Außenwände mit Leichtlehm ausfachen?

10.04.2008



Hallo,

ich möchte ein ausgemauertes 20 cm starkes Fachwerk von innen dämmen. Am liebsten, indem die Fächer rausgenommen und durch Leichtlehm ersetzt werden. Lose eingebracht mit Wanderschalung und erstmal nur wenigen Staken. Nach der Trocknung möchte ich dann die ganze Wand innen noch mal mit Leichtlehm dämmen, 10 – 15 cm stark. Zwischen innen an das Fachwerk angebrachten Leitern aus Dachlatten. Als Stakung öfter waagerechte, lange Latten eingelegt. Außen einen Kalkputz in den Fächern, innen Lehmputz.

Geht das so? Oder gibt es Bedenken, Erfahrungen,…?

Vielen Dank im Voraus
Jan Häbler



gehen tut alles



Hallo Jan

So wirst du nicht eine ausreichende Wärmedämmung hinbekommen um etwa 0,5 W/m²K
zu erreichen müsste deine Wand ca. 95 cm, abhängig von der Rohdichte deines Strohlehms, sein.
Ich bringe dir mal ein paar Wandaufbauvarianten vorbei.

Gruß die Lehmschwalbe



aber ...



Hallo Ralf,

aber das habe ich aus einem Buch, das Du mir empfohlen hast und das ich sehr gut finde: Franz Volhard - Leichtlehmbau, Seite 64, Abb. B. Ich brauche keine Wärmedämmverordnung einzuhalten wegen Denkmalschutz. Und das sympatische an der Volhard-Variante: der Wandaufbau ist durchgehend und dadurch gibt es kein Taupunktproblem. Die Materialien sind sehr preiswert und kommen alle aus dem Dorf, vom Bauern oder Sägewerk und mit Helfern und genug Zeit würde ich es gerne ausprobieren.

viele Grüße
Jan



Außen Sicht?



Die Ausfachung kannst Du doch gleich im gesamten ausführen.
Warum möchtest Du die ausgemauerten Gefache entfernen?
Schlechte Qualität, Lockerungen, falsches Material, Hölzer defekt?
Eine komplett homogen ausgeführte Innenstampfschale aus wärmedämmenden Lehmen (ca. ab 500 - 750 kg/m³) ist in einem entsprechenden Schalungsgleitverfahren (Schalbretter/Tafeln) problemlos möglich. Mit einem Druckluftstampfer ist dies sehr gleichmäßig ausführbar.
Wenn Du Interesse daran hast, können wir Dich dazu sicherlich gut betreuen.

Grüße ins Uckermarksche

Udo Mühle



Taupunkt!



Hallo Udo,

eine Außendämmung ist wegen Denkmalschutzes nicht möglich. Die gemauerten Gefache sind in Ordnung. Aber es war/ist noch Schwamm im Haus, deshalb sollte möglichst sicher kein Wasser mehr entstehen. Je besser die Innenwand gegenüber der Außenwand dämmt, desto größer sind das Taupunktproblem und der Wasseranfall in der Wand. So habe ich das verstanden. Ist der Wandaufbau durchgehend, gibt es kein Problem. Wenn man einfach von innen gegen das ausgemauerte Fachwerk relativ gut dämmenden Leichtlehm hochstampft, hat der Architekt zu viel Tauwasser errechnet. Möglich wäre reiner Lehm, weil der genauso schlecht dämmt, wie die Mauersteine in den Fächern.
Aber wenn man da schon so viel Arbeit reinsteckt, würde ich lieber durch Austausch der Fächer durch besser dämmendem Leichtlehm diesen auch innen ermöglichen und hätte eine dünnere Wand und wesentlich bessere Dämmung. Und wäre vom Material her ziemlich nah am Originalzustand dran. Für eine gute Dämmwirkung würde ich so viel Stroh (und Lufteinschlüsse) einbringen, wie möglich.
In zwei Schritten wollte ich es machen, damit der Leichtlehm besser trocknet. 35-40 cm sind doch schon ganz schön dick. Wenn es in einem Schritt geht - super. Aber ich habe damit keine Erfahrungen.

Viele Grüße und danke für die Infos
Jan



Taupunkt



Hallo Jan Häbler,

Bei den historischen Ausfachungen mit Stakung und Strohlehm ist in der äußeren Schale mehr Stroh, bei der inneren weniger Stroh verwendet worden.
Diese "Parole" gilt noch heute: Von innen nach außen immer "offener" werden.
Prinzipiell ist Ihr Wandaufbau sehr gut , ich würde hier aber nicht von Dämmung sprechen , sondern von Wandverdickung.
Alternativvorschlag: Gefache drinlassen, Innendämmung 6 cm in Lehm eingebette Weichfaserplatten , 2lagiger Lehminnenputz.
Natürlich ensteht Kondensat , aber dieses Wasser in Tröpfchenform wird vom Lehm und der Weichfaserplatte unschädlich gespeichert und wieder abgegeben.

Es wird auch weniger Wasser eingebaut.

Die Trockenzeiten Ihres Vorschlages sind gewaltig.

Viele Grüße aus Nordhessen

PS : Bevor Sie an die Wandverdickung , oder eine Innendämmung denken , sollten Sie den "Schwamm" wegsanieren.





Hallo Herr Göbel,

der Einbau von viel Wasser und die langen Trocknungszeiten machen mir auch Sorgen. Der Schwamm ist auf jeden Fall saniert, bevor die Dämmung losgeht. Ihren Vorschlag vom Wandaufbau werde ich dem Architekten vorstellen, vielleicht schließt er sich ja an.

vielen Dank und Grüße aus Berlin
Jan Häbler