Lattung, Vertikal, Sperre, selten, Fachwerk

08.08.2010



Ich habe 1995 ein älteres umgebautes Haus bestehend aus Nutzfachwerk teils Massivbauweise gekauft. Die Außenwände bestehen teils aus einer Fachwerkkonstruktion und teils in Massivbauweise aus Zement-Bims Hohlblocksteinen. Sämtliche Außenwände sind zum Teil Verputzt und dessweiteren mit Zementschindeln versehen. Die Gebäudesupstanz am Fachwerk lässt optisch kein schönes annehmbares sichtbares Fachwerk zu, daher wurden sämtliche Außenwände zu einem früheren Zeitpunkt verputzt oder mit Zementschindeln verkleidet. Ich möchte nun an dem Gebäude eine Vollwärmeschutz Fassade wie folgt anbringen. Auf der Wandaussenseite eine Vertikal Holzlattung aufbringen, danach wird eine Horizontallattung aufgebracht. Es entsteht somit ein Luftspalt vom etwa 3 cm, entsprechend der Stärke der Vertikal Lattung. Danach werden 14 cm VWS Styrodur Elemente 50x100 cm an der Horizontal Lattung mit VWS Dübeln befestigt. Danach wird der übliche Kleber - Gewebe- Spachtel - Voranstrichgundierung - Oberflächenputz aufgebracht. Auf eine Be- oder Hinterlüftung an der Außenfassade soll verzichtet werden, da dies die Wärmedämmung beeinflussen würde. ( Die erwärmte Luft steigt nach oben, kühlt ab und fällt wieder nach unten) Selbstverständlich werden an allen Innenwänden eine Dampfsperre eingebaut. Ich wäre Ihnen Sehr dankbar, wenn Fachleute mir mitteilen könnten ob diese Ausführung in Ordnung ist oder ob noch etwas zu Beachten wäre.



Was denn nu, mit oder ohne?



Und warum?

>>>“Auf der Wandaussenseite eine Vertikal Holzlattung aufbringen, danach wird eine Horizontallattung aufgebracht. Es entsteht somit ein Luftspalt vom etwa 3 cm”<<<

>>>“Auf eine Be- oder Hinterlüftung an der Außenfassade soll verzichtet werden, da dies die Wärmedämmung beeinflussen würde.“<<<


Diese Ausführung ist alles andere als in Ordnung!



Grüße aus Schönebeck



Aufbau/Konstruktion



Sehr geehrtes Mitglied aus Schöneberg

Luft ist bekanntlich aus ein Isolator - um einer Schimmel - Schwammbildung im Holzwerk vorzubeugen daher der Luftspalt, jedoch ohne zuätzlicher Be- Entlüftung. Vergleichbar wäre diese Konstruktion mit einem Kaltdach , wobei bei einem Kaltdach die Isolierung am Dachbodenbereich vorhanden ist.

Wenn Sie mir einen fachlich guten Ratschlag was bei meinem beschriebenen VWS Aufbau falsch oder besser wäre so teilen Sie mir dies kurz mit. Für Ihre Nachricht besten Dank im Voraus.





Hallo Rainer,

Eben der Luftspalt zwischen Wand und Dämmung ist falsch.
Mit einem Kaltdach können Sie Ihr Konstrukt nicht vergleichen, ganz besonders weil Kaltdächer eben auch hinterlüftet werden.
Dämmung gehört dicht an die Wand und Styropor nicht an ein Fachwerkhaus.

Grüße aus Schönebeck



Diesen...



3 cm Spalt würde ich auch als sehr kritisch ansehen.
"Mit dem Luftspalt der Schwammbildung vorzubeugen und dann ohne zusätzlicher Be-u.Entlüftung".
Das passt nicht zusammen!
Warum keine hinterlüftete Fassade und innen Strahlungsheizung ohne 14 cm Dämmzeugs!



Wenn die Dämmung hinterlüftet wird



entsteht zwischen Dämmung und Wand ein Hohlraum, an dem sich Tauwasser niederschlagen wird.
Um dieses zu vermeiden, müsste ein Vacuum geschaffen werden, was im allgemeinen an Häusern nie realisiert werden kann.

Somit schaffen Sie eine hinterlüftete Dämmung die nicht dämmt.

Grüsse



Wenn



die Dämmung hinterlüftet wird, spült die kalte Aussenluft zwischen Dämmung und Hauswand durch. Dann sind auch 50 cm Dämmstoff wirkungslos, weil Aussenwand immer noch kalt.
Bei Fachwerk gilt grundsätzlich:
-hohlraumfrei
-diffusionsfähig
-kapillar leitfähig
Damit fallen Schaumstoffe und Mineralwolle als Dämmung aus.
Es gibt genug zu diesem Thema hier, auch konkrete Aufbauten.
MfG
dasMaurer



Aufbau/Konstruktion



Berichtigung zu meinem Forum-Eintrag 148724 Fachwerk Vollwärmeschutz Fassade.

Luftspalt zwischen verputztem Fachwerk - VWS = ca 30 - 40 mm.

Dieser Luftspalt hat keinerlei Öffnungen zur Be und Entlüftung, da ansonsten die VWS Außendämmung wirkungslos oder gering wäre. Der ca 30 - 40 mm Luftspalt zwischen der derzeitigen Außenfassade und der neuen Außendämmung mit 14 cm VWS Polysterol Hartschaum Platten ist als Luftpolster ohne zusätzlicher Be- und Entlüftung zu verstehen.

