Lehmbeton

23.11.2007



Hallo Zusammen,

im nächsten Jahr möchten wir ein Einfamilienhaus in Bohlenständerbauweise bauen. Wanddämmung mit Strohballen.

Die Innenwände möchten wir ebenfalls als Holzständer ausführen. Alle 1 Meter 1 Ständer. Zwischen die Holzständer möchte ich Lehm einbauen (wegen Schallschutz und Wärmespeicherung).

Die Innenwände fassen ca. 40m3 Lehm. Das sind ca. 70t Material. Lehm kommt aus einer örtlichen Lehmgrube oder falls geeignet aus der Baugrube. Beschaffenheit aus der Lehmgrube: tonig. Nun überlege ich nach einer Möglichkeit, die Arbeit zu erleichtern. 40 m3 Lehm transportieren und Stampfen ist eine Menge. Geht das nicht einfacher?

Meine Idee: Den Lehm in einem Zwangsmischer so aufbereiten, dass er mit einem Fördergerät transportiert werden kann (evtl. Putz / Estrichmaschine z.B. PFT ZP3V). Ich vermute aber, dass er dann für den Einbau in die Wand (verschalt) zu nass ist. Stimmt das? Falls ja, könnte ich den Lehm mit Zugabe von Zement abbinden lassen?

Andere Möglichkeit: Ich warte bis das Wasser herausgelaufen ist, aber wie lange dauert das?

Wenn die Wand trocken genug ist, möchte ich darauf flächig (Putzträger auf Balken) Leichtlehmputz aufbringen. Das könnte auch 1 Jahr später sein, falls die Wände so lange zum Trocknen brauchen - wäre kein Problem für mich.

Freue mich über Eure Tips.

Grüße,
Jörg



Hallo ,



da es ein strohballenhaus werden soll ,frag doch mal bei Fredi Fuchs www.stroh-unlimited.de .
Besten Gruß Jürgen Kube



Das hört sich toll an,



Haben Sie schon mal nachgedacht, wie hoch die praktische Ausgleichsfeuchte von Lehm ist, selbst wenn er (scheinbar) ausgetrocknet ist? Antwort: Deutlichst höher als bei Ziegel. Und auch Zement ist für seine hohe Wasserrückhaltung und schlechte Trocknung noch viel zu wenig bekannt. Obwohl Unmenge Schäden davon berichten.

Ein Tipp: Vorsicht vor Lehm-Beschimmelung. Das geht bei Lehm - übrigens ein Spitze Dichtbaustoff und keinesfalls rauchverzehrender Feuchtepuffer - recht schnell, und zwar in allen Farben. Wenn's drauf ankommt, wächst dabei auch aus dem Stroh frisches Getreide, da sind immer noch ein paar Körner drin ...

Sonst fällt mir dazu erst mal nix mehr ein.





Hallo,

die Strohballen sind Teil der Außenwandkonstruktion und im Zusammenhang mit dem Lehmbeton nicht betroffen. Sie bekommen zwar auch einen dünnen Lehmputz außen, der hat aber lediglich die Aufgabe die abstehenden Halme zu glätten - anschließend eine hinterlüftete Holzverschalung. Von innen sehe ich einen Lehmputz vor, der als Feuchtigkeitsausgleichende Schicht fungieren kann. Ich denke, dass ich durch diesen Lehm innen an den Außenwänden schon einen guten Feuchtigkeitspuffer erreiche.

Bei meiner Frage geht es rein um die Innenwände. Ursprünglich hatte ich mit dem Gedanken gespielt die Innenwände zu betonieren um so möglichst viel Wärme-Speichermasse ins Haus zu bekommen. Die Verschalung für den Beton hätte ich so aufgerauht, dass ein Leichtlehmputz am folglich mit Buckeln übersäten Beton daran hält. Leichter Lehmputz mit hoher Wärmedämmung würde die Behaglichkeit der Räume erhöhen (weniger kühle "Fallwinde" an den Wänden).

