Wandaufbau Backstein/Lehmziegel?

10.11.2005 JR



Hallo, ich möchte die Außenwände meines Fachwerkhauses neu ausmauern.
Der Wandaufbau soll so aussehen, dass auch eine einigermaßen gute Isolierung erreicht wird.
Da es für den Wandaufbau viele Möglichkeiten gibt, habe ich mich für die Variante der „doppelten Wand“ entschieden. Ich möchte das Fachwerk außen mit alten Backsteinen sichtbar ausmauern. Innen möchte ich eine zweite Wand hochziehen und den Zwischenraum mit Füllmaterial auffüllen. Nun kommen meine Fragen: 1. Kann ich für die innere Wand auch einen alten Backstein verwenden, oder sollte dieses ein weicher Lehmziegel sein?
2. Mit welchem Material sollte man die „Hohlschicht“ auffüllen?
3. Welchen Innenputz sollte man anbringen?
4. Was ist sonst noch zu beachten?
Vielen Dank im Voraus.
Gruß, Johannes



Diffusion



Wie Du schon sagst - es gibt viele Möglichkeiten...
normalerweise sollte in der Wand die Diffusionsfähigkeit von innen nach außen zunehmen, damit anfallender Waserdampf den Weg nach draußen findest. (Du dampfst immerhin ca. 2 kg Wasser am Tag aus...)Wenn Du jetzt z. B. innen Lehm verwendest, riskierst Du Kondenswasser an der Aussenseite der Dämmung. Deshlab wird eine Vorsatzschale aus Ziegeln hinterlüftet, aber das geht ja schlecht beim Fachwerkgefach... Das ist ein grundsätzliches Problem von der Variante der Innendämmung. Wenn Du außen gebrannten Ziegelstin verwendest, kommst Du nicht um eine Dampfsperre herum, außer Du verwendest für die Dämmung Hartschaum oder Schaumglas. (Nicht sehr ökologisch...)Der Lehm oder der leicht Zigele auf der Innenseit schafft Dir aber tolles Klima, weil hier die Feuchtgkeit gut gespeichert und nach und nach wieder abgegeben werden kann. Innenputz auf Lehm natürlich ein schöner Lehmputz! (Müßte auch auf Ziegel ok sein)
Soviel in 3 Sätzen...
Gruß
Christiane



alte Backsteine sind hygroskopisch



HalloJohannes,
Dein geplanter Wandaufbau wirft kaum bauphysikalische Probleme auf, da die alten Feldbranntsteine/Backsteine in der Regel ein sehr gutes hygroskopisches Verhalten haben.
Mach die Innere Vorsatzwand aus Leichtlehmsteinen, z.B. LehmLeichtbaublöcken 8 DF-Format und verfülle den Zwischenraum wiederum mit Leichtlehm,der nahezu erdfeucht eingebaut und leicht verdichtet wird. So ist der Anschluß an die Backsteinausfachung gewährleistet,der Wandaufbau ist homogen. Wichtig ist,daß an der Wetterseite durch bauliche Maßnahmen (guter Dachüberstand, notfalls Holzverschalung hinterlüftet etc.) zur Minderung von eindringendem Schlagregen gemacht werden.
Auf Wunsch kann ich Dir eine bauphysikalische Berechnung (K-Wert + Dampfdiffusion) anbieten.
Natürlich haften auf Lehmsteinen am besten Lehmputze, LehmFarben,LehmStreichputze.
Schau mal rein unter www.texbis.de. Da gibts viele beispielhalfte Konstruktionsdetails,auch Seminare für SelbstbauerInnen.
Herzl. Grüße

Klaus Schillberg



Kondenswasser



wird sich zwar bilden, wird allerdings , wenn du den Zwischenraum mit einem minerqalischen Leichtlehm verfüllst, von diesem Aufgenommen und kontroliert abgegeben. Eine Wandflächenheizung ist in meinen Augen immer eine der besten Lösungen. Mit lehmigen Grüssen Martin



