Stampflehmboden wieder richten.

03.12.2009 FRATAX GmbH



Hallo Profis,

Befund: Keller mit Feldschteine und Lehm gemauert. Ist soweit alles in Ordnung.

Lehmboden im Keller, ehemals Stall und Gewölbekeller. Soll auch so bleiben.

Abwasserleitungen sind ok, normale Feuchte. Aufbau wahrscheinlich. Erdreich und eine Lage Stampflehm ca. 30 cm habe nicht tiefer gegraben, nur soweit, dass dich die Abwasserleitungen überprüfen konnte.

FRAGE: Kann mir einer der Profis ein paar Praxis-Empfehlungen geben, mit welchem Material und wie ausgeführt ich den Stampflehmpboden wieder richtig schön herstellen kann. Ich möchte in einer Ecke des Kellers noch einen Sandkasten zur Lagerung von Kartoffeln, Obst Gemüse, richten. Kann mir da auch jemand was dazu sagen.



zur 2. Frage



Sandkasten: hat sich bei mir nur für Möhren als sinnvoll gezeigt, da 10 zent. Kartoffeln im Sandkasten zu aufwändig sind. Kartoffeln auf Palette in den Gittersäcken lassen oder mehrere Gitterboxen bauen. Gelegentlich müssen ja auch die faulen aussortiert werden Rüben können gleich auf dem Boden gelagert werden. Obst in PVC-Stiegen für Lebensmittel. Den leeren Keller 1x im Jahr mit Schwefelstab ausräuchern. Macht man auch im Gewächshaus.



Stampflehm



Der Name ist Programm. Den ja immer noch vorhandenen Lehm einfach wieder feststampfen. Wenn's zu trocken ist, leicht anfeuchten.

Ich würde Ziegel in Sand legen, schon der Reinigung wegen.

Grüße

Thomas



Danke für die bisherigen Antworten.



Der jetzige Boden ist im laufe der Totalsanierung doch auch etwas Verdreckt und ich habe sehr wenig Lust jeden Krümel rauszuklauben. Hätte gerne eine neue fein aussehende Oberschicht, evtl. gewachst. Der vorhandene Lehm ist so fett, dass bei Zuführung von Wasser der Stampfer klebt. Also mit nur anfeuchten und fleisig stampfen ist es nicht getan.

Möchte auch keine Ziegel als Oberfläche sondern ganz bewusst einen schönen Stampflehmboden.

Nochmals herzlichen Dank für Eure Antworten.



Ein Stampflehmboden...



...mit Erdfeuchte, gewachst? Das passt was nicht zusammen.

Grüße

Thomas



Auch luftgetrocknete Würste reifen bestens,



wenn auch der Boden Lehm ist...aber:

Dieses Rohr muß im Sandbett verlegt werden, Regel der Technik.

Ansonsten Lehm erdfeucht einbringen und festlatschen.

Gruß...J.



einen schönernStampflehmfußboden herzustellen,



das ist harte Arbeit und braucht viel Geduld. Der fette Lehm muß in mehreren Schichten immer wieder manuell gestampft werden. Früher hat man der obersten Stampflehmlage Leinöl beigemischt,womit die Oberfläche einen leichten Glanz erhielt. Zu Kirchweih hat man den Stampflehmboden gereinigt und die obere Bodenfläche 1 mal im Jahr mit Leinöl behandelt.



@ Klaus



Auch im Keller?

Grüße

Thomas



wenn der Keller-Lehmboden dauerfeucht ist



sollte dem Stampflehm kein Leinöl beigemischt werden.



Warum



nicht?



Leinöl verstärkt die Schimmelpilzbildung,



da es im dauerfeuchten Stampflehm nicht trocknen kann



na dann,



...wieder was gelernt...



Im Kellerboden...



...hat Leinöl m.E. gar nichts verloren.

"Schimmelpilze wachsen im Innenraum bei einer Temperatur von 0°C bis ca. 50°C, bei
einer Luftfeuchte auf der Bauteiloberfläche ab 65% bis 100%. Die Luftfeuchtigkeit und
Temperatur müssen mindestens 3 Stunden/Tag gegeben sein."
(DGZfP-Berichtsband BB 69-CD)

Diese Bedingungen sind in nahezu jedem Altbaukeller dauerhaft gegeben, dazu kommt noch die nachdrückende Bodenfeuchte und die in Kellern ja oft stehende Luft. Ideale Wachstumsbedingungen somit. Organische Materialien sind hier das beste Nährsubstrat.

Kippt man dann auch noch ungereinigtes (d.h. eiweißreicheres) Öl auf den Boden, schimmelt es noch besser. Sowas mag angehen, wer Champignons ohne Substrat ziehen will, der Rest halte sich fern.

Grüße

Thomas



Leinöl, Wachs.



Nochmal Danke für die Antworten.
Abwasserrohr lag nun schon sehr viele Jahre so wie auf dem Bild. Warum was ändern, wenn es sich bewährt hat.

So nun eine Überlegung. Wenn kein Öl, kein Wachs, wie sieht es dann mit einer Seifenlösung aus, punische Seife, oder so was.



