Lehmputz mit Stroh geeignet für Schornstein

12.03.2013 cbaonline



Hallo,

Ich wollte den Schornstein genau wie die anderen Wände mit einem strohaltigen Lehm verputzen. Nun hat der hiesige Schornsteinfeger bedenken, und sagt das geht so nicht, da das Zeug brennbar wäre.
Es gibt ja komplette Lehmöfen.

Stimmt das so was der SF sagt? Weiss jemand was zulässig ist und was nicht?

Danke & Gruss
CBA



Schornstein verputzen



Hallo CBA,
Lehmputz müßte ein Baustoff der Bauklasse A2 sein. D.h. Lehm ist nichtbrennbar mit brennbaren Anteilen. Dies ist auch Gipskarton!!!! Das würde heißen, du dürftes auch einen Schjornstein nicht mit Riegips verkleiden oder einen Verputzten nicht tapezieren!

Das Stroh ist hier ja nur zur Armierung drin und so gering das dies auf das brandverhalten des Schornsteins keinen Einfluss haben dürfte (sofern du eine Fertigmischung mit Strohhäckesel und keinen Strohlehm verwendest). Wenn nicht nimm Lehm ohne Strohanteilen und ein Netz als Armierung.

Rede mit dem Mann in Schwarz. Hast du schon Wände mit Lehm verputzt ? Dann zeige ihm diese. Ihr könnt ja auch eine Musterfläche (z.B. einenverputzten Stein) zur Demonstration versuchen anzustecken.

Grüße und viel Glück
Heiko D.



Nach den Lehmbau Regeln,



die in vielen Bundesländern in Form einer Technischen Regel bauaufsichtlich eingeführt sind - u. a. seit Februar 2008 auch in NRW, Kenn-Nr. 2.7.11, Richtlinie Anlage 2.7/15, sind Lehm und mineralische Zuschläge nach DIN 4102-4 als Baustoffklasse A1 (nichtbrennbar) klassifiert. Lehmbaustoffe sind im Einzelnen allerdings nicht klassifiziert.

Nach der Tabelle T 5-6 der Lehmbau Regeln sind jedoch Lehmbaustoffe mit Strohzuschlag als nichtbrennbar deklariert, wenn die Rohdichte des Lehmbaustoffes größer 1.200 kg/m³ ist.
Lehmbaustoffe mit Strohzuschlag und einer Rohdichte > 600 kg/m³ bis 1.200 kg/m³ gelten als schwerentflammbar.

Sofern also Lehm mit Strohzuschlag und einer Rohdichte über 1.200 kg/m³ zum Verputzen des Schornsteines verwendet werden soll, steht dem baurechtlich nichts entgegen.


Bei einer Beimischung von pflanzlichen Faserstoffen müsste die Rohdichte des Lehmbaustoffes mindestens 1.700 kg/m³ betragen, um den Status Nichtbrennbar zu bekommen.

Lehmbaustoffe mit Holzhackschnitzeln gelten als nichtbrennbar, wenn ihre Rohdichte mehr als 1.400 kg/m³ beträgt.

Beim Einsatz von Sägespänen muss die Rohdichte eines nichtbrennbaren Lehmbaustoffes über 1.600 kg/m³ liegen.

Bei Sägemehl als Zuschlag wird die Nichtbrennbarkeit erst bei einer Lehmbaustoff-Rohdichte von über 2.000 kg/m³ erreicht.



i. V. Dirk Meisinger



ich würde es nicht nehmen



Begründung:
Aufgrund der Brandgefahr bei Strohlehm/-putz sind überhaupt erst die historischen Feuerkassen irgendwann Mitte 1700 gegründet worden. Daraus hat sich dann unsere heutige hochkomplizierte Baugesetzgebung entwickelt.

Besonders viel Platz in alten Bauordnungen nahm das feuerfeste bauen ein. Hier speziell die Vorschriften für die Materialien des Schornsteins selbst.

Lehm mit brennbaren Zuschlagstoffen waren und sind nach wie vor verboten. Es kommt eher Kalkputz in Frage.

Ich habe diese Kenntnis, weil ich eine original Bauordnung des Herzogtums Braunschweig aus dem Jahr 1899 vor mir liegen habe. Der Baustoff Lehm ist für alles o.k., aber nicht mit brennbaren Armierungs- und oder Zuschlagstoffen für einen Verputz eines Schornsteins.

Ich würde auf den Schornsteinfeger hören, sonst wackelt der Versicherungsschutz im Falle eines Brandes



Wie bereits gesagt ...



... ist Lehmputz auch zum Verputzen für Schornsteine u. a. in NRW bauaufsichtlich / baurechtlich zulässig, sofern die in den Lehmbau Regeln genannten Rohdichten eingehalten bzw. übertroffen werden.

Von einem grundsätzlichen Verbot kann derzeit also keine Rede sein!

Bei uns im Bürogebäude ist der Schornstein auch mit Strohlehm verputzt; im alten Wohnhaus seit Anfang an im Übrigen auch.
Und: In absehbarer Zeit wird bei uns eine Herd-Grundofen-Kombination aus Lehmbaustoffen entstehen.


i. V. Dirk Meisinger



Brandgefahr



Um das Stroh im Lehm zum brennen/glimmen zu bekommen müsste das Feuer ja auch erstmal durch den Schornstein kommen.

Schornstein was für einer?

Ich habe hier einen gemauerten Kaminzug ,in dem Nachträglich ein "Tonrohr" eingezogen und der Hohlraum mit Nichtbrennbarem Dämmstoff verfüllt wurde,das sind drei Schichte wo das Feuer erstmal durch muß und dann käme der Putz.
Verputzt ist der Kamin zur Zeit mit Rotband:-(steht aber einseitig immer an der Strohlehmwand an.

Grüße Martin



...eventuell..



ist es ja die einfachere Variante für den Schornsteinbereich einfach Lehm ohne Zuschlagstoff Stroh zu verwenden...gibt es auch im BigBag oder als Sackware oder in der Lehmgrube...Die Bedenken eines Schornis sollten ernst genommen werden...sagt die Erfahrung.. ;-)



Neben allen "Richtlinien", "Normen", etc.....



....könnte ich da etwas aus der laienhaften Praxis beisteuern:

Ich glaube die Brennbarkeit von mit Stroh versetztem Lehmputz dürfte gar nicht das Problem sein.

Feuchtigkeit hingegen schon eher.

Ich habe auch einen meiner Schornsteine im Innenbereich mit Strohlehm verbutzt.

Brennen tut da nicht´s.

Wenn der Kamin aber nicht gegen Regen geschützt ist (Haube oben drauf, die auch andere Probleme mit sich bringt, Stichwort Eisanhang) fällt dir der Lehmputz am Kaminfuss einfach ab. Der durchfeuchtet nämlich bei Regen weil es in den Kamin regnet.

Ich würde, aufgrund dieser Erfahrung und im eigenen Interesse vom Lehm abraten und einfach TrassKalkMörtel zum verputzen nehmen. Hab´s nicht probiert, denke aber das könnte funktionieren.

Grüße
Martin



Nachtrag...



...mein Statement bezieht sich auf "historische" Schornsteine, gemauert, ohne Inneneinsatz.



Im "alten" Fachwerk-Wohnhaus unseres Hofes ...



... ist der mit Ziegel- / Backsteinen gemauerte Kamin seit altersher mit Strohlehm verputzt.
Trotz des relativ großen Querschnittes von 25 x 25 cm !, keiner Haube o. ä. Aufsätze und in unserer Gegend z. T. sehr ergiebigen Regengüssen hat es mit Durchfeuchtungen oder gar Wasseraustritten an der unteren Reinigungsklappe (in der Küche) noch nie irgendwelche Probleme gegeben.

Im Gegensatz dazu hat es im seit unserem Einzug vor etlichen Jahren beheizten Dachgeschoss, wo ich der Optik wegen auf den Strohlehm-Grundputz einen Kalkputz aufgetragen hatte, mittlerweile Risse im Kalkputz gegeben. - Heute würde ich hier auf jeden Fall Strohlehm-Oberputz nehmen!

Und nochmals: Bauaufsichtlich / baurechtlich spricht nichts gegen Lehmputz, wenn wie gesagt ...


i. V. Dirk Meisinger



na dann...



herzlichen Glückwunsch.

Möglicherweise hat es bei mir auch mit aufsteigender Feuchte zu tun (die es laut Fachleuten hier) ja gar nicht geben kann.

Pauschal zu Lehmputz zu raten halte ich aber für nicht gut!

Wie heißt es so schön: "Lehm und Leben lassen" ;-)

Bei der Ausgangsfrage denke auch ich, ohne Kenntnis der Situation sind Mutmaßungen fehl am Platze!

"Suchen sie sich einen kompetenten Berater" ;-)

Grüße
Martin



cbaoffline



wäre schön gewesen, hättest du auch was dazu beigesteuert!

Der andere Martin



An den "anderen" Martin....



...das habe ich getan!

Wer lesen kann ist im Vorteil!



@ MW



Martin das war doch garnicht an Dich gerichet??

Cbaonline war hier leider nur offline.

Grüße