Hab dasgleiche Problem



Hallo liebe Fachwerk-Gemeinde, Hallo Johannes,
ich stehe vor einem ähnlichen Problem wie du.
Bei mir geht es um ein Fachwerhaus-Neubau:
Der Statiker hat mit Ziegel im Fachwerk und 24er Leichtlehm-Wand und Lehmputz gerechnet (alternativ 24er Poroton).
Leider muß ich aus statischen Gründen Poroton vorziehen.
Mein Zimmermann schlägt eine hinterlüftete Schale mit Wärmedämmung vor (ja, er ist von der konservativen Sorte :-). Einen Wandaufbau ohne Hinterlüftung aber mit Poroton habe ich mit meinem Zimmermann auch schon durchgesprochen, aber er sieht den eindringenden Regen als problematisch. Er will die Feuchtigkeit wie oben gesagt durch die Luftschicht und "Z-Folie" ableiten.
Was haltetIhr davon?
Läßt sich ein Aufbau ohne Luftschicht realisieren?
Hallo Herr Schillberg, wir kennen uns vom letzten Grundofen-Seminar (die Zeit war leider knapp zum Schluß um Details durchzusprechen).
gruß
Alexander Schelle



Lösungen....



... habe ja mal auf die möglichen Probleme aufmerksam gemacht, aber ein homogener Wandaufbau wie von Herrn Schillberg geschildert bietet sicher eine sorgenfreie Lösung!
(Viele Grüße an Herrn Schillberg an dieser Stelle, auch wir kennen uns von einem Seminar, leider habe ich noch nicht weitreichendere Erfahrungen mit realisierten Aufbauten mit Leichtlehm machen können - werbe aber fleissig dafür und freue mich auf weitere Kontakte!)
Christiane



@Alex Schelle-Poroton ist hyper-hygroskopisch



Hallo Herr Schelle,
im Fachwerk als nichttragende Ausfachung haben Poroton-Steine nun wirklich nichts zu suchen,da die Steine hoch sensible,dünne Außenwändchen haben,hoch porös und wassersaugend.Damit ich nichts falsch verstanden habe: sind die 24er Porotonsteine bei Ihrem Neubau-Fachwerkhaus als Außenwand teils statisch tragend und teils als nittragende Ausfachungen geplant? Damit nix schief geht,können Sie gerne Ihren geplanten Wandaufbau von Außen nach Innen,alle Bauteilschichten kurz beschreiben und mir durchmailen.
Dann kann ich das ganze mal bauphysikalisch nachprüfen und ggfalls Alternativvorschläge erarbeiten.
herzl. Grüße
Klaus Schillberg, www.texbis.de



Oje, da hat man mich mißverstanden.



Also der Wandaufbau siht folgendermaßen aus (von außen nach innen):
1. Fachwerk mit Weichbrandziegel ausgefacht
2. Luftschicht
3. Dämmung
4. Innenschale aus Poroton
so ähnlich habe ich den Aufbau in vielen Neubau-Fachwerkhäusern gesehen. Was natürlich nicht heißen soll, das es die ultimative Lösung ist.
Ich bin in diesem Fall sehr an anderen Lösungen interessiert.
Ich hoffe ein bischen zur Aufklärung beigetragen zu haben.
gruß
Alexander Schelle



Dann ist das ja kein Problem mit Diffusio etc.



