Sanierung bei Erhalt der Innenwand, Wandaufbau

21.05.2006



Mein Fachwerkhaus hat z.Z. folgenden Wandaufbau:
(von innen nach außen): Rigipsplatte 10 mm, Vertikallattung 28 mm, Dampfsperre (schwarze Pappe, stark beschädigt durch Elektroinstallationen), stabile Horizontallattung 60 mm dazwischen Glaswolle, Bimssteine, außen Münchner Rauhputz.

Die Holzbalken und damit die Gefachung müssen in größerem Stil ausgetausch werden und ich möchte dabei den Wandaufbau - bei Erhalt der Innenwand, das Haus ist bewohnt - wie folgt ändern:
Rigipsplatte 10 mm, Vertikallattung 28 mm, die Dampfsperre würde ich entfernen, die Horizontallattung bleibt dazwischen zunächst 10 mm Leichtlehmmörtel, 80 mm Holzfaserdämmplatte zwischen die Horizontallattung eingepasst, 20 mm Leichtlehmmörtel, 115 mm Leichtlehmsteine der Gefachung und dann außen Kalkputz. Das Ganze wäre zwar von außen eine ziemliche Bastelarbeit mit Zuschneiden der Dämmplatten und Einbettung der Wandbauteile in den Leichtlehmmörtel hätte aber den Vorteil, dass die Wärmedämmung gut sein dürfte bei gleichzeitiger Diffusionsoffenheit und Einbettung der Balken in Lehm.

Könnte das funktionieren oder bekomme ich Probleme bei der Austrocknung durch die Rigipsplatten (Schimmel?).

Was hält der Fachmann davon?



warum so kompliziert?



wenn die Außengefache wg.Holzarbeiten raus müssen, würde ich die guten,alten Bimssteine wieder reinmauern.
Dann würde ich mir in alller Ruhe Zimmer für Zimmer vornehmen:
1. Gipskarton-Lattung-Dampfpappe-Glaswolle raus
2. homogene Vormauerung z.B. mit 6cm oder 11,5 cm LehmLeichtbauplatten, Zwischenfüllung (krumme Wand?) mit LeichtlehmMörtel.
Weitere Alternativen gibt es viele. Die einfachste Lösung ist oft die Beste.
Wenn Sie im Haus ein Strahlungsheizsystem (z.B. Fußleistenheizung) haben, würde ich auf wärmedämmende Vorsatzschalen verzichten.



Auf die Wärmedämmung



dürfen und sollten sie natürlich nicht verzichten. Aber das ganze von außen durchzuführen halte ich nicht für durchführbar. Das Ergebnis wird schon deshalb nicht so toll sein, weil nicht alle wichtigen Punkte gut erreicht werden können. (frischen Lehm an eine Gipsplpatte bringen?)
Für die Dämmung auf jeden Fall Diffusionsberechnung anfordern.



3 Alternativen



Danke für die ersten Anworten!

Die saubere Lösung ist natürlich das von H. Schillberg vorgeschlagene Enfernen des Innenaufbaus und Neuaufbau mit Lehmleichtbauplatten (ist dies eine Holzfaserdämmplatte?). Bei Bimssteinen sollte ich da mit Kalkmörtel oder mit Leichtlehmmörtel arbeiten?

Möglichkeit 2 ist die "komplizierte" Lösung wie in der Ausgangsfrage geschildert als Kompromiss mit Erhalt der Innenwand(Küche, Bad, da wo es halt schwierig im Innenraum ist). Wobei ich zugebe, dass ich wahrscheinlich nicht in jede Ecke kommen werde. (zwischen Rigipsplatte und Holzfaserdämmplatte wäre da Kalkmörtel bzw. ein einfacher Fliesenkleber besser?) Lehm würde da wahrscheinlich nicht halten, andererseits muss er ja auch nicht. Die Stabilität kommt von der Rigipsplatte auf Lattung und dem Mauerwerk in der Gefachung.

Möglichkeit 3 ist (vor allem im Giebelbereich) eine Aussenwanddämmung. Kann ich dann den Innenaufbau mit Dampfbremse und Mineralwolle einfach lassen oder muß die trotzdem raus? Der Taupunkt ist dann doch in der Außendämmung und die entstehende Feuchtigkeit sollte doch i.d.R. nach außen diffundieren?



bei einer Außenwanddämmung



sollte die innere Dampfbremsfolie samt Mineralwolle,Gipskartonplatte raus,dann erst liegt der "rechnerische" Taupunkt außen in der Fassadendämmung.
Die guten Bimssteine können Sie gerne mit Lehmmörtel vermauern, ein guter Kalkmörtel(Reinkalk, ohne Zementzusätze) funtioniert auch.
Meines erachtens muß eine Außenwanddämmung überhaupt nicht sein, wenn Sie sich für ein Strahlungsheizsystem (Fußleistenheizung oder Temperierung) im ganzen Haus entscheiden. Die vorgeschlagenen 6 cm LehmLeichtbauplatten werden ähnlich wie großformatige Porenbetonplatten (z.B. Ytong) vors Fachwerk gemauert, der entstehende Zwischenraum wird mit erdfeucht-trockenem Leichtlehm verfüllt.