Nun habe ich mich entschlossen, die Innenwände ebenfalls in Ständerbauweise auszuführen. Es bleiben nur die Gefache der Innenwände übrig, die keine tragende Funktion haben. Den Gedanken dort Lehm aus der Baugrube einzufüllen finde ich ganz attraktiv. Auch preislich gesehen.

An Schimmel habe ich noch gar nicht gedacht. Danke für den Hinweis. Wenn ich nun aber Zement reinmische und die Masse dadurch schnell abbindet, hat der Schimmel dann noch eine Chance? Wie viele Tage dauert es bis auf Lehmwänden Schimmel entsteht?

Schönen Abend,
Jörg



Lehmbeton



Lehm bzw. Tonminerale und Zement passen nicht zusammen,
es sei denn Sie bauen Sie mit minimalem w/z- Wert und hoher Verdichtung ein. Dann können Sie aber auf den Zement verzichten, denn wasserfest brauchen Ihre Innenwände ja wohl nicht werden.
Der Ton schrumpft bei Austrocknen, der Zement nicht.
Kalk und Zement werden zwar im Tiefbau zur Bodenstabilisierung bindiger Böden verwandt, aber dort mit Walzen verdichtet.
Wenn Sie Lehm als Stampflehm einsetzen wollen, dann sollten Sie mit Betontechnologien arbeiten, also Betonschalsysteme, Elektrostampfer und optimal abgestimmte Körnungen mit niedrigem Wassergehalt. Kalkzugaben können die Verarbeitbarkeit bzw. Verdichtung verbessern.
Denken Sie daran: Stampfbetonwände werden von unten nach oben gebaut, wenn die Decken schon drin sind, geht das schlecht.
Näheres zu Lehmwänden, auch Leichtlehmwänden, finden Sie in den Lehmbauregeln des Dachverbandes Lehm.

Noch ein Wort zum Schluß:
Ihre vorgesehene Außenwandkonstruktion ist eine neue, noch weitgehend unerprobte Bauweise, über deren Langzeitverhalten keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen und für deren Verarbeitung es kaum Erfahrungen gibt.
Sie bewegen sich damit außerhalb der allgemein anerkannten Regeln der Technik.
Ich hoffe, Sie haben dafür wenigstens eine bauaufsichtliche Zulassung bzw. eine Ausnahmegenehmigung.
Die daraus entstehenden Risiken und die Auswirkungen auf den Wert des Gebäudes sind ihnen hoffentlich bewußt.

Viele Grüße
Georg Böttcher



Innenwand Alternative



Hallo Jörg,

Die Idee mit der Speichermasse für die Innenwände lässt sich auch gut mit Grünlingen umsetzen. Das sind im Prinzip nichts anderes als ungebrannte Ziegel. Vielleicht kann der lokale Ziegelhersteller weiterhelfen.

Professionell ausgeführte Stampflehmwände sind leider wegen dem hohen Aufwand für Schalung und verdichten sehr teuer. Mit etwas handwerklichem Geschick und viel Zeit oder guten Freunden kann man die aber auch selbst erstellen. Ein Problem kann der obere Anschluss an die Sparren der Zwischendecke oder Dach werden. (wie wird hier verdichtet?)

Als Architekt habe ich auch schon erste Projekte in Strohballenbauweise geplant und Workshops zum Strohballenbau geleitet. Aus meiner Erfahrung ist es immer sinnvoll eine Musterwand in verschiedenen Varianten zu erstellen.

Die Schimmelgefahr beim Lehmputz sehe ich nur wenn beim Trocknen nicht ausreichend gelüftet wird. Also immer alle Fenster und Türen auf. Dann gibts auch keinen Schimmel.

