Luftkalkputz oder Lehmputz; Diffuisonsoffen oder nicht ?

28.05.2008



Hallo,
bin gerade dabei, meine Wandheizung im Erdgeschoss mit Lehm zu verputzen. Hab schon andere Wände mit Lehmputz verputzt. Ist ein schöner Baustoff, der auch von mir als Anfänger gut verarbeitet werden kann. Bietet einiges an kreativen Möglichkeiten. Negativ empfinde ich die schwache Abriebfestigkeit und allgemeine Wasserempfindlichkeit im Vergleich zu anderen Putzarten.
Der wesentliche Grund für Lehm als Putz war für mich jedoch, das er wesentlich besser feuchteregulierend auf die Raumluft einwirken soll, wie andere Putze. Jetzt lese ich in manchen Beiträgen und Foren zum Thema Putze, dass diese feuchteregulierende Wirkung bei Lehmputzen gar nicht vorhanden sei. Maßgeblich wird diese Meinung von Herrn Konrad Fischer vorgetragen, der im übrigen Putzen aus Luftkalk genau diese Wirkmechanismen zubilligt.
Ich bin leicht verunsichert und stelle daher diese Frage ins Forum in der Hoffnung, dass vielleicht jemand sine Erfahrungen in Sachen Putz preisgibt.



Diffusion, Sorption, kapillarwirksam...



...alles unterschiedliche Mechanismen.

Diffusion ist Durchgang von Feuchtigkeit in dampfförmigem Zustand durch Bauteile,

Sorption ist die Fähigkeit, Feuchtigkeit (flüssig) aufzunehmen und zu speichern

Kapillaraktivität ist die Fähigkeit, diese aufgenommene Feuchtigkeit weiter zu verteilen.

Herr Fischer, dessen weite Sammlung von unorthodoxen Aussagen zum Thema Altbau/Instandsetzung/Klimakatastrophe(?) etc. ich ansonsten nur empfehlen und weitestgehend unterstützen kann, bezieht sich bei seinen mir bekannten Äußerungen auf die Eigenschaft von Lehm als Abdichtungsmaterial.

Lehm setzt sich aus Ton und anderen Stoffen zusammen. Der Ton, bzw. spezielle Tonmineralien wie z.B. Bentonit, wird in Reinform tatsächlich zur Abdichtung eingesetzt. Das funktioniert in der Art, dass die Tonmineralien bei einer entsprechen gesättigten Wasseraufnahme so aufquellen, dass sie sich gegenseitig abdichten. Bei der Aufnahme, vor der Sättigung, ist der Ton allerdings noch wasserdurchlässig.

Die Wände sollten also nicht bis zur völligen Sättigung gefüllt werden ;-)

Historisch wurden vor allem _fette_ Lehme zur Abdichtung von Zisternen eingesetzt. Bei mageren Lehmen/Lehmputzen sieht die Sache meines Erachtens differenziert aus.

Ob Kalkputz oder Lehmputz besser ist, da streiten sich die Experten. Es kommt wohl wie immer auf die Feinheiten an. Ein fetter Lehm mit ungünstiger Zusammensetzung ist vielleicht weniger sorptionsfähig als ein optimaler weicher Luftkalkputz. Für Kalk würde die zumindest im frischen Zustand (alkalisch) nicht mögliche Schimmelbildung sprechen.
Lehm ist ökologisch betrachtet mit dem geringsten Energieaufwand herzustellen.

Hier gibt es noch einen Bericht zum Thema:

http://www.claytec.de/download/lehmputz_raumklima.pdf

Ist zwar vom Lehm-Hersteller und daher mit Vorsicht zu geniessen, aber eine andere Meinung hat noch nie geschadet... (Stimmts, Herr Fischer?)

Grüße, Marc Sattel



Lehmputz



Ich habe mich in diversen Diskusionen mit Herrn Fischer schon ausgiebig zu dem Thema geäußert. Tatsache ist, dass Lehmputz eine Feuchteaufnahmefähigkeit aus der Raumluft von bis zu 300g Wasser in 2 Tagen pro m² hat. Wissenschaftlich nachgewiesen und belegt von der Uni Kassel, FEB.
Nachzulesen incl. Hintergründen in "das neue Lehmbau Handbuch" von Gernot Minke. (Empfehle ich jedem Lehmskeptiker). Der Anstrich auf dem Putz hat hier natürlich auch einen großen Einfluss. Und natürlich gibt es auch bei Lehmputzen große Unterschiede bzgl. Zuschlagstoffen / Tongehalt ect.

