Trocknungszeiten für Lehmbauten




Im Rahmen einer internen Studie über das Trocknungsverhalten von Fachwerkbauten benötigen wir Erfahrungswerte zur natürlichen Trocknung. Folgende Fragen sind für uns besonders wichtig:
1.) Trocknung: Wie lange hat es Ihrer Meinung nach gedauert, bis Lehm so ausgetrocknet ist, dass man ihn als natürlich trocken bezeinchnen kann ?
2.) Trocknung: Gab es beim Trocknungsprozess Risse ?
3.) Trocknung: Welcher Art waren die Risse ?
4.) Trocknung: Wenn Risse vorhanden waren, wie hat sich das auf das Gesamtbauwerk ausgewirkt ?
5.) Feuchtemessung: Wurden Feuchtigkeiten beim Einbau des Lehms gemessen ?
6.) Feuchtemessung: Wurden Messungen im Verlauf der Trocknung durchgeführt ?
7.) Feuchtemessung: Wurden Hölzer gemessen, die unmittelbar Lehm berührten ? Welchen Einfluss hat Holz auf den Trocknungsprozess des Lehms ?

Ingo Thümler
www.feuchteklinik.de





Oweh, da werden sich bei den Lehmbauern hier im Forum die Nackenhaare sträuben: Lehm ist kein genormter Baustoff: Wie hoch ist der Tonanteil? Welche Zuschlagstoffe werden verwendet? Wie und in welcher Stärke wird der Lehm eingebaut? Mit welchen Materialien kommt er in Kontakt? Das alles hat Einfluss auf die Trocknung, denn Lehm bindet nicht chemisch ab, sondern trocknet rein physikalisch durch die Verdunstung des Wassers. Ich hab auf der Wandheizung Lehm schon in ein zwei Tagen getrocknet gekriegt, einige Stellen im Haus sind nach Monaten noch leicht feucht.
Was sollten also solche Daten aussagen?
Ratlos: gf



Eine entscheidende Frage ...



... wurde noch vergessen!!!
Welchen Einfluss hat Lehm auf den Trocknungsprozess von Holz?
Da müssen wohl noch einige Hausaufgaben für die interne Studie gemacht werden.
Nun forscht mal schön.
Grüße



Trocknungsprozess Lehm und Holz



Hallo, Herr Froehlich,
Sie haben völlig recht. Wir gehen davon aus, dass sich Feuchtigkeit immer ausgleichen wird. Holz wirkt aber als Feuchtespeicher, wenn es von Lehm bedeckt ist. So hatten wir in einem Fachwerkgebäude immer genau an den Stellen Schimmelpilzbefall, an denen die Hölzer mit Lehm verputzt waren. Die gesamte Lehmkonstruktion selbst konnte offensichtlich gleichmäßig abtrocknen. Dabei wurden aber Risse sichtbar.
Haben Sie auch Erfahrungen damit ? Wenn ja, dann bitte mitteilen...





Hmmm. Auf meinem Grundstück steht eine 300 Jahre alte Scheune im Dauerregen. Die mFachwerkwände mit Lehmschlag sind Ok, weder Schimmel noch Fäulnis. Im Haus musste ich ein Gefache durchbrechen: Die 200 Jahre alten Weidenruten im Lehmflechtwerk waren noch biegsam, also frisch wie bei der Ernte. Vom Vorbesitzer mit Styropor oder Rigips sanierte Lehmfüllungen waren in der Tat verschimmelt, zum Teil auch das Holz schon angegriffen. Es kommt also wie beim Beton drauf an, was man aus dem Lehm macht.
gf



Baustoffkombinationen bringen Probleme



Hallo Herr Flegel,

welche Erfahrungen haben Sie konkret mit der Kombination von Styropor und Lehm ? Es wäre interessant zu erfahren unter welchen Bedingungen (z.B. Taupunkte) sich Lehm als Feuchtespeicher verhält und in welchen Konstellationen er Feuchte abgibt.... Für uns als Trocknungs-Experten ist es auch wichtig zu wissen, wie der Feuchtetransport durch verschiedene Baustoffe (hier vor allem Lehm) funktioniert und was ihn hemmt.