Viel Spass beim Strohbau

Bale on aus Ulm

Ralph



Schimmelgefahr



sehe ich bei meinen Bauberatungen mehr als genug als Resultat üblicher Bewohnung. Obendrein gibt es auf dem Lehm ja oft ideale Substratfarben, die als Kalktünche verkauft, aber mit Zellulose geleimt sind. Da wiehert der Schimmel und scharrt mit den Hufen.

Plus moderne Heizung (keine Hüllflächentemperierung), die dank Konvektion und Nachtabsenkung die Auffeuchtung der Bausubstanz garantiert. Und genau dann kann der Dichtlehm seine Gruseleigenschaften (von wegen Pufferung - ein irres Märchen!) allerbestens entfalten.

Nochmals: Reine Kalkoberflächenbeschichtungen! Und Schimmel nur im Käse!





Hallo Zusammen,

@Herrn Böttcher
Danke für den Hinweis bezüglich WZ-Wert. Ich habe das mal recherchiert und bin auf den Hinweis gestoßen, dass sich ein zu hoher Wasseranteil nachteilig auf Porösität, Endfestigkeit, Schwind-und Abnutzungstendenzen, u.v.m. auswirkt. Das gilt allerdings für Beton, an den hinsichtlich Materialeigenschaften ganz andere Anforderungen gestellt werden als als an eine Füllung ohne Auflast, die als Masse zwischen zwei Bohlenständern ruht. Soweit ich informiert bin, besteht Lehm nicht nur aus Ton, sondern aus Sand, Schluff und Ton. Genauso wie ein zu hoher WZ-Wert kein optimales Ergebnis bringt, wird wahrscheinlich auch das Vorhandensein von Ton kein optimales Ergebnis bringen (verglichen mit den Materialeigenschaften von Beton hinsichtlich Festigkeit, Dichtheit etc.)

Aber ich brauche auch kein optimales Ergebnis. Mir reicht es wenn die Masse pumpfähig wird und dann relativ schnell erstarrt. Die tragende Funktion übernimmt ja das Holz.

Bezüglich Strohballenbau gibt es Berechnungen über das Verhalten dieses Baustoffes in eingebautem Zustand. In Deutschland wurde das erste Einfamilienhaus in Strohballenbauweise 1998 genehmigt und gebaut. Es steht noch. Mittlerweile gibt es eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung sowie einen Brandtest (Strohballen mit Lehmputz beschichtet. Ergebnis: F90). Diesbezüglich möchte ich an dieser Stelle jedoch keine weitere Diskussion führen, da das vom eigentlichen Thema dieses Beitrags wegführt. Sie können sich informieren bei: www.fasba.de.

@Bale
OK, ich werde viel Lüften. Wahrscheinlich sind zum Zeitpunkt der Lehmarbeiten sowieso noch keine Fenster drin.

Schöne Grüße,
Jörg



Lehmbeton



Hallo Jörg,
anscheinend bin ich nicht richtig verstanden worden.
Der w/z- Wert wird bei Zementbeton verwendet; Zement braucht eine gewisse Mindestwassermenge zur Hydratation, die wird als Kristallwasser gebunden.
Der Rest ist technologisch notwendig, um Beton Verarbeiten zu können.
Lehm braucht kein Hydratationswasser.
Wenn Sie pumpfähigen Lehm in eine dichte Schalung einbauen, können Sie bis zur Rente warten, bis der Lehm fest wird. Wenn die Schalung weggenommen wird, ist der Lehm immer noch weich, da er nicht austrocknen und damit erhärten kann.
Und wenn er das kann, dauert es sehr lange, er beginnt stark zu schrumpfen bzw. zu reißen. Das wird bei dem geplanten Wassergehalt zur Zerstörung der Wand führen.
Der Wasserzementwert wird übrigens nur bei Zementbeton verwandt, bei Mineralgemischen arbeitet man nach dem Plastizitätsdiagramm von Casagrande (DIN 4022) bzw. den Zustandsgrenzen nach Atterberg.
Pumpfähiger Lehm hat sicher einen Wassergehalt w von ca. 0,40 und mehr. Dazu kommt noch ein erheblicher Anteil an Tonmineralen, um das Gemisch pumpfähig zu halten und Entmischung zu vermeiden. Und dieses Anmachwasser läuft nicht unten raus, sondern bleibt im Lehm, es kann nur verdunsten.
Selbst bei erdfeuchtem Einbau, also einem w von ca.0,20 dauert die Trocknung von Leichtlehm einige Monate, wenn er nach dem Einbau sofort ausgeschalt wird.
Deshalb wird im Tiefbau Kalk bzw.Branntkalk oder Zement zugefügt, um durch chemische Wasseranlagerung an das Bindemittel den Boden praktisch von "innen heraus" zu trocknen, weil das Problem die Entfernung des Wassers ist. Je weniger Wasser, je höher die Festigkeit.
Und Sie wollen Unmengen von Wasser in den Lehm kippen...