Gruß vom Edersee



Lehmputz



Hallo Gerry,
ich zitiere aus den Lehmbauregeln des Dachverbandes Lehm:

"5.4.2. Dampfdiffusion
Dampfdiffusionswiderstandsfaktor von Lehm mit einer Rohdichte von:

400 - 1.200 kg/m³: 3-5 mit organischen Zuschlägen
5-10 mit mineralischen Zuschlägen.

Über 1.200 kg/m³ beträgt der Wert generell 5 - 10.

5.4.3. Feuchteleitfähigkeit

Lehmbaustoffe sind feinporige, kapillar feuchteleitfähige Stoffe, die aufgenommene Feuchte schnell an die Oberfläche weiterleiten und abgeben, wenn diese Trocknung nicht behindert wird. Sperrende Baustoffschichten, Anstriche, Dampfbremsen sollten vermieden werden...

...5.4.5. Sorption

Die hygroskopische Feuchteaufnahme von unbehandelten Lehmoberflächen gilt als relativ hoch (etwa wie unbehandeltes Nadelholz)."

Nun gibt es zwei Möglichkeiten:
Entweder Herr Fischer hat recht und es gibt neben der Dämmstofflüge auch eine Lehmbaulüge und neben der Dämmstoffverschwörung auch eine Lehmbauverschwörung.
Oder die überwiegende Mehrzahl der Forscher, Fachleute und Praktiker haben recht.

Viele Grüße



Luftkalkputz oder Lehmputz; Diffuisonsoffen oder nicht ?



Vielen Dank für die interessanten Hinweise. Ich nehme mal an, dass hier in erster Linie die Befürworter von Lehmputz und dessen positive Auswirkung auf die Raumluft antworten und das die Kritiker nichts in der Hand haben, als einen Versuchsaufbau mit Lehmklumpen im Glas, das mit farbigen Wasser gefüllt wird... Würde mich interessieren, ob ein Luftkalkklumpen das Wasser durchläßt.
Das Lehmputz die Wand abdichtet, würde ich nach subjektiver Erfahrung mit den bereits verputzten Wänden eher verneinen.
Eure Hinweise stützen meine Vermutung.



Eigene Erfahrungswerte zu Lehmputz/Luftkalkputz



Gibt es Bauherrn, die selber schlechte oder positive Erfahrungen mit Lehmputzen gemacht haben, was die Verarbeitung, Schimmelpilzentwicklung, Raumklima, usw. angeht?
Bitte schreibt doch einfach hier über die gemachten Erfahrungen.



Erfahrungen....



....haben wir bisher nur mit der Verarbeitung von Lehmbaustoffen. Dazu kann ich nur sagen: Wir sind als Anfänger mit den Baustoff super hingekommen.
Allerdings achten wir sehr auf diverse Hinweise im Forum. So zum Beispiel die Sache mit dem Aufbau einer solchen Wand.
Wir rate Dir bleib in dem System. So haben wir es auch getan. Unser Wandaufbau ist:
- Außenputz mit gelöschten Kalkputz
- 14er Eichensichtfachwerk mit Lehmziegel ausgemauert
- 10 cm Holfaserleichtdämmplatte vollflächig in Lehm geklebt
- Lehmunteputz ca. 2cm
- 1 cm Lehmoberputz (feinputz) mit 10er Armierung
- Sumpfkalkfarbe mit und ohne Pigmente von Kreidezeit.
So haben wir unsere Ausenwände aufgebaut und bei den derzeitigen Temperaturen nur gute Erfahrungen gehabt. Die Wände standen auch schon bei den Frostgraden (< 10° C)und wir haten keine Minusgrade im Haus.

Viele Grüße aus Leipzig
Katja und Steffen



Lehmputz im Haus



verbessert die Raumklimaeigenschaften eindeutig.
Wir haben das in vielen Häusern erlebt und von Kunden bestätigt erhalten. (Gut zu bemerken, wenn nicht alle Räume mit Lehm verputzt wurden) Dabei geht es nicht nur um einen Raumluftfeuchteausgleich, sondern auch um Geruchs- und Schadstoffabsorbtion.
Die geringe Herstellungsenergie und das regionale Vorkommen (das noch besser genutzt werden muss - wir arbeiten daran) sind weitere Faktoren, die immer gewichtiger werden. Die Qualität der Unter- und Oberputze ist heute meist so gut, dass Abriebfestigkeiten und (auch farbige) Gestaltungsmöglichkeiten absolut gute Standarts erreichen. Die Qualaitätsunterschiede, die es durchaus noch gibt, kennt am besten der erfahrene Verarbeiter, die regional mittlerweile fast überall zu finden sind.
Wenn Lehm, z.B. der Leichtstampflehm (Lambda 0,11) von Thilo Schneider im Aussenwandbereich eingesetzt wird, hat man einen der modernsten Baustoffe, der bauphysikalisch einfach funktionierende Lösungen bietet.

