Erfahrungsbericht Lehm im Bad

11.10.2008



Ich dachte mir, ich stelle mal unsere Erfahrungen mit Lehmputz im Badezimmer denen, die die Verputzerei noch vor sich haben zur Verfügung.
Dies vorweg: Ich würde es so nicht nochmal machen.
Wir haben das Badezimmer nur um die Objekte herum gefliest und sonst verputzt mit einem selbst hergestellten Putz aus Lehm und Sand und mit Lehmfarbe gestrichen.
Wie ich auch vorher schon gehört und gelesen habe, nimmt der Lehm die anfallende Luftfeuchte sofort auf, was man daran erkennen kann, dass selbst bei ausgiebigem heissen Duschen der Spiegel nicht beschlägt. Nur frage ich mich mittlerweile, was daran gut sein soll?
Der Effekt ist nämlich, dass es sofort nach Lehm duftet. Ein Geruch, der mir beim Verputzen sehr angenehm war und vertraut wurde, den ich aber jetzt im fertigen Zustand nicht so gerne rieche.
Einen Vorteil hat das aber: man riecht die Feuchtigkeit und lüftet solange oder sooft es notwendig ist bevor es anfängt, unangenehm zu muffeln.
Da liegt aber auch das Problem: Nach dem Baden muss ich öfter Lüften bis die Feuchtigkeit wieder aus dem Putz rausgetocknet ist. Der Putz saugt förmlich die Feuchtigkeit aus der Raumluft. So bekomme ich beim lüften direkt nach dem Baden nur einen Bruchteil des entstandenen Wasserdampfes weg. Ich muss dann mehrmals das Fenster schliessen und eine Zeit später wieder öffnen, um die Feuchtigkeit raus zu bekommen.

Wenn ich's nochmal machen müsste, ich würde das Bad mit Kalkputz machen, auch um dem Schimmel vorzubeugen, auch wenn wir damit kein Problem haben. Aber dafür sind wirLüftweltmeister.
Wir werden bei Gelegemheit das Bad mit Silikatfarbe Streichen und hoffen, dass das den Durst unseres Lehmputzes ein bisschen zügelt.
frohes Schaffen allen, die noch dran sind
Grüsse
Marcus



Empfindliche nase?



hallo marcus,
wo war den der lehnm her? lehm ist ja geruchsbindent, und wen es zb gebrauchter lehm war, kann natürlich sein das er mit gerüchen belastet ist die mit dem anstieg der Feuchte wieder zu riechen sind.
dennoch erscheint es mir unwarscheinlich, da man ja mit einem wassersprüher seiner Lehmwand mehr wasser zusetzten kann als man es mit duschen je könnte.
so ganz verstehe ich das nicht.
gruß frank



empfindliche Nase? Sicher nicht



Wer eine Nase hat, die funktioniert, der riecht das.
Der Lehm war auch nicht gebraucht, sondern trocken im Big Pack gekauft.
Es stinkt auch nicht, es duftet wie gesagt, nach Lehm eben.

Der Geruch an sich muss auch nicht jeden stören. Das eigentlich störende ist, dass er darauf hinweist, das der Putz noch feucht ist.
Im Unterschied zum Gipsputz, den wir in unserer letzten Wohnung im Bad hatten, saugt der Lehm sehr viel schneller die entstehende Luftfeuchtigkeit auf und verhindert damit dass der grösste teil mit dem ersten lüften direkt nach dem Baden wieder rausbefördert werden kann. So meine Erfahrung.
Grüsse, Marcus



Gerüche?



Frag einfach mal den Hersteller, und las dir mal die Zusammensetzung geben von diesem Lehmputz.
Wir verzichten Weitergehens auf diese industriell angefertigten putze und hatte diese von dir aufgezeigten Probleme nicht. Es ist zwar aufwendiger den Lehmputz herzustellen aber wir wissen genau was darin enthalten ist.
Grüße aus der Uckermark wo die Kraniche gerade den Himmel und die Felder mit ihren ruf die stille durchbrechen
Die lehmschwalbe



Ich als Lehmhandwerker....