Das Lehm nicht nur aus Ton besteht, ist mir nicht entgangen, deshalb wird er ja wohl auch Lehm heißen und nicht Ton. Ich habe deshalb auch etwas von "optimal abgestimmter Körnung" geschrieben, also eine weitgestufte Sieblinie im Bereich U über 6 und einem C um die 2. Damit kann sowohl der Wasser- als auch der Tongehalt minimiert werden.
Gut, das es für Ihren Typ Außenwand eine allgemeine Zulassung gibt. Der Übereinstimmungsnachweis dürfte dann kein Problem mehr sein.

Viele Grüße
Georg Böttcher



@ Jörg N



Mal zum Urschleim!
Woher und was ist bei Dir "Lehmbeton"?

Und was die Strohballenbauweise betrifft, so sind wir dieser zwar sehr offen, doch birgt diese auch enorm viel Fehlerpotential.
Brandschutztechnisch, wasser(feuchte)schutztechnisch, Ungezieferbefallproblematiken un d zu guter letzt auch noch die behördlichen Faktoren hinsichtlich versicherungsrelevanter Thematiken.

Bessere Alternativen wären hier z.B. wandstarke Heraklithplatten und auch Wärmedämmlehmstampfschalen.

Grüße Udo Mühle



Geduld



Hallo Georg,

danke für Deine Geduld und Erläuterungen.

Ich bin eben doch kein Experte, sondern reime mir die Sachen so zusammen. Von der Pumpidee bin ich jetzt schon weg - jedenfalls was die Speichermasse in den Innenwänden anbelangt. Aber es bleibt noch genug zum Pumpen für den Putz übrig.

Der eigentliche Hintergrund meiner Überlegungen rührt daher, dass wir im nächsten Jahr ein Einfamilienhaus bauen möchten. Die Holzständerkonstruktion macht eine erfahrene Zimmerei. Der Wandaufbau außen mit Strohballendämmung wird so gemacht wie derzeit der Stand der Technik - auf dem Gebiet - ist.
Wir möchten das Haus zum Teil unterkellern (ca. 30m2). Es wird ein reiner Lagerkeller für Lebensmittel, der wärmetechnisch vom Haus abgekoppelt ist.

Der Boden in der Region ist von der Tendenz her lehmig. Nun überlege ich wie ich einen Teil des Bodenaushubs in die Innenwände bringen kann. Das hätte für mich die Vorteile, dass ich a) das Material nicht abtransportieren lassen müsste und b) eine Füllung für die Innenwände zwischen den Holzständern als Wärmespeicher hätte.

Der Abstand zwischen den Bohlenständern beträgt 1 Meter. Unter den Zwischenwänden sind Streifenfundamente, darauf folgt ein Wärmedämmender Stein durch die Dämmebene Fußboden und dann - die Ständer. Die Zwischendecke besteht aus einer Balkenlage. Ich hätte so die Möglichkeit bis ganz nach oben Material einzufüllen. Mir schwebt vor, vorne und hinten an zwei Ständern Schaltafeln festzuschrauben und dort dann das "gesuchte Material" einzufüllen, zu verdichten, zu warten und dann die Tafeln weiter nach oben zu schieben. Die Holzständer verschwinden später in der Wand.

