Fachwerkscheune restaurieren

11.07.2008



Hallo Lehmfreunde! Bin neu hier...

Ich habe hier eine alte Scheune mit einem ganz tollen Holzfachwerk. Die Balken sind sehr schön glatt, wurmfrei und solide.

Die meisten Fächer sind leer, manche mit Lehmfach. Jetzt kam mir die Idee, da kann man was draus machen. Keinen Wohnbereich aber einen Hobby-Bereich für den Sommer zum gemütlichen Zusammensein.

Ich dachte es wäre eine gute Idee mal zu schauen, wie die vorhandenen Lehmfächer konstruiert sind. Doch statt Erleuchtung nur noch mehr Fragezeichen. Da scheint beinahe in jedem Fach eine andere Bauweise verwendet worden zu sein. In manchen ist ein Geflecht aus Zweigen, in anderen gemauerte Lehmziegel, wieder andere scheinen aus einem massiven, wie gegossen aussehendem Lehmblock gemacht zu sein. Dann gibts noch welche mit gebrannten Ziegeln und Lehmmörtel, eins mit gemauerten Bimssteinen und zu guter letzt auch noch eins mit Schilfrohr.

Ich bin nun weisgott kein gelernter Maurer. Das ganze soll nur ein Hobbyprojekt werden wo am Ende etwas halbwegs ansehnliches herauskommen soll. Die Fächer sollen an der Sichtseite schön glatt sein und am besten mit weißer Kalkschicht abgeschlossen. Es handelt sich um Innenwände, es besteht kein Anspruch auf besondere Wärmedämmung.

Doch wie anfangen? Die noch gefüllten Fächer sind sehr uneben, der Lehm ist teilweise 10 cm höher als der Holzrahmen. Die möchte ich egalisieren und anschließend schön verputzen.

Bei den leeren Fächern bin ich mir noch nicht sicher, was ich da machen will. Die Bauweise mit dem Holzgeflecht finde ich sehr interessant aber scheint mir auch ziemlich kompliziert zu sein. Gemauerte Lehmziegel sind einfacher zu handhaben, oder?

Was empfehlt ihr einem "Anfänger"?



Wenn du es selber machen möchtest



Hallo Lehmbauinteressent
Der Anfang ist doch schon gemacht.
Du hast ja selbst einige Möglichkeiten aufgezählt wie man die Fächer ausfüllen könnte. Eine der einfachsten ist in deinem Fall die Fächer einzuschalen und mit Strohlehm auszufüllen ein paar Vorbereitungen sind dazu möglicherweise zu treffen.
Ich würde Dir ein Buch empfehlen von Franz Volhard – Leichtlehmbau.
Grüße von der Lehmschwalbe aus der Uckermark



Danke für den Buchtip



Ich hab grad mal bei Amazon danach geschaut. Da will doch tatsächlich einer 410 Euro für die Ausgabe von 1995 haben... Es gibt auch welche von 1988, welche ist denn die richtige?

Dein Vorschlag mit dem Einschalen wurde hier wahrscheinlich bei dem einen Fach angewendet das aussieht wie gegossen. Ein Holzgeflecht ist da jedenfalls nicht drin. Man sieht es recht gut weil bei allen Fächern an manchen Seiten die Ränder etwas ausgebrochen sind. Welche Hölzer hat man eigentlich früher für das Holzgeflecht genommen? Weiden? Wurden die frisch eingesetzt oder getrocknet?





Das mit dem buch tut mir leid meine Auflage ist von 1995.
Mit dem Geflecht ist es sicher regional unterschiedlich, in unserer Region hat man gebeilte Eichenstaken benutzt und diese senkrecht in dem Fach in einer unten und oben eingestemmten Nut straf eingeschlagen.
Dann mit Strohlehm ummantelt und man benutzte Langes Stroh was heute kaum noch zu bekommen ist. Wir haben in den senkrechten Stielen, Säulen, Ständer oder Pfosten 3+3 cm Nuten gefräst und nach allen 20-30 cm Strohleichtlehm eine wagerechte Starke aus Kiefernholz eingeschlagen. Keine Angst ummantelte Hölzer im Lehm sind so gut wie Konserviert. Nach den Trocknungprotzes haben wir in der setzungsfuge noch einmal Strohleichtlehm eingestampft. Später Lehmputz und sind heute sehr zufrieden.
Ich glaube auf dem Bild sieht man die fertige Stelle vom ersten Bild.
Noch ein Buchtipp wäre Lehmbau-Handbuch von Gernot Minke.



Festigkeit



Egal was Sie in Ihren Gefachen vorfinden, solange diese Ausfachungen fest und stabil sind, brauchen Sie diese auch nicht zwingend zu entfernen.
Vielleicht die Bimsgefache und Schilffelder, doch die anderen würden wir belassen.
Die restlichen Felder mit Lehmsteinen aussetzen (Dreikantleisten umlaufend nicht vergessen!) und Sie werden merken, dass diese Arbeiten Spaß bereiten.
Die Variante mit den Lehmsteinen ist eine Trockenlehmtechnik, wo nur der Feuchte Lehmmauermörtel eingebracht wird.
Sollten Sie sich für die Naßlehmtechniken entscheiden, so sind enorme Trocknungszeiten und auch Schwundsetzungen zu erwarten.
Auch das Thema Schimmelbildung wäre da nicht zu vergessen!
Nachher sämtliche Gefache innenseitig mit Lehm Verputzen und fertig.
Was soll außenseitig passieren?
Eine Heizung würde ja auch nicht integriert werden?
Um welche Kubatur würde es sich denn bei Ihnen handeln?
Vielleicht auch einmal ein Foto vom Objekt.

Grüße in den Sonntag

Udo Mühle



Kubatur



Jetzt mußte ich erstmal nachschlagen, was der Begriff Kubatur überhaupt bedeutet ;-) Bin ja kein Bauingeneur... Es handelt sich um eine einfache Scheune mit Spitzdach, am Giebel etwa 6 Meter hoch, 8 Meter breit und 15 Meter lang. Die Hälfte bis 2 Drittel des Innenraums ist und bleibt ungenutzt, da hier noch Stroh und Heu gelagert sind. In dem kleineren Teil, welchen ich Restaurieren möchte, gibt es zwei große Fachwerkwände, welche insgesamt gut erhalten und mit Lehmfach gefüllt sind. Eine dritte Wand ist nur halb hoch und dort sind die Fächer allesamt leer. Die vierte Wand wurde schon einmal abgerissen und komplett durch gemauerten Ziegel ersetzt.

Die Fachwerk-Wände bilden allesamt gemeinsame Wände mit angrenzenden Stallungen (Vierseitenhof). Die Wandseiten in den Stallungen kann ich später auch noch glatt verputzen, aber nicht alles mit einmal.

Was dann noch fehlt ist eine Zwischendecke, derzeit kann man bis zum Dach durchschauen. Ich möchte eine einfache Holzdecke einhängen. Einfacherweise aus Profilholz, es sei denn es gibt bessere Vorschläge.