Claytec, (zwar) ein namhafter Hersteller von Lehmbaustoff, hat einiges in Untersuchungen der Sorbtionsfähigkeit von Lehmputzen investiert. Da gibt es deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Lehmprodukten, aber die Lehmputze sind alle sorptionsfähiger als Kalk. (Und Kalk besser als der Rest)

Das soll eine Werbung für Lehm sein, jedoch keine Abage an Kalkputze. Es widerstrebt mir, das Eine oder Andere zur Religion zu machen. Mit beiden Materielien sind gute und qualitätsvolle Lösungen zu erreichen.

Wichtig ist immer - gerade für Eigenleister - die Information für den richtigen Einsatz des jeweiligen Materiales, bzw. den richtigen Bauteilaufbau. Am besten durch einen Fachmann/frau vor Ort.

Die Energie der verkpoften und wissenschaftlichen Gegenüberstellung in Vergleichen, Prozenten, Statistiken... sollte man für Baustoffe einsetzen, die gesundheitlich bedenklich sind oder für Bauteillösungen die ökonomisch, ökologisch oder bauphysikalisch verrückt sind.
Und davon gibt es - leider - zuhauf.

Schöne Grüsse
Jürgen Maier



Verarbeitungsunterschiede und Preis



Wenn ich mir die etwas konfuse Website von Herrn KF ansehe, dann scheint die Verarbeitung von Luftkalkputz ein richtiges Abenteuer zu sein, dass den Laien erstmal abschreckt. Lehm läßt sich im Gegensatz dazu auch für einen lernwilligen Laien recht gut verarbeiten, wenn Mischung, Untergrund, Auftragsdicke und Trocknung aufeinander abgestimmt werden. Wenn man Zeit hat, bekommt man dafür ein Gefühl und die durchaus möglichen Probleme (Z. B. Putzrisse, Schimmel,...) tauchen erst gar nicht auf.
Lehm kostet je t um 160,- (+Transport). Luftkalkputz kostet nach m. Recherche ab 13,- je 30 kg. Damit scheint Luftkalk auch teurer zu sein (Gilt natürlich nur für den Selberbauer).



Nun ja,



Putzarbeiten verlangen schon ein wenig Übung, ob nun mit Lehm, Kalk oder irgendeinem anderen Bindemittel. Beim Lehm hat man lediglich mehr Zeit und Korrekturmöglichkeiten, eine ordentliche Putzfläche herzustellen. Bei Einsatz von Bindemitteln geben die eben ein Zeitfenster vor.
Und die regulierende Wirkung auf Luftfeuchtigkeit ist bei Lehmputzen als nachgewiesen anzusehen, aber auch Kalkputze haben diese Eigenschaft.
Bei der Auswahl von Fertigputzen aufpassen, bei den vielen Herstellern werden "Kunstharzvergütungen" eingesetzt. Ich arbeite da lieber mit Kalk und einem guten Putzsand.
MfG
dasMaurer



Stimmt natürlich!



Putzarbeiten sind schon etwas kniffelig. Ich bin noch weit davon entfernt, in respektabler Zeit eine ebene Wand hinzuzaubern. Dauert halt noch sehr lange, bis alles so ist, dass man es auch zeigen kann...
Lehm kommt mir als Hobbyputzer da schon entgegen.
Gerade hab ich eine kleine Stelle mit Gräfix Luftkalk 61 auf Lehm geputzt, um zu sehen, wie sich das Material so verarbeiten läßt. Vom Material und Geruch her finde ich Lehm jedoch etwas angenehmer und geschmeidiger - muss wohl noch einiges lernen.
Luftkalk selber anmischen - würde mich auch interessieren! Wo bekomme ich denn die Zutaten?
Ist das Egebnis genauso gut zu verarbeiten, wie Fertigmischungen (Solubel, Gräfix, Hasit, Knauf...)?
Was ist eigentlich von Mamorit Rotkalk (ist wohl von Knauf) zu halten? Entfernt man sich damit (Zement bzw. Ziegelmehlanteile) evtl. wieder vom reinen Luftkalk?