Hallo Herr Schelle,
gut,daß jetzt alles klar liegt. Verzichten Sie auf Dämmung und Luftschicht, verfüllen Sie den Zwischenraum mit mineralischem Leichtlehm (ein erfeuchtes Gemisch aus z.B.Perlite + Lehmpulver , ca 1:4 im Zwangs-oder Betonmischer feucht anmischen). Das ganze sollte nur kurz,ca 1 Minute im Mischer sein, sonst saugt sich die Perlite mit Wasser voll.Ein anderer Zuschlagsstoff wäre Naturbims-Leichtlehm, ist aus der deutschen Heimat aus dem Rheinland,kann sogar per Schiff in Ihre Nähe geliefert werden.Was auch geht ist Korkleichtlehm. Vorteil bei Kork: er braucht beim Mischen wenig Wasser,d.h. Sie bringen wenig Baufeuchte ein. Nachteil beim Kork=der höhere Preis. Eine andere, ganz einfache Lösung wäre eine Schüttung aus Korkgranulat. Falls da mal Schlagregen durch die Feldbranntsteinfuge eindringt, ist das dem Kork egal(siehe verkorkte Weinflasche). Nachteil,nur auf Wetterseite: das Wasser fällt nach unten, die Fachwerkschwelle kann langsam von hinten unsichtbar verfaulen.
Beste Lösung: an Wetterseiten Korkleichtlehm, sonstige Fasadenseiten: eine Korkschüttung.
Übrigens...da der Klimawandel eh vor der Tür steht, ist das mit dem Taupunktproblem in 50 Jahren eh nicht mehr so dramatisch.
Beim Innenputz mit Lehm auf Poroton ist in jedem Fall zuerst die unglaubliche hohe Saugfähigkeit vor Putzauftrag mit Tiefengrund oder Kalk-Zemtenvorspritzputz zu mindern.
herzl. Grüße
Klaus Schillberg



Hallo Klaus,



wir kennen uns zwar noch nicht , habe allerdings bereits viel von dir gehört. Wenn es darum geht eine zu stark saugende Wad zu für das Verputzen mit Lehm vorzubereiten reicht ein gutes vornässen dieser immer aus. Es sei den mann will die Haftungseigenschaften des Untergrundes beeinflussen. Und da würde ich einen Kalktraß Vorspritzer eher als geeignet ansehen. Mit lehmigen Grüssen Martin



Vielen Dank für die Unterstützung



Hallo Herr Schillberg, Hallo Herr Elzenbeck,
Dank nochmal für Ihre Tips.
An das Verfüllen des Hohlraums mit Lehm habe ich auch schon gedacht, war mir nur nicht sicher ob das mit den Porotonsteinen auch harmoniert.
Ganz auf Dämmung verzichten? Kann man da nicht was mit Holzweichfasermatten oder Schilfplatten machen?
Ist das mit dem Taupunkt wirklich so unkritisch? Wäre das nich besser wenn der Taupunkt nicht gerade in der Wand liegen würde?
Sorry Johannes wenn ich mich in deinen Beitrag eingeklickt habe. Einen Parallel-Thread dafür aufzumachen halte ich nicht für sinnvoll, da die Experten sich auf ein Thema konzentrieren können.
gruß
Alexander Schelle



Leichtlehm ist Wärmedämmung,Korkgranulat ebenso



Hallo Herr Schelle,
die von mir vorgeschlagene Zwischenfüllungen mit mineralischem Leichtlehm,Korkleichtlehm oder Korkgranulat stellen eine gute Wärmedämmung dar. Die 24er Porotonwand dämmt schon allein recht passabel. Zusätzliche Dämmstoffe einzubauen halte ich für nicht notwendig,zumal dann der Taupunkt zum Problem werden kann. Der 2-schalige Mauerwerksaufbau mit Zwischenfüllung ist homogen,es gibt kein Tauwasserausfall in den Bauteilen.Außerdem ist das ganze auch baupraktisch in der Ausführung kein Problem, die Verfüllung wird beim Mauern der Porotonwände parallel eingefüllt. Auf Wunsch kann ich Ihnen gern eine K-Wert und Taupunktberechnung für Ihren Statiker erstellen.
Hierzu erbitte ich eine gesonderte mail an: info@texbis.de
herzl. Grüße:
Klaus Schillberg