Ich möchte Herrn Schillberg



vorsichtig widersprechen:
- Den Rat grundsätzlich auf Dämmung zu verzichten, wenn man eine Fussleistenheizung einbaut halte ich für falsch. Die Fussleistenheizung verbessert zwar das Wärmeempfinden, Was natürlich in jedem Falle Sinn macht, kann aber einen Beitrag zur Energieeinsparung nur über eine evtl. niedrigere erforderliche Raumtemperatur leisten.
Darüber hinaus kann er die EnEv so nicht umgehen. Eine Verschlechtung der Dämmsituation ist grundsätzlich nicht erlaubt und eine Befreiung muss gut begründet (Denkmalschutz od. Unwirtschaftlichkeit) beantragt werden.
- Der rechnerische Taupunkt kann auch bei einer zusätzlich vorhandenen Innendämmung in der Außendämmung liegen. Es kommt auf das Verhältnis zwischen Innen- und Außendämmung an und sollte rechnerisch nachgewiesen werden.
Trotzdem bin auch ich der Meinung, dass es Sinn macht die Mineralwolledämmung zu entfernen und eine bessere Lösung zu suchen. Diese kann auch im Einbau von leichten Lehmbaustoffen liegen. Dann muss aber ein Nachweis über das Gesamtgebäude geführt werden. Ein Nachweis nach EnEV am Einzelbauteil dürfte so nicht machbar sein.



Gesetz und "Vernunft"!



Gesetz ist Gesetz!
Vernunft ist Vernunft!
... und irren ist menschlich ... sprach der Igel und stieg von der Bürste!

Es gibt so viele Gesetze und Gebote, die nicht nur der Vernunft widersprechen, sondern auch der tatsächlichen Bausubstanz Schaden zufügen - da kann man rechnen, glauben oder sich aufs Gesetz verlassen, dass die Macher der Gesetze auch das "Richtige" gemacht haben!

Dieser Schmarrn mit den Platten der Wolle und dem Zeug war vor Jahren noch "anerkannte Regel der Technik" - mittlerweile sind x - früher noch intakte Bauteile danan verreckt ... waren wir mal 5 Jahre ab oder 10 bis die ersten ENEV - Leichen angespült werden ... da bin ich gespannt, welche "Gesetze" dann propagiert werden!

FK



@ Florian Kurz



Zu Schade, dass sie immer alles in einen Topf werfen umrühren und hinterher feststellen, dass alles nicht funktioniert, ohne sich mit einzelnen Dingen zu beschäftigen und gute zeitgemäße Lösungen zu suchen. Hohe Energieverbräuche oder nur halb und unzureichend geheizte Häuser können die Lösung nicht sein.
So können sie keinem Laien wirklich weiter helfen und an der Gesetzeslage vorbei zu diskutieren macht auch keinen Sinn, schon gar nicht in der Beratung von Laien. Daraus könnte schnell ein Bumerang werden.



@Fred Heim



Sie schreiben: "Beratung von Laien"
Dazu:
1.: Forumsregel: "Bitte beachten Sie, dass alle Antworten als freie Meinungsäußerungen und nicht als Beratung angesehen werden müssen"
2.: Wider besseren Wissens werde ich nie etwas tun - auch wenn's in einem Gesetz stehen würde!

Wenn Sie denn schon "gesetzestreu" sind: Frage: Was machen Sie faktisch, wenn einem von Ihnen beratenen ENEV-Verwender das Haus nach 10 Jahren "absäuft"?

Das der Versicherung melden?
Der Bundesregierung schreiben?
Oder dem Bauherren vermelden, dass die Gewährleistung abgelaufen ist?

Wäre um eine kurze Antwort ganz froh!

Danke!

Falsche Heizung - falsche "Dämmung" - falscher Weg!?

Die Fa. XY wird Ihnen auch eine Innenwandkonstruktion mit Dampfbremse und den angegebenen Materialien ENEV-gerecht richtigrechnen!
Wenn dann was passiert gibt es doch die "Produkthaftung"!
Und der Handwerker oder der Bauherr haben das Malheur!

Na ja!

Wems gefällt! Mir nicht!

FK



kurze Antwort



1. Stimmt!
2. Das kann ich akzeptieren wenn die Konsequenzen getragen werden und die beteiligten Personen über die Gesetzeslage und über die Möglichkeiten dem Gesetz genüge zu tun informiert sind.
3. Die drei beschriebenen Möglichkeiten werden nicht erforderlich werden, denn ich bin davon überzeugt das "gesetzestreue" (komisch, dass dieses Wort in diesem Zusammenhang mittlerweile einen so faden Beigeschmack bekommen hat), ohne das die in den Fotos gezeigten Schäden eintreten werden, möglich ist.



Erhalt Fachwerk vs Wärmedämmung



Danke für die Hinweise, m.E. bringt die Diskussion den grundsätzlichen Konflikt zu Tage: Moderner Wohnraum muss ausreichend wärmegedämmt sein. Heizenergie wird mittelfristig nicht mehr billiger werden. Andererseits ist die Wärmedämmung eines Fachwerkhauses von der Bauphysik her schwierig/anspruchsvoll und mit Risiken verbunden.

Ich habe mich noch nicht entschlossen, aber ich werde mir auf alle Fälle eine Taupunktberechnung für die verschiedenen Varianten machen lassen. Falls die Ergebnisse gleichwertig sind werde ich an verschiedenen Teilen des Hauses die jeweilig passenste Variante wählen. 15 Jahre später bin ich dann klüger, welche Variante die bessere war.

Letzte Gewissheit gibt nur das Experiment ;-))