicher, elastischer, wärmer vor allen Dingen aber umweltfreundilcher und unbedenklicher sein.

Viele Grüße
Hans



wenn ein Lehmputz mit Sägemehlzuschlägen brennt,



ja dann gibt es gebrannten Backsteinputz. Ich kann Ihr Brandproblem nicht ganz nachvollziehen. Wissen Sie wie Perlite hergestellt wird ? Wo es abgebaut wird? Ein ökologischer Wahnsinn: von der griechischen Insel Yali
kommt das Zeug ins Ruhrgebiet und wird dort "baubiologisch Veredelt" Jahrhundertelang haben unsere Vorfahren sehr erfolgreich mit Lehm+Stroh etc. gebaut, jetzt auf einmal sollen wir wg. irgendwelcher Brandgefahr mit Perlite-Lehm bauen?



Hallo Herr Schillberg...



zunächst mal vorweg um ein Mißverständniss auszuräumen. Ich habe mich hier wohl undeutlich ausgedrückt. Beim Lehm geht es mir nicht um die Brandgefahr. Ob Sie es glauben oder nicht, dass der nicht brennt war mir fast klar :-)

Es ging mir dabei um Dach und Zwischendecken.

Auch bin ich der Meinung, dass die Perlit keinesfalls ökologisch unsinniger ist als Lehm. Lehm - lassen wir den Grubenlehm mal aussen vor - wird, sofern er als homogenisierte Werktrockenmischung angeboten wird - ebenfalls getrocknet und gemahlen. Auch die von Ihnen verwendeten Sägespäne dürften entweder vorher oder nachher technisch getrocknet worden sein. Bleibt ein wesentlicher Unterschied das Abbaugebiet. Allerdings wird Perlite nicht nur in Griechenland abgebaut, wobei das schon eines der großen Abbaugebiete darstellt. Anders als bei Lehm ist aber das Rohgewicht von Perlite ein Bruchteil dessen von Lehm, so dass aus einem Frachter mit Perlitsand ungefähr 20 Frachter Perlte extrudiert werden können. Auch die Herstellung ist mir bekannt. Das von mir verwendete Perlit ist unbehandelt. Es wird im Abbaugebiet gebrochen, gemahlen und wird in Deutschland bei kurzeitiger Schockerhitzung auf ca. 1000 Grad extrudiert.

Aber nochmals zur Ökologie. Lehm gibt es fast quer durch Deutschland. Und im Grunde könnten wohl 80% der Bauherren den Lehm aus Ihrer Baugrube verarbeiten. Aber anstatt dessen wird Lehm von der Holländischen Grenze nach Oberammergau gekarrt. Und bei dem Gewicht was der Werktrockenmörtel hat, dürfe die Ökobilanz wirklich nicht besser aussehen. Oder sehen Sie das anders?

Nichts für ungut. So hat halt jeder seine Meinung.
Und ein Argument sei mir noch erlaubt. Wenn Sie die historische Entwicklung anführen und darauf verweisen, dass seit Jahrhunderten Lehm mit Stroh armiert wurde. Warum verwenden Sie dann Sägespäne?

Ich bin absolut dafür altes und und bewährtes einzusetzen. Allerdings nicht um jeden Preis. In der Zeit in der sich der Lehmbau entwickelte gab es überhaupt keine brauchbaren Alternativen. Das muss aber nicht zwangsläufig auch bedeuten, dass man nicht alt bewährtes sinnvoll mit neuem kombinieren kann.

Aber wie immer. Alles eine Frage des Glaubens. Ich hoffe sie respektieren meine Meinung. Ich respektiere in jedem Fall.

Viele Grüße
Hans



ich respektiere auch Ihre Meinung



wir müssen uns hier im Forum nicht streiten. Ich möchte abschließend anmerken, daß wir den Sägemehl-Zuschlag aus produktionstechnischen Gründen und wg.Produktspezifischer Qualitätsverbesserung dem Strohhächsel vorziehen. Unser Sägemehl ist ein Weicholz-Sägewerk-Abfallprodukt.
Haben Sie mal als Alternativ-Zuschlag über Naturbims aus deutschen Landen nachgedacht? Damit habe ich vor 15 Jahren bei einem Neubauprojekt Leichtlehmwände erfolgreich hergestellt.



Hallo Herr Schillberg,



dann sind wir doch zumindest in dem Punkt was das Streiten in dieser Diskussion angeht einer Meinung. Ich finde es gut, auch mal unterschiedlicher Ansicht sein zu können ohne sich bekriegen zu müssen - und das geschieht hier leider allzuoft schon um des Recht habens willen.

Mit Naturbims konnte ich mich bisher noch nicht so sehr anfreunden. Ich mag schon die Bimsbetonsteine nicht so gerne. Aber Sie haben recht. Ich werde mir das nochmals ansehen.

Ich bin in keinster Weise auf ein Produkt fixiert. Also, warum nicht.

Verraten Sie mir noch, was der wesentliche Unterschied zwischen Sägemehl und Strohhäcksel ist. Ein Faktor wird sicherlich die genau spezifizierbare Sieblinie sein. Gibt es noch weitere Vorteile?

Viele Grüße
Hans



Sägemehl bindet schnell Feuchtigkeit beim Anmischen



Strohhächsel -bzw. Stroh und Schilf generell-nimmt kaum Feuchte beim Anmischen auf. Biegezug-und Druckfestigkeit der trockenen Lehmputzmischung ist bei Sägemehl wesentlich höher als beim Stroh. Stroh ist beim Anmischprozeß spröde, Sägemehl ist weich und geschmeidig. Es gibt noch weitere sehr wichtige produktspezifische Dinde, die jedoch zum "Erfindergeheimnis" gehören.