Gibt es denn nicht irgendeine Möglichkeit, lehmigen Boden so aufzubereiten, dass er möglichst viel seiner Masse behält, beim Trocknen nicht zu stark schrumpft und nach dem Einbau relativ schnell eine Festigkeit entwickelt, die meinen Anforderungen genügt?

Viele Grüße,
Jörg



Zum Begriff "Lehmbeton"



Den Begriff gibt es wahrscheinlich noch nicht. Ich habe ihn erfunden :-)

Ob es mir allerdings gelingt ein Material zu kreieren, auf das dieser Begriff sinnvoll verweisen könnte, wage ich allerdings zu bezweifeln.



Lehmbeton



Drei Vorschläge:
1. Laß Dir die Außenwand, also dieses Strohsystem, von einer Firma einbauen, die das schon gemacht hat und dafür auch die Gewährleistung übernimmt.

2. Natürlich kanst Du mit dem Aushub arbeiten, auch nichttragende Innenwände damit stellen.
Das sollte aber auch von einer Fachfirma und unter Aufsicht eines dafür erfahrenen Planers gemacht werden. Die Rezeptur bzw. das Mischungsverhältnis für den Stampflehm und die begleitende Qualitätskontrolle sollte ein Baustofflabor übernehmen.

3. Besorg Dir die Lehmbauregeln des Fachverbandes Lehm oder ein gutes Lehmbaubuch (z.B. das von Prof. Minke).

Viele Grüße
Georg



Technische Begleitung?



Wer betreut bzw. begleitet Euer Projekt?
Wer übernimmt die Statik und die bautechnischen relevanten Thematiken?
Versicherungstechnische Belange sollten auch überdacht werden.
Was den Aushublehm betrifft, so haben wir hier in den Tiefen des Forums bereits mehrfach unseren Standpunkt dazu dargelegt.
Es müßte im Vorfeld dieser Bereich einer guten Analyse unterzogen werden, was hinsichtlich Belastung bzw. Oberflächeneintrag in diesem Gelände über die letzten 50 Jahre dort passierte (Dünger, Fäkalien, Chemie etc.).
Außerdem sollte für stampftechnische Wandkonstruktionen ein guter homogener, aufgeschlossener und wenn möglich gekollerter Lehm Verwendung finden.
Denn was passiert, wenn Ihr einen belasteten Lehm einbringt und die Strohballensubstanz beginnt zu gären, faulen oder sich zu zerstzen ("Würfelbruch"!)?
Außerdem übernehmt Ihr bei Nichtbegleitung eines Architekten /Planer, die volle Eigenverantwortung für Euer Objekt.
Hier noch ein interessanter Kontakt zu einem Planer mit Faible für Strohbauweise:

Dransfeld Arnold Architekturbüro
Adresse
Dorfstr. 19
17279 Lychen / Rutenberg
Telefon: 039888 5 28 58
Mob.: 0175-2084890

Nachdenkliche Grüße

Udo



Architekt und Statik vorhanden



Zur Info:

Ich habe einen erfahrenen Architekten und eine erfahrene Zimmerei (bauen Holzhäuser), die mit dem Entwurf der Holzständerkonstruktion auch die Statik übernimmt.

Versicherungstechnisch hatten die in Deutschland bereits bestehenden Strohballenbauten keine Probleme - meint keine höheren Kosten für die Prämie als "konventionelle" Holzhäuser.

Mit der obersten Baubehörde habe ich mich bereits in Verbindung gesetzt (Genehmigung des Wandaufbaus).

