Lehm fällt von den Wänden




Hallo ihr Lieben,

wir haben ein altes Haus saniert und haben es mit Lehmputz Verputzen lassen, damit die Feuchtigkeit raus kann. Auch haben wir in den Außenwänden Wandheizung verlegt, womit wir sehr zufrieden sind.
Hier zu dem Problem:
Wir wussten von Anfang an, das wir ein starkes Problem mit Feuchtigkeit haben und haben uns deshalb für den Lehm und diesen Heizungstyp entschieden. Seit Februar 2014 wohnen wir auch in unserem Schmuckstück, doch nun haben wir das Problem, das an einigen Wänden, der Lehm von der Wand fällt. Meistens an Ecken und Kannten, selten am Boden und auch nur im Erdgeschoss. Ist das Normal? Ist das etwas, womit wir leben müssen, oder stimmt etwas nicht mit dem Lehm? Erfahrungsberichte wären ganz toll. Danke



Lehm...



...ist eher nichts für dauerfeuchte Wände, Sie hätten prinzipiell lieber einen Luftkalkputz nehmen sollen, aber die Fachleute hier werden sagen: auch hier erst einmal die Feuchteursache abstellen, denn auf dauerhafter feuchter Wand hält nix besonders lang. Wo kommt die Feuchte denn überhaupt Ihrer Meinung nach her? Und die Wand ist jetzt trotz der Wandheizung feucht?
Ansonsten kann es natürlich (selbst bei trockenen Wänden) auch ein Verarbeitungsfehler beim Lehm sein. Zu dick und ohne Armierung um die Ecke oder über Balken geputzt, falsche Oberfläche (was glattes? was haben Sie für eine Wand?) bzw falsche Vorbereitung der Oberfläche usw. Ich glaube ein paar mehr Infos währen hilfreich



Lehmputz



Das klingt nach restfeuchter Wand und Kondensatfeuchte. Solche Fälle von Sommerkondensation in den typischen Wärmebrücken (Erdgeschoss, Wandecken im unteren Bereich) sind mir in den letzten Wochen häufig untergekommen. Kalkputz hilft da auch nicht außer das er nicht von der Wand fällt sondern nur Schimmelrasen trägt.
Eventuellen Feuchtenachschub von außen abstellen, ordentlich heizen und lüften.



Wandfeuchte



Grundsätzlich haben die Vorschreiber bereits alles wesentliche zu Ihrer Frage geschrieben. Die Fehlerursache kann in vielen Details liegen, die hier nicht bekannt sind, einschl. Verarbeitungsfehler (keine Verbund zwischen den Lehmputzschichten, fehlende Putzarmierung über den Fachwerkteilen). Hier müsste im Detail und vor Ort recherchiert werden.

Wenn Sie ein grundlegendes -starkes- Feuchteproblem zu Beginn der Sanierung festgestellt haben, hätte die Ursache erst einmal eindeutig festgestellt bzw. abgestellt werden müssen. Erst danach kann ein passendes Putzsystem ausgewählt werden, das ggf. auch eine unvermeidliche, dauerhafte Restfeuchte verträgt.

In jedem Fall ist dann ein Lehmputz nicht die richtige Wahl, da er sich bei einem Feuchteeintrag wieder in auflöst. Lehmputz bindet nicht ab und verbindet sich auch nicht chemisch mit dem Untergrund, wie andere Putze, sondern trocknet nur aus und haftet als Putzschale nur mechanisch auf dem - möglichst rauhen- Untergund. Fehlt diese Rauhigkeit und weicht der Putz wieder
auf, löst er sich.

Bei Interesse und zur Untersuchung der grundlegenden Feuchteproblematik kann ich mir die Situation gerne einmal ansehen. Wo im Rheinland befindet sich Ihr Haus



Danke



Wir haben das Haus vor dem Kauf begutachten lassen und es hieß damals, das zwar eine gewisse Feuchte vorhanden ist, aber diese nicht so schlimm sei. Deshalb der Lehm.
Es sind Sandstein/Bruchsteinwände, ein zweischaliges Mauerwerk, das mit allem möglichen gefüllt wurde. Man erklärte uns damals, das die Füllung mit den Jahren zusammengesackt sei und sich darauf die Feuchte sammelt . Das Haus stamm aus dem Jahr 1825.
Es wurden Putzträger, auch für die Ecken und Kanten, eingesetzt. Ich war dabei, ich habe es gesehen. Das Problem liegt fast überall ungefähr auf 1,50m höhe, nur selten am Boden. An manchen Stellen fällt auch nur die Lehmfarbe ab und der Lehm hält, an anderen fällt der Lehm ab.
Unser Haus steht am tiefsten Punkt im Ort und alle hier haben Probleme mit der Feuchtigkeit. Wir haben einen sehr nassen und Lehmigen Untergrund. Vor kurzem wurde ein Entwässerungsbecken für den Ort angelegt.
In der Planung für die Zukunft steht, das wir Drainagen durch den Hof legen - aber das ist in der Zukunft, denn so etwas ist nicht billig. Also, wir versuchen auf gut oder lang, einen Ausweg zu finden. Aber finanziell braucht das seine Zeit. Über Luftkalkputz hatten wir uns auch informiert und da hieß es, das bei starker Feuchtigkeit, oder Salze, sich Putz und Träger von einander trennen. Also das gleiche Problem wie jetzt. Jeder hat uns Lehm angeraten und das haben wir auch gemacht und ich finde, in so ein altes Haus passt es auch sehr gut. Es nervt nur.
Wir suchen Lösungen, so haben wir angefangen die stark betroffenen Wände mit Naturstein zu verkleiden (damit die Feuchte raus kann). Sie werden mit purem Kalk an die vorher behandelten Wände angebracht und bisher (1. Wand ca. 1.5 Jahre) hält es super.
Zur Info, zur Straßenseite hin, ist alles soweit trocken.
Wir heizen an den betroffenen Stellen sehr gut, aber die nachziehende Feuchtigkeit macht es nicht leicht. Auch Lüften wir sehr gut, das wurde uns schon gesagt, das wir mit Lehm mehr lüften müssen und ich lüfte sehr gerne :-). Das Dach und die Verbindung zum Nachbarn, wurde letztes Jahr saniert um die von oben kommende evtl Feuchte abzustellen. Bisher leider auch keine Besserung, also ist es wahrscheinlich einfach der nasse Untergrund.

