alles, wirklich alles neu im Fachwerkhaus

21.11.2006



Nach einem Brand unseres Reetdachhauses müssen wir wegen Totalschaden durch Löschwasser unser Haus Entkernen und nochmal anfangen - wir waren ja auch gerade erst fertig geworden! Wir würden gerne, da das gesamte alte, "gelöschte" Lehm raus muß, Lehm in irgendeiner Form wieder in unseren Räumen haben. Wir haben 450 m² Wohnfläche, waren gut versichert, möchten aber nicht die teuersten Varianten nehmen. Wir überlegen, die Decken ganz 08/15-mäßig mit Rigips zu machen und die Wände mit Lehm. Was bietet sich dafür an und was machen wir im Obergeschoß? Das war vor unserer Nutzung Heuboden und wir haben alle Zimmer mit Leichtbauwänden gemacht. Ich habe leider nicht viel Ahnung, nicht viel Zeit und nicht die Muße mich mit meterlanger Bauliteratur auseinander zu setzen. Deswegen wende ich mich an dieses Forum, weil mir die Antworten recht kompetent, offen und freundlich erschienen. Vielen Dank





Sehr geehrte Frau Wesche,

es scheint Sie ja wirklich hart getroffen zu haben. Nun glaube ich aber nicht, daß Ihnen mit ein paar sinnvollen Anregungen aus diesem Forum geholfen ist. Sie geben selber an, daß Sie fachlich wenig Ahnung haben. Sinnvoll erscheint es daher, daß Sie die Hilfe von Fachleuten vor Ort in Anspruch nehmen. Diese sollten die Schäden detailliert aufnehmen und daraus ein Instandsetzungskonzept erarbeiten. Welche Ausbauvariante Sie dann wählen, kann anhand einer detaillierten Kostenschätzung
besser bestimmt werden. Dadurch haben Sie eine bessere Planungssicherheit. Ansonsten wird Ihr
Unterfangen Sie nicht vor weiteren Unannehmlichkeiten schützen.
Für die Zukunft wünsche ich Ihnen alles Gute.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies



Aber Hallo!



Erstmal: Mein herzliches Beileid für so ein Schlamassel!

Jetzt zur Frage!

Warum muss der ganze Lehm denn "raus"?
Und wenn er raus muss - nehmen Sie Ihne einfach wieder her und recyclen ihn einfach.
Das mit den Gipskartonplatten würde ich nicht machen - das ist nicht dauerhaft, und nicht gerade gesund Abfall aus der Rauchgasentschwefelung sich ins Haus zu holen!

Lassen Sie sich ein ordentliches Sanierungskonzept erstellen und wägen Sie dann ab, was Sie in Eigenleistung erbringen können und was Sie an Handwerker geben wollen ... und das auf einen mehr oder weniger langen Zeitraum hin gesehen.
Die wichtigen, zum Wohnen und Leben wichtigen Sachen zu erst und dann Stück für Stück ...
Bleiben Sie bei Naturprodukten und bei Lehm, Kalk, Reet und Holz!
Falls Sie Bedarf habben für intensivere Planung oder konzeptionelle Beratung, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung!

An sonsten: Glück auf und gutes Gelingen!

FK



Brandschaden



Natürlich erst einmal stiller Händedruck für einen derartigen Schicksalsschlag nach Fertigstellung eines derartigen Unterfangens.
Trotzdem geht es wieder vorwärts und man sollte stets nach vorn schauen.
Außerdem hat dieser Schicksalsschlag nun auch etwas "positives", man kann gemachte Fehler ausschließen bzw. manche Dinge anders und sinnvoller Lösen.
So wie es F. Kurz bereits schilderte, Gipskartonplatten und Co. aus der Wiederverwendung bzw. dem Neueinsatz völlig zu streichen.
Bessere und auch sinnvollere Systeme sind denkbar, die dem Haus auch besser stehen.

Zu Fragen stehen wir Ihnen gern bereit, denn wir haben bereits Erfahrungen mit einer Sanierung einer Fachwerkbrandimmobilie machen dürfen.
Es sind durch uns Lösungen erarbeitet worden, die teilweise Komplettabrisse bzw. Rückbauten nicht erforderten.

Kopf hoch und zu jeder Unterstützung bereit,

Udo Mühle



uff. oje ,



das wünscht man ja nur seinen allerärgsten Feinden ..

Gut ist hier was nützt , welche Baustoffe sinnvoll sind findet sich ..
Ein planerisches Grundkonzept ist allerdings von Nöten :
Wieviel Zeit ist da , ( 450m² sind ja kein Pappenstiel ), welchen Standard braucht es , lässt sich überhaupt was retten von der alten Bausubstanz mit vetretbarem Aufwand ?
Hat etwas gebrannt , was Sshadstoffe freisetzt - könnte ja irgendwo PVC oder ähnliches im Haus gewesen sein :-( .
Naja , und wo haust die Baufrau in der ganzen Zeit der Sanierung ?

Besten Gruß Jürgen Kube



Nutzt dieses Unglück...



...als Chance -beim zweiten Mal wird alles besser- und sucht Euch einen erfahrenen Planer vor Ort. Vielleicht findet sich ja einer, der auch mit Eigenleistungen der Bauherren umgehen kann und euere Aktivitäten sachkundig begleitet.

Ohne brauchbares Konzept könnt Ihr nach dem System "Ein paar Platten hier, etwas Dämmung dort" möglicherweise auch noch den Rest ruinieren.

Kopf hoch

Thomas



Wie weit ist Lauenburg entfernt?



Dort sitzen die Lauenburgischen Lehmwerkstätten. Chefin Renate Wendt ist eine unbedingte Empfehlung in Sachen Lehmbegutachtung und -ausführung. Vielleicht mal zum Ortstermin dazuholen? Tel. 04153/55248
Grüße
Martin Malangeri



Vielen Dank



Na, ich habe mich sehr über die Antworten und die aufmunternden Worte gefreut.
Wir haben einen Architekten, der Abriss und Wiederaufbau organisiert. Weil Lehmbauweise ja doch etwas speziell ist, wollte ich mich hier nach verschiedenen Möglichkeiten erkundigen und dann gemeinsam mit unserem Architekten beratschlagen. Ich bin zwar kein Fachmann, aber interessiert. Gestern abend bin ich von einem Forumsmitglied telefonisch beraten und aufgebaut worden. Danke nochmal dafür. Ich bin begeistert über die Hilfsbereitschaft in diesem Forum.

Anne



Brandschaden



Hier einige Informationen zum bösen REA- Gips aus den Entschwefelungsanlagen (Quelle: J. Beckert, Vergleich Naturgips und REA- Gips, nachzulesen im Ökologischen Baustofflexikon, Autor Gerd Zwiener,Verlag C.F. Müller)

Element Naturgips REA- Gips
mg/kg min-max mg/kg min/max

Arsen 0,22 - 3,79 0,21 - 2,70
Blei 0,46 - 21,4 0,27 - 22,0
Cadmium 0,03 - 0,30 0,003 - 0,29
Chrom 0,65 - 24,9 1,02 - 9,72
Flour 0,01 - 0,06 0,01 - 0,07
und so weiter.

Übrigens: Auch Baukalke können Chrom enthalten!