Kalkputz



Wir haben bei uns ein Zimmer, das mit Lehm verputzt war (noch ist) und der Rest war und ist mit Kalkputz gemacht. Ausgemalt ist überall mit Leimfarbe gewesen. Nach dem Leerstand (2 Jahre) war im Lehmzimmer schon deutlich mehr Schimmel an den Wänden zu beobachten.

Zum Kalk muss ich gestehen, dass ich da einfach Luftkalk aus dem Baumarkt und Sand verwendet. Der Kalk schaut mir eigentlich recht kalkig aus (auch wenn er das chemisch gar nicht ist), eben so, wie gelöschter Kalk halt ist.

Die Verarbeitung auf Naturstein finde ich nicht so schwierg auch das Anwerfen geht mit etwas Übung einigermassen.
Schwierig finde ich eher das nicht ganz plan, den Unebenheiten folgend, hinzubekommen, so das der historiche Touch erhalten bleibt.
... aber was soll man(n) machen, wenn die Frau sagt, in einem alten Haus haben Abziehlatten nichts zu suchen?



Baumarkt und Luftkalk - geht das?`



Im Baumarkt habe ich bisher noch keinen Luftkalk bzw. Weißkalkhydrat gefunden. Würde mich allerdings schon interessieren, schon aus preisl. Gründen.
Läßt sich der selbstgemachte Luftkalkmörtel auch so gut verarbeiten, wie der fertig zubereitete?



Dann



geh doch mal zu einem Baustoffhändler, im Baumarkt gibts eh nicht viel gescheites, ausserdem meist zu teuer.
Beim Baustoffhändler gibts fast alles an Baustoffen, und was nicht lagermässig da ist, wird bestellt. Ausserdem sind die Leute wesentlich kompetenter als die "Fachverkäufer" im Baumarkt.
MfG
dasMaurer



Luftkalk und Lehmputz



Im Baumarkt in meiner Gegend kostet ein Sack Weißkalkhydrat so um die 3,50 €.

Viele Grüße



Kalkputz ist auch kein Allheilmittel...



... könnte man meinen, wenn man den Artikel in
www.baufachkongress.de/upload/baufachkongress/NR105_Kalkputze_HerrGansmantel.pdf
durchliest. Bei Außenwänden und in Räumen, die starker Feuchtigkeitsbelastung ausgesetzt sind, ist reiner Luftkalkputz wohl auch nicht die beste Wahl. Wie beim Lehmputz kommt es auch auf die Umgebungsbedingungen an, in die ein ansonsten gutes Produkt eingesetzt wird. Falsch oder am falschen Ort eingesetzt, kann dies leicht zu einer unberechtigten Diskreditierung eines Baustoffs führen. Die Befürworter von Luftkalkputzen schreiben selber, dass man viele Fehler machen kann, wenn dazu noch schwierige Umgebungsbedingungen vorherschen.
Die Bildung von Schimmel bei Lehmputz ist ein Hinweis, dass irgend etwas nicht stimmt. Lehm verzeiht in dieser Hinsicht weniger als andere Putze Anwendungsfehler, anhaltende Feuchtigkeitsprobleme, falsche Untergrundvorbehandlung, etc.
D. h., nicht Lehm ist daran Schuld, das er z. B. schimmelt, sondern er dient als Indikator, dass Probleme existieren, die in einem normalen Haus nichts zu suchen haben.



tja



stimmt, wenn der Lehm schimmelt ist etwas nicht in ordnung, in unserm fall halt war das ganze haus 2 jahre unbewohnt, das betreffende zimmer selbst wurde wahrscheinlich schon lange nicht mehr geheizt und die wände waren mit Möbel verstallt.

Und tatsächlich, alles hat seine stärken und schwächen, auch der kalkputz.
In der praxis ist vieles halt auch eine frage des naheliegenden, bei uns: da wo der lehmputz geschimmelt war, wird er durch neuen lehm ersetzt. Da wo Zementputz war, kommt er weg, wo kalkputz war, wird er ausgebessert oder erneuert.





Hallo Herr Jäckel,

sehr schön formuliert Ihr letzter Satz. Den sollten sich doch viele mal hinter die Ohren schreiben.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer