Lehm fällt ab und reißt

04.11.2018 Christmasangel



Liebe Community,wir versuchen seit einem Jahr ein altes Bruchsandsteinhaus innen mit Lehmputz zu verputzen.Der Verputzer,den wir hatten,hat den Lehm 3-5 cm dick an die Wand geklatscht.Sobald er anfing zu trocknen fiel er in großen Schollen von der Wand.Er hat dann mit seinem Abschlag das Weite gesucht und wir stehen jetzt mit dem angefangenen und überwiegend hohlen Putz ,wenn er nicht abgefallen ist,da.Wie macht man Lehmputz auf Sandstein Mauerwerk richtig?.Grundierung oder Jutegewebe oder was.Sind total verzweifelt,denn bisher haben wir schon 2 Tonnen abgefallenen Lehm in Eimer und Wannen hier stehen.Wer hat einen Rat?





Am Besten ihr findet mal noch raus woher das Material stammt, wie es bezeichnet wird und stellt noch ein Bild von der Untergrundsituation ein.

Der Lehmputzmörtel haftet rein mechanisch auf dem Untergrund. Der Untergrund muss also tragfähig, saugfähig und hinreichend griffig sein. Auch dürfen keine trennungsbehindernden Stoffe anhaften und das Mauerwerk sollte zur Staubbindung mit Wasser angenetzt werden.

Auch durch die Fugen sollte das Sandsteinmauerwerk bei diesen Bedingungen einen haltbaren Putzauftrag gewährleisten.

Auf die vielerorts noch empfohlene Grundierung mit Lehmschlämme soll verzichtet werden, auch diese kann zum Verlust der Haftfähigkeit führen.

Wie gesagt der Lehm haftet mechanisch auf dem Untergrund, was durch die hohen Adhäsionskräfte der sehr feinen Tonteilchen im Lehm bewirkt wird. Der plastisch aufbereitete Lehm wird durch Anwerfen aufs Mauerwerk gebracht, das die Luft unterm Mörtel entweicht, dieser Unterdruck, der später durch die Saugwirkung des Untergrundes verstärkt wird, gewährleistet das hohlraumfreie Anhaften der Putzmasse.

Vorliegend werden diese Arbeitsschritte nicht sorgfältig ausgeführt worden sein. Auch bestehen Bedenken gegen derart große Putzdicken in einem Arbeitsgang. Die Maximalstärken pro Lage dürften so um die 3 cm liegen.

Bei der Handverarbeitung sollte diese Empfehlung (Hersteller) möglichst nicht überschritten werden.

Nach dem Durchtrocknen, kann dann nach neuerlichen Anfeuchten eine weitere Lage auftragen bis die gewünschte Stärke ausgeglichen ist. Die Oberfläche wird auf den hinreichend eingeebneten Unterputz mit einem Lehm-Oberputz in etwa 0,5 cm Schichtstärke fertiggestellt.

Der Udo vom Lehmhandwerk kann euch sicher noch weiterführenden fachlichen Rat geben.



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Putzdicken



Wie von Mario schon beschrieben, die Putzdicke darf nicht zu stark je Lage ausfallen. Ist der Untegrund auch noch ein schlecht saugender, sind die Putzlagen entsprechend dünnlagiger zu halten. Schlecht oder zu stark saugende Untergründe (Bruchstein, KS, Poroton, Klinker, Beton / Porenbeton, CaSi, ) sollten einen dünnlagigen Haftputz als Grundlage bekommen, der kann auch aus dem vorhandenen Lehmputz oder anderen Putzsorten bestehen. Wichtig ist dabei, dass die Oberfläche für die nächste Beschichtung nicht glatt sondern rau ist (z.B. durch horizontales Aufkämmen mit einem Straßenbesen, Zahnspachtel o.ä.) und dass die letzte Putzlage durchgetrocknet ist, bevor die nächste Lage angelegt wird. Ein leichtes Befeuchten (Gloria-Spritze o. ä.) des Untergrundes befördert das Anhaften des nächsten Putzes. Den Mörtel nicht zu steif (zu wenig Wasser) und nicht flüssig (zu viel Wasser) anmischen, am sichersten geht man, wenn eine Putzprobe angelegt wird.
Das abgefallene Material kann natürlich wieder verwendet werden, nur mit Wasser wieder anmischen und los geht es. Vielleicht findet Ihr ja auch noch einen richtigen Handwerker...
Frohes Schaffen und gutes Gelingen, Andreas Wugk



Danke



Danke für die Antworten.Wir werden die Tipps umsetzen.



Lehm



Foto Lehm



Lehm



FOTO





Es handelt sich um Schwindrisse, charakteristisch ist der netzförmige Verlauf..

Hier scheint die Materialeignung ein Problem zu sein. Der Putzmörtel hat einen zu hohen Tonanteil. Die Tonpartikel nehmen viel Wasser auf quellen und werden plastisch. Beim trocknen schwindet das Material aber wieder.

Dadurch entstehen Spannungen auf der Oberfläche, die zu den Rissen und Ablösungen vom Untergrund führt.

Durch eine Mischung mit Sand und pflanzlichen Fasern kann dieses Schwinden verringert werden. An diesen Zuschlägen scheint es im vorliegenden Material zu mangeln.



Wie muss man das dann mischen?Pflanzliche Fasern = Strohhäcksel?



Danke Mario,
Wie muss man das dann mischen?Pflanzliche Fasern = Strohhäcksel?Wie viel Sand,wie viel Häcksel,wie viel Lehm?



Nachmischen



Bevor man an einem Fertigprodukt dessen Rezeptur verändert sollte man wissen, um welches Produkt es sich genau handelt. Bitte teil uns doch mit, worum es sich bei dem verwendeten Material genau handelt.



Lehmputz



unabhängig davon habe ich auch kein gutes Gefühl dass Lehm auf einer glatten Feldbrandsteinwand haften kann, die noch mit einem Kalkanstrich versehen war. Die Fugen sind ja nichteinmal ausgekratzt... ich stelle mir unabhängig vom Lehm-Material schwer vor hier mit einem Putz zu arbeiten, der keine Klebekraft hat. Auch Kalkputz würde sich da schon schwer tun ohne anständigen Vorspritz, der ggf. bei dieser Wand auch fehlt und zusätzlich Halt nach unten geben könnte...



Datenblatt



Hier das Datenblatt vom Lehm



Golem



Der Universalputz von Golem (Pl) wird in Hitzacker bei asanto hergestellt und abgefüllt, ist etwas feiner abgesiebt als der Putz von asanto selbst.Auf der Produktbeschreibung fehlt der Hinweise auf die Herstellung nach DIN 18947, als Handwerker sollte man also die Finger davon lassen (Produkthaftung). Die empfohlenen Putzdicken liegen lt. Hersteller bei 8-25 mm je nach Untergrund und das Anlegen einer Probefläche. Ob man dem Material etwas Gutes tut, wenn noch Stroh oder Anderes beigefügt wird ist fraglich. Versuch es mit geringeren Putzdicken, wie schon beschrieben. Die Ersparnis am Materialpreis kommt nun durch die Hintertür mit Aufschlag zurück.





Der universale Lehmputz kann laut Merkblatt bis 2 cm rissfrei ausgeführt werden, sofern er mit Strohhäckseln abgemagert wird.

Zitat:

"Der Lehmputz Universal schluffig, feinsandiger Unter- und Oberputz mit berückend sanfter Haptik. Bei fachgerechter Verarbeitung sandet er nicht ab und bietet eine ideale Oberfläche für die weitergehende Beschichtung mit einem diffussionsoffenen Anstrich oder einem Lehmputz. Dieser Lehmputz ist das ideale Material zur Herstellung der eigentlichen, raumklimatisch wirksamen Putzschicht. Stärken bis 2 cm sind rissfrei auszuführen, hier wird mit Strohhäckseln abgemagert. Als Zweilagenputz ist diese Material ab einer Auftragsstärke von 8 mm auch als Oberputz gut geeignet. Wir sieben diesen Lehmputz mit 3 mm Sieben und liefern ihn in BigBags. Eine Tonne reicht bei 1 cm Auftragsstärke für gut 60 qm. Bewusst liefern wir diesen Lehmputz ohne Strohhäcksel um keine unerwünschten Kompostiervorgänge bei langer Lagerung zu provozieren. Das Stroh liefern wir gerne extra, so bleibt dieses Material wirklich unbegrenzt lagerfähig."