Hier noch eine Frage, wir haben noch ein Puhl im Hof, riesig, der sich nach Leerung innerhalb von zwei Tagen wieder mit Wasser vollgezogen hatte. Denken Sie, es würde etwas bringen, wenn wir diesen zu schütten? Auch haben wir, in der Scheune (die riesig ist) einen bisher nicht genutzten Brunnen. All das trägt wahrscheinlich zu dieser Feuchtigkeit bei.



Feuchte Wände



Ihr Problem reduziert sich damit nicht auf die Frage ob Lehmputz oder Kalkputz, das ist etwas komplexer.
Damit sind wir wieder beim Thema ganzheitliche Betrachtungsweise.
Das bei Ihnen ein hoher Grundwasserstand vorhanden ist könnte bei feuchten Wänden im Erdgeschoss eine Rolle spielen muss es aber nicht- Sie schreiben unten ist es trockener als in 1,50 m Höhe.
Den Pool auszupumpen und zuzuschütten nützt nichts, er läuft trotzdem wieder mit Wasser voll, nur sehen Sie es dann nicht. Eine Dränanlage einbauen zu wollen ist bei hohem Grundwasserstand bedenklich und bei nicht unterkellerten Gebäuden meistens nicht erforderlich.
Das mit der zusammensackenden Füllung in einer zweischaligen Bruchsteinmauer ist Quatsch, außerdem hat es nichts mit dem Feuchtehaushalt zu tun. Ohne ein Querprofil der Feuchtebelastung zu messen sind solche Aussagen wertlos.
Sie sehen mit solchen Ideen kommen Sie nicht weiter wenn Sie nicht alle Gegebenheiten im Zusammenhang betrachten und mit einem soliden baufachlichen Hintergrund werten können. Dafür sollten Sie sich lieber einen Fachmann holen; vorsichtshalber nicht den der bei der Kaufbesichtigung mit dabei war.



In diesem Fall,



wie gesagt, hätten bei der Entwicklung eines Sanierungskonzeptes in einer Bestandsaufnahme die konstruktiven Besonderheiten des Objektes und seine Lage berücksichtigt werden müssen.

Ich denke, Sie haben ein massives Problem mit hochstehendem Grundwasserspiegel und eventuell zusätzlichem Schichtenwasser in einer Hang-/Tallage. Ob eine einfache Bauwerksdrainage daran etwas ändern kann, bezweifle ich, zumal bisher nicht klar ist, ob sie konstruktiv überhaupt sinnvoll ist. DIe Drainagewässer müssen zudem abgeleitet werden, in Ihrem Falle über ein Vorflut (Bach) ode über die Kanalisation, was grundsätzlich aber untersagt ist bzw. von der Gemeinde ausnahmsweise genehmigt werden kann. Eine Versickerung kommt naheliegenderweise nicht in Frage.

Eventuell muß das Problem auch konstruktiv ganz anders gelöst werden. Sie sollten jedenfalls das Thema Drainage nur in Zusammenhang mit einer nachweislichen Fachplanung vertiefen, nicht als spontane Entscheidung auf Grund beliebiger Ratschläge von Freunden, Bekannten, Handwerkern. Dazu ist das Thema zu komplex.

Bei der beschriebenen Ausgangssituation: eventuell doppelschaliges, feuchtebelastetes MW, ist der Lehmputz definitiv die falsche Entscheidung. Die betroffenen Wände mit Natursteinen zu verkleiden, wird die Feuchteproblematik nur verschieben, nicht ändern.

Sie sollten die Situation ganzheitlich untersuchen lassen und keine weiteren Einzelentscheidungen treffen, ohne den Gesamtzusammenhang zu beachten.



Wie schon gesagt gibt



es viele mögliche Ursachen. Vom der Materialqualität bis zu Untergrundvorbereitung über Verarbeitung usw..

Was sagt denn der Verputzer dazu?

Grüße aus Koblenz