...möchte nun für unsere Kundschaft eine Lanze brechen, die bisher eine derartige Situation in keinster Weise erleben bzw. uns bisher mitgeteilt haben.
Wir können Ihre Ansichten und Herangehensweisen in keinster Weise bisher nachvollziehen.
Vielleicht liegt es doch an der besagten "Feinfühligkeit" Ihrer Nasen, aber dies gleich zum Anlass nehmen, um Panik zu machen, ist eher der ungeeignetere Weg.
Gewisse Dinge wurden bisher schon angesprochen.
Welcher Lehm, welche Putzstärken, wie groß ist der Raum und ganz wichtig eben auch, welche Endbeschichtung.
Sie geben hier an, dass es letztendlich mit einer Lehmfarbe gestrichen wurde. Welches Produkt?
Sie geben auch weiter zur Antwort, dass der Lehm trocken erworben wurde. Handelte es sich dabei um reines Lehmpulver oder um getrocknete Fertigputzware?
Damit könnte z.B. erklärt werden, wenn Sie mit Lehmpulver eine Eigenmischung hergestellt haben, dass durch die verwendeten Sande eine stärer wahrnehmbare Aromatisierung der gewohnten Raumluft auftritt.
Leider ist eben nicht nachvollziehbar, woran Sie sich nun wirklich stören. Viele unserer Kunden begrüßen gerade diesen harmonischen "erdigen Duft", weil er sich von den sterilen Trockendüften etwas abhebt.
Und was Ihr Lüftungsverhalten angeht, so müssen wir hier Ihnen sagen, dass es wirklich überzogen ist, wie Sie bisher damit umgehen.
Sie brauchen eigentlich nicht mehr lüften, wie gewohnt, denn der Lehm speichert Ihnen die überschüssige Raumfeuchte und gibt Sie ganz allmählig wieder ab. Die nennt man Klimaregulierung im Gebäude.

Das nebenstehende Foto zeigt ein Bad komplett ohne Fliesen und in keinster Weise ein Anzeichen davon, was Sie hier erfahren haben.

In Erwartung weiterer Informationen aus Ihrem Bad,
mit sonnigen Herbstgrüßen,

Udo Mühle



Lehm



Hi Marcus,

Sie schreiben, dass der Lehm duftet wie beim Verputzen. Also riechen sie jetzt Ihren Lehmputz.
Normalerweise ist mineralischer Boden geruchlos, hat man Lehm mit Eigengeruch, besteht dort ein Eintrag meist organischer Stoffe und der Lehm ist nicht verwendbar.
Bei einer Mischung jedenfalls ist es müßig, sich über Geruch zu beklagen, da kein reiner Lehm verarbeitet wird.
Persönlich ziehe ich im Bad auch Kalkputz/ Kalkweiße vor.

Alles Gute



Natürlich...



...hat Lehm einen Eigengeruch und ist nicht geruchslos.
Und schon gar nicht ist er dann nicht verwertbar.

Wenn dem so sei, wären selbst die Putze namhafter Hersteller im Lehmbereich nicht verwertbar. Die riechen nämlich auch....nach Lehm eben.

Gruß
Martin



reiner Lehm



Lehm als Ton-Sandgemisch ist geruchsneutral, allerdings nimmt er schnell Umgebungsgerüche an. Dafür ist er auch bekannt, als "Luftreiniger", wurde u.a. auch in Ställen eingesetzt.
Was die Lehmprodukte namhafter Hersteller angeht, bin ich leider kein Spezialist, ich verwende lediglich reinen Grubenlehm.
Sobald dem Lehm Zuschlagstoffe zugesetzt werden, ist es kein reiner Lehm mehr und nur darauf bezog sich mein voriger Beitrag.

Alles Gute



Panik machen?



@Udo Mühle:
mal ganz langsam, um das klar zu stellen: Ich bin der absolute Lehmfan und würde das Zeug am liebsten überall hin werfen ( hab ich ja auch gemacht), eben nur im Bad würde ich es halt nicht nochmal machen.
Ich habe mir meine Beiträge nochmal durchgelesen und denke, man kann schon verstehen, was mich jetzt genau stört. Ich versuch das später aber nochmal, vielleicht kommt's dann rüber.