Der Untergrund schaut komisch aus. War da Zementputz oder ähnliches?
Wurde diese abgebürstet und vor dem Aufbringen des Lehm nass gemacht?
Als ich das erstemal Lehm an die Wand gebracht habe ich geübt.
Das würde ich euch auch empfehlen.
Nimm einen Baubotich Lehm und soviel Wasser rein, bis der Lehm cremig ist, dann ein Stück Wand reinigen und nass machen und drauf mit dem Batz.
So kannst du sehen, wie nass der Lehm sein muss und dann weißt du wie es weiter gehen kann.
Auch erscheinen mir Höhe, die ihr raufmachen wollt etwas zu viel für einmal putzen.
Wenn es notwendig ist, dann auf zweimal.
Zumischen würde ich zunächst nichts, wenn, dann nur nach Rücksprache mit dem Hersteller.

Kopf hoch, ihr könnt das, wir haben es auch gelernt.
Viel Erfolg

Klaus



Danke



Danke an alle hier für die Ratschläge.Haben wir denn was falsch gemacht mit dem Lehm von Golem?Warum muss man den sieben?Die Untergründe sind sehr unterschiedlich,mal der pure Bruchsandstein,dann mal alte Ziegelbacksteine.Wir wollten den Putz ja ursprünglich selber machen,aber bei meinem Mann wurde dieses Jahr zwei mal Krebs diagnostiziert,Bestrahlungen und OPs haben viel Kraft und Energie gekostet.Darum haben wir dann jemand engagiert,der aber nach dem Abschlag abgehauen ist und uns mit dem angefangenen gerissenen und abgefallenen Putz sitzen ließ.Nun haben wir bei 2 Firmen angefragt,die verlangen 8-10000 € für die 100 qm² Lehmputz,ist das normal?



Dieser Preis ist eine Unverschämtheit



In welchem PLZ Bereich liegt das Haus?
Da kann man bestimmt mit viel weniger Geld etwas machen.

Vielleicht hilft dir dieser Hinweis:
https://www.dachverband-lehm.de/firmen
Einfach nachlesen und fragen.

Viel Erfolg

Klaus



Leistungsumfang



Was soll denn genau gemacht werden/ was ist in dem Angebot enthalten ? Nur der Grundputz oder noch weitere Arbeiten an der Oberfläche, Anstriche usw ? Fensterleibungen, Ecken, Kanten, neues Material und Transport in welche Etage, habt Ihr Kraftstrohm und Wasseranschluss im Haus ?



Leistungsumfang



ist doch bei diesem Preis klar: Wände vergolden.
Es ist doch ein Unding, 100€ für einen Quadratmeter Lehmputz zu verlangen.
Für diesen Preis fahre ich gern an und mache es und es wird erst bezahlt, wenn alles fertig ist und nach einem Jahr noch in Ordnung ist.

Solche "nette" Handwerker kenne ich auch und habe auch mein Lehrgeld dafür bezahlt, aber dass das immer noch so gemacht wird?

Klaus



Leistungsumfang und Haus steht in 66564



Danke euch!
Also Starkstrom und Wasser ist bereits vorhanden.Es müssten halt ca 100 qm² Lehmgrundputz und als letzte Schicht Lehmfeinputz aufgetragen werden.Es sind 3 Fenster 1,25 x 0,85 m vorhanden und 2 Balkontüren 2,00 x 1,00 m ,deren Laibungen auch verputzt werden müssten.Was sind denn so die üblichen qm² Preise für Lehmputz?