Die "Lehmbau Regeln" habe ich als Taschenbuch vorliegen, aber noch nicht tiefgreifend gelesen. Ich denke das Buch von Minke werde ich mir noch besorgen.

Bezüglich Belastung / Oberflächeneintrag: Danke für den Hinweis. Hätte ich nie dran gedacht.
Der Bauplatz befindet sich auf einem ehemaligen Fußballplatz. Ich werde mal nachfragen wie lange das ein Fußballplatz war - auf 800m Höhe. Dort wächst weit und breit kein Getreide. Selbst wenn dort mal etwas anderes als ein Sportplatz war, dann wahrscheinlich eine Wiese. Jedenfalls ist es heute ein Wasserschutzgebiet. Ich nehme eine geringe Wahrscheinlichkeit an, dass der Boden verseucht ist.

Und ganz wichtig: Strohballen und Materialien aus der Baugrube werden niemals miteinander in Verbíndung kommen, da die Strohballen (geschützt) in der Außenwand liegen. Den Aushub möchte ich ausschließlich für die Innenwände verwenden. Der Lehm für den Lehmputz kommt aus einer lokalen Lehmkuhle, die früher eine jetzt stillgelegte Ziegelei speiste.

Welche verschiedenen Möglichkeiten gibt es grundsätzlich den Aushub aus der Baugrube für die Ausfachung der Innenwände zu verwenden?



Lehmspritztechnik



Ich bin gerade auf die "Lehmspritztechnik" gestoßen.

Vielleicht kann ich damit den Lehm maschinell transportieren und Wände aufbauen?

Da das ein neues Thema ist, mache ich dazu eine neue Frage mit der Überschrift "Wie funktioniert Lehmspritztechnik?" auf.

Ein abschließendes Wort zum Begriff "Lehmbeton": Es wurde nicht wie oben unwissenderweise von mir behauptet, von mir erfunden. Durch Zufall bin ich jetzt auf den Begriff gestoßen und zwar im Buch "Der Lehmbau und seine praktische Anwendung" von Richard Niemeyer. Der Autor versteht darunter einen Lehm der mit Steinen durchsetzt ist. Näheres im Buch.



Lehmbau



Moderner Lehmbau mit Putzen schimmelt nicht mehr, da keine organischen Stoffe mehr benötigt werden.
Unsere Lehme sind nur Sand -Lehmgemische !
Lehm aus einer "Grube" sollte untersucht werden, da wie in diesem Fall keine Erfahrung vom Verarbeiter da ist.
Stampflehmwände haben extreme Trocknungszeiten (3-6-8 Monate). Gefahren bei Strohballenbau sind extrem hoch und bedürfen einer Begleitung von Erfahrenen/Profis.
Richtige Mischungen beim Lehmbau aus Sanden und Lehm benötigen keine Zusschlagstoffe, wenn Armierung notwendig ist dann am besten gedarrte Flachsschäben die sind ziemlich Schimmelresistent.
Es gibt auch Spritzlehme (z.B.Jasmin) die für Gefache gut sind.
Masse kann man auch durch Lehmböden bekommen.

90% aller Lehmbauschäden sind Unkenntnise der Verabeitung.

Wieso eigentlich experimentieren ? - es gibt alt bewärte und neue erprobte Lehmbautechniken .
Im Form hat es viele gute Lehmhandwerker die bewährte Systeme begleitend ausführen.



Fazit



Hallo Zusammen,

unser Bauprojekt haben wir vorerst eingestellt, da uns ein schöner Altbau über den Weg gelaufen ist. Die Strohballentechnik möchten wir nun zu Dämmzwecken einsetzen.

