Gefache, Wärmedämmung, Holzschutz und Lehm, die Hundertste

28.09.2003


Nun muß ich dieses Thema auch nochmal aufgreifen. Habe im Infodienst Holz der AGH, Reihe 4, Teil 5, Folge 1 von Prof. Horst Schulze, lesen müssen, dass die in der Vergangenheit aufgetretenen feuchtebedingten Schäden am Holz durch den Einbau feuchtespeichernder Materialien wie Schlacke, Lehm oder Bimsbaustoffe verursacht wurden. Hier im Forum - und auch an anderen Stellen - wird aber immer wieder gerade Lehm sowohl für die Ausfachung als auch für eine Innendämmung empfohlen. Was ist denn von dieser Aussage des Infodienstes zu halten? Möchte so langsam die Innendämmung in Angriff nehmen, die Ausfachung besteht bei mir aus Staken und Lehm - ca 15cm - also ist eine innere Wärmedämmung ratsam. Die jetzige sieht wie folgt aus: hinter dem Gefach ca. 5cm Hohlraum, dann eine Lattung, in die fugenfrei Styropor - ca 5cm - eingequetscht wurde und davor eine Holzwand ( 0,5 cm). Dadurch ist das Holz von innen absolut top, aber das Ganze ist bereits jetzt in den kühleren Nächten etwas kalt, kann also nur noch schlimmer werden. Vielen Dank im Voraus für wärmende Tips, auch von meinem bereits zitternden Schatz.





Hallo Holger, da hat wohl irgeneiner was durcheinander gebracht: Natürlich geht Holz kaputt, wenn es dauerhaft mit nassem Lehm in Berührung ist - das ist eigetlich unabhängig vom Baustoff, denn sogar mit nassen Lappen kann ich einen Balken zum Faulen bringen. Entscheidend ist, dass Feuchtigkeit weitgehend vom Holz ferngehalten wird, was in der Praxis aber nicht geht, weil man Fachwerk nie zu 100 Prozent dicht bekommt. Also ist es entscheidend, die eindrigende Feuchte möglichst schnell wieder raus zu bringen, und da haben natürliche Baustoffe wie Lehm oder gebrannte Ziegel oder selbst Schlacke den großen Vorteil, dass sie kapillar wirken, also ähnlich wie ein Plluver aus Funktionsfaser wirken: Nässe (Regen) kann nicht so leicht durch, aber Feuchtigkeit (Dampf) entweicht. Dazu kommt beim Lehm der große Vorteil, dass er antibakteriell und antifungizid wirkt und somit Schädlingsbefall verhindert (wenn er trocken ist!). Sie werden bei vielen alten Häuser feststellen, dass die Innendecken und -wände mit Lehm gebaut wurden, die Außenwände aber mit Massivsteinen - weil man früher schwerlich den Lehm vor Schlagregen schützen konnte. Da gibt es heute aber ganz gute Möglichkeiten, selbst wetterfeste Lehmputze.
Ihr vorgeschlagener Wandaufbau vereint viele an sich nützliche Dinge zu einer, naja, wenig sinnvollen Lösung. Ein Luftraum zwischen Außenwand und Innenschalung macht nur bei ausreichender Hinterlüftung Sinn, und 5 cm sind ein bisschen wenig. Außerdem sollte die Innenschale dann massiv gebaut werden (Lehmsteine oder -platten, Vollziegel). Allemal besser wäre ein durchgängig kapillarer Aufbau ohne Luftraum etwa durch Anbringung von Holzfaserplatten oder Schilfmatten, die satt in ein Putzbett (Kalk oder Lehm) an die Außenwand gedrückt werden. Styropor ist dicht und damit tödlich fürs Holz - top sieht Ihre Konstruktion in wenigen Jahren bestimmt nicht mehr aus. Welche Heizung haben Sie?





Servus Günter,
Heizung ist z.Zt. noch eine Nachtspeicherheizung, werde auf jeden Fall einen schönen Kachelofen einbauen, Rest muß ich mal sehen. Die von Ihnen in einer anderen Anfrage empfohlene Wandheizung hat sicherlich ihre Vorteile - habe mich mittlerweile schlau (naja, halbschlau) gemacht, werde das mal mit in Erwägung ziehen.
Der Aufbau meiner Wand wurde so um 1976 gemacht, also das funktioniert wirklich, aber wie gesagt, die Wärmedämmung ist nur mässig. Der Vorschlag mit den Schilfmatten finde ich klasse, aber habe im weiten Umkreis hier noch keinen Anbieter gefunden. Überhaupt scheinen die meisten Firmen, die sowas wie Hanf, Flachs, Schilf etc. haben, im Osten zu sein, obwohl es gerade hier im Taunus enorm viele Fachwerkstädtchen gibt.
Bzgl. der Schilfmatten, wie haben Sie da die Versorgungsleitungen eingebracht?