Zum Material:Ich habe reines Lehmpulver mit gewaschenem Mainsand gemischt (mit Mainaroma also).

Dass Du gleich glaubst, mein Lüftungsverhalten als überzogen bezeichnen zu müssen finde ich schon frech. Ich lüfte solange es feucht ist, wie auch der Luftfeuchtemesser bestätigt. Denn wie du sagst gibt der Lehm langsam die Feuchtigkeit wieder an die Raumluft ab.
Ich könnte das mit dem Lüften auch seinlassen und die Feuchtigkeit sich in der Wohnung verteilen lassen, damit sie sich im kälteren Schlafzimmer an die Wand schmiegt und mir einen weniger aromatischen Schimmelduft ins Haus zaubert. Nee, da lüft ich lieber überzogen.

In anderen Beiträgen hast Du auch geschrieben, dass ihr meist den Lehmputz im Bad in Zusammenhang mit einer Wandheizung einbaut. Da sieht die Sache bestimmt anders aus. Denn bei mir besteht der ungünstigste Fall, was die Oberflächentemperatur der Wände angeht. Zwei Wände sind noch ungedämmte 24er Vollziegelwände ohne Sonne und eine Wand zeigt zum vergleichsweise kalten Schlafzimmer. Beheizt wird das Bad mit FBH. Das begünstigt natürlich das kondensieren des Wasserdampfes auf den Wänden.
Das würde bei einer Wandheizung so nicht passieren, außerdem treibt die beheizte Wand die Feuchtigkeit auch schneller wieder heraus.

Zu deinem Beweisfoto muss ich Dir allerdings Recht geben, Da riech selbst ich nichts.
Nee im Ernst, was ich geschrieben habe ist nur ein bescheidener Erfahrungsbericht eines kleinen Selbermachers. Wenn ich damit eine Panik ausgelöst haben sollte, tut mir das leid.

@Martin
Danke für die Zustimmung, hätte ja doch beinahe an meinem Näschen gezweifelt.

@Lehmschwalbe:
der Hersteller ist Ziegelwerk Grün; reiner Lehm; glaube nicht, dass da was anderes drin ist (dazu könnte vielleicht Herr Schillberg was sagen). Ansonsten wie gesagt gewaschener Mainsand.

Jetzt nochmal auch für Udo Mühle, was ich sagen wollte. Das mit dem Geruch lasse ich jetzt der besseren Verständlichkeit halber mal aussen vor:
Lehm nimmt sehr schnell überschüssige Luftfeuchte auf, was man daran erkennt, dass selbst bei heissen Duschgängen die Fenster und Spiegel nicht beschlagen.
Im Bad ist es mir aber lieber, die Feuchtigkeit bleibt zum größten Teil in der Luft. Auch wenn ich mich nicht sofort nach der Dusche an meinem Anblick im Spiegel erfreuen kann. Dafür kann ich aber die feuchte Luft auf einmal aus dem Fenster befördern. Das macht meiner Meinung nach ein Kalkputz besser, ob mit oder ohne Wandheizung.
Dass man die Feuchtigkeit des Lehmputzes auch ohne Hygrometer an seinem erdigen Aroma riechen kann, kann man auch als Vorteil des Lehms verbuchen.
luftige Grüsse,
Marcus



der selbstgemischte Lehmputz wurdemit reinem Grubenlehm,



bestem Lößlehm aus Reinheim/Odenwald und Mainsand hergestellt. Wenn man ca- Rezeputren von 1(Lehmanteil) zu 3 (Raumteile Sand) annimmt wird der hohe Sandanteil erkennbar. Was Herr Curtis mit Lehmputzgeruch meint, das kenne ich aus einem Eigenversuch: in einem sehr kleinen Bad (5,6qm) hab ich 2 Wände mit Lehmputz + Lehmedelputz gestaltet. Nach entspannendem Badegenuß riechts nach Lehm und Sand recht erdig.
Ich stimme Herrn Curtis Ratschlag zu, bei kleinen -und vor allem schlecht belüfteten-Bädern eher Kalkputze zu verwenden.



Ich kann die Situation von Marcus...