Gibt es ...



...hierzu Erfahrungen mit Wasserglas?

Zu konzentriert könnte es sicher zur Schalenbildung führen, aber in geringerer Konzentration?

Grüße

Thomas



Wasserglasbeigaben sind nicht zu empfehlen,



Die Oberfläche wirkt fleckig, es bildet sich eine nicht feste, "grisselige" Oberfläche.



Wenn die



gesamte Oberfläche wieder schön werden soll, wird wohl nur eine komplette Erneuerung der letzten Schicht in Frage kommen. Erst das Loch auffüllen, und dann nach Austrocknung die letzte Schicht komplett erneuern.
Wasserglas wird dem Lehm die Härte von Beton verleihen, aber auch die Sprödigkeit. Wahrscheinlich führt das dann zu Rissbildung und Ablösung der obersten Schicht.
MfG
dasMaurer



Kein Leinöl, kein Wasserglas, kein Wachs.



Wie haben es die Leute früher wohl gemacht, so einen schönen gleichmäßigen Stampflehmboden.

Was haltet Ihr von einer Seifenlösung, spricht da was dagegen, ähnlich wie beim Tadelakt.

Gruß Theo.

Ach ja, das Abwasserrohr ist schon lange wieder gefüllt. Jetzt geht es wirklich nur noch um das Finish, also die letzte Lage auf dem Boden, die ich wie empfohlen vollfächig in einer neuen Lage von ca. 3 bis 5 cm aufbringen werde.



Lehmestrich



"... so einen schönen gleichmäßigen Stampflehmboden..."

Ich glaube nicht, das man sich früher um so einen Boden im Haus gerissen hat.
In den Katen der Ärmsten auf dem Land konnte man so was noch im 19.Jhr.finden, dann in Scheunen und dort als Tenne, als Kegelbahnbelag im Dorfkrug, als Bodenbelag in der Dorfschmiede und bis in unsere Zeit als Belag in Reithallen.
Zur Herstellung gab es verschiedene Verfahren.
Im Wohnbereich gab es ihn als Kellerfußboden, da war es einfach nur festgetretener und geglätteter Baugrund oder als Belag auf Dachböden um Decken winddicht zu machen.
Hier ein Zitat aus "Der Maurer" von Adolph Opderdecke, zuerst erschienen 1910 (Reprint- Verlag Leipzig):

3. Estrich- Fußboden
Bei landwirtschaftlichen Bauten, namentlich in Dreschtennen, wird der Fußboden häufig aus Lehm hergestellt. Man verwendet dafür gut ausgefrorenen Lehm, welcher in Lagen von 7 bis 10 cm Stärke aufgebracht und festgetreten wird, bis er eine Stärke von 35 bis 45 cm erreicht. Die weitere Dichtung erfolgt mit Schlegeln in Form eines halben Zylinders, sogen. "Pritschbläueln", so lange, bis die Oberfläche keine Eindrücke von den Schlegeln mehr annimmt. Hierauf wird der Fußboden mit Rindsblut oder Teergalle unter Zusatz von Hammerschlag, auch wohl mit einer Lösung von Ton in Rindsblut und Wasser mehrere Male angefeuchtet, bis alle Risse im Fußboden zugeschlämmt sind. In gleicher Weise wird auch wohl der Fußboden für Kegelbahnen auf dem Lande hergestellt.
Zitat Ende

Viele Grüße

p.s. Hammerschlag (Fe3O5) fiel in Schmieden an.
Durch Hydratation (Rostbildung) nahm er an Volumen zu und kompensierte die Rissbildung durch Austrocknung des Lehms



Hallo Georg,



bist Du ein Indianer oder warum lebst Du so urig?

Gruß...J.



Lehmestrich



Nun, wenn ich erzähle das sei ein Originalfoto aus dem Jahr 1241 glaubt mir das bestimmt keiner.

Das Foto stammt aus Guedelon, Burgund, Frankreich.
Dort versuchen seit über 10 Jahren einige Enthusiasten, eine mittelalterliche Burg auf dem Stand um die Mitte des 13.Jhr. neu zu bauen und zwar mit den damals üblichen Techniken.
Zu sehen ist auf dem ersten Foto eine der Handwerker- bzw. Werkstatthütten, da alles an Material und Werkzeug wie früher auf der Baustelle hergestellt wird.
Das Ganze wird ernsthaft als experimentelle Archeologie betrieben
Ein Besuch ist wie eine Zeitreise ins Mittelalter.
Übrigens: Wer will und einen passenden handwerklichen Beruf hat, kann sich dort zum Arbeiten bewerben.

Viele Grüße



@ Georg



leider fehlen mir dazu die Sprachkenntnisse, hatte mal vor Jahren, als dort angefangen wurde, dran gedacht - ernsthaft ! Aber wie das Leben so spielt....

Habe noch : Scheunentenne, Lehmboden und Ochsenblut in Erinnerung. Kann jemand damit was anfangen ?



stampflehm boden



für eine gute Oberflächen Versiegelung sollte man mal bei kreidezeit nachfragen.die haben da mit sicherheit einen tip
gruß thomas