Hallo Holger, es wundert mich wirklich, dass nach so langer Zeit bei diesem Wandaufbau keine größeren Schäden aufgetaucht sind. Aber gut, wundern gehört bei alten Häusern dazu. Die Schilfmatten kann Ihnen jeder im Altbau erfahrene Putzer besorgen (5 €/qm bei 2 cm Stärke), ansonsten gibt's die auch über jeden Hagebaumarkt oder im Internet. Aber schön Preise vergleichen. Bei mir wurden die Elektroleitungen direkt innen an die Fachwerk-Außenwände gelegt, die durch Ausbesserungsarbeiten so schön krum waren, dass wir keine Schlitze schlagen mussten. (Wasserleitungen etc sind an den Innenwänden). Die Kabel wurden einfach mit Schellen auf die Balken genagel. Das wurde dann mit Kalkputz erstmal einigermaßen eben geputzt, dann kam die erste Schilfmatte ins Putzbett, dann ein Putzbett und die zweie Schilfmatte zusammen mit der Wandheizung (sind wir grade drüber); zum guten Schluss kommen zwei Lagen Lehmputz mit Jutegewebe als Armierung und ein schöner Antrich (wenn wir nur schon so weit wären...).
Gruß Günter Flegel





Nochmal zum richtig Begreifen: Der Kalkputz zum Nivellieren wurde auch über die Balken gezogen, hab ich das richtig verstanden? Frage das deswegen, weil überall, wo mein Vorgänger - aus Versehen? - über das Holz geputzt hat, dies darunter leicht vermodert war. Aber vielleicht war das ja der falsche Putz.





Richtig verstanden. Es ging daraum, eine innige Verbindung zwischen alter Außenwand und neuer Innenschale zu schaffen, daher der ganzflächige Kalkputzüberzug. Ist fürs Holz genauso gut wie Lehm. In ihrem Fall befindet sich wohl ein Kalkzementputz auf dem Holz.
gf





Hallo günter, echt herzlichen Dank für diese Einzelberatung. Ist aber noch nicht zu Ende, mein Haus kommt nochmal auf Ihre Couch: Bedarf es bei dem Innenverputzen dann auch wieder eines Kellenrisses um's Gefach herum? Und kommt bei Ihrem Aufbau nochmal irgendwo eine Dampfbremse/-sperre rein, z.B. für Küche oder Bad?



Gefache



Wieso immer Kalk-Zemen-Putz? Wir haben 100% naturreine Kalkbaustoffe. Reine Kalkbaustoffe schützen Lehm, Holz und Natursteine, dies wussten schon unsere Vorfahren. Wenn Sie Hilfe benötigen rufen Sie uns einfach an unter der Nr.09728/1313 oder 0170/9657378





Hallo Holger, Kellenschnitt brauchts bei dem Aufbau nicht; wie gesagt, der Hintergedanke ist der einer in sich geschlossenen und mit der Außenwand innig verbundenen Innenschale, die Wärme dämmt (Schilf), Wärme speichert ( die alten Massivsteine in der Außenwand) und Feuchtigkeit verdampfen lässt und das Holz schützt (daher der reine Kalkputz als Grundlage). Dampfbremse braucht es bei diesem Aufbau nicht; in Küche und Dusche haben wir kräftige Dunstabzüge vorgesehen.
Gruß Günter Flegel



Bezugsquelle Lehmbaustoffe + Schilfrohrmatten



Hallo Holger + erstma Grüße Nach Idstein :-). Wir haben unsere Lehmziegel, den Lehm und die Schilfrohrmatten (und vieles andere auch) won www.naturbaudirekt.de bezogen. Die sind sehr hilfsbereit, freundlich und blitzschnell in der Lieferung (die natürlich inklusive ist. - bei anderen bezahlt man für die Kranabladung der Bigbags extra Geld). Kann ich wirklich nur empfehlen (ich glaub, ich sollte dort mal nach Provisionen fragen *grins*). Stöbern Sie mal auf deren Homepage, da gibts auch Prospekte zu bestellen. Grüße Annette (auch Lehm)