...schon nachvollziehen. Mal abgesehen von dem Geruch (darüber zu streiten ist müßig) ist der Vorteil von Lehm mit seinem hohen Feuchtepuffervermögen schon ein Nachteil, sofern man schnell die Feuchte ablüften will.
Wenn der Lehm schnell viel aufnimmt und langsam abgibt, kann es schon etwas lästig werden. Einmal duschen und dreimal innerhalb der nächsten Stunden stoßlüften.
Ein Bad mit Lehm und Wandheizung hat den Vorteil diesbezüglich, daß ein gewärmter Lehm aufgrund der Verschiebung des Aufnahme-/Verdunstungsgleichgewichts nicht soviel aufnehmen kann.
So, und jetzt meine Beichte: Alles Geschriebene fußt rein auf meinem physikalischen Verständnis und nicht auf einem Erfahrungsbericht.
Jedoch sind meine physikalischen Erklärung deckungsgleich zu Marcus' Bericht.
Wobei man dazu sagen muß, daß eine nicht gepufferte Feuchte halt gerne kondensiert, sofern die Wände nicht sonderlich warm sind. Vielleicht der Preis für die ungedämmten Wände, Marcus.

Es erinnert mich etwas an das Rausheizen von Verputzfeuchte. Raumluft Feuchtigkeit aufnehmen lassen, Durchlüften und wieder von vorne.

Gruß Patrick.



Lehm im Bad



Ich habe in meinem Gästebad auch an einer Wand selbstgemischten Lehmputz verarbeitet und damit keinerlei Probleme, weder mit Feuchteaufnahme noch mit Geruch. Natürlich sollte nach dem Duschen ordentlich gelüftet werden.

Lehm ist eben nicht gleich Lehm.
Ich habe mir durch Mauken und Schlämmen eine passende Rezeptur aus dem Lehm der nächstgelegenen Sandgrube zusammengestellt und vorher getestet.
Wenn Lehmputz so stark hygroskopisch reagiert wie beschrieben, ist ein hoher Anteil Schluff in der Mischung.
Für mein Bad habe ich als Bindemittel ausgeprägt plastischen Ton (TA) verwendet und bin in mehreren dünnen Schichten auf die Wand gegangen. So konnte ich Schrumpfrisse weitgehend vermeiden. Die Oberfläche habe ich mit der Glättkelle ausreichend verdichtet und geglättet; die Wand ist von der Oberflächentemperatur her sicher vor Tauwasser.
Damit ist die Wasseraufnahme und das Quellverhalten stark reduziert.

Viele Grüße



Hallo Marcus,



um dem Problem weiter auf die Spur zu kommen rate ich Dir zu einem Feuchtigkeitsmessgerät.

Der Lehm nimmt rasch auf und gibt auch schnell wieder ab.

Deutlich scheller als das z.B ein Kalkputz kann (dazu gibt es auch interessante Untersuchnungen).

Luftfeuchtigkeit über 70% über einen längeren Zeitraum sollten vermiede werden.

Natürlich hängt die Auf- bzw. Abgabe auch von dem Lehm selbst sowie von der verarbeiteten Menge ab.

Ich rate meinen Kunden die sich im Bad ein Lehmfeinputz im Deckenbereich aufbringe möchten davon ab!

In meinen Bad, hier habe ich reichlich Lehm verarbeitet treten Deine Probleme nicht auf.

Viele Grüße Gerd



Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil...



...naja nicht ganz alles, aber der Hinweis von Herrn Böttcher, dass Lehm mit einem hohen Anteil an Schluff hygroskopischer reagiert, hat mir in Erinnerung gerufen, dass es tatsächlich sein kann, dass wir genau in diesem Bad den Grubensand genommen haben, den der Fliesenleger mitgebracht hat und keinen gewaschenen Sand. Ich weiss es jetzt ehrlich gesagt grad nicht mehr, könnte aber sein.
Dieser Sand hat ja im Gegensatz zum gewaschenen Sand Feinanteile mit drinnen und das könnte dann schon bewirken, dass der Putz mehr Feuchtigkeit zieht, sehe ich das richtig?

vielen Dank an dieser Stelle an alle, die sich hier so rege beteiligen.
viele Grüsse,
Marcus