Hierdurch soll vermieden werden: Rißbildung an der Außenfassade, Wasserkondensat am Holzwerk - Schimmel - Schwammbildung am Holzwerk.
Meines erachtens kann es nicht zu einer Kondenswasserbildung durch Wärme - Kälte im Luftspalt kommen, da der Taupunkt mitten in der Styropor Fassade sein dürfte. Auch ist der Polysterol Hartschaum nicht absolut Diffusionsdicht sondern Diffusionsoffen.
Man kann dies Prüfen mit einem Kochtopf mit kochendem Wasser, diesen dichtet man mit einer Styrodur Hartschaumplatte ab, Wasserdampf tritt aus.
Der Luftspalt könnte noch mit einer zusätzlichen losen Dämmschüttung verfüllt werden. Diese zusätzliche Dämmschüttung dürfte den Gesamtdämmwert weiter verbessern. Ob dies besser oder schlechter ist kann ich nicht beurteilen und wäre dankbar für weitere Kommentare hierzu. Man lernt niemals aus.





Rainer,

mein Segen bekommen Sie für diesen Mist nicht.



Grüße aus Schönebeck





Eigentlich lohnt es sich nicht, hier Experimente zu machen, da die bewährten und die problematischen Aufbauten bekannt sind. Ausserdem sind die von Ihnen offenbar bevorzugten Dämmstoffe Sondermüll.
Ein unbelüfteter Luftspalt in der Dämmung ist ein Konstruktionsfehler.





Denkt doch mal über eine Vorhangfassade nach.

z.B. so

Grüße aus Schönebeck


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oder so

Grüße aus Schönebeck


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Sytematische Zerstörung der Bausubstanz



Es tut mir Leid, aber ich muss Ihnen leider wiedersprechen.
Ihre Ausführungen mögen sich in der Theorie gut anhören, funktionieren aber in der Praxis nicht.

Da Mauerwerk und Holz ein unterschsiedliches Feuchte- und Diffusionsverhalten haben, wird der von Ihnen genannte Aufbau früher oder später Probleme bereiten.

Einfaches Beispiel, packen Sie ein halbes Brot in eine Plastiktüte und die andere Hälfte in eine Papiertüte.
Beides luftdicht verschliessen und nach ein paar Tagen oder Wochen kontrollieren. Hier werden Sie das in Zeitraffer die langfristigen Folgen an Ihrer Fassade sehen.

Was Sie schlussendlich tun ist Ihre Sache, aber der von Ihnen genannte Aufbau findet auch bei mir keine Zustimmung.

Grüsse



Genau



dieser Luftspalt schafft dem Schimmel einen ungestörten und geschützten Lebensraum.
Der wesentliche Kondenswasserausfall wird in diesem Hohlraum anfallen und dann, je nach Witterung an der Rückseite der Dämmung oder an der alten Fassade nach unten laufen. Eine permanente Durchfeuchtung des Fusspunkts ist damit sichergestellt. Merken werden Sie es naturlich erst, wenn die Schwelle soweit von Pilzen verfrühstückt wurde, dass es zu Setzungen kommt. Das Gebäude ist dann als einsturzgefährdet anzusehen und darf dann nicht mehr bewohnt werden. Aber bis dahin fröhliches Energiesparen ;-)).
MfG
dasMaurer



Luftspalt



Und mit dem Energieeinsparen wird das auch nix.
In dem Spalt stellen sich Konvektionsströme ein, die eingeschlossene Luft zirkuliert und transportiert dabei Wärme zum kalten Bereich.
Was glauben Sie eigentlich, warum in Dämmstoffen die Luft in möglichst kleinen Kammern eingeschlossen bzw. durch Wirrgelege an genau dieser Konvektion gehindert wird?

Viele Grüße



Kondensatbildung auf der Innenseite des Styrodurs



Hallo Herr Stoffel,

ich sehe das ähnlich wie meine Vorredner. Die Gefahr liegt bei der Kondensatbildung auf der Innenseite des Styrodurs. Auch eine Verfüllung des Spaltes mit einem Schüttgut wird hier keine Abhilfe schaffen, da die einmal ausgefallene Feuchtigkeit nicht mehr so einfach abgeführt werden kann. Bei etwa 3 cm Raum zum Verfüllen werden sich auch mit großer Wahrscheinlichkeit Hohlräume ergeben.

Es ist wie in Ihrem Kochtopfbeispiel: Die Feuchte hinter dem Styrodur kann dieses ausschließlich in der Dampfphase passieren und wird solange im Hohlraum verbleiben. Ein kapillarer Transport ist hier nicht mehr möglich. Eine wirklich funktionierende Dampfsperre nachträglich einzubauen ist im Übrigen keine Einfache Sache und gelingt erfahrungsgemäß selten. Spätestens wenn sich die Weichmacher der Folien eines Tages verflüchtigt haben ist die Sperre dahin.

Falls Bedarf besteht kann ich mir das Ganze mal ansehen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Irgendwann...



...relativ selten, dass sich die Fachleute



Da ist was falsch gegangen...



... ich wollten sagen, selten sind sich die Fachleute so einig wie nach Ihrer Fragestellung Herr Stoffel.
Langsam musste eigentlich der Groschen fallen.
Das Geld läßt sich besser investieren!



Verputzte Außendämmung



Hallo Rainer,
manchmal sind die Fachleute ja etwas grob in ihren Formulierungen. Aber ich finde auch dass sie recht haben.
Was spricht in diesem Fall gegen ökologische Dämmstoffe? Mir fallen da Weichfaserplatten von z.B: Gutex oder Pavatex ein. Es gibt da Systeme die auch verputzbar sind.Die Platten sind im Gegensatz zu den von Dir Beschriebenen dampfdiffusionsfähig. Wichtig ist dann noch, dass auch ein ebensolcher Putz draufkommt.
Gruß aus Nordvorpommern
Ralph Schneidewind