Für alle die es interessiert:
Im Buch "Leichtlehmbau" von Franz Volhard bin ich bezüglich des Themas dieser Diskussion auf folgende Aussagen gestoßen:

Volhard empfielt die Verwendung von Verflüssigungsmitteln, um "die Schwindung durch geringeren Wasseranteil herabzusetzen und die Austrocknung zu beschleunigen. Die wichtigsten sind Soda (Na2 CO3), Wasserglas, Humussäure (Kasseler Braun), Gerbsäure oder Tannin, die als Elektrolyte die Tonkristalle voneinander abstoßen, so daß diese - vereinfacht ausgedrückt - besser aneinandergleiten. Es sind auch spezielle Verflüssigungsmittel, z.B. Formsil, im Handel." (S. 47).

An anderer Stelle in der gleichen Schrift (finde gerade die Seite nicht) empfielt Volhard 10% Zementzugabe um die Aushärtung von Lehm zu beschleunigen.

Ein Gespräch mit einem Stukkateur, der in seiner Lehrzeit in den 1960er Jahren noch viel mit Lehm gearbeit hat, hat ergeben, dass Zement schon einen günstigen Einfluss auf die Aushärteeigenschaften des Lehms haben kann. Allerdings ist seiner Aussage nach ein spezieller Zement erforderlich, nämlich "Tonerdeschmelzzement".

Ich persönlich habe erfahren, dass Lehm nicht gleich Lehm ist. Es ist eben doch ein Gemenge aus Sand, Schluff und Ton mit je nach Abbauregion veränderlichen Gewichtsanteilen. Genauso unterschiedliche wie die Zusammensetzung eines Lehms werden auch die Eigenschaften evtl. eingebrachter Zuschlagstoffe sein.



Lehmbeton



Ich bin immer wieder erstaunt, was alles so im Kaffesatz herausgelesen wird.
Zu den 10% Zementzusatz:
Sowas wurde im letzten Krieg ggemacht, wenn die Wehrmacht irgendwo in der Steppe ein Rollfeld anlegte. Zement unter den Lehmboden mit etwas Wasser untergefräst und angewalzt, fertig war die Zementstabilisierung.
Aber wir sind nicht im Krieg, 10% Zement ist der Gehalt eines (fast) normalen Betons, da kann ich auch Kiessand nehmen und Wände betonieren. Dieser Beton wird wenigstens nicht weich, wenn er nass wird. Und die Mittelchen, die da empfohlen werden, braucht es dann garantiert nicht. Übrigens, Harnsäure geht auch und ist billiger zu beschaffen...
Ach ja, der Tonerdeschmelzzement.
Der Mann glaubte wohl, bei dem schönen Namen muß das Zeug ja gut zum Lehm bzw. Ton passen.
TSZ gibt es m.W. nicht mehr im Handel, es ist ein ausgesprochen schnell abbindender Zement, der nur noch für Spezialaufgaben wie Dichtungen, Reparaturen usw. eingesetzt wird.
Wenn Du unbedingt Deinen Baugrubenlehm verarbeiten willst, mach Adobe daraus und nimm Sie für die Innenwände.

Viele Grüße

p.s. Ich finde es trotzdem mutig, ein Haus nach der Versuch/Irrtum- Methode bauen zu wollen.



Versuch und Irrtum



Hallo Herr Böttcher,

glücklicherweise sind wir als Menschen in der Lage, Versuch und Irrtum bereits im Denken zu erkennen und aufzulösen.

Ich habe festgestellt, dass es in allen Gegenstandsbereichen immer ein oder zwei Lehrmeinungen, zusätzlich aber noch alternative Lösungsansätze gibt. Manchmal werden die alternativen Lösungen stärker und setzen sich irgendwann durch.

Um neue Wege zu beschreiten, dazu braucht man Mut - da gebe ich Ihnen Recht.



@Georg Böttcher:



Tonerdeschmelzzement gibts noch im Baustoffhandel. Unter einer anderen Bezeichnung sogar im Baumarkt. Das Zeug hat aber so seine Tücken, wer die nicht kennt, kann ziemlichen Murks damit machen. Nix für Heimwerker.
MfG
dasMaurer