Lehm auswittern

26.10.2021 IanFraser


Hallo,

ich würde gerne über den Winter Lehm aus Abbruch draußen auswittern lassen - hat jemand aus dem Forum Erfahrung damit gesammelt? Schichte ich am besten einen Hügel auf oder bringe ich den Lehm flach aus?





Der Grubenlehm wird zu Mieten von ungefähr ein Meter Höhe und ein Meter Sohlbreite geschichtet.

Das Prinzip das man sich bei der Witterungsexposition zu Nutze macht ist, das durch wechselhafte Temperatur und Feuchte die Tonminerale ständig wiederkehrend aufquellen und schrumpfen und so die Struktur mürbe und damit gelockert wird.

Das Auswintern nutzt zusätzlich die Frostsprengung des gefrierenden Porenwassers zum Aufschluss. Hierfür muss die Lehmmasse mindestens erdfeucht sein.



Danke für die Anleitung



Danke für die fachkundige Antwort.

Ich wollte das mit Lehm aus Abriss machen, um die Kiesel zu trennen. Macht das überhaupt Sinn?





Das Verfahren dient der Aufbereitung von rohem Lehm um die Tonminerale im natürlichen Bodengemisch zu dispergieren. Bei Lehmbaustoffen aus Rückbau ist dies bereits vollbracht. Diese Materialien werden durch sumpfen wiederverwendbar.

Hier ist entscheidend zu welcher Verwendung man das Material neuerlich bestimmt.

Kiesbeimengungen stören bei Unterputzen in der Regel nicht.

Soll besonders feines Material separiert werden wäre es bei kleineren Mengen möglich, die Materialien zu einer Lehmschlämme aufzurühren, bei der sich dann schwere Bestandteile zunächst am Boden sammeln und dann durch ein Sieb zu streichen.

Größere Mengen sollten stark ausgetrocknet werden, die Lehmmasse kann grob zerkleinert, beispielsweise kraftsparend in der Mischmaschine "pulverisiert" werden. Danach kann man durch sieben recht leicht die entsprechenden Kornfraktionen abscheiden.



Tolle Informationen



Hallo Mario,

vielen Dank für die tollen Informationen und die Zeit die du investiert hast mit so ausführlich zu antworten.



Nur ohne organische Bestandteile!



Wenn in dem "Recycling"-Lehm organische Bestandteile, wie Stroh, Heu, viele tote Insekten, organischer Staub, usw., enthalten sind, ist es sehr kritisch den Lehm länger feucht zu halten! Diese Bestandteile fangen an zu verrotten und/oder wenn die Temperatur passt, wird Schimmel keimen. Einen einmal mit Schimmel verseuchten Lehm sollte man am Besten gleich entsorgen. Denn den nochmal zu Verarbeiten macht keine Freude.
Wenn du nur größere Steine aussortieren willst, macht das längerfristige Auswittern keinen Sinn, bzw. wäre mir viel zu riskant. Um wieviel Tonnen/Kubikmeter geht es denn? Wenn es für reine Handarbeit zu viel ist, kannst du, wie Mario schon schrieb, den Lehm in einem "normalen" Betonmischer durch Zugabe von ein paar großen, runden Kieselsteinen zerbröseln, oder indem du den Lehm auf einer sauberen Betonfläche ausbreitest und mit einer kleinen Rüttelplatte drüber fährst. Anschließend kannst du die Steine mit einem schräg stehenden Durchwurfsieb aussieben. Beide Verfahren sind halt recht laut, mit der Rüttelplatte gehts schneller, staubt aber u.U. mehr. Ein Durchwurfsieb man ganz einfach selbst bauen: An einen Rahmen aus Dachlatten, auf den ein Armierungsgewebe gespannt (getackert) wird, werden zwei kurze und ein oder zwei lange Beine dran gespaxt, die mit Gewichten beschwert werden, damit das Sieb beim Durchwerfen des Lehms nicht umfällt. Die Maschenweite des Gewebes ergibt das Größtkorn im Lehm.



Gute Tipps



Der Hintergrund meiner Frage:

im EG haben wir vor 2 Jahren im Zuge der Innendämmung mit Holzweichfaser, den alten Lehm zunächst mit der Zahntraufe aufgetragen und dann verputzt, was wunderbar funktioniert hat und dank der hohen Strohanteile des histor. Materials seitdem rissfrei ist. Negativ waren die vielen kleinen Kiesel, die den 1. Schritt mit der Zahnkelle sehr mühsam machten. Da die Fläche überschaubar war, ging das aber.

Beim Dachgeschossausbau nächstes Jahr wollen wir ähnlich vorgehen und die als Unterbeplankung vorgesehene hfa Maxi Platte von Steico so verputzen. Es sind noch einige Tonnen Material vorhanden, daher würde ich diese gerne verwenden, zumal nach den positiven Erfahrungen aus 2019.

Der Lehm liegt überdacht und trocken. Ich hatte mich nun gefragt, ob ich die Zeit für mich nutzen kann, die Kiesel zu separieren. Dank Eurer Antworten wäre das Auswittern eher fatal, die Variante mit dem Betonmischer und Sieb scheint praktikabel. Ich frage mich nur, ob ich dadurch am Ende Zeit spare, oder mehr Zeit investieren werde.