RE alles



Hallo, auch www.naturbaudirekt.de hat Frachtkosten, rechnet diese aber direkt mit ins Material ein. Jede Fachbetrieb bietet eine bessere Beratung. Aber nur am Rande. Kaum ein Thema wird im Forum so heiß diskutiert wie die Innendämmung. Sicherlich funktioniert bauphysikalisch mit am besten Holzleichtlehminnendämmung. Nur verliert man hier viel Platz. Weichholfzfaser bieten eine sehr gute Wärmedämmung, sind kapillar sehr aktiv und speichern viel Wasser. In die folgende Putzschicht lässt sich auch ehr gut eine Wandheizung integrieren. Rufen Sie uns an wenn fragen sind. Viele Grüße aus Koblenz Gerd Meurer



@ Gerd Meurer



Hallo Herr Meurer, sicherlich rechnet Naturbaudikret die Frachtkosten mit ein, aber sie sind trotzdem billiger als der "Claytec-Lieferant" am Ort mit seinen Frachtkosten noch dazu. Ich bestreite auch nicht, dass ein Fachbetrieb mich besser beraten kann, vor allem, wenn man vor Ort ist und sich das Zeugs erstmal anschauen kann, allerdings gibt es bei uns im Umkreis keine Fachbetriebe für sowas. Und wenn man im Baumarkt nach Naturbaustoffen frägt, guggen die einem an, als hätt man einen an der Klatsche. Ich wurde immer sehr nett und zuvorkommend von denen telefonisch beraten, sowas bekommt man im normalen Baumarkt ja schließlich auch kaum (ich rede jetzt nicht vom Fachbetrieb, sondern vom Baumarkt). Grüße Annette





@annette
erstmal vielen Dank für die vielen Tips, die ich schon von Ihnen - und natürlich auch vom Günter Flegel - bekommen habe. Sie haben den Nagel voll getroffen - na ja, kein Wunder als erfahrene "Restauratorin" - hier gibt's einfach niemanden, der solche Materialien hat oder in vernünftiger Zeit beschaffen kann und das zu einem akzeptablen Preis. Allerdings habe ich an Hagebau bisher nicht gedacht, da gibt's auch keinerlei Hinweis auf deren Internet-Seite. Apropos Baumärkte, "meinen" OBI in Idstein muß ich mal ausdrücklich loben. Die Mitarbeiter haben echt was drauf, nehmen sich Zeit, sind auch noch am Samstag um 15.59Uhr freundlich und kennen fast alle Ökostoffe - haben sie allerdings auch nicht. Aber sie bieten an, bei genügend Bedarf, sich um einen Lieferanten zu kümmern. Und sie weisen einen immer auf günstigere, gleichwertige Angebote hin. Also echt guter Service. Demgegenüber stehen bisher ausschließlich negative und kostspielige Erfahrungen mit den "Fachleuten". Aber ich weiss auch, irgendwann werde ich wieder einen benötigen, spätestens wenn's um die Bauvorlage für meine Noch-Scheune geht. Aber bis dahin werde ich mich hier im Forum wie ein Schwamm mit Wissen vollsaugen, so daß ich diesmal den Experten etwas auf die Finger schauen kann.



@ Holger



Hallo Holger,

ja, eine sehr gute Erfahrung mit Obi hab ich auch gemacht, ist übrigens unser Lieblingsbaumarkt. Allerdings ist der 50 km weit entfernt von unserem Wohnort. Leider. Die Obis haben verschiedene Sachen, je nach Obi. Auf der Homepage kann man sich Infomaterial über ökologische Sachen schicken lassen, die bestellen die Sachen dann auch für einen. Nicht so gute Erfahrungen haben wir mit Dielen gemacht. Echtholzdielen bestellt, 10 Wochen gewartet und dann nicht bekommen. War aber nicht Obis Schuld sondern die des Herstellers (der uns persönlich dann auch angerufen hat und sich entschuldigt hat). Na ja, auf jeden Fall schön, dass "unser" Obi auch Echtholzdielen hat. :-) Falls Sie Lust haben, können Sie gerne mit Ihrem "zitternden Schatz" :-) mal bei uns vorbeischauen (sonntags zum Beispiel), Idstein ist ja nicht soooo weit von Nidda entfernt, dann können wir Ihnen mal die Dämmung und so Zeugs zeigen, und falls Sie Fragen haben, können Sie die natürlich auch gerne fragen. Grüße Annette




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