Bisher ...



... erkenne ich hier noch keine Trocknungs-Experten für Fachwerk.
Die notwendigen Antworten für die bisherigen Fragen würden Bücher füllen - aber die gibt's bereits und die sollten vielleicht doch vorab gelesen werden.
Alles andere würde auch das Forum sprengen.
MFG





Hmm, Ähhh, naja: Wenn der Lehm nass wird und so eingepackt ist, dass die Feuchtigkeit nicht wieder oder nur schlecht entweichen kann, bleibt er nass, und dann schimmelt's - nicht der Lehm, sondern die organischen Beimischungen wie Stroh oder Spelzen. Konkrete Erfahrungen aus meinem Garten: Wenn ich den Lehm ausgrabe, ist er feucht, liegt er ein paar Tage an der Luft, wird er trocken, es sei denn, es regnet oder ich bewahre ihn in Styroporkästen auf. Da braucht's aber weder Taupunkt noch Messgerät. Ich weiß wirklich nicht, wie man dem Ausgangs-Fragesteller mit praktischen Erfahrungen helfen soll.
gf





Es wäre toll, wenn jemand antworten könnte, der auf die o.g. Fragen Bezug nimmt. Wir haben bei unserer Tätigkeit immer nur mit massiv durchfeuchteten Fachwerkgebäuden zu tun. Uns ist es tatsächlich wichtig zu wissen, wie sich Lehm im Zusammenhang mit anderen Baustoffen in natürlicher Umgebung verhält. Da kann eine Kondensatbildung durch Taupunktunterschreitung schon interessant sein. Vor allem wenn Lehm mit anderen Baustoffen zusammen trifft.
Vielen Dank



Beispiele ???



Dann schildern Sie doch mal einen für Sie typischen Befund mit Wandaufbau und äußeren Bedingungen - Wetterseite, Dachüberstand etc.
Ansonsten stochern alle nur mit der Stange im Nebel rum.
Die Schäden sind in der Regel irgendwelche Folgeschäden, die meistens nichts mit dem aktuellen Einbau zu tun haben. Ihre Fragen gehen insofern etwas an der Realität vorbei.
Es gibt auch sehr gute Literatur zu dem Thema beim IRB-Verlag. Also: erst mal lesen - dann fragen.
Gruß



Re



Ich habe in meiner langjährigen Tätigkeit als Bauunternehmer mit der Spezialisierung auf Fachwerkhaussanierung keinen Balken gesehen der durch den Lehmumschluss feucht und Faul war. Für meine Tätigkeit habe ich mehrerer Auszeichnungen erhalten unter anderem den Bundespreis im Lehmbauhandwerk. Will heißen ich weiß genau wovon ich spreche. Wer denkt das das Holz durch den Lehm fault ist auf dem Holzweg. Lehm hat, wenn er abtrocknen kann eine Grundfeuchte von ca. 5%. Holz hat eine Feuchte von 8-15%. Liegt die Feuchtigkeit im Holz dauerhaft darüber, fault der Balken langfristig. So entsteht im „funktionierenden Fachwerk“ ein Diffusionsausgleich vom Holz zum Lehm. Durch über entsprechende Putze und Farben kann die Feuchtigkeit in trockenen Perioden abtrocknen. Ich kann Sie nur vor einer Bekämpfung der Wirkung ohne Ursachenforschung warnen. Ist das mit Lehm umschlossene Holz feucht, ist der Putz falsch obendrauf, die Farbe oder eine Fugenabdichtung die Ursache. Wie kann ein Fachwerkhaus wie übrigens auch das meine von 1679 am Rhein im Hochwasserbereich 300 Jahre ohne große Schäden überstehen und innerhalb 20 Jahren wird durch falsche Anstriche eine Großteil des Fachwerks zerstört?? Viele Grüße Gerd Meurer