Macht es ansonsten Sinn eine andere Maschine zu erwerben (die ich im Anschluss wieder verkaufen könnte)?



Re: Gute Tipps



"Ich frage mich nur, ob ich dadurch am Ende Zeit spare, oder mehr Zeit investieren werde."
Du wirst wohl eher mehr Zeit investieren. Übe lieber in dieser Zeit den Putz manuell aber ohne Zahntraufel, nur mit einer "normalen" Glättscheibe aufzuziehen. Dann kannst du dir die "Pulverisierung" und Aussieberei sparenund musst den Lehm nur noch einweichen und verarbeitungsgerecht anrühren.
"Macht es ansonsten Sinn eine andere Maschine zu erwerben (die ich im Anschluss wieder verkaufen könnte)? " Wenn du den Putz nur mit einer Zahntraufel gleichmäßig dick aufziehen kannst, wohl eher nicht.
Schau dir mal z. B. auf youtube ein paar Filmchen dazu an, da siehst du wie eine Putzmaschine den Putz an die Wand spritzt und kannst dir überlegen ob du den dann mit der Kartätsche eben abziehen kannst.
Davon abgesehen, für stroharmierten Lehmputz kann man nicht jede Putzmaschine verwenden, dazu brauchts welche die das Material fördern können. Auf der website von Claytec gibts eine List von Putzmaschinenhersteller die strohlehmfähige Modelle anbieten. Manchmal, wenn man Glück hat, findet man eine Gebrauchte in der E-Bucht, oder bei Maschinensucher.de, usw.. Aber Vorsicht, die können alle nur mit Strohhächsel armierten Putz fördern. Für Strohlehm im eigentlichen Sinn, also Lehm mit Langstroh, wie er "historisch" hergestellt wurde, gibt es keine. Besser gesagt, kenne ich keine.



Nachfrage



Hatte die Zahnspachtelung wegen dem geplanten dickschichtigen Putzauftrag gemäß Datenblatt des Herstellers vorgesehen. Als Alternative wird eine Lehmgrundierung angegeben, diese zu verwenden, wollte ich durch den Auftrag mit der Zahnkelle vermeiden.

Hatte auf vertikalen Flächen mit dem Auftrag mit der Zahnkelle als 1. Schicht sehr gute Erfahrung gemacht und dachte für die Dachschräge wäre es ebenfalls (insbesondere) vorteilhaft. Ich lese deiner Antwort so, dass, bei meinem historischen (langfaseriger Stroh)Material ein 2-lagiger Aufbau eventuell genügen würde? Verstehe ich dich an der Stelle korrekt?



ach



da ist er ja wieder, ich hatte ihn schon fast ein wenig vermisst.

bitte den Troll nicht beachten



Re: Nachfrage



Zur Zahnspachtelung hatte ich dich wohl falsch verstanden. Dachte du würdest den Putz aufzahnen und diese Zahnung anschließend glätten um eine gleichmäßige Dicke der Schicht zu erreichen.
Ansonsten ist es richtig, mittels eine gezahnt aufgezogenen Schicht kann man auf glatten ( z. B. GK-/GF-/OSB-Platten) und/oder nicht saugenden Flächen (z. B. Beton) eine sehr haft-/tragfähige Haftbrücke für nachfolgende dicke Putzschichten herstellen. Auf den nicht saugenden Untergründen nimmt diese gezahnte Masse auch gleichzeitig etwas Feuchtigkeit aus der nachfolgenden Putzschicht auf, man kann sie dadurch einfacher verarbeiten (dicker aufziehen oder den Mörtel etwas flüssiger anrühren).
Diese gezahnte Haftbrücke sollte aber aus einem Lehm sein, der besser klebt, als die nachfolgenden Schichten. Ich verwende dazu Lehm-Klebe-und Armierungsmörtel. Auf Beton, GF-/GK-Platten kann man auch z. B. preisgünstigeren Fliesenkleber, o. ä. verwenden.



Reichweite BigBag



Wie kommt man denn mit einem BigBag Lehmkleber als dünne Zahnspachtelung aufgezogen? Ungefähre qm? Wäre ja für mein Vorhaben, dann uU sehr zeitsparend, dann könnte ich im Anschluss das vorhandene historische Material ohne große Zwischenschritte verwenden (s.o.).

Als hat jmd eine ungefähre Angabe zur Reichweite?



Re: Reichweite



Lehmkleber im BigBag gibt es, soweit ich weiß, nur von Rapido. Die geben aber keine Auskunft über Haft- und Druckfestigkeit. Den am besten haftenden Kleber stellt Claytec her. Den gibt es aber nur als Sackware.

"Als hat jmd eine ungefähre Angabe zur Reichweite?"
Die Ergiebigkeit steht in den Produktdatenblätter der Hersteller, nach dem Motto soundso viele Kilos ergeben soundso viele Liter.
Der Rest ist eine einfache Volumenberechnung: Putzfläche mal Putzdicke. Bei einem gezahnten Auftrag noch "geteilt durch zwei", weil ja nur die Hälfte der Fläche bedeckt wird, die andere Hälfte von der Zahnung frei gelassen wird.
Siehe z. B. hier: https://www.claytec.de/de/produkte/innendaemmung/lehmklebe-und-